Zwischenwelt(en)

18.05.2007 um 16:03 Uhr

Merke!

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Nach dem Lackieren mit weißer Farbe im Freien nicht wie eine Besessene nach drinnen rennen!
Retinal isomerisiert schneller, als man gucken kann (Ha! Wortspiel!), aber reisomerisiert langsamer, als man denkt,
und Schrankecken sind als solche nicht unmittelbar zu erkennen.

17.05.2007 um 21:44 Uhr

Merke!

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Japanisches Heilpflanzenöl nie mehr als Badezusatz verwenden! Auch nicht nur fünf Tropfen.
Die Wanne dampft fröhlich vor sich hin, während sich die Haut anfühlt, als läge man in Eiswasser.
In Zukunft wieder Grippostad, und gut is.

15.05.2007 um 20:51 Uhr

Was ich mich schon oft gefragt habe

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Warum um alles in der Welt sprechen sämtliche Bahnhofsansager und -innen eigentlich immer in so nem beschissen unnatürlichen Rhythmus?

*Knirsch*
SehrgeehrteFahrgäste aufGleisEins hatEin - fahrtder Eu - rocity aus Hammmburg Altona zurWeiterfahrtnach Münnnchen Haupt-bahn-hof. BitteVooorsichtan - der Bahnsteig - Kante und beiEin - fahrt des-Zu-ges. Plaaanmäßige Ab-fahrt-zeit issst SiiiiebzehnUhr - dreißig. *Knirsch*

Hatte heut wieder das Vergnügen.. Egal, wo man ein-, um- und aussteigt: Dieselbe gelangweilte Leierei. Ichversteeeh das-nicht.

11.05.2007 um 17:12 Uhr

Ich bin geheilt!

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Offiziell seit 14.52 Uhr. Da verließ ich mit meinem Entlassungsbrief und vielen guten Wünschen den Zauberberg und stieg sozusagen nach Davos Dorf hinab. Nicht, um dann in den Krieg zu ziehen, sondern vielmehr um meinen Frieden zu verteidigen. Gell, Herr Castorp, da bin ich doch klüger?! 
Ein halbes Jahr. Nicht einfach, aber gut.
Und trotzdem. Selbst lachende Abschiede sind hochgradig sentimentalitätsfördernd.

 

09.05.2007 um 21:50 Uhr

Die Angeklagte wird freigesprochen. Vorerst.

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Heute letztes Einzelgespräch mit meinem Therapeuten. (Ja, kräftiges Schluchzen ist durchaus angemessen!)
Kurze Evaluation: Was war gut, was eher nicht? (Kamen mir doch tatsächlich erstmal ausschließlich positive Dinge in den Sinn?! Wo ist nur meine Negativität? Mein geliebter Nihilismus? Tzzz). Und auch nach längerem Überlegen sind mir lediglich zwei lächerliche Verbesserungsvorschläge eingefallen.
Aber wie es sich für einen ordentlichen Therapeuten gehört, liefert er mir prompt einen geradezu grandiosen Anlass zum Aufregen.
„Ich habe noch mal in Ihren Akten gelesen..."
„Und?"
„Die Sache mit dem Drogentest und dem Verdacht, der danach immer wieder im Raum stand.." (Nein. Bitte nicht. Nicht schon wieder. Ich hab da wirklich keinen Bock mehr drauf.)
„Ja?"
„Der letzte Test.. wir machen da ja immer abschließend noch ein Screening.. der hat angeschlagen." Ich brech zusammen. Innerlich.
[Tiefes Ein- und Ausatmen.]
„Auf was denn dieses Mal?"
„Blabla.. Kann ein Abbauprodukt von Blabla sein."
So. Das ist inzwischen die dritte Substanz, die sie mir unterstellen. Die Diskussion gabs auf Station zwischendurch immer mal wieder. Und immer dann, wenn ich dachte: Jetzt. Jetzt glauben sie endlich mir und nicht ihrem überlagerten Apotheken-Test.
(Erster obligatorischer Test, als ich ganz frisch angekommen war: Positiv. Ich bin verzweifelt, weil unschuldig, und verlange einen zweiten: Negativ. Komisch, innerhalb eines Tages hat sich das Zeug in meinem Körper in Wohlgefallen aufgelöst? Na zumindest meine Leber scheint ja tiptop zu funktionieren.)
Entschuldigung gabs natürlich keine. Lediglich die Bemerkung, dass da mit dem Test vielleicht doch etwas nicht gestimmt hat, nachdem man mir auf meine erste Ratlosigkeit zu verstehen gab, dass mit mir was nicht stimmt..
Ich dachte, damit sei die Sache abgehakt. Ha! Nicht doch.
Ich glaube, insgesamt vier Mal, schön verteilt über die fünf Monate, hat mich der Stationsarzt zu sich bestellt, um mein Drogenproblem mit mir zu besprechen. Nicht aufgrund weiterer Tests, nein.. weil ich manchmal so abwesend gewirkt habe.. dann wieder unpassend euphorisch.. (Ich bin in der Klapse! Wo, wenn nicht da, verhält man sich wie ein Idiot?).. und dann sei da ja das positive Ergebnis vom Anfang gewesen.. (Ach. Und das negative?).
Abgesehen von der Tatsache, dass ich von dem Dreck nichts halte, wüsste ich, selbst wenn ich wollte, überhaupt nicht, wo ich das herkriege?! Aber das ist aus der Angeklagten-Position heraus natürlich kein Argument.
Nach dem letzten Versuch, meine Unschuld zu beteuern, hatte ich beschlossen, mich gleichgültig meinem Schicksal zu fügen. Ob nun Psycho oder Junkie, scheiß drauf.
Bis heute.
Gleicher Test, anderer Stoff. (Immer derselbe Kick wär ja langweilig!)
Ich weiß nicht, ob es daran liegt, dass der gute Mann Psychologe und kein Arzt ist, aber er war tatsächlich der Ansicht, dass diese Billig-Tests (Die richtigen, die mit Blut und Labor und Leuten, die davon Ahnung haben und so, sind nämlich - hui - ganz schön kostspielig) im Grunde nichts taugen, weil sie zu häufig falsch positiv ausfallen...
Er hielt es also offensichtlich für möglich, dass ich ein aufrichtiges Persönchen, und kein kiffender Kokser mit Nadel im Arm bin, und hat mir versichert, dass von diesem ganzen Mist nichts im Abschlussbericht stehen wird. Na sehr beruhigend.
Aber noch ist nicht Freitag. Noch ist genügend Zeit, mich mit einem verständnisvoll milden Lächeln beiseite zu nehmen..
„Frl. D., mir ist da was aufgefallen.. wie kommt es eigentlich, dass sie so viel lachen in letzter Zeit?"

 

02.05.2007 um 17:02 Uhr

Wehe, wenn sie losgelassen..

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Die therapeutisch verordneten Impulse nämlich. Kaum lasse ich mich (ganz nach Vorschrift!) ein wenig gehen, sitze ein paar Augenblickchen länger vor dem Rechner und schlafe mit den Spätnachrichten ein, hält das Chaos mit fröhlichem Trara Einzug (Ich hab's doch gesagt, Herr R.!)
Heute.
Obligatorisches Weckerklingeln: 05.40 Uhr. Kein Grund zur Panik, ich kann mich getrost noch zwei, dreimal umdrehen. Bei viermal wird's eng, fünfmal ist ganz schlecht.
Tatsächlich werden es wohl sechs gewesen sein, ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass ich seit zwanzig Minuten in der Bahn sitzen müsste. Scheiße! (Ja, fluchen Sie ruhig auch gelegentlich!)
In einer halben Stunde erledige ich alles, wofür ich sonst ne ganze brauche. Auf Kaffee, Cornflakes und Kippe muss ich allerdings verzichten.
Ich eile zur Haltestelle.. keine Bahn zu sehen. Mir auch recht. Kann ich in Ruhe meine Ohren mit Musik versorgen und die versäumte Zigarette nachholen. Batterie vom MP3-Player leer. Ich merke, wie langsam ein Wütchen in mir aufsteigt. (Gut so! Auch mal negative Emotionen zulassen!)
Hastig fingere ich in meiner Tasche nach den Zigaretten... und zerbreche erstmal eine von den letzen zwei mir verbliebenen. Dreckstag!
Mit der Last meines ach so schweren Schicksals falle ich in den Straßenbahnsitz und versinke in wohltuendem Selbstmitleid. Ungefähr für die Dauer von sieben Stationen.
„Aufgrund eines Rettungseinsatzes kann auf dieser Linie vorerst nicht verkehrt werden. [Pause] Wenn sie aussteigen möchten?!" Und was, wenn ich nicht möchte?
Gebe mich kurz der Vorstellung hin, einen Aufstand anzuzetteln, füge mich letztlich doch dem Herdentrieb und trete inmitten einer Traube telefonisch um Vergebung bettelnder Arbeitnehmer den unvermeidbaren Fußmarsch an.
Gefühlte fünfundzwanzig Kilometer später erreiche ich endlich eine Haltestelle, an der auch prompt ein Bus in meine gewünschte Richtung fährt. (Verleihen Sie ihrer Freude ungehemmt Ausdruck!)
Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung schlage ich also auf dem Zauberberg auf, und habe tatsächlich nur die Morgenrunde verpasst. Naja, wird schon nicht so tragisch sein. Was steht denn als nächstes auf dem Therapieplan? Plan? Sämtliche Hosen-, Jacken- und Handtaschen durchwühlt... Nichts. Ich bin planlos! (Vertrauen Sie darauf, dass Ihnen im entsprechenden Moment schon das richtige einfällt. Lassen Sie die Zügel ruhig etwas lockerer!) Zum Wütchen gesellt sich Zörnchen.
„Frau D., haben Sie jetzt nicht Einzelgespräch? Ich glaube, Herr R. wartet schon!" ruft mir die Schwester auf dem Gang hinterher, als ich mir gerade einen Kaffee holen will. „Wie... jetzt? Gleich?" Gut. Dann kein Kaffee. (Flexibilität ist das Zauberwort!) Stelle ich eben stattdessen den Rekord im kürzesten Gespräch ever auf.
„Mir geht's gut Herr R.. Meinetwegen (keuch) können Sie ihre Zeit auch sinnvoller nutzen" Er zögert. „Wenn ich jetzt ‚ja' sage, impliziert das, dass mir die Arbeit mit Ihnen unwichtiger ist... und das wiederum könnten Sie auch als Abwertung auffassen. Also.." „Aber ich hab Ihnen doch den Vorschlag gemacht. Glauben Sie mir, mein Selbstwertgefühl ist stabil genug, da keine Zurückweisung hinein zu interpretieren." „In Ordnung. Im Grunde sind wir ja tatsächlich fertig." (Ha! Erwischt! Du denkst also auch, dass mir nicht mehr zu helfen ist!) „Fein. Dann schönen Tag noch."
Nachdem ich im Anschluss Frl. Fortuna mal gehörig ins Gebet genommen habe, verliefen die restlichen Stunden wieder gewohnt urlaubsmäßig und ohne nennenswerte Zwischenfälle.
Ein bisschen malen, ein bisschen sonnen, ein bisschen Smalltalk - alles also, was Madame zur psychischen Gesundung verhilft. Schön. Da steht ja auch dem anstehenden Grillabend im Park nichts mehr im Wege..
 

01.05.2007 um 00:50 Uhr

Erfreuliche Wendung

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Na wer hätte das gedacht. Damit abgefunden, eiskalt versetzt worden zu sein, wollte ich mich gerade schluchzend in meine Kissen werfen, als mich das Telefon unvermittelt aus meinem zelebrierten Weltschmerz herausreißt.. H.. Sieh an. „Nak Nak.. Ich komm Dich holen!" Natürlich. Als hätte ich den ganzen Abend ausgerechnet auf ihn gewartet. Als würde ich auf Abruf bereitstehen und sofort springen, wenn der Herr plötzlich Zeit hat. Pah!
Selbstverständlich ziehe ich umgehend die Pantöffelchen an, setze mich in den Flur und warte auf das Klingeln, das meinem Abend einen Sinn verleiht.
Schnell Despo besorgt, den nahen Park aufgesucht, geschwatzt, zu Mäcces gefahren, geschwatzt ... schön wars.
Vor allem weil lange nicht mehr gemacht.
Viele Gedanken, die mir heut im Laufe des Tages gekommen sind. Bald fühl ich mich erleuchtet, ich sehs schon kommen.

So. Nu kann ich aber schlafen. Gute Nacht!

30.04.2007 um 17:14 Uhr

Anstalts-News

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Im Grunde gibt es vom heutigen Tag nichts wirklich aufregendes zu berichten. Aber ich machs trotzdem. Des guten Willens wegen. Und außerdem soll ich mal wieder meinen spontanen Impulsen nachgeben und somit meine Kreativität fördern, was aufgrund Ereignismangels in etwa dem „Aus Scheiße Bonbons machen" gleichkommt.
Was also hab ich die acht Stunden auf dem Zauberberg getrieben? (Erwähnte ich, dass die Klinik tatsächlich ein Stück oberhalb der Stadt liegt?)
Morgenrunde.
Patienten - Personal - Verhältnis: Fünf zu vier. Irgendwie fühle ich mich angesichts dieser geballten Kompetenz gehörig unter Druck gesetzt. Ich berichte von meinen zahlreichen Wochenendaktivitäten: „Rumsielen. Ausruhen. Entspannen." Man nickt wohlwollend und wendet sich dem nächsten Patienten zu.
Frühsport.
Fällt aus wegen Wanderung.
Wanderung.
Ich geh nicht mit. Bereite mich stattdessen auf mein Einzelgespräch vor. So die offizielle Version. Tatsächlich trainiere ich mit einem Mitpatienten das allgemeine Länder-Hauptstädte-Wissen in Form von Listen, die wir uns gegenseitig abfragen. Hängen geblieben sind davon zumindest Georgien, Aserbaidschan, Malaysia, Belize und noch einige mehr. Ghana zum Beispiel.
Einzelgespräch.
Keine bahnbrechenden Erkenntnisse. Dafür Beleuchtung der Arbeit mit meinem stationären Therapeuten. Und die angenehme Erleichterung, dass sich selbst promovierte Psychologen über einen Umstand einfach nur wundern können, ohne ihn zwanghaft erklären zu müssen.
Linsensuppe.
Wegen Einzelgespräch kalt geworden.
Ausgiebig auf der Terrasse Pigmente haschen.
Währenddessen musikalischer Ausflug in vergangene Stimmungen. Das muss Einstein mit seiner Relativität von Zeit und Raum gemeint haben. Die Zeiten sind längst vorbei, aber es bedarf geringer Mühe, sie im Hier und Jetzt wieder realistisch erfahrbar zu machen. Das menschliche Gehirn ist einfach anbetungswürdig. Und wenn man bedenkt, was wir mit diesem Ding alles nicht begreifen, entpuppt sich die Welt als riesengroßer mystischer Spielplatz.
Zweite Runde Hauptstadtfragerei.
Diesmal allerdings mit wild assoziierten Eselsbrücken. Sämtliche neuronalen Netzwerke laufen auf Hochtouren, und es fühlt sich verdammt gut an, so frei denken zu können. Klingt komisch, is aber so.
Feierabend.
Wenn H. sich endlich meldet, steht dem abendlichen Freiluftbier nichts mehr im Wege.

 

28.04.2007 um 20:43 Uhr

Psychotrommeln

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Samstag. Endlich mal wieder Zeit nur für mich. Und ich bin viel zu tranig, um die wirklich genießen zu können. Gnarf.
Heut morgen nach aufdieminutegenau vierundzwanzig Stunden auf den müden Füßen ins Bett gefallen und satte fünf Stunden durchgeschnarcht. Huh! Enorm.
Und trotzdem ein gerüttelt Maß an Haushaltsangelegenheiten geschmissen (vierte Maschine läuft noch), nebenher Nahrung beschafft und musikalisch was fürs gebeutelte Gemüt getan. Telefoniert, A.s Pflanzen gepflegt und mehrfach die Klamotte gewechselt hab ich außerdem. Und wenn ich dann noch mein Bett mit neuem Überzug versehen hab (was in der nächsten Stunde geschehen wird), darf der Sandmann gern über die Schwelle springen und mir ne Ladung Schotter ins Gesicht werfen. Bis dahin erzähle ich einfach vom vergangenen Donnerstag.
Nun, das war so. Um mein Leben nicht nur neuen Anstrich, sondern ne gründliche Vollsanierung zu verpassen, bin ich emsig dabei, meine Woche mit festen Terminen voll zu stopfen, die mich zwingen -oho- mein Nest zu verlassen und mich auf Teufelkommraus neuen Eindrücken auszusetzen. So geschehen also am Donnerstag.
Ich bin jetzt Trommlerin! Für drei Ex-Verrückte und mich begann vorgestern ein zwölf - mal - fünfundvierzig - Minuten - Exkurs ins Reich der afrikanischen Rhythmen.
Mit angolanischer Gelassenheit (und ner Verspätung außerhalb des akademischen Viertels) begann unser Kursguru die Stunde mit kurzen Erklärungen der verschiedenen Djembé, zeigte einmal „Bass, Slap, Tap" (Der kleine Narzisst in mir hat sich vor lauter Erfolgsdruck „Und wehe das klappt nicht auf Anhieb!" bald ins Hemd gemacht) und schon gings los.
Mit uns im Raum saßen aufgrund von Gruppenverplanung noch vier nette Leute, die den Kurs inzwischen zum dritten Mal machen, und erduldeten brav die Anfängerübungen.
Erst ganz langsam, bis jeder die verschiedenen Rhythmen halbwegs drauf hatte. Doch es dauerte nicht lang, da wurde das Ganze schneller und schneller und vor allem lauter und der ganze Raum war nur noch Bass, Bass, Slap, Bass (Und vor allem Bass!), der Schrank vibrierte, der Guru sang mit und ich kam mit dem Denken und bewussten Koordinieren gar nicht mehr hinterher. Da haben sich meine Hände kurzentschlossen selbständig gemacht, und -oh Wunder- so ganz ohne mich den Takt gehalten. (Narzisschen noch nachträglich zufrieden!) Irgendwie tobte das alles wildharmonisch in mir herum und... passte ganz einfach! Ein derartiges Gefühl hätte ich in der ersten Stunde nun wirklich nicht erwartet, und deshalb war es auch eine Spur beängstigend. Aber irrsinnsgroßartig.
Dann war die Zeit plötzlich um. Die Arme taten weh, der Kopf drehschwindelte, und wie vier bekiffte Engel sind wir nach Hause geschwebt, haben kaum ein Wort gewechselt, um uns irgendwann vorfreudig zu verabschieden: „Nächste Woche um sechs?" „Nächste Woche um sechs!"

25.04.2007 um 20:56 Uhr

Die Kurzfassung

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

06.00
Or nöö, bitte nicht!
07.20
Klapsenkaffee. Ausnahmsweise wirklich angemessen stark.
07.42
Das Therapeutenteam beliebt zu scherzen und überrascht zur Morgenrunde mit neuer Sitzordnung.
08.37
Frühsport. Mit auffallend geringer Beteiligung. Sowas aber auch.
09.00
Frühstück. Keine Erdbeermarmelade. Ich brauche ein Einzelgespräch!
09.31
Einzelgespräch.
Themen: Wer hat das Penicillin entdeckt, wie heißt das israelische Parlament und wann flog der erste Sputnik ins All?
Außerdem: Rationalität mit Emotionalität kreuzen! Das macht den Weg frei für Barmherzigkeit. Oder so ähnlich.
10.15
Kunsttherapie. (Siehe 18.04.2007). Kleine Abweichung: Den Schnipsel sucht jemand anderes für mich aus. Kein Hundertwasser, aber trotzdem spontan ansprechend.
10.51
Das israelische Parlament hängt mir noch gewaltig nach. An künstlerische Betätigung ist irgendwie nicht zu denken. Ich gehe eine rauchen und bin pünktlich zur Bildbesprechung zurück. Viel zu sagen hab ich allerdings nicht.
11.45
Noch eine rauchen. Auch der Sputnik macht mir zu schaffen.
12.30
Seelachsfilet mit Kartoffeln und Soße.
12.50
Yann Tiersen so laut es geht.
Der ganze Zauberberg da oben fühlt sich inzwischen wie eine große Sippe an. Kaum einen Schritt, den man geht, ohne jemanden zu grüßen. Unheimlich.
14.30
Endlich Kaffeepause. Vor lauter grüßen vergisst man glatt das Wesentliche.
14.40
Wiederkehrer überflüssigerweise willkommen heißen.
Über „alte Zeiten" plaudern. Feststellen, dass es nicht immer gute waren.
15.33
Beinahe den Feierabend verpasst. Nun aber husch.
16.02
Versuch, das „Leben danach" zu regeln.
In der Summe kann ich einen dreiviertel Punkt von der to-do-Liste streichen, lobe mich trotzdem.
17.30
Mit ner „Ehemaligen" im Biergarten auf ne Apfelschorle getroffen. Die Realität ist anstrengend, das ist ihr anzusehen. Wir halten das Treffen kurz.
19.00
Mitbewohner A. erzählt mir ohne Punkt und Komma von seinem Tag. So überdreht hab ich ihn selten gesehen. Ich will höflich sein und bleibe sitzen. Ertappe mich dabei, den gedanklichen Sputnik zu mimen.
20.00
Vollkornbrot mit Käse.
20.34
Warten auf die Nacht. Akku leer, und ich weiß nicht mal wovon.

 

 

23.04.2007 um 20:55 Uhr

Da war ja noch was..

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Das heutige Gespräch mit meinem Therapeuten war wieder mal sehr vergnüglich.
Erstens:
War er sehr begeistert von meinem Gemütszustand. Für ihn sei sogar ne Entwicklung über die letzten zwei Wochen sichtbar. (Ich sehe was, was du nicht siehst? Na meinetwegen)
Zweitens:
Da ich (Zitat) „nicht mehr patientig" (ein gigantisch schönes Wort, wie ich finde) sei, wisse er auch gar nicht so richtig, worüber wir noch reden könnten. (Na prima! Dann schweigen wir uns die verbleibenden 5 Sitzungen doch einfach an. Ist immerhin auch Training!)
Drittens:
Gute Prognose. An biologisch relevanten Faktoren bringe ich alles mit, was ein Rezidiv unwahrscheinlicher macht.
Viertens:
Hab ich dank seiner sprühenden Phantasie eine Idee für meine Diplomarbeit.
Fünftens:
Therapeutischer Auftrag: Kalender besorgen. Wurde umgehend erledigt. (Und es ist wirklich nicht leicht, im fortgeschrittenen Jahr noch einigermaßen ansehnliche UND brauchbare zu finden)
Sechstens:
Hab ich die Erlaubnis, weiterhin To-do-Listen führen zu dürfen.

 

17.04.2007 um 19:56 Uhr

Ich liebe meinen Therapeuten!

von: Discovery   Kategorie: Außenwelterleben

Na? Reißerischer Titel, was?
Eigentlich ist es so, dass ich nicht ihn liebe, sondern die Arbeit, die er macht. Und im Grunde auch nicht die Arbeit als solches, sondern wie er sie macht. Und lieben ist vielleicht auch das falsche Wort. Ich bin begeistert davon. So. Jetzt ist von der Überschrift nichts mehr wirklich wahr. Macht aber nichts.
Wie kommt's denn, dass ich so enthusiasmiert (Synonymwörterbuch!) bin? Ich glaube, ein großer Teil liegt darin begründet, dass mir der Mann nicht das Gefühl gibt, mit einer programmierten Fassade zu sprechen. Der spricht sogar zurück! Provoziert ohne wertend zu sein. Ist kreativ und spontan, erweckt aber nicht den Eindruck plan- und ratlos zu probieren, nur um das Probieren auf seiner To-do-Liste abhaken zu können.
Ein Beispiel?
Ganz grob gesagt ging es heute um das Thema gebremste Spontaneität. Hemmungen in Situationen, die an und für sich keiner Hemmung bedürfen, bzw. nicht in diesem Ausmaß, das ich mitunter an den Tag lege. (Na, jetzt werde ich aber sehr persönlich, wie?).
Und wir waren gerade so am überlegen und theoretisieren, wie man derartige Gewohnheiten überwinden könnte und was beispielsweise in dem therapeutischen Rahmen möglich wäre, als der gute Mann unvermittelt seine Füße auf den Tisch zwischen uns legt (Um Gottes Willen, die Tischdecke!), mich anguckt und fragt, ob ich nicht Lust hätte, es ihm gleich zu tun... sei ja auch viel bequemer (haha!).
Ich gebe zu, kurz überlegt zu haben. Aber dann, zack, Füße hoch (Tischdecken kann man schließlich waschen), und dann saßen wir da rum, redeten munter weiter, ich musste feixen, Experiment gelungen.
Später unterhielt er sich in einem Rollenspiel mit meinem „schwarzen Ich" (Jetzt wird's noch persönlicher, autsch!), als würde ich, also ich als herkömmliches Ich (nein, ich bin nicht multipel!) einfach nur als Raumschmuck dabei sitzen und nichts zu sagen haben. Das war ungewohnt, schwierig, aber aufschlussreich.
Diese winzigen Episoden minimaler Unkonventionalität haben mich vermutlich deshalb so beeindruckt, weil ich es von meinem stationären Therapeuten monatelang gewohnt war, zum fixen Termin in ein enges Zimmerchen bar jeder persönlichen Atmosphäre zu gehen, mich dort an/hinter/neben einen rosabedeckten Tisch zu zwängen, um dann in einem mitunter krampfigen Monolog diverse Themen anzureißen, die oftmals irgendwo in den Akten verschwanden, ohne sie wirklich befriedigend bearbeitet zu haben. Ok, Ich bin ungerecht und unterschlage die Fortschritte, die ich mit ihm ja durchaus gemacht habe. Aaaaber, ich komme einfach nicht umhin zu sagen: Ich bin wirklich hin und weg... und sowas von zuversichtlich, Halleluja.