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Pressemitteilung des Arbeitskreises gegen Studiengebühren an der Universität Duisburg-Essen, Campus Duisburg
Besetzung des Universitätsrektorats in Duisburg und Essen.
Studierende der Hochschule besetzten heute mittag, parallel zur
Landesweiten Demonstration gegen Studiengebühren in Essen, um ca. 15
Uhr friedlich die Rektorate an den Campi Duisburg und Essen.
Der Protest richtet sich gegen die geplante Einführung von Studiengebühren an der Universität Duisburg-Essen.
Das Ziel der Besetzung ist die Aussprache des Rektorats gegen die
Einführung von Studiengebühren, wie es bereits an der FH Dortmund geschehen ist.
Dazu AK-Sprecher Sven Rheinfeld: “Das Recht auf Bildung steht jedem
Menschen zu, unabhängig von seiner/ihrer finanziellen Lage.
Da Rektor Prof. Dr. Zechlin sich nicht gegen Studiengebühren
ausgesprochen hat, ist dieser Schritt leider notwenig geworden. Wir
Studierende werden um unser Recht auf kostenlose Bildung kämpfen“.
Die Studierenden kündigten weiteren vielfältigen Widerstand an.
Forderungskatalog:
Die an den Rektor Prof. Dr. Lothar Zechlin überreichten Forderungen der
Studierenden lauten:
1. Wir fordern ein gebührenfreies Studium
Bildung ist ein öffentliches Gut, welches auch weiterhin öffentlich
finanziert werden muss.
Der Staat kann und darf sich nicht aus seiner
Verantwortung stehlen und die universitäre Bildung den
Wettbewerbsmechanismen ausliefern. Genau dieses versucht aber die
Regierung, indem sie der Hochschule das Recht auf Erhebung von
Studiumgebühren einräumt.
Dies hat den Effekt, dass die gesamte finanzielle Last langfristig auf
den Einzelnen projeziert wird, obwohl die gesamte Gesellschaft vom
erlangten Wissen profitiert. Außerdem stellt die Bildung die
Grundvoraussetzung für einen kritischen und verantwortungsvollen Dialog
dar, welcher erst einen demokratischen Staat ermöglicht.
2. Wir fordern Chancengleichheit in allen Bildungsbereichen
Wir lehnen es ab, Menschen auf Grund mangelnder finanzieller
Leistungsfähigkeit vom Studium auszuschließen, da diese ein Studium
(von Wissen) gegen den Preis einer zukünftigen Verschuldung aufnehmen
müssen.
Wirkliche Chancengleichheit ist somit nicht mehr gegeben.
Schon heute liegt der Anteil der Studierenden aus sozial schwachen
Schichten lediglich bei ca. 12 % (Quelle: Deutsches Studentenwerk/Bildungsminiterium-17. Sozialerhebung), d.h. dass soziale
Selektion schon heute stattfindet. Den Entschluss seinen geistigen
Horizont zu erweitern muss von jeder/jedem unabhängig seiner/ihrer
finanziellen Grundlagen getroffen werden können. Dies wird aber durch
die Einführung von Studiengebühren massiv behindert.
3. Wir fordern eine nachhaltige Bildungspolitik
Laut OECD gibt es in Deutschland zu wenig Akademiker. Hinsichtlich der
demographischen
Entwicklung (Rückgang der Geburtenrate), ist die derzeitige
Bildungspolitik der Landesregierung verheerend und steht im Widerspruch
zur Forderung nach mehr und besser ausgebildeten Akademikern.
Wir können es uns nicht länger leisten, Kinder aus einkommensschwachen
und bildungsfernen Schichten von den Hochschulen auszuschließen, die
von den Studiengebühren vom Studium abgeschreckt werden.
Die Bundesrepublik Deutschland, eines der wirtschaftsstärksten Länder
der Welt, investiert seit 1993 stetig weniger in den Bildungssektor,
obwohl das Bruttoinlandsprodukt in dieser Zeit immer weiter gestiegen
ist. Jetzt
belegt die BRD mit ihren Ausgaben für Bildung im internationalen Vergleich der Industriestaaten einen der hinteren Plätze.
Außerdem ist zu beachten, dass die Privathaushalte schon jetzt enormen
Beitrag zur Studienfinanzierung leisten.
Zur langfristigen Verbesserung der Lehre ist ein besserer Kontakt
zwischen den Lehrenden und den Studierenden nötig, der nur im Rahmen
eines günstigeren Betreuungsverhältnisses gewährleistet werden kann.
Außerdem fordern wir Prof. Dr. Lothar Zechlin - als Rektor der Universität Duisburg-Essen - dazu auf, sich eindeutig gegen Studiengebühren auszusprechen.
Wir solidarisieren uns mit allen Gruppen die sich gegen soziale
Benachteiligung wehren und rufen alle KommilitonInnen der Universität
Duisburg-Essen dazu auf, sich den bundesweiten Protesten anzuschliessen.
Bildung
und soziale Gerechtigkeit sind die wichtigsten Fundamente unserer
zivilisierten Gesellschaft und dürfen nicht weiter aufgebrochen werden.