Chronik der Besetzung
Donnerstag 23.
Juni:
Um 15 Uhr haben wir mit 25 Leuten, zeitgleich mit der Abschlusskundgebung der Demo in Essen, das Rektorat gestürmt.
Jeweils 10 Leute besetzten die Räume der 1. und 2. Etage,
während der Rest durchs Haus ging, Transparente aufhing und die
Mitarbeiter der übrigen Etagen, insbesondere die Sekräterin
des Rektors, darüber informierten, dass das Rektorat nun besetzt
ist.
Die Mitarbeiter, die zum größten Teil ihre
persönliche Solidarität mit unseren Protesten bekundeten,
konnten unter Begleitung studentischer Gitarren- und Trommelmusik bis
zum Dienstschluss weiterarbeiten.
Das Prüfungsamt wurde
jedoch ausdrücklich von der Besetzung ausgenommen und der Zugang
für alle gewährt.
Als die letzten Mitarbeiter das
Gebäude verließen wurde dafür gesorgt, dass von nun
an unerwünschten Besuchern der Zugang zu den Räumlichkeiten
des Rektorats und der Verwaltung ab der 1. Etage verwehrt bleibt. Um
19 Uhr begann dann das Soli-Grillen auf der Wiese vor dem Rektorat
bei dem sich mehr als 100 Menschen zusammenfanden und die
Rektoratsbesetzung bei gutem Wetter und guter Stimmung bis zum
Sonnenaufgang feierten.
Freitag 24.
Juni:
Um halb sieben erschienen die ersten Mitarbeiter, die entweder
noch nichts von der Besetzung erfahren hatten oder nicht an unsere
Konsequenz geglaubt haben, und versuchten das Rektorat zu betreten.
Nachdem Jeder ein bisschen geschmunzelt hatte versuchten einige
Mitarbeiter die Dringlichkeit ihrer Arbeit darzulegen und so
zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, was jedoch mit einem Ausruf der
Besetzer vom Balkon verweigert wurde.
Um 8:40 verkündete
Zechlin dienstfrei für die Mitarbeiter des Gebäudes, was
dann leider dazu führte, dass auch die meisten Mitarbeiter des
Prüfungsamtes ihren Arbeitsplatz verließen, obwohl wir
beabsichtigt hatten den Betrieb dort weiterlaufen zu lassen.
Wir
haben später in Kleingruppen Flyer verteilt, Transparente
gemalt, die Studenten in einigen Vorlesungen informiert und
Presseberichte geschrieben.
Im Laufe des Tages wurden Essenspenden
und Solidaritätsbekundungen von weiteren Studenten abgegeben.
Die SV des Hamborner Clauberg-Gymnasium, sowie die Universität
und die PH Freiburg bekundeten ebenfalls ihre Solidarität mit
den Besetzern.
Als das Campusfest anfing fand oben auf der
Dachterasse ein alternatives Konzert mit Saxophon, E-Gitarre und
Percussion statt, das viele Menschen mit hervorragender und lauter
Musik anlockte.
Samstag25. Juni:
Nach dem Aufstehen fand um 12 Uhr ein
Plenum statt in dem wir über die Situation im Moment gesprochen
haben. Wir waren uns soweit einig das wir nicht freiwillig gehen
werden wenn wir nicht ganz enorm zusammenschrupfen.
Zechlin hat sich auf der Seite der
Uni-Duisburg-Essen zu unserer Aktion geäußert und noch mal klar für die
Einführung von Studiengebühren an unserer Uni Stellung
genommen.
Er möchte Studiengebühren ohne soziale Selektion einführten, rhetorisch
recht nett verpackt übersieht er bei seiner Forderung aber das
Studiengebühren soziale Selektion erzeugen.
Er möchte uns und scheinbar sich selbst außerdem glauben machen, dass
die Gebühren dazu da sind den Uni-Etat zu erhöhen, und hat sich
scheinbar umgeschaut, denn sonst hätte er ja gesehen wie es in den
anderen Ländern in denen Studiengebühren eingeführt wurden gelaufen
ist. Australien hat mit umgerecht ca. 500€ die Studiengebühren
eingeführt und mittlerweile zahlen Studierende in Australien ca 6000€
pro Semester. Die Reichen die es sich leisten können die Gebühren im
voraus zu bezahlen , bekommen sogar ein drittel erlassen und müssen
natürlich keine Zinsen bezahlen.
Außerdem wurde der Globalunihaushalt, also das Geld das der Bund
für die Unis zu Verfügung stellt mit Einführung der
Langzeitstudiengebühren um 5% gekürzt.
Um 18:00 wurde dann das Fußballspiel übertragen, und auf dem Dach
gegrillt. Es waren wieder ne Menge Leute da und auch wieder viele neue
Gesichter.
Sonntag 26. Juni
Das Thema das den Morgen bestimmte war der Auftritt der Band
"Rantanplan" aus Hamburg die sich für 13 Uhr angekündigt hatten
auf dem Das des Rektorats zu spielen. Die Band "Happy Weekend" aus
Duisburg, die danacht aufgetreten ist stellte das fehlened Equipment
zu Verfügung. Für Essen und trinken wurde natürlich auch gesorgt,
und zwar so das alle vom Veganer bis zum Bratwurstliebhaber nicht mit
leeren Bäuchen gegen Studiengebühren protestieren muss.
Nach den beiden Konzerten fand ein Plenum statt in der über unsere
Grundsätze, nämlich freie Bildung für alle, debattiert wurde und
die verstärkt gewünschte Komponente von kulturellen Veranstaltungen im
besetzten Rektorat geplant wurde. Außerdem sprachen wir über das für
Montag geplante Gespräch mit Rektor Zechlin und ein Kommitee für die
Auseinandersetzung bestimmt, zu der auch Studierende aus Essen
kommen sollten.
Danach ging das kulturelle Programm weiter mit zwei punkigen Bands - VIOLET aus Kempen und DIE THE ATOMAREN ÜBERMENSCHEN (Köln, Splittergruppe von Chefdenker/Ex-Knochenfabrik) - die
noch 2 Stunden auf dem Dach spielten, bevor Die Band "Mister Miserabel"
(Duisburg/Arnheim/Bonn) mit funkigem bis psychodelischem Pop die Menge
auf der Wiese begeisterte.
Nachdem
auch sie ihr letztes Lied gespielt hatten, folgte ein gemütliches
Sit-In auf der Wiese vorm Rektorat das von einer Menge Trommeln und
toller Musik begleitet wurde.
Montag 27. Juni
Wie schon im anderen Artikel erwähnt stand am Montag morgen auf einmal
der Rektor vor den verschlossenen Türen des Rektorats und forderte die
Besetzer auf das Rektorat noch heute zu verlassen. Er verlieh seiner
Aussage Nachdruck mit der Androhung das Gebäude Notfalls von der
Polizei räumen zu lassen und Anzeige wegen Hausfriedensbruch und
Nötigung gegen die Besetzer zu erstatten.
Er ging auf den Vorschlag ein auf der Wiese vor dem Rektorat eine
öffentliche Diskussion mit den Besetzern zum Thema Studiengebühren
speziell in Duisburg zu führen.
Das Gespräch vor den 300-400 Zuhörern, bei dem auch Vertreter der Presse und des Radios anwesend waren, verlief sehr gesittet.
Der Rektor war hauptsächlich anwesend um zu bekunden, dass er die
Entscheidungsgewalt nicht allein innehabe, und die Entscheidung über
Studiengebühren durch die Rektorate auch strikt ablehne.
Er sprach sich aber leider in diesem Gespräch nur gegen den Vorschlag
der Einführung von Studiengebühren durch die aktuelle CDU/FDP
Regierung, und nicht gegen Studiengebühren im Allgemeinen aus.
Am Ende sprach er von seiner Glaubwürdigkeit, die er nicht
dadurch gefährden wolle, in dem er sich gegen die Einführung von
Studiengebühren an der Duisburger Universität ausspricht .
Er riet uns zum Schluss noch, seine Glaubwürdigkeit auch im Bezug auf
die notfalls gewaltsame Räumung durch die Polizei besser nicht in
Frage zu stellen und bis Dienstag 6:00 Uhr das Rektorat zu verlassen.
Im Plenum beschlossen wir das Gebäude nicht zu räumen.
Zu Gast bei diesem Plenum war der Duisburger Altoberbürgermeister Josef
Krings der uns von seinen Erfahrungen im Arbeiterkampf in
Duisburg-Rheihausen erzählte und sich mit uns solidarisch im Kampf
gegen Studiengebühren erklärte.
Nach einer interessanten Grundsatzdiskussion beschlossen die Besetzer
einstimmig im Rektorat zu bleiben, auch falls die Polize erscheinen
würde, da wir von Rektor Prof. Dr. Zechlin kein ausdrückliches
Statement gegen Studiengebühren erhalten hatten und wir uns davon auch
eine entsprechende Medienpräsenz erhofften.
Am mittlerweile angebrochenen Abend grillten wir noch mal in einer
optimistischen erwartungsvollen Stimmung mit ca 90 Leuten vor dem
Rektorat, wovon letztenlich 45 Besetzer im Gebäude übernachteten.
Dienstag 28. Juni
Nach zwei Fehlalarmen in der Nacht die für den richtigen
Adrenenalinspiegel gesorgt hatten standen wir dann alle gemeinsam um
5Uhr auf dem Dach und warteten voller Vorfreude auf den Rektor mit der
Polizei im Schlepptau. Um 6 Uhr erschien der erste Kameramann und nach
und nach folgten auch andere von Presse, Funk und Fernsehen.
Damit hatten weder wir so wirklich, und wohl kaum der Rektor selbst
gerechnet, und so kam es das Prof. Dr. Zechlin nach einer Weile wieder
abzog während wir unserer Forderung "Bildung für alle und zwar umsonst"
lautstark Ausdruck verliehen. Wir sangen mit dem BesetzerInnen-Chor
"Bella Ciao", "Deine Schuld" (Ärzte) und "Unser Haus" (Rio Reiser).
Die Polizei kam einfach nicht zu uns.
Wohl hatten wir nun aber von der polizeilichen Räumung in Essen gehört, die mit 13-16 Festnahmen endete.
Wir machten noch wirklich Radau und überlegten, dass langsam was
passieren müsste damit die Presse nicht gleich den Schauplatz verlassen
würde, als wir die WAZ in die Finger bekamen.
Dort konnte man lesen, dass Rektor Zechlin in einem Interwiew einen
Satz von sich gegeben hatte, in dem er bekundete, dass er für ein
Konzept zur Finzanzierung von Hochschulen ohne Studiengebühren
sei und das er die Aktion der Studiengebührengegener bis zum Montag
Abend auch verstehen würde.
Im nun sofort stattfindenden Plenum beschlossen wir dann zu
Deeskalation der Situation beizutragen und die Besetzung nun mit der
Aussage des Rektors im Gepäck, sowie der öffentlichen Aufmerksamkeit
und der Mobilisierung von Studierenden für den aktiven Widerstand gegen
Studiengebühren und soziale Ungerechtigkeit, friedlich mit einer
entsprechenden Presseerklärung zu beenden.
Die Anzeige hätte uns sicherlich nicht viel genützt im Kampf gegen die Studiengebühren.
So konnten wir nach der Pressenkonferenz die mindestens 18
Polizeiwannen (auch die harten aus Wuppertal), mit dem Gesang "Hätten
wir euch heut' erwartet, hätten wir Kuchen gemacht, Kuchen gemacht! "
empfangen und uns für die schönen Medienbilder bedanken.
Wir sind durch unseren Erfolg so motiviert wie nie und werden jeden Tag mehr.
Wir sind davon überzeugt, dass wir es schaffen können.
Die Studiengebühren sind zu stoppen!!!!
Komm auch du dazu!!!
Der Kampf ist nicht zu Ende,
er hat gerade erst begonnen!
Es lebe der Summer of Resistance!