Bienen brauchen ...
... einen gut gedeckten Blütentisch

„Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr – kein Mensch mehr.“
Ob Albert Einsteins Prophezeiung sich in ihren extremen Auswirkungen tatsächlich bewahrheiten wird, sei dahingestellt. Tatsache ist aber leider, dass für die Honigbienen das Paradies nicht mehr existiert. Die Apis mellifera ist extrem bedroht und die Gefahren kommen aus den unterschiedlichsten Richtungen. Die Varroa-Milbe, die in den 1970er-Jahren aus Asien eingeschleppt wurde und sich am Bienenkörper festbeißt, zu Verstümmelungen führt und Viren überträgt, führt ohne imkerliche Behandlung zum Kollaps ganzer Bienenvölker. Die Imkerei an sich ist rückläufig und es mangelt an geschultem Nachwuchs. Ausgerechnet die intensive Landwirtschaft, bei der 80 Prozent der Kulturpflanzen auf die Bestäubungsleistung der Bienen angewiesen sind, engt die Lebensräume stark ein und führt zur Verarmung der Landschaft und in der Folge zu Artensterben. Pollenmangel schwächt das Immunsystem der Biene und macht sie anfällig für vielerlei Krankheiten. Der Einsatz von Chemie tut ein Übriges (im Sommer 2008 starben in Süddeutschland 11.500 Bienenvölker und damit 500 Mio. Bienen an dem als Saatgutbeize ausgebrachten Insektizid Clothianidin). Die Gefahren der Agro-Gentechnik werden ein Problem der nahen Zukunft sein.
Nicht nur die Natur, auch der Verbraucher ist direkt von dieser Misere betroffen: Die Deutschen sind Weltmeister im Honigessen, aber 80% des Honigs werden importiert und stammen oftmals aus Ländern, in denen der Umgang mit dem „flüssigen Gold“ in gesundheits- und ernährungsphysiologischener Hinsicht eher kritisch zu bewerten ist.
Gute Trachtmöglichkeiten sind hierzulande meist nur in einem begrenzten zeitlichen Rahmen vorhanden, vielerorts kommt es zu Trachtlücken. Ab dem Sommer weichen die Nektarsammlerinnen verstärkt auf Parkanlagen, Friedhöfe und heimische Ziergärten aus.
Hier kann jeder Gartenbesitzer seinen kleinen Beitrag leisten, indem er den fleißigen Immen vom Frühjahr bis in den Spätherbst hinein geeignete Weidepflanzen und damit ein bienengerechtes Schlaraffenland anbietet.
Im Bienenstock ist die Arbeitsteilung extremem Reglementierungen unterworfen. In ihrem kurzen Leben, das im Sommer keine sechs Wochen währt, übt die Biene verschiedene Berufe aus, wobei die Reihenfolge genetisch festgelegt ist. Das Nektarsammeln ist der letzte Arbeitseinsatz im beruflichen Werdegang der fleißigen Arbeiterinnen. Die Sammlerinnen, die friedlich brummelnd und summend von Blüte zu Blüte fliegen, sind die „alten Tanten“ des Bienenvolkes und sterben schon bald nach ihrem unermüdlichen Einsatz einen raschen Tod.

Bevor sie ab den frühen Morgenstunden ihrem anstrengenden Tagwerk entgegenfliegen, haben ihre Kolleginnen schon ganze Arbeit geleistet. Die Anflugsziele werden im Bienenstock genauestens festgelegt. Gerade wenn draußen der Tisch nicht so üppig gedeckt ist, haben die Erkunderinnen jede Menge Vorarbeit zu leisten. Wo sich eine einladende Trachtquelle befindet, wird mit Hilfe einer kompliziert anmutenden Kommunikationstechnik, dem Bienentanz, weitergegeben.
Das Thema dieser anregenden Unterhaltung könnte unser eigener Garten oder Balkon sein – ein netter Gedanke.
Ein bienengerechter Garten ist immer auch ein farbenfroher und verführerisch duftender Garten, ein Stück Natur, das die Sinne von Mensch und Tier anspricht. Bei Blumen, Stauden und Sträuchern sollte man auf ungefüllte Blüten achten, nur sie bieten den für die Bienenernährung und -gesundheit so wichtigen Pollen. Deutschlands Balkonblume Nummer 1, die Geranie, ist nicht bienenfreundlich, da sie weder Pollen noch Nektar liefert. Für den Balkon würden sich spezielle Blumenmischungen besser anbieten.
Einige Beispiele:
Krokusse sind im Frühjahr ideale Pollenlieferanten und versorgen die Biene mit dieser für die Frühjahrsentwicklung der Völker wertvollen Eiweiß-Kraftquelle. Verschiedene Blütenfarben vergrößern das Angebot !
Berberitzengewächse wie die Mahonie liefern von April bis Mai gelben Pollen und im Mai und Juni den Nektar, der von den Arbeitsbienen im Bienenstock zu köstlichem Honig umgewandelt wird.
Die Garten-Akelei, welche die Biene nach getaner Arbeit mit ockerfarbenen Pollenhöschen wieder verlässt, bietet ihren Pollen und Nektar sogar bis Ende August feil.
Rosengewächse (Edelrosen, Hagebutten, Himbeeren, Brombeeren) locken nicht nur mit ihrem Duft, sondern sind durch ihre herausragenden Griffel, um die herum sich das Nektarium befindet, ideale Landeplätze für Insekten.
Die Duftraute, ein Zitrusgewächs, auch Bienenbaum genannt, blüht im Spätsommer und wird von Honig- und Wildbienen und anderen Blüten besuchenden Insekten wie Schmetterlingen, mit Begeisterung und in wahren Heerscharen aufgesucht. Die holunderartigen Dolden bieten goldfarbenen Pollen und viel Nektar. Der Besuch von drei Blüten genügt, um den Honigmagen einer Biene zu füllen – unter vielen anderen Möglichkeiten eine nahezu perfekte Bienenweide.
©Brigitte Stolle




Geschockt war ich jedoch, als ich las, dass das mysteriöse Bienensterben der letzten Jahre auf Massentierhaltung zurückzuführen ist! Dass jetzt sogar schon die Bienen der Globalisierung zum Opfer fallen...
Ich jedenfalls bin wild entschlossen, Bienenrestaurant zu eröffnen, wenn sich diese Tiere vielleicht auch mal zu mir verirren. Wir wohnen leider mitten im Ort. :-(
Und ein Hummelhotel haben wir jedes Jahr auf Balkonien. Die fühlen sich da bumswohl. :-)
Danke für den tollen Artikel. :o)))