Heute letztes Einzelgespräch mit meinem Therapeuten. (Ja, kräftiges Schluchzen ist durchaus angemessen!)
Kurze Evaluation: Was war gut, was eher nicht? (Kamen mir doch tatsächlich erstmal ausschließlich positive Dinge in den Sinn?! Wo ist nur meine Negativität? Mein geliebter Nihilismus? Tzzz). Und auch nach längerem Überlegen sind mir lediglich zwei lächerliche Verbesserungsvorschläge eingefallen.
Aber wie es sich für einen ordentlichen Therapeuten gehört, liefert er mir prompt einen geradezu grandiosen Anlass zum Aufregen.
„Ich habe noch mal in Ihren Akten gelesen..."
„Und?"
„Die Sache mit dem Drogentest und dem Verdacht, der danach immer wieder im Raum stand.." (Nein. Bitte nicht. Nicht schon wieder. Ich hab da wirklich keinen Bock mehr drauf.)
„Ja?"
„Der letzte Test.. wir machen da ja immer abschließend noch ein Screening.. der hat angeschlagen." Ich brech zusammen. Innerlich.
[Tiefes Ein- und Ausatmen.]
„Auf was denn dieses Mal?"
„Blabla.. Kann ein Abbauprodukt von Blabla sein."
So. Das ist inzwischen die dritte Substanz, die sie mir unterstellen. Die Diskussion gabs auf Station zwischendurch immer mal wieder. Und immer dann, wenn ich dachte: Jetzt. Jetzt glauben sie endlich mir und nicht ihrem überlagerten Apotheken-Test.
(Erster obligatorischer Test, als ich ganz frisch angekommen war: Positiv. Ich bin verzweifelt, weil unschuldig, und verlange einen zweiten: Negativ. Komisch, innerhalb eines Tages hat sich das Zeug in meinem Körper in Wohlgefallen aufgelöst? Na zumindest meine Leber scheint ja tiptop zu funktionieren.)
Entschuldigung gabs natürlich keine. Lediglich die Bemerkung, dass da mit dem Test vielleicht doch etwas nicht gestimmt hat, nachdem man mir auf meine erste Ratlosigkeit zu verstehen gab, dass mit mir was nicht stimmt..
Ich dachte, damit sei die Sache abgehakt. Ha! Nicht doch.
Ich glaube, insgesamt vier Mal, schön verteilt über die fünf Monate, hat mich der Stationsarzt zu sich bestellt, um mein Drogenproblem mit mir zu besprechen. Nicht aufgrund weiterer Tests, nein.. weil ich manchmal so abwesend gewirkt habe.. dann wieder unpassend euphorisch.. (Ich bin in der Klapse! Wo, wenn nicht da, verhält man sich wie ein Idiot?).. und dann sei da ja das positive Ergebnis vom Anfang gewesen.. (Ach. Und das negative?).
Abgesehen von der Tatsache, dass ich von dem Dreck nichts halte, wüsste ich, selbst wenn ich wollte, überhaupt nicht, wo ich das herkriege?! Aber das ist aus der Angeklagten-Position heraus natürlich kein Argument.
Nach dem letzten Versuch, meine Unschuld zu beteuern, hatte ich beschlossen, mich gleichgültig meinem Schicksal zu fügen. Ob nun Psycho oder Junkie, scheiß drauf.
Bis heute.
Gleicher Test, anderer Stoff. (Immer derselbe Kick wär ja langweilig!)
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass der gute Mann Psychologe und kein Arzt ist, aber er war tatsächlich der Ansicht, dass diese Billig-Tests (Die richtigen, die mit Blut und Labor und Leuten, die davon Ahnung haben und so, sind nämlich - hui - ganz schön kostspielig) im Grunde nichts taugen, weil sie zu häufig falsch positiv ausfallen...
Er hielt es also offensichtlich für möglich, dass ich ein aufrichtiges Persönchen, und kein kiffender Kokser mit Nadel im Arm bin, und hat mir versichert, dass von diesem ganzen Mist nichts im Abschlussbericht stehen wird. Na sehr beruhigend.
Aber noch ist nicht Freitag. Noch ist genügend Zeit, mich mit einem verständnisvoll milden Lächeln beiseite zu nehmen..
„Frl. D., mir ist da was aufgefallen.. wie kommt es eigentlich, dass sie so viel lachen in letzter Zeit?"