Für was braucht man heute noch Großhändler?
Stimmung: traurig, verbittert
Es ist zum Verzweifeln. Ich bin ratlos und erschüttert zu gleich. Ich habe neben meiner Meisterprüfung zwar eine Ausbildung zum Betriebswirt des Handwerks absolviert, aber einige Dinge in unserer sozialen Marktwirtschaft sind mir noch immer ein Rätsel.
Aber der Reihe nach: Ich verkaufe in meiner Metzgerei ein kleines Sortiment an Handelswaren. Damit meine ich vor allem Senf in Tuben, Fixprodukte und Gemüse- und Sauerkonserven. Diese Handelswaren kann ich leider nicht direkt beim Hersteller (z. B. Thomy, Maggi, Knorr etc.) beziehen. Die Hersteller verweisen mich immer an den „Großhandel“. Ein solcher „Großhändler“ ist die Firma Metro C+C. Nun beginnt das eigentliche Problem. Der „Großhändler“ bietet mir als Großkunden die Handelswaren zu einem Preis an, der über dem Preis dieser Artikel im Supermarkt liegt. Das heißt, jede Hausfrau die eine Tube Senf im Supermarkt kauft, kauft sie günstiger ein, als ich, wenn ich ganze Steigen kaufe. Ich kaufe die Artikel bei meinem Großhändler Metro teilweise über der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers ein.
Wozu führt dieses Handeln der Industrie und der Großhändler? Ganz einfach. Mir wird es unmöglich gemacht, marktfähige Verkaufspreise zu kalkulieren. Die Waren sind bei mir zu teuer. Die Kunden kaufen nicht mehr bei mir ein. Ich benötige weniger Handelswaren. Der „Großhändler“ verkauft dadurch weniger Artikel. Die Umsätze sinken. Und der Hersteller braucht Ware, die der Großhändler nicht mehr an mich verkauft auch nicht mehr in diesen Mengen herzustellen. Darin kann ich keinen Sinn erkennen. Aber das schlimmste ist, dass mit mir als Kunde darüber niemand sprechen möchte. Keiner meiner „Partner“ in der Lieferkette ist bereit, gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Das macht mit traurig und wütend. Gerade ein Unternehmen wie die Firma Metro, deren C+C Anteil in den letzten Jahren stetig sinkt, die neue Konzepte für Profikunden entwickelt, sollte doch eigentlich ein Ohr für den Kunden besitzen. Da die Metro aber offenbar den Interessen Ihrer Kunden kein gehört schenkt, wird sich das Unternehmen früher oder später die Quittung erhalten.
Traurig für meine Kunden, traurig für mich, traurig für die Metro Mitarbeiter, aber nicht schade um die Nieten in Nadelstreifen.
