Problem!
Ja, ich habe ein Problem. Ein ziemliches sogar!
Heute musste ich mal wieder feststellen, dass ich einfach absolut nicht dazu in der Lage bin anderen Menschen (und vor allem denjenigen, die mir Nahe stehen) mit zu teilen, was mich an ihrem Verhalten oder an Dingen die sie sagen, gesagt haben oder aber eben überhaupt gar nicht erst sagen stört...
Irgendwie habe ich zu viel Angst davor, dass ich jemanden verletze, dass jemand von mir enttäuscht sein könnte oder meinetwegen Kummer hat, so dass ich einfach schweige. Ich schweige und sage nichts, fresse alles in mich rein und fühle mich am Ende unglaublich erschöpft... ich werde wütend und erlaube mir aber gleichzeitig niemals zu expoldieren. Vielleicht ein paar Tränen lasse ich zu, aber das wars dann auch.
Wahrscheinlich passiert das, weil ich es immer sehr ernst (zu ernst wahrscheinlich) genommen habe mit "zieh erst den Balken aus deinem eigenen Auge" oder "was du nicht willst, das man dir tut..." oder vielleicht liegt es auch an meiner äußerst vertrackten familiären Situation...Oder aber, was natürlich auch sein könnte: ich habe einfach einen am Sender, Sprung in der Schüssel, Luft im Kopf.
Auf jeden Fall schaffe ich es nicht meinen Mund in entscheidenden Situationen zu öffenen und (jetzt mal bildlich gesprochen) zu schreien. Mir schnürt die Angst vor der Enttäuschung oder Wut des Anderen sofort die Kehle zu und heraus kommt nicht mal mehr ein leises Krächzen.
Normalerweise bin ich wirklich ein äußerst geselliger Mensch, kommunikativ und vielredend. Aber in solchen Situationen schaffe ich es nicht. Nicht mal annähernd. Pff.
Nur mal zwei Beispiele am Rande: Nummer 1: seit dem ich in meiner WG-Wohnung lebe, putze ich. Ja, ich putze eigentlich jede Woche alles... die Küche, das Bad und den Flur, ja und natürlich mein Zimmer. Ich bekomme es nicht fertig gebracht meinen Mitbewohner darüber zu informieren, dass ich nicht seine Putzfrau bin und er sich eindeutig mehr am Haushalt beteiligen sollte. Seit Wochen nehme ich es mir vor ihn endlich mal darauf anzusprechen und dann jedes Mal, wenn sich eine Gelegenheit dazu ergibt zieh ich den Schwanz ein (ich bediene mich heute mal häufiger der Bildersprache) und überlege mir einen dummen Grund, weswegen gerade doch ein unpassender Moment ist. Ich hab Angst davor, dass er mir irgendwelche Vorhaltungen machen könnte und sich von mir angegriffen fühlt und das ich mit meiner Ansicht falsch liege...
Nummer 2: mein Bruder hat sich bei uns zu Hause, nachdem ich ausgezogen bin, einfach mal meinen Fernseher genommen und diesen durch seinen Kaputten ersetzt... ich hab mich nicht getraut was dazu zu sagen, was lediglich zur Folge hatte, dass er jetzt auch noch seinen kaputten Reciver gegen meinen Funktionierenden ersetzt hat! Daraufhin habe ich all meinen Mut zusammen genommen und ihn angesprochen und dabei hatte ich schon direkt ein schlechtes Gewissen... warum frag ich mich?? Schließlich waren das meine Sachen.
So anhand dieser Beispiele kann man sehen, es ist nicht gut um mich bestellt, wenn ich mal den Mund aufmachen sollte... und viel schlimmer ist, ich schaffe es bei solchen Kleinigkeiten nicht und bei den Großigkeiten, die mir zu schaffen machen, da schaffe ich es schon gar nicht.
Deswegen sitze ich jetzt auch hier...
Noch ist er nicht überall zu sehen der gute Lenz, aber zu spüren ist er eindeutig in der ganzen Stadt! Überall sitzen Menschen im Café, schieben Paare ihre Kinderwägen, Senioren ihre Rollatoren (falls so der Plural ist) und Gruppen von Teenagern rennen mit H&M Frühlingstüten durch die Fußgängerzone :)
Die ersten Osterglocken hab ich auch erwischt, ja ja ich fühlte mich tatsächlich ein wenig wie im Urlaub! Kurzurlaub. Oder Kürzesturlaub...
