Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

20.01.2006 um 04:00 Uhr

Der Henker und die Käseträger

Der Henker und die Käseträger

Jeden Freitag, von April bis September, ist im
malerischen Städtchen Alkmaar in Holland Käsemarkt.
Dann waltet der "Henker", wie der Marktaufseher seit
fast 400 Jahren genannt wird, seines Amtes. Unblutig,
jedoch mit traditionellem Ernst. Denn es geht ja um Käse.
Und da verstehen die Holländer keinen Spaß. Die
Aufgabe des gewählten "Henkers" ist es, die Namen
von unpünktlichen Käseträgern ans Schandbrett
zu schreiben, damit jedermann einen Langschläfer
erkennt. Denn hier läuft alles nach einem festgelegten
Zeitplan ab. Wie ein Uhrwerk. Und da kann man
unpünktliche Träger nicht gebrauchen.

Mit dem Glockenspiel vom Turm der Käsewaage
beginnt das Marktgeschehen (10 Uhr). Händler und
Käufer treten auf, mit feierlichen Mienen wird in den "Käsestraßen" hier und da eine Probe entnommen.
Danach beginnt das lautstarke Feilschen, bis das
Geschäft mit einem kräftigen Handschlag besiegelt wird.
Jetzt folgt der Auftritt der Käseträger. In weiße Anzüge
gekleidet, bringen sie den verkauften Käse auf hölzernen Käsetragen zur Waage, wo das Schauspiel
Punkt 12 Uhr endet.


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