Bildungs- & Sozialabbau stoppen!

30.06.2005 um 18:03 Uhr

Tagebuch der Besetzung

von: Benni

Chronik der Besetzung

Donnerstag 23. Juni:

Um 15 Uhr haben wir mit 25 Leuten, zeitgleich mit der Abschlusskundgebung der Demo in Essen, das Rektorat gestürmt. Jeweils 10 Leute besetzten die Räume der 1. und 2. Etage, während der Rest durchs Haus ging, Transparente aufhing und die Mitarbeiter der übrigen Etagen, insbesondere die Sekräterin des Rektors, darüber informierten, dass das Rektorat nun besetzt ist.

Die Mitarbeiter, die zum größten Teil ihre persönliche Solidarität mit unseren Protesten bekundeten, konnten unter Begleitung studentischer Gitarren- und Trommelmusik bis zum Dienstschluss weiterarbeiten.
Das Prüfungsamt wurde jedoch ausdrücklich von der Besetzung ausgenommen und der Zugang für alle gewährt.


Als die letzten Mitarbeiter das Gebäude verließen wurde dafür gesorgt, dass von nun an unerwünschten Besuchern der Zugang zu den Räumlichkeiten des Rektorats und der Verwaltung ab der 1. Etage verwehrt bleibt. Um 19 Uhr begann dann das Soli-Grillen auf der Wiese vor dem Rektorat bei dem sich mehr als 100 Menschen zusammenfanden und die Rektoratsbesetzung bei gutem Wetter und guter Stimmung bis zum Sonnenaufgang feierten.


Freitag 24. Juni:

Um halb sieben erschienen die ersten Mitarbeiter, die entweder noch nichts von der Besetzung erfahren hatten oder nicht an unsere Konsequenz geglaubt haben, und versuchten das Rektorat zu betreten.

Nachdem Jeder ein bisschen geschmunzelt hatte versuchten einige Mitarbeiter die Dringlichkeit ihrer Arbeit darzulegen und so zu ihrem Arbeitsplatz zu gelangen, was jedoch mit einem Ausruf der Besetzer vom Balkon verweigert wurde.

Um 8:40 verkündete Zechlin dienstfrei für die Mitarbeiter des Gebäudes, was dann leider dazu führte, dass auch die meisten Mitarbeiter des Prüfungsamtes ihren Arbeitsplatz verließen, obwohl wir beabsichtigt hatten den Betrieb dort weiterlaufen zu lassen.

Wir haben später in Kleingruppen Flyer verteilt, Transparente gemalt, die Studenten in einigen Vorlesungen informiert und Presseberichte geschrieben.

Im Laufe des Tages wurden Essenspenden und Solidaritätsbekundungen von weiteren Studenten abgegeben. Die SV des Hamborner Clauberg-Gymnasium, sowie die Universität und die PH Freiburg bekundeten ebenfalls ihre Solidarität mit den Besetzern.

Als das Campusfest anfing fand oben auf der Dachterasse ein alternatives Konzert mit Saxophon, E-Gitarre und Percussion statt, das viele Menschen mit hervorragender und lauter Musik anlockte.

Samstag25. Juni:

Nach dem Aufstehen fand um 12 Uhr ein Plenum  statt in dem wir über die Situation im Moment gesprochen haben.  Wir waren uns soweit einig das wir nicht freiwillig gehen werden wenn wir nicht ganz enorm zusammenschrupfen.

Zechlin hat sich auf der Seite der Uni-Duisburg-Essen zu unserer Aktion geäußert und noch mal klar für die Einführung von Studiengebühren an unserer Uni Stellung  genommen. 
Er möchte Studiengebühren ohne soziale Selektion einführten, rhetorisch recht nett verpackt übersieht er bei seiner Forderung aber das Studiengebühren soziale Selektion erzeugen.
Er möchte uns und scheinbar sich selbst außerdem glauben machen, dass die Gebühren dazu da sind den Uni-Etat zu erhöhen, und hat sich scheinbar umgeschaut, denn sonst hätte er ja gesehen wie es in den anderen Ländern in denen Studiengebühren eingeführt wurden gelaufen ist. Australien hat mit umgerecht ca. 500€  die Studiengebühren eingeführt und mittlerweile zahlen Studierende in Australien ca 6000€ pro Semester. Die Reichen die es sich leisten können die Gebühren im voraus zu bezahlen , bekommen sogar ein drittel erlassen und müssen natürlich keine Zinsen bezahlen.
Außerdem wurde der Globalunihaushalt, also das  Geld das der Bund für die Unis zu Verfügung  stellt mit Einführung  der Langzeitstudiengebühren um 5% gekürzt.

Um 18:00 wurde dann das Fußballspiel übertragen, und auf dem Dach gegrillt. Es waren wieder ne Menge Leute da und auch wieder viele neue Gesichter.

Sonntag 26. Juni

Das Thema das den Morgen bestimmte war der Auftritt der Band "Rantanplan"  aus Hamburg die sich für 13 Uhr angekündigt hatten auf dem Das des Rektorats zu spielen. Die Band "Happy Weekend" aus Duisburg, die danacht aufgetreten ist stellte das fehlened Equipment zu  Verfügung. Für Essen und trinken wurde natürlich auch gesorgt, und zwar so das alle vom Veganer bis zum Bratwurstliebhaber nicht mit leeren Bäuchen gegen Studiengebühren protestieren muss.

Nach den beiden Konzerten fand ein Plenum statt in der über unsere Grundsätze, nämlich  freie Bildung für alle, debattiert wurde und die verstärkt gewünschte Komponente von kulturellen Veranstaltungen im besetzten Rektorat geplant wurde. Außerdem sprachen wir über das für Montag geplante Gespräch mit Rektor Zechlin und ein Kommitee für die Auseinandersetzung bestimmt, zu der auch Studierende aus Essen kommen  sollten.

Danach ging das kulturelle Programm weiter mit zwei punkigen Bands - VIOLET aus Kempen und DIE THE ATOMAREN ÜBERMENSCHEN (Köln, Splittergruppe von Chefdenker/Ex-Knochenfabrik) - die noch 2 Stunden auf dem Dach spielten, bevor Die Band "Mister Miserabel" (Duisburg/Arnheim/Bonn) mit funkigem bis psychodelischem Pop die Menge auf der Wiese begeisterte.
Nachdem  auch sie ihr letztes Lied gespielt hatten, folgte ein gemütliches Sit-In auf der Wiese vorm Rektorat das von einer Menge Trommeln und toller Musik begleitet wurde.

Montag 27. Juni

Wie schon im anderen Artikel erwähnt stand am Montag morgen auf einmal der Rektor vor den verschlossenen Türen des Rektorats und forderte die Besetzer auf das Rektorat noch heute zu verlassen. Er verlieh seiner Aussage Nachdruck mit der Androhung das Gebäude Notfalls von der Polizei räumen zu lassen und Anzeige wegen Hausfriedensbruch und Nötigung gegen die Besetzer zu erstatten.
Er ging auf den Vorschlag ein auf der Wiese vor dem Rektorat eine öffentliche Diskussion mit den Besetzern zum Thema Studiengebühren speziell in Duisburg zu führen.

Das Gespräch vor den 300-400 Zuhörern, bei dem auch Vertreter der Presse und des Radios anwesend waren, verlief sehr gesittet.
Der Rektor war hauptsächlich anwesend um zu bekunden, dass er die Entscheidungsgewalt nicht allein innehabe, und die Entscheidung über Studiengebühren durch die Rektorate auch strikt ablehne.
Er sprach sich aber leider in diesem Gespräch nur gegen den Vorschlag der Einführung von Studiengebühren durch die aktuelle CDU/FDP Regierung, und nicht gegen Studiengebühren im Allgemeinen aus.
Am Ende  sprach er von seiner Glaubwürdigkeit, die er nicht dadurch gefährden wolle, in dem er sich gegen die Einführung von Studiengebühren an der Duisburger Universität ausspricht .
Er riet uns zum Schluss noch, seine Glaubwürdigkeit auch im Bezug auf die  notfalls gewaltsame Räumung durch die Polizei besser nicht in Frage zu stellen und bis Dienstag 6:00 Uhr das Rektorat zu verlassen.

Im Plenum beschlossen wir das Gebäude nicht zu räumen.
Zu Gast bei diesem Plenum war der Duisburger Altoberbürgermeister Josef Krings der uns von seinen Erfahrungen im Arbeiterkampf in  Duisburg-Rheihausen erzählte und sich mit uns solidarisch im Kampf gegen Studiengebühren erklärte.
Nach einer interessanten Grundsatzdiskussion beschlossen die Besetzer einstimmig im Rektorat zu bleiben, auch falls die Polize erscheinen würde, da wir von Rektor Prof. Dr. Zechlin kein ausdrückliches Statement gegen Studiengebühren erhalten hatten und wir uns davon auch eine entsprechende Medienpräsenz erhofften.

Am mittlerweile angebrochenen Abend grillten wir noch mal in einer optimistischen erwartungsvollen Stimmung mit ca 90 Leuten vor dem Rektorat, wovon  letztenlich 45 Besetzer im Gebäude übernachteten.

Dienstag 28. Juni

Nach zwei Fehlalarmen in der Nacht die für den richtigen Adrenenalinspiegel gesorgt hatten standen wir dann alle gemeinsam um 5Uhr auf dem Dach und warteten voller Vorfreude auf den Rektor mit der Polizei im Schlepptau. Um 6 Uhr erschien der erste Kameramann und nach und nach folgten auch andere von Presse, Funk und Fernsehen.
Damit hatten weder wir so wirklich, und wohl kaum der Rektor selbst gerechnet, und so kam es das Prof. Dr. Zechlin nach einer Weile wieder abzog während wir unserer Forderung "Bildung für alle und zwar umsonst" lautstark Ausdruck verliehen. Wir sangen mit dem BesetzerInnen-Chor "Bella Ciao", "Deine Schuld" (Ärzte) und "Unser Haus" (Rio Reiser).
Die Polizei kam einfach nicht zu uns.
Wohl hatten wir nun aber von der polizeilichen Räumung in Essen gehört, die mit 13-16 Festnahmen endete.
Wir machten noch wirklich Radau und überlegten, dass langsam was passieren müsste damit die Presse nicht gleich den Schauplatz verlassen würde, als wir die WAZ   in die  Finger bekamen.
Dort konnte man lesen, dass Rektor Zechlin in einem Interwiew einen Satz von sich gegeben hatte, in dem er bekundete, dass er für ein Konzept zur Finzanzierung von Hochschulen ohne  Studiengebühren sei und das er die Aktion der Studiengebührengegener bis zum Montag Abend auch verstehen würde.
Im nun sofort stattfindenden Plenum beschlossen wir dann zu Deeskalation der Situation beizutragen und die Besetzung nun mit der Aussage des Rektors im Gepäck, sowie der öffentlichen Aufmerksamkeit und der Mobilisierung von Studierenden für den aktiven Widerstand gegen Studiengebühren und soziale Ungerechtigkeit, friedlich  mit einer entsprechenden Presseerklärung  zu beenden.
Die Anzeige hätte uns sicherlich nicht viel genützt im Kampf gegen die Studiengebühren.
So konnten wir nach der Pressenkonferenz die mindestens 18 Polizeiwannen (auch die harten aus Wuppertal), mit dem Gesang "Hätten wir euch heut' erwartet, hätten wir Kuchen gemacht, Kuchen gemacht! " empfangen und uns für die schönen Medienbilder bedanken.
Wir sind durch unseren Erfolg so motiviert wie nie  und werden jeden Tag mehr.

Wir sind davon überzeugt, dass wir es schaffen können.
Die Studiengebühren sind zu stoppen!!!!
Komm auch du dazu!!!

Der Kampf ist nicht zu Ende,
er hat gerade erst begonnen!

Es lebe der Summer of Resistance!




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