Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

08.11.2007 um 18:00 Uhr

Der Zahnarzt von Eugen Roth

von: buchzeiger   Kategorie: Gedichte

Der Zahnarzt

Nicht immer sind bequeme Stühle
Ein Ruheplatz für die Gefühle.
Wir säßen lieber in den Nesseln,
Als auf den wohlbekannten Sesseln,
Vor denen, sauber und vernickelt,
Der Zahnarzt seine Kunst entwickelt.
Er lächelt ganz empörend herzlos
Und sagt, es sei fast beinah schmerzlos.
Doch leider, unterhalb der Plombe,
Stößt er auf eine Katakombe,
Die, wie er mit dem Häkchen spürt,
In unbekannte Tiefen führt.
Behaglich schnurrend mit dem Rädchen
Dringt vor er bis zum Nervenfädchen.
Jetzt zeige, Mensch, den Seelenadel!
Der Zahnarzt prüft die feine Nadel,
Mit der er alsbald dir beweist,
Dass du voll Schmerz im Innern seist.
Du aber hast ihm zu beweisen,
Dass du im Äußern fest wie Eisen.
Nachdem ihr dieses euch bewiesen,
Geht er daran, den Zahn zu schließen.
Hat er sein Werk mit Gold bekrönt,
Sind mit der Welt wir neu versöhnt
Und zeigen, noch im Aug die Träne,
Ihr furchtlos wiederum die Zähne:
Die wir – ein Prahlhans, wers verschweigt –
Dem Zahnarzt zitternd nur gezeigt.

gefunden in:
Der Wunderdoktor
Heitere Verse von Eugen Roth

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Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensoJA schreibt am 08.11.2007 um 18:35 Uhr:Wir und auch der Zahnarzt hat seine Freude am Goldbekrönten.
  2. zitierenbuchzeiger schreibt am 09.11.2007 um 07:08 Uhr:"Mit Gold bekrönt" - das klingt nach königlichen Zähnen.
  3. zitierensandra schreibt am 11.12.2010 um 12:00 Uhr:Meine Mutter hat uns dieses Gedicht schon vor 30 Jahren aufgesagt, wenn wir zum Zahnarzt mussten. Hab es heute erst gefunden!
  4. zitierenElvira schreibt am 30.09.2011 um 20:10 Uhr:Dieses treffende Gedicht hängt bei meinem Zahnarzt im Behandlungszimmer!!!!!!!!!!!!!!

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