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Friedrich Schiller:
Der Menschen Engel ist die Zeit.
Dem Mutigen hilft Gott.
Was soll ich fürchten, der den Tod nicht fürchtet?
Rastlos vorwärts musst du streben,
nie ermüdet Stille stehn,
willst du die Vollendung sehn,
muss ins Breite dich entfalten,
soll sich deine Welt gestalten,
in die Tiefe musst du steigen,
soll sich dir das Wesen zeigen,
nur Beharrung führt zum Ziel,
nur die Fülle führt zur Klarheit,
und im Abgrund wohnt die Wahrheit.
Doch jetzt braust's aus dem nahen Gebüsch,
tief neigen die Erlenkronen sich,
und im Wind wogt das versilberte Gras.
Mich umfängt ambrosische Nacht: in duftende Kühlung
Nimmt ein prächtiges Dach schattender Buchen mich ein,
In des Waldes Geheimnis entflieht mir auf einmal die Landschaft,
Und ein schlängelnder Pfad leitet mich steigend empor.
Nur verstohlen durchdringt der Zweige laubigtes Gitter
sparsames Licht, und es blickt lachend das Blaue herein.
Aber plötzlich zerreißt der Flor. Der geöffnete Wald gibt
überraschend des Tags blendendem Glanz mich zurück.
Nicht ihres Lächelns holder Zauber war's
Nicht ihres Lächelns holder Zauber wars's,
nicht ihres Wesens schöner Außenschein,
die Reize nicht, die auf der Wange schweben,
selbst nicht der Glanz der göttlichen Gestalt:
Es war ihr tiefstes und geheimstes Leben,
was mich ergriff mit heiliger Gewalt,
wie Zaubers Kräfte unbegreiflich weben.
Die Seelen schienen ohne Worteslaut,
sich ohne Mittel geistig zu berühren,
als sich mein Atem mischte mit dem ihren;
fremd war sie mir und innig doch vertraut,
und klar auf einmal fühlt' ich's in mir werden:
Die ist es oder keine sonst auf Erden!
Johann Christoph Friederich Schiller
Susanne Ulrike Maria Albrecht