A walk to remember

13.05.2007 um 17:30 Uhr

*~*~*

Musik: With or without you

Manchmal wünsche ich mir, nicht immer alles zu bekommen. Manchmal will ich auch um etwas kämpfen müssen oder einsehen, dass ich etwas nicht haben kann. Manchmal... so wie gestern Abend. Und vorgestern Abend. Und dann wieder heute. Womit hab ich sowas verdient? Ich hab doch gar nichts gemacht. Und trotzdem kommen sie alle und nehmen mich in den Arm und wollen mir helfen, wissen, was los ist, ob was passiert ist. Am Freitag wurde mir gesagt, dass ich doch einfach mal lächeln soll, dann wären die andern auch glücklich... Ich wurde in den Arm genommen und mir wurde gesagt, dass sie da sind... wenn was ist. Danke... aber manchmal will ich das nicht. Will das einfach nicht. Das hab ich doch gar nicht verdient. Ich kenne so viele Menschen, die solche Dinge selten oder nie hören. Ich hör das dauernd. Mir wird kein Fehler übel genommen. Mir wird jede Entscheidung abgenommen, alles wird mir leicht gemacht. Danke... aber manchmal will ich das nicht. Das will ich einfach nicht. Weil ich es nicht brauche. Nicht immer. Und gestern wieder. Der Abend war fast vorbei und die Frau am Einlass hat mich angeschaut, dann hat sie sich im Saal umgesehen und gemeint, ich soll schnell reingehen, ich brauche keine Karte. Und dann all diese strahlenden Gesichter. Alle haben sie mich angelacht und in den Arm genommen, so als wäre ich ihre Tochter. Warum denn? Ich kam mir irgendwie verloren vor, ich mit meiner schwarz-weiß gestreiften Jacke und meinen gepunkten Schuhen, in Jeans und mit meiner Tasche, zwischen ein paar hundert Leuten in schwarzen Anzügen und Abendkleidern. Und irgendwie dann doch nicht. Alle wollten sie mit mir reden, mir etwas erzählen, wie jedes Mal wenn man sich trifft. Ein seltsam schönes Gefühl. Akzeptiert zu werden, von Menschen, von denen jeder einzelne meine Mutter oder mein Vater hätte sein können. Und nächstes Jahr soll ich dabei sein, haben sie gesagt, nicht nur am Schluss, wenns das Feuerwerk gibt, sondern den ganzen Abend. Weil ich so toll, so gut, so hübsch, so klug, schlau, intelligent gebildet bin, sagen sie. Danke, das ehrt mich, aber das will ich nicht, nie... weil es mir viel leichter fällt hässliche Dinge zu glauben. Ich will nicht sagen, dass es gestern oder vorgestern nicht schön gewesen wäre. Beide Abende waren schön und auf ihre Art unvergesslich... aber... ja, aber. Einfach nur aber. Mehr weiß ich auch nicht. Nur, dass da das Gefühl ist, sowas nicht verdient zu haben. Es bricht mir beinahe das Herz, zu sehen, wie sehr sie mich doch alle gern haben... weil ich es nicht verstehen kann. Ich mach doch gar nichts. Ich bin einfach nur da. Und wenn ich dann erzähle, dass ich in der Schule nicht aufpasse, stinkfaul bin und manchmal echt die schrägsten Dinge mache, dann lachen sie und sagen: "Witze machen kann sie auch noch!" Wie oft hab ich das schon gehört. Ich glaub das ist es. Das jeder das, was er von mir sieht, für die Wahrheit hält und dass man mir nicht glaubt, wenn ich versuche etwas richtig zu stellen. Ich mag diese Menschen, aber wenn ich widerspreche bin ich in einem Moment doch wieder nur ein Kind, dass mit Erwachsenen spricht. Das ist irgendwie ungerecht. Aber andererseits... wer kennt schon alle Seiten an einem Menschen?

Ich hab drei Tage nicht geschrieben. Es fiel mir leicht, weil ich kaum zu Hause war. Ich glaub, das hab ich gebraucht. Ich mag das. Ein paar tagelang von der Bildfläche zu verschwinden, sich nicht melden, niemanden sehen, mit niemandem sprechen, nicht ans Telefon zu gehen. Es ist ein Gefühl von Freiheit. Dann kann ich leichter mit der Sehnsucht und dem Fernweh umgehen. Oder Heimweh. Kommt ganz drauf an. My home is where my heart is, mh? Und im Sommer fahren wir ans Meer. Vielleicht... Da war ich nicht mehr, seit ich vor drei Jahren beinahe ertrunken wäre. Ich hab trotzdem keine Angst davor. Ich freu mich auf Mittwochabend, ganz ehrlich. Weil ichs jetzt akzeptiert habe. Dass ich daheim bleibe. Es ist gut, normalerweiße mag ich den Gedanken "zurückgelassen" zu werden nicht, aber dieses Mal gefällt er mir... irgendwie. Dann muss ich wenigstens nicht weinen. Höchstens ein bisschen, wenns keiner sieht.

Ich weiß nicht mal, warum ich das alles geschrieben habe. Ich habe doch eigentlich gar nichts zu sagen. Wollte nichts sagen, musste doch. Bin schon wieder müde, immernoch. Will nach Hause, endlich nach Hause...

"Dreh dich um
dreh dich um
dreh dein Kreuz in den Sturm
geh gelöst, versöhnt, bestärkt,
selbstbefreit den Weg zum Meer"

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenOneSinqLeTearx3 schreibt am 13.05.2007 um 18:35 Uhr:Und es tut mir leid... tut mir so leid dass sie dich so behandeln obwohl du es nicht willst...
    würde so gerne da sein dich drücken... es tut mir so leid...
    hdL <'3
  2. zitierenangelmagia schreibt am 13.05.2007 um 21:22 Uhr:Süße... Ach weißt du... Ich glaube schon, dass du es verdient hast.. Sehr sehr...
    Denn du bist einfach ein wunderbarer Mensch...
    Ein Mensch, der für andere da ist und weiß, was es bedeutet zu leben... Ein Mensch, den man einfach lieb haben muss ;)

    Und ich weiß, dass das manchmal nicht einfach ist... Denn ab und an geht es mir genauso...
    Und dann frage ich mich auch, ob ich das verdient habe.. Und je öfter ich frage, desto sicherer bin ich, dass es nicht so ist...

    Aber glaub mir, du hast es wirklich verdient...
    Und freut mich, wenn deine Abende trotzdem schön waren! Auch , wenn sie anders waren als du dir gedacht, vielleicht auch gewünscht hast.

    Ich hab dich vermisst irgendwie.
    Hab dich sehr lieb.
  3. zitierenschneehase schreibt am 13.05.2007 um 21:54 Uhr:Danke Svenja, das ist lieb von dir, hdal!

    Und auch dir danke, Julia... danke für deine Worte.
    Ich hab dich auch irgendwie vermisst...
    Hab dich auch sehr lieb.
  4. zitierensternenschein schreibt am 16.05.2007 um 19:25 Uhr:Muss man sich das gemocht werden, ueberhaupt verdienen?
    Denn manchmal wird man einfach gemocht, einfach weil man ist, wie man ist.
    Mit seinen ganzen Fehlern, Zweifeln, schlechten und guten Seiten.
    Und doch gemocht zu werden, ist es nicht das schoenste, einfach nur weil man da ist.
    Und wenn du Dich mit ihren Augen sehen koenntest, an ihrer Stelle waerest, mit ihren Gefuehlen, dann wuerdest Du Dich sicherlich auch moegen.
    Und vielleicht sehen sie mehr bei Dir, als Du selbst es sehen kannst.
    Liebe Gruesse

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