Der Lorscher Bienensegen
Der Lorscher Bienensegen
Im 10. Jahrhundert hat ein unbekannter Mönch in Lorsch auf den unteren Rand eines lateinischen Folianten (mit Predigten des Kirchvaters Augustinus) kopfständig den so genannten Lorscher Bienensegen gekritzelt. Wahrscheinlich war dieser Mönch 'nebenher' mit der Imkerei beschäftigt und befand sich in großer Sorge, dass seine Bienen – es muss Schwarmzeit gewesen sein! – entweichen könnten.
Die Lorscher Handschrift
Althochdeutsch:
Kirst, imbi ist huze! nu fliuc du, uihu minaz, hera
fridu frono in godes munt heim zu commone gisunt.
sizi sizi bina! inbot dir sancte Maria
hurolob ni habe du zi holce ni fluc du,
noh du mir nindrinnes, noh du mir nintuuinest.
sizi uilu stillo, uuuirki godes uuillon!
Übersetzung:
"Christus, das Bienenvolk ist heraußen (= ausgeschwärmt)!
Jetzt fliegt, meine Tiere (mein Vieh), wieder herbei,
damit ihr im Frieden des Herrn, im Schutz Gottes,
gesund heimkommt.
Sitz, sitz, Biene. Das gebot dir die heilige Maria.
Du sollst keine Erlaubnis (= Urlaub) haben,
zum Holz (= in den Wald) zu fliegen,
du sollst mir weder entwischen noch entweichen.
Sitz ganz still und tu, was Gott will (wirke Gottes Willen)!"
uihu – Vieh, Tier(e)
ind-rinnan (n = Negation) – entrinnen, entwischen
int-uuinnan = entweichen
Auch in Frankreich glaubte man an die Magie der Worte; dort skandierten die Imker-Mönche immer wieder den gleichen Spruch, wobei die Biene (frz. abeille) etwas respektlos als 'mouche' = Fliege, Mücke ('Muck') bezeichnet wurde:
"Mouche, que Dieu a créé
Pour l’église illuminer
Je te conjure par la Sainte-Trinité
De t’arrêter!"
Biene, die Gott geschaffen hat
um die Kirche zu erleuchten (Wachskerzen!)
Ich beschwöre dich bei der Heiligen Dreifaltigkeit:
dich zu setzen!



