Willkommen bei Susanne Ulrike Maria Albrecht

07.11.2010 um 14:22 Uhr

PEGASUS IM JOCHE

 

Auf einem Pferdemarkt - vielleicht zu Haymarket,

Wo andre Dinge noch in Ware sich verwandeln,

Bracht einst ein hungriger Poet

Der Musen Roß, es zu verhandeln.

 

Hell wieherte der Hippogryph,

Und bäumte sich in prächtiger Parade,

Erstaunt blieb jeder stehn, und rief:

Das edle, königliche Tier! Nur schade,

Daß seinen schlanken Wuchs ein häßlich Flügelpaar

Entstellt! Den schönsten Postzug würd es zieren.

Die Rasse, sagen sie, sei rar,

Doch wer wird durch die Luft kutschieren?

Und keiner will sein Geld verlieren.

Ein Pachter endlich faßte Mut.

Die Flügel zwar, spricht er, die schaffen keinen Nutzen,

Doch die kann man ja binden oder stutzen,

Dann ist das Pferd zum Ziehen immer gut.

Ein zwanzig Pfund, die will ich wohl dran wagen;

Der Täuscher, hochvergnügt die Ware loszuschlagen,

Schlägt hurtig ein: "Ein Mann, ein Wort",

Und Hans trabt frisch mit seiner Beute fort.

 

Das edle Tier wird eingespannt.

Doch fühlt es kaum die ungewohnte Bürde,

So rennt es fort mit wilder Flugbegierde,

Und wirft, von edelm Grimm entbrannt,

Den Karren um an eines Abgrunds Rand.

Schon gut, denkt Hans. Allein darf ich dem tollen Tiere

Kein Fuhrwerk mehr vertraun. Erfahrung macht schon klug.

Doch morgen fahr ich Passagiere,

Da stell ich es als Vorspann in den Zug.

Die muntre Krabbe soll zwei Pferde mir ersparen,

Der Koller gibt sich mit den Jahren.

 

Der Anfang ging ganz gut. Das leichtbeschwingte Pferd

Belebt der Klepper Schritt, und pfeilschnell fliegt der Wagen.

Doch was geschieht? Den Blick den Wolken zugekehrt,

Und ungewohnt, den Grund mit festem Huf zu schlagen,

Verläßt es bald der Räder sichre Spur,

Und treu der stärkeren Natur

Durchrennt es Sumpf und Moor, geackert Feld und Hecken,

Der gleiche Taumel faßt das ganze Postgespann,

Kein Rufen hilft, kein Zügel hält es an,

Bis endlich, zu der Wandrer Schrecken,

Der Wagen wohlgerüttelt und zerschellt,

Auf eines Berges steilem Gipfel hält.

 

Das geht nicht zu mit rechten Dingen,

Spricht Hans mit sehr bedenklichem Gesicht.

So wird es nimmermehr gelingen;

Laß sehn, ob wir den Tollwurm nicht

Durch magre Kost und Arbeit zwingen.

Die Probe wird gemacht. Bald ist das schöne Tier,

Eh noch drei Tage hingeschwunden,

Zum Schatten abgezehrt. Ich habs, ich habs gefunden,

Ruft Hans. Jetzt frisch, und spannt es mir

Gleich vor den Pflug mit meinem stärkeren Stier.

 

Gesagt, getan. In lächerlichem Zuge

Erblickt man Ochs und Flügelpferd am Pfluge.

Unwillig steigt der Greif, und strengt die letzte Macht

Der Sehnen an, den alten Flug zu nehmen.

Umsonst, der Nachbar scheitet mit Bedacht,

Und Phöbus' stolzes Roß muß sich dem Stier bequemen,

Bis nun, vom langen Widerstand verzehrt,

Die Kraft aus allen Gliedern schwindet,

Von Gram gebeugt das edle Götterpferd

Zu Boden stürzt, und sich im Staube windet.

 

Verwünschtes Tier! bricht endlich Hansens Grimm

Laut scheltend aus, indem die Hiebe flogen.

So bist du denn zum Ackern selbst zu schlimm,

 

Mich hat ein Schelm mit dir betrogen.

Indem er noch in seines Zornes Wut

Die Peitsche schwingt, kommt flink und wohlgemut

Ein lustiger Gesell die Straße hergezogen.

Die Zither klingt in seiner leichten Hand,

Und durch den blonden Schmuck der Haare

Schlingt zierlich sich ein goldnes Band.

Wohin, Freund, mit dem wunderlichen Paare?

Ruft er den Baur von weitem an.

Der Vogel und der Ochs an einem Seile,

Ich bitte dich, welch ein Gespann!

Willst du auf eine kleine Weile

Dein Pferd zur Probe mir vertraun,

Gib acht, du sollst dein Wunder schaun!

Der Hippogryph wird ausgespannt,

Und lächelnd schwingt sich ihm der Jüngling auf den Rücken.

Kaum fühlt das Tier des Meisters sichre Hand,

So knirscht es indes Zügels Band,

Und steigt, und Blitze sprühn aus den beseelten Blicken.

Nicht mehr das vorge Wesen, königlich,

Ein Geist, ein Gott, erhebt es sich,

Entrollt mit einemal in Sturmes Wehen

Der Schwingen Pracht, schießt brausend himmelan,

Und eh der Blick ihm folgen kann,

Entschwebt es zu den blauen Höhen.

 

JOHANN CHRISTOPH FRIEDERICH SCHILLER

 

 

02.11.2010 um 12:42 Uhr

LEISE FLEHEN MEINE LIEDER

 

                               LEISE FLEHEN MEINE LIEDER

 

                 Leise flehen meine Lieder durch die Nacht zu Dir;

                 In den stillen Hain hernieder: Liebchen, komm

                 Zu mir!

                 Flüsternd schlanke Wipfel rauschen in des Mondes

                 Licht, in des Mondes Licht;

                 Des Verräters feindlich Lauschen

                 Fürchte, Holde, nicht, fürchte, Holde, nicht.

 

                 Hörst die Nachtigallen schlagen?

                 Ach, sie flehen Dich,

                 Mit der Töne süßem Klagen

                 Flehen sie für mich.

                 Sie verstehn des Busens Sehnen,

                 Kennen Liebesschmerz;

                 Rühren mit den Silbertönen

                 Jedes weiche Herz.

 

                 Lass auch Dir die Brust bewegen,

                 Liebchen höre mich,

                 Bebend harr' ich Dir entgegen!

                 Komm, beglücke mich!

                 Beglücke mich!

 

                 Text:      Ludwig Rellstab (Heinrich Friedrich Ludwig Rellstab)

                 Melodie:  Franz Schubert  (Franz Peter Schubert)    

 

         Eine von Schuberts hingebungsvollsten und bezauberndsten Kompositionen.  

 

_______________________________________________________________________________________________

 

                                 UND WENN EIN LIED

 

                  Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,

                  Dann nur damit Du Liebe empfängst.

                  Durch die Nacht und das dichteste Geäst,

                  Damit Du keine Ängste mehr kennst.

 

                  Sag ein kleines Stückchen Wahrheit und sieh,

                  Wie die Wüste lebt.

                  Schaff' ein kleines bisschen Klarheit.

                  Und schau wie sich der Schleier hebt.

                  Eine Wüste aus Beton und Asphalt,

                  Doch, sie lebt und öffnet einen Spalt.

                  Der Dir neues zeigt, zeigt das altes weicht.

                  Auch wenn, wenn Dein Schmerz

                  Bis an den Himmel reicht. 

 

                  Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,

                  Dann nur damit Du Liebe empfängst.

                  Durch die Nacht und das dichteste Geäst,

                  Damit Du keine Ängste mehr kennst.

 

                  Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,

                  Dann nur damit Du Liebe empfängst.

                  Durch die Nacht und das dichteste Geäst,

                  Damit Du keine Ängste mehr kennst.

 

                  Dieses Lied ist nur für Dich.

                  Schön, wenn es Dir gefällt.

                  Denn es kam so über mich.

                  So wie die Nacht über die Welt.

 

                  Schnellt Gefahr aus der Dunkelheit,

                  Bin ich zum ersten Schlag bereit.

                  Ich bin der erste, der Dich befreit.

                  Und einer der letzten, der um Dich weint.

 

                  Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,

                  Dann nur damit Du Liebe empfängst.

                  Durch die Nacht und das dichteste Geäst,

                  Damit Du keine Ängste mehr kennst.

 

                  In unserer Sanduhr fällt das letzte Korn,

                  Ich hab gewonnen und hab ebenso verlor'n.

                  Jedoch missen möcht ich nichts,

                  Alles bleibt unser gedanklicher Besitz.

                  Und eine bleibende Erinnerung.

                  Zwischen Tag und Nacht legt sich die Dämmerung.

 

                  Und wenn ein Lied meine Lippen verlässt,

                  Dann nur damit Du Liebe empfängst.

                  Durch die Nacht und das dichteste Geäst,

                  Damit Du keine Ängste mehr kennst.

                  Damit Du keine Ängste mehr kennst.

 

                  Söhne Mannheims, Xavier Naidoo

 

          Eins der anrührendsten und schönsten Liebeslieder überhaupt.   

 

______________________________________________________________________________________________

 

                                HYMNE

 

                  Dich, schöne Liebe, schöne Süße,

                  Dich Engel, der zum Licht mich weiht,

                  Unsterbliches Idol, Dich grüße

                  Ich glühend in Unsterblichkeit.

 

                 Du flutest durch mein ganzes Leben

                 Gleich einem Seewind, herb und rein,

                 Und meiner Seele bangem Streben

                 Flößt Du Begehr nach Ewgem ein.

 

                 Stets frischer Wohlgeruch, der blühend

                 Ein lieb Gemach in Düfte taucht,

                 Vergessner Weihrauch, der erglühend

                 Geheim in tiefer Nacht verhaucht!

 

                 Wie soll ich nennen Dich in Wahrheit,

                 Demantenreine Liebesglut,

                 Die in der Seele ewger Klarheit,

                 Ein Ambrakorn, verborgen ruht?

 

                  Dich, schöne Gute, schöne Süße,

                  Die Kraft und Freude mir verleiht,

                  Unsterbliches Idol, Dich grüße

                  Ich glühend in Unsterblichkeit.

 

                  Charles Baudelaire

                  (aus dem Französischen von Wolf von Kalckreuth)