Elizium

09.11.2008 um 20:01 Uhr

Innsbruck, die Erste.

von: Schattenwind   Kategorie: Fernweh

Es ist eine Stadt, es wird eine Heimat werden. Das bleibt zu hoffen. Ich sehe mich die Fingernägel in frisch tapezierte Wände schlagen und mich fragen, wer zum Teufel überhaupt auf die Idee gekommen ist, díe heimatlichen Gefilde zu verlassen. Der Kreis wird sich irgendwann schließen und ich kann mich anpassen, atmen, weiteratmen.
Eine schöne Altstadt, italienischer, größer als Aachen, gemütlicher als Köln, zukunftsbeladen, die Vergangenheit wiegt dort wenig. Eine Universität von der ich bislang nur zu träumen wagte, nette Leute überall, wundervolle Berge, Weite und Himmel. Bunte Häuser wie in Dublin, große Leuchtreklamen, Modegeschäfte, ein bisschen Milano, ein bisschen nicht hier. Eine lange, fast meditative Fahrt und die Erkenntnis, dass man auch alleine klarkommt, ganz gut und ganz frei. Das man Babyschritte geht, aber große und wichtige. Und dass man geschafft hat, ein bisschen so zu sein, wie man werden wollte. Will. Der Weg ist noch lang und ich freue mich, dabei zu sein.

06.10.2008 um 22:59 Uhr

Dublin, ein Gedankenzug

von: Schattenwind   Kategorie: Fernweh

Stimmung: fernwehlich
Musik: nope

Das Blut pumpt durch die Adern, das Herz will noch nicht ruhen. Es ist ein Herbst, ein plötzlicher. Die Zeit vergeht so schnell, die Dinge werden komplizierter und einfacher zugleich. Eine Woche war ich weg, fast, die Birke vor dem Fenster trägt rot. In einem Jahr sitze ich in einem anderen Land und studiere. Ich bin melancholisch, ich weiß nicht, warum. Ich weiß nicht, ob ich es gut finde, dass ich immer noch ein bisschen sieben bin, sieben und neugierig und sentimental und aufgeregt. Ich brauche Ruhe, winterliche. Ich will wieder in den Flieger oder viel lieber in den Zug und weg, weit weg, Zeitzonen durchqueren und etwas finden, etwas Essenzielles. Die Antworten sind in mir, tief eingeschlossen, aber ich mag es, wenn die Welt mir die richtigen Fragen stellt und silberne Schlüssel reicht. Und ich brauche diese Welt. Da draußen gibt es mehr.

Ein Dublin im Regen, ein Dublin mit Frühlingwetter und noch grünen Herbstbäumen, Trinity College mit englischem Rasen der aussieht wie mit der Nagelschere geschnitten. Alte, high-heels tötende Straßen mit Abflussrinnen im Bürgersteig, Wind in der Kapuze, Spielbild von mediteran orange funkelnden Lampen im Liffey. Sie ist nicht romantisch, diese Stadt, nicht kalt, nicht warm. Die Luft ist reiner, frisch aus Amerika auf einem langen Weg. Wir haben kein Schaf gesehen, dafür überteuerte Plüschtiere in fast schönen Touristenshops gekauft. Ich war überfordert mit der Freundlichkeit der Iren und Eingewanderten, die sich beim Abkassieren nicht nur nach deinem Befinden, sondern auch deiner Lebensgeschichte erkundigen. Das Guiness floss was das Geld hergab, das war nicht viel, aber ausreichend. Breakfast at Tiffany's aus dem Mikro, der Sänger keinen Meter weg, der Pub so voll wir hier die Kneipen maximal an Sylvester. Lange Straßen, volle Geschäfte, unbezahlbare Preise. Ein kleines Stück USA in Form von übermäßig großen Cola-Flaschen, von Gängen voller Chipstüten. Weniger Tee als erwartet. Hügel voller Wiesen, in der Ferne, Industriezentren wie überall sonst auch. Tausend Nationen in einer Stadt, tausend Sprachen, ich kann nur wenige. Nach drei Tagen beginne ich, deutsche Wörter zu vergessen. In Tallaght gibt es nur unser Hotel und Bauschluchten, eine Straßenbahn, eine Shopping Mall, eine große. Wir bummeln durch Supermärkte, durch Klamottenläden die alles deutsche in den Schatten stellen, fast sogar Milano, aber nur fast.
Dublin, du meine erste irische Liebe.
We'll be back. Ein wildes, naturbelassenes Irland sehen. Bald. Ein Rucksack, ein Lonely Planet und auf geht's, ab geht's Schafe finden.