Stimmung: fernwehlich
Musik: nope
Das Blut pumpt durch die Adern, das Herz will noch nicht ruhen. Es ist ein Herbst, ein plötzlicher. Die Zeit vergeht so schnell, die Dinge werden komplizierter und einfacher zugleich. Eine Woche war ich weg, fast, die Birke vor dem Fenster trägt rot. In einem Jahr sitze ich in einem anderen Land und studiere. Ich bin melancholisch, ich weiß nicht, warum. Ich weiß nicht, ob ich es gut finde, dass ich immer noch ein bisschen sieben bin, sieben und neugierig und sentimental und aufgeregt. Ich brauche Ruhe, winterliche. Ich will wieder in den Flieger oder viel lieber in den Zug und weg, weit weg, Zeitzonen durchqueren und etwas finden, etwas Essenzielles. Die Antworten sind in mir, tief eingeschlossen, aber ich mag es, wenn die Welt mir die richtigen Fragen stellt und silberne Schlüssel reicht. Und ich brauche diese Welt. Da draußen gibt es mehr.
Ein Dublin im Regen, ein Dublin mit Frühlingwetter und noch grünen Herbstbäumen, Trinity College mit englischem Rasen der aussieht wie mit der Nagelschere geschnitten. Alte, high-heels tötende Straßen mit Abflussrinnen im Bürgersteig, Wind in der Kapuze, Spielbild von mediteran orange funkelnden Lampen im Liffey. Sie ist nicht romantisch, diese Stadt, nicht kalt, nicht warm. Die Luft ist reiner, frisch aus Amerika auf einem langen Weg. Wir haben kein Schaf gesehen, dafür überteuerte Plüschtiere in fast schönen Touristenshops gekauft. Ich war überfordert mit der Freundlichkeit der Iren und Eingewanderten, die sich beim Abkassieren nicht nur nach deinem Befinden, sondern auch deiner Lebensgeschichte erkundigen. Das Guiness floss was das Geld hergab, das war nicht viel, aber ausreichend. Breakfast at Tiffany's aus dem Mikro, der Sänger keinen Meter weg, der Pub so voll wir hier die Kneipen maximal an Sylvester. Lange Straßen, volle Geschäfte, unbezahlbare Preise. Ein kleines Stück USA in Form von übermäßig großen Cola-Flaschen, von Gängen voller Chipstüten. Weniger Tee als erwartet. Hügel voller Wiesen, in der Ferne, Industriezentren wie überall sonst auch. Tausend Nationen in einer Stadt, tausend Sprachen, ich kann nur wenige. Nach drei Tagen beginne ich, deutsche Wörter zu vergessen. In Tallaght gibt es nur unser Hotel und Bauschluchten, eine Straßenbahn, eine Shopping Mall, eine große. Wir bummeln durch Supermärkte, durch Klamottenläden die alles deutsche in den Schatten stellen, fast sogar Milano, aber nur fast.
Dublin, du meine erste irische Liebe.
We'll be back. Ein wildes, naturbelassenes Irland sehen. Bald. Ein Rucksack, ein Lonely Planet und auf geht's, ab geht's Schafe finden.