Bildungs- & Sozialabbau stoppen!

26.07.2006 um 13:48 Uhr

Aufruf: Keine Kriminalisierung der Studierendenproteste!

von: Benni

Gemeinsam gegen Bildungs- und Sozialabbau!

Zum 01. April 2006 trat das „Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetz“ der schwarz-gelben Landesregierung in
Kraft. Dieses Gesetz erlaubt es den Hochschulen zum kommenden Wintersemester Studiengebühren in Höhe von
bis zu 500€ zu erheben. Gegen die Einführung von Studiengebühren und den marktfähigen Umbau der
Hochschulen protestieren NRW-weit mehrere tausend Studierende.

In Duisburg-Essen haben Studierende aus Protest gegen diese Politik des Bildungs- und Sozialabbaues am
11.05.2006 das Rektorat der Universität besetzt, am 02.05.2006 wurde die CDU-Zentrale in Essen kurzzeitig
blockiert. Am 27.04., 16.05. und 21.06. 2006 beteiligten sie sich an Demonstrationen in Duisburg und Düsseldorf
gegen Studiengebühren und für ein kostenfreies
Bildungssystem.
Nun wurden über 50 Ermittlungsverfahren in Duisburg-Essen eingeleitet und die Studierenden werden polizeilich
vorgeladen. Studiengebühren sind ein maßgebliches Instrument neoliberaler
(Konkurrenz-) Politik. Sie verschärfen
die, ohnehin weltweit höchste, soziale Selektivität des deutschen Bildungssystemes weiter. Menschen aus
einkommensschwachen Haushalten werden durch Studiengebühren erwiesenermaßen von einem Studium
abgehalten.

Sie führen zu einer Abschaffung des Konzeptes der „Gruppenuniversität“ und damit zu einer weiteren
Entdemokratisierung der Hochschulen. Der freie und offene Zugang zu Bildung ist ein jedoch ein Grundrecht, das
es gegen den neoliberalen Umbau unserer Gesellschaft, auch mit Mitteln des zivilen Ungehorsam, zu verteidigen
gilt.

Wir fordern die Landesregierung auf, sich mit dem politischen Protest der Studierenden im Landtag
aueinanderzusetzen und nicht im Gerichtssaal!

Wir erklären daher unsere Solidarität und fordern die sofortige Einstellung aller Ermittlungsverfahren gegen die
betroffenen Studierenden!


Die UnterstützerInnen der betroffenen Studierenden haben ein Spendenkonto für Anwalts- und Prozesskosten
eingerichtet und bitten um Solidarität! Jeder Euro hilft!


Spendenkonto:
Rote Hilfe Duisburg
GLS Bank
BLZ: 43 060 967
Kontonr: 400 723 83 06
Verwendungszweck: Bildung für alle

Wer diesen Aufruf unterstützen möchte, schickt bitte eine Email an: aks-due@arcor.de



Bisherige UnterstützerInnen:
Alternative Liste DuE, AK Studiengebühren, Marcel Winter (Senator der Universität Duisburg-
Essen) Sarah Stockmann (Senatorin der Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Josef Raab
(Universität Duisburg-Essen), Nele Hirsch (MdB, Bildungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE
LINKE), Rote Hilfe Duisburg e.V., Eva Neuhaus (Mitarbeiterin am ISSAB der Universität
Duisburg-Essen), Duisburger Netzwerk gegen Rechts, Hüseyin Aydin (MdB), Sevim Dagdelen
(MdB), Inge Höger (stellvertretende Fraktionsvoritzende DIE LINKE), Ulla Jelpke (MdB), Ulla
Lötzer (MdB), MLPD Duisburg-Niederrhein, Wolfgang Zimmermann (WASG Landesverstand),
WASG Duisburg, Linke.PDS KV Duisburg, ...


24.07.2006 um 15:39 Uhr

Bildungspiraten entern NRW-Bank Ideenschiff im Duisburger Innenhafen

von: Benni

24.07., Duisburg. Am gestrigen Tag enterte eine Gruppe von 30 Studierenden des AK gegen Studiengebühren Duisburg-Essen und des Protestkomitees Bochum das im Duisburger Innenhafen liegende NRW-Bank Ideenschiff.

In den vergangenen Wochen haben es Studierende in Bochum und Münster vorgemacht. Im Rahmen der Proteste gegen das Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetz (HFGG), mit welchem u.a. Studiengebühren in NRW ermöglicht wurden, das Hochschulfreiheitsgesetz (HFG) und die repressive Art der Exekutive stürmten die als Piraten verkleideten Studierenden das Schiff und nahmen es mit Gesängen, Parolen, Transparenten und Flugblättern in Beschlag. Die Mannschaft des Schiffes war derart schockiert, dass sie nicht eingreifen konnte. Nicht einmal die Security konnte die Aktion verhindern, auch nicht, als mit dem Anzünden des Schiffes gedroht wurde. Im Zentrum der Protestaktion stand die Rolle der NRW-Bank, welche an die Studierenden Kredite zur Zahlung der Studiengebühren vergibt und mit horrenden Zinsen an der Situation der Studierenden verdient. Im folgenden ein Auszug aus dem Flugblatt, welches an alle PassantInnen und BesucherInnen – welche sich während der Aktion durchgehend mit den Studierenden solidarisierten - in der Nähe des Schiffes ausgegeben wurde:


Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

der Protest auf diesem Schiff wird von Studierenden geführt, welche sich offen gegen den Bildungs- und Sozialabbau in diesem Land einsetzen. Mit der Einführung des Hochschulfinanzierungsgerechtigkeitsgesetzes (HFGG) wird keinesfalls eine Gerechtigkeit im höheren Bildungssystem hergestellt. Das Land NRW bittet die Studierenden durch die Einführung von Studiengebühren zur Kasse und will sich so schleichend aus der Finanzierung der Bildung in diesem Land rausziehen. 500 Euro Studiengebühren pro Semester sind nur der Einstieg hin zu Elite-Universitäten, welche in Zukunft lediglich den Kindern reicher Eltern zugänglich sein werden. Das Bundesland Hessen macht es vor und führt bereits jetzt Studiengebühren von bis zu 2400 Euro pro Semester ein.

75% der Studierenden in NRW haben bereits jetzt einen bis mehrere Nebenjobs, mit denen sie sich die Semesterbeiträge und die hohen Lebenshaltungskosten gerade so leisten können. Zusätzliche 1000 Euro im Jahr kann kaum jemand erbringen. Dazu müssen Kredite aufgenommen werden. Die NRW-Landesbank vergibt diese Kredite an die Studierenden und nimmt dafür noch 6% Zinsen. Ein namenhafter Ökonom errechnete, dass Studierende im Durchschnitt mit über 30.000 Euro Schulden am Ende ihres Studiums dastehen werden. Nicht-EU-Bürger/innen erhalten keinen Kredit. Frauen – und insbesondere Alleinerziehende – benötigen durchschnittlich die doppelte Zeit ihrer männlichen Mitbürger, um diese Schuldensumme abzubezahlen.

Hier handelt es sich um eine eindeutige Ungleichbehandlung unter den Mitgliedern dieser Gesellschaft. Bildung muss in allen Bereichen kostenlos bleiben, vom Kindergarten bis zum Hochschulstudium. Jede Person muss die gleiche positive Chance haben, den Zugang zu höherer Bildung zu bekommen.

Mit der geplanten Einführung des Hochschulfreiheitsgesetzes (HFG) will die Landesregierung in Kürze eine zweite Etappe in ihrem neoliberalen Kurs erreichen. Den Hochschulen soll ein Hochschulrat bei Seite gestellt werden, welcher von Vertreter/innen der Wirtschaft dominiert wird.

Seit Jahren laufen gegen diese Entwicklungen massive Proteste von Seiten der Studierenden, Schüler/innen, Gewerkschaften und normalen Bürger/innen. In letzter Zeit häuften sich diese Proteste. Noch nie gab es gegen die Politik einer Landesregierung so viele Proteste. Die Proteste verliefen durchgehend friedlich, bis sie durch unverhältnismäßig gewalttätiges Verhalten von Seiten der Polizei kriminalisiert wurden. Demonstrant/innen wurden ohne Grund niedergeknüppelt, stundenlang eingekesselt, mit Pfefferspray angegriffen und unmenschlich erniedrigt. Die Polizei verletzte mehrere Menschen indem sie rücksichtslos mit Einsatzfahrzeugen in die Menge fuhr. Eine Frau wurde von einem Polizeimotorrad überfahren und dabei schwer verletzt.

Die Demonstrierenden werden systematisch von der Polizei kriminalisiert. Die Presse schaut oftmals nur weg, weshalb diese Tatbestände bisher nur einem kleinen Kreis der Öffentlichkeit bekannt geworden sind.

Diese heutige Aktion richtet sich damit auch gegen das Vorgehen der Polizei, welche mit allen Mitteln versucht, die Kritik an der derzeitigen verlogenen Landespolitik zu unterdrücken.

Unterstützen auch SIE den Einsatz für eine gerechte und demokratische Welt, in der solche Missstände nicht aufzutauchen haben.

Machen auch SIE auf diese Probleme aufmerksam, indem Sie diese weiter erzählen oder sich an den heutigen und den kommenden Protesten beteiligen.

Bildung darf kein Sklave der Wirtschaft sein!

Protest ist keine Straftat!


Das Schiff blieb ungefähr zwei Stunden in der Hand der Studierenden, bis sich diese zu einer Spontandemo durch den Innenhafen aufmachten, welche ungehindert von Statten ging. In der kommenden Woche wird das Ideenschiff in Oberhausen anlegen. Auch für diesen Wegpunkt wurde bereits eine Aktion angekündigt.