Seit ihrer Amtsübernahme hat sich die NRW-Landesregierung bereits so
einige Fehlschritte im Bildungsbereich geleistet. Nachdem die politische
Relevanz der Studierendenproteste bereits durch repressive Einsätze der
Exekutive zu undkoordinierten und gewalttätigen Aufständen einiger weniger
abgestempelt wurde, werden nun schon in der Schulzeit die künftigen
Generationen vor politischer Bildung "bewahrt" und damit ein weiteres
Urteil für Unmündigkeit und Politikverdrossenheit in unserer Gesellschaft
gesprochen:
"Essen. „Wer geringe Wahlbeteiligung, Wahlerfolge rechtsextremer Parteien
und Politikdistanz vieler Jugendlicher als Problem sieht, der muss
politische Bildung stärken, nicht schwächen”, warnt Stephan Thomas,
Vorsitzender der Deutschen Vereinigung für Politische Bildung (DVPB) in
NRW. Genau das aber tue das Schulministerium, wenn es das Fach
Politik/Wirtschaft an Gymnasien kürze.
Im Entwurf zur neuen Ausbildungs- und Prüfungsordnung für die
Sekundarstufe I fehle eine Pflichtstundenzahl für das neue Fach
Politik/Wirtschaft. Damit werde den Schulen überlassen, ob und wie häufig
sie das Fach in den Klassen 5 bis 9 anbieten.
Eine Pflichtstundenzahl sei nur für den Gesamtbereich Gesellschaftslehre
vorgegeben. Dazu gehören auch Geschichte und Erdkunde. Und weil
Politik/Wirtschaft nur noch in Klasse 9 vorgeschrieben sei, könnte das die
einzige Stunde in der Sekundarstufe I bleiben.
Lehrpläne legten fest, dass es mehrere Stunden Politik in der 9. Klasse
geben müsse, hält Herbert Spies vom Schulministerium dagegen. Auch vorher
könne das Fach nicht ausgespart werden. Die neue Regel solle Schulen nur
erlauben, selbst „zu mixen”. (WAZ/ Von Claudia Vüllers)"
"Für Naturwissenschaften und Fremdsprachen bleibt die Mindeststundenzahl
erhalten - eine klare Ungleichbehandlung des Bereichs
Gesellschaftwissenschaften. Die Erteilung von Politikunterricht bleibt
zukünftig den Sachzwängen und der Beliebigkeit der Schulleiter überlassen.
Was das für Folgen für unsere Gesellschaft haben kann, ist angesichts der
Diskussionen um Gewalt an Schulen, Rechtsextremismus, steigender
Verschuldung Jugendlicher, Politikverdrossenheit, die allesamt im
Schulalltag lediglich in SoWi-Unterricht thematisiert werden, nur zu
erahnen. Deshalb ist auch hier Widerstand notwendig- nicht nur für die
angehenden SoWi-Lehrer unter uns, deren Beschäftigungschancen dadurch
ins Bodenlose fallen (LKs in der Sek. II werden ebenfalls nicht mehr
möglich sein)- sondern für alle, die sich mit politisch-sozialen
Phänomenen in der Gesellschaft beschäftigen und denen ein starkes
politisches Gemeinwesen mit mündigen Aktivbürgern am Herzen liegt. Das
gilt auch dann, wenn man seinen Weg im Fächerdschungel und seine
Lebensplanung durch im SoWi-Unterricht gewonnene Fertigkeiten und
Einsichten positiv beeinflussen konnte, sprich das Fach nicht ganz so
nutzlos war, wie man es in D'dorf glauben mag.
Die Abschaffung wird still und leise passieren, per Erlass und
vermutlich im November beschlossen sein.Deshalb gilt es nun schnell
Netzwerke zu schaffen und Aktionen zu planen, um diesen Plänen entgegen
zu wirken."