Der Rettich
Man geht davon aus, dass unser Gartenrettich von dem wilden Ackerrettich abstammt, der ursprünglich in Vorderasien beheimatet war. Von hier aus kam er im 3. Jahrtausend nach unserer Zeitrechnung nach Ägypten, wo er auch zur Ölgewinnung kultiviert wurde.
Es wird behauptet, dass die Cheops-Pyramide nie gebaut worden wäre, wenn es zu dieser Zeit (2530 vor) keinen Rettich gegeben hätte. Denn die Arbeiter stärkten sich mit einer würzigen Mischung aus Rettich, Zwiebeln und Knoblauch.
Von den alten Griechen stammt die Legende, dass die griechischen Tempelpriesterinnen jeden Monat einmal, und zwar bei Vollmond, ein Glas Rettichsaft getrunken haben – zur Erhaltung der Jungfräulichkeit.
Nach Deutschland kam der Rettich im 13. Jahrhundert und zwar zuerst nach Süddeutschland – auch heute noch Hauptanbaugebiet. In Schifferstadt (Pfalz) hat man dem Rettich sogar einen Festtag geweiht. Das traditionelle Rettichfest findet jeweils im Mai statt.
Neben weißem Rettich gibt es Sorten mit roter und schwarzer Farbe. Die Form reicht von der einer Riesenrübe bis zu faustgroßen Kugeln. Der typische, angenehm scharfe Geschmack stammt von den schwefelhaltigen ätherischen Senfölen. Weitere wichtige Inhaltsstoffe: Calcium, Eisen, Kalium, Natrium, Vitamine B1, B2, B3 und C, Provitamin A.
Rettich wird vor allem zu Salat verarbeitet, als Brotbelag oder – spiralförmig aufgedreht – zum Bier genossen. Zwar kann er auch als Gemüse, Suppe usw. verwendet werden, doch verflüchtigen sich durch die Erhitzung die ätherischen Öle.
Dank seiner vielen Inhaltsstoffe ist der Rettich von großer ernährungsphysiologischer Bedeutung. Er hat einen positiven Einfluss auf den gesamten Stoffwechsel, wirkt cholesterinspiegelsenkend, desinfizierend und verdauungsfördernd. Außerdem stärkt er das Immunsystem. Die anthroposophische Medizin empfiehlt besonders den schwarzen Rettich für Menschen, die geistig viel arbeiten. Aus Japan kommt der marinierte japanische Rettich (Daikon), der im Naturkosthandel erhältlich ist.
Ein Gedicht von Eduard Mörike:
Restauration
Das süße Zeug ohne Saft und Kraft!
Es hat mir all mein Gedärm erschlafft.
Es roch, ich will des Henkers sein,
wie lauter welke Rosen und Kamilleblümelein.
Mir ward ganz übel, mauserig, dumm,
lief in den Garten hinterm Haus,
zog einen herzhaften Rettich aus.
Fraß ihn auch auf bis auf den Schwanz.
Da ward ich wieder frisch und genesen ganz.



