Und manchmal muss das Herz einfach weinen...
Stimmung: müüüde
Bin grad heimgekommen. Es war... ja, schön... irgendwie. Aber anstrengend. Es waren so viele Leute da. Viele kannte ich nicht. Was allerdings nicht weiter gestört hat. Smalltalk geht immer. Und ich war wieder die Gute, die Tolle, die Hübsche, die Schlaue und was weiß ich, was ich man mir noch so gesagt hat. Na gut, ich nehm das jetzt einfach so hin. Genauso wie ich die permanenten unangebrachten Kommentare meiner Cousine hingenommen habe. Ich wollte mich nicht aufregen. Und dann irgendwann kamen auch die Eltern einer alten verlorenen Freundin von mir. Wieder so eine Freundschaft, die aus Zeitmangel und zu wenig Pflege zerbrochen ist. Wenn ich so darüber nachdenke, sind es nicht unbedingt wenige Freundschaften, die ich verloren habe. Und viele wünschte ich mir zurück. Aber im Alltag ist nicht genug Platz, um für jeden wichtigen Menschen zum selben Zeitpunkt Raum zu schaffen. Vielleicht wird man deshalb nur abschnittsweiße begleitet. Jedenfalls waren die Eltern dieser Freundin da. Zwei Menschen, die ich schon seit Ewigkeiten sehr gern habe. Ich erinner mich, dass ich bis vor wenigen Jahren bei ihnen ein und aus ging. Und ihre Tochter bei uns genauso. Jaja, damals. Damals hat mir die Freundschaft noch nicht so viel bedeutet. Heute weiß ich was ich verloren habe. Und bei dem Anblick ihrer Eltern ist mir das wieder bewusst geworden. Und dann sagte ihr Vater folgenden Satz zu mir: "Seit du nicht mehr kommst, ist mein Schreibtisch unaufgeräumt." Ich habs erst nicht verstanden, aber dann meinte er, dass er meine Besuche immer als Anlass sah, seinen Schreibtisch aufzuräumen und das jahrelang, bis ich irgendwann nicht mehr zu Besuch kam. Und ich stand da und hätte am liebsten geweint. Ich wusste es nicht, wusste nicht, dass er all die Jahre meine Besuche als Anlass genommen hatte, in seinem Zimmer Ordnung zu halten. Ich dachte immer, er wäre einfach ein ordentlicher Mensch. Und er lächelte, legte mir einen Arm um die Schultern und sagte leise zu mir: "Ich hoffe, ich habe sehr bald einen Grund, meinen Schreibtisch aufzuräumen." Es tat weh. Ich lächelte zurück, doch mein Herzchen weinte bittere Tränen. Tränen der Sehnsucht, des Zurückwünschens, Tränen des Vermissens. Aber manchmal muss es weinen... einfach so. Damit ich weiß, was ich will. Sie hat bald Geburtstag, meine Jugendfreundin. Ich will sie anrufen...
Gute Nacht.




