Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

26.06.2007 um 04:05 Uhr

Die Honig-Schleuder-Reportage

von: buchzeiger   Kategorie: Honig und Bienen / Imkerei   Stichwörter: Erschöpft, aber, glücklich

Eine Woche Malochen liegt hinter mir. Jeden Tag nach der Arbeit musste bei den Bienen bzw. mit Honig verbracht werden. Für blogigo blieb wenig Zeit.

Wen es interessiert, hier eine kleine
Honig-Schleuder-Reportage !

Wenn der Honig reif, d. h. der Feuchtigkeitsgehalt unter 20 % gesunken ist, werden die Waben von den Bienen sorgfältig mit einer Wachsschicht verdeckelt. Dann ist die Zeit für die Imkerin gekommen, den Honig zu "stehlen" (aus Bienensicht bin ich nichts anderes als ein gemeiner räuberischer Honigbär). Zuerst wird eine so genannte Bienenflucht eingesetzt. Das ist ein Zwischenbrett, durch das die Bienen zwar vom Honigraum in den Brutraum krabbeln können, aber nicht wieder zurück. Ergebnis: Nach 12 bis 24 Stunden ist der Honigraum fast bienenleer und die Rähmchen können entnommen werden.

Leider hat es zu dieser Zeit stark geregnet, so dass man mit Schirm arbeiten musste, damit der Honig (und die Imkerin) nicht zu nass wurden. Der Smoker konnte leider auch nicht angezündet werden, um die Bienen, die ihren Honig verständlicherweise verteidigen wollen, abzuwehren. Durch den starken Regen sind sie aber - Glück im Unglück - auch nicht so gerne draußen herumgeflogen und haben mich einigermaßen in Ruhe gelassen.

Mit 10 Rähmchen à zwei Kilo Gewicht musste dann ein - inzwischen schlammiger - Hang hinaufgeklettert und alles im Auto verstaut werden.

Zusammen mit meiner Imkerkollegin habe ich mir eine schöne neue 3-Waben-Schleuder gekauft, damit wir von anderen Personen zeitlich unabhängig sind. Auch nicht gerade billig!




Vor dem Schleudern muss zuerst die Wachsschicht von den Waben herunter. Entdeckeln nennt man das. Dazu braucht man Entdeckelungsgeschirr, z. B. eine Entdeckelungsgabel:



Vorsicht: Nicht zu tief in den Honig "hineingabeln" !



Wabe für Wabe muss so auf der Vorder- und Rückseite entdeckelt werden, bis der Honig offen liegt.

Endlich fertig:



Jetzt jede Seite zweimal schleudern. Erst gaaaanz vorsichtig, damit die Rähmchen nicht brechen, dann jedoch mit aller Kraft. Hier fließt der erste Honig aus der Schleuder durch ein Doppelsieb in den Honigeimer hinein:



Doch was tun mit dem Entdeckelungswachs, an dem noch jede Menge Honig haftet ? Man kann sich süßen Tee oder Limonade daraus fertigen; manche Imker kauen das süße Wachs wie Kaugummi aus. Ich habe mich entschlossen, es den Bienen zurückzugeben. Sie haben sich gleich begeistert darüber hergemacht, nichts wird verschwendet - und eigener Honig schmeckt doch immer noch am besten !

Gell, ihr Guten ?



Das erste Frühstück mit dem frisch geschleuderten Honig:


Es ist in diesem Jahr (immer wieder eine Überraschung!) ein klarer flüssiger "Tausend-Blüten-Honig" geworden:


Stundenlang wurde Honig per Hand (besser gesagt: mit einem Esslöffel) abgefüllt (eine Abfüllanlage lohnt sich bei 1 bis 3 Völkern noch nicht und wäre mir auch viel zu teuer). Aus eigenen Bildern und Fotos habe ich danach Etiketten gestaltet und auf die Gläser geklebt.


Schön, oder ?
(Also mir gefällt's !)

Viele Grüße von einer abgearbeiteten,
aber glücklichen Imkerin !

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenbeastlover schreibt am 26.06.2007 um 08:43 Uhr:interessant...was kostet denn so eine honigschleuder?
  2. zitierensoJA schreibt am 26.06.2007 um 12:21 Uhr:Das Endprodukt sind dann auch Tausend-Glücksmomente!
  3. zitierenbuchzeiger schreibt am 26.06.2007 um 12:43 Uhr:beastlover: So eine kleine 3-Waben-Schleuder kostet schon rund 400 EURO.

    soJA: So bin ich also doch noch zu meinen Glücksmomenten gekommen!
  4. zitierenbeastlover schreibt am 27.06.2007 um 14:47 Uhr:hui...ne menge holz...hoffentlich rechnet sich das mit der ausbeute.
  5. zitierenbuchzeiger schreibt am 27.06.2007 um 18:46 Uhr:Nö, das rechnet sich wohl nie. Ich sehe das Ganze als Arbeit für den Naturschutz und als Hobby an.
  6. zitierenElin schreibt am 04.07.2007 um 11:59 Uhr:Wow, tolle Bilder. Wir wollten letzten Jahr auch unter die Imker gehen. Mein Mann hatte im Winter die Holzbeuten geölt, die Rahmen bespannt etc. Im Frühjahr haben wir die fertigen Beuten in die Hütte im NABU-Garten gebracht..., die kurz darauf angesteckt wurde. Dann rief noch unser "Imker-Vater" an und sagte, dass "unser" Volk die Faulbrut hat. Das war's dann vorerst... :-(
  7. zitierenbuchzeiger schreibt am 04.07.2007 um 12:42 Uhr:Ja, die amerikanische Faulbrut ist eine schlimme und gefürchtete Sache und beim Veterinäramt anzeigepflichtig. Leider müssen die betroffenen Völker dann vernichtet werden. Anders ist es in vielen Honig-Export-Ländern. Aus den USA oder China kommen Honige auf den deutschen Markt (Discounter-Honig), die mit Faulbrutsporen belastet sind. Würde ich meine Bienen über Winter mit solchem Honig füttern, würden sie sich anstecken. - Tut mir leid, dass euer Versuch gescheitert ist. Wollt ihr es nicht noch einmal probieren. Das passiert zwar oft, ist aber nicht der Regelfall !
  8. zitierenElin schreibt am 04.07.2007 um 13:19 Uhr:Das Problem ist, dass wir kein Auto mehr haben (bewusste Entscheidung) und wir zum Schleudern immer irgendwie zum Haus des Imkervereins kommen müssten...
  9. zitierenbuchzeiger schreibt am 04.07.2007 um 18:47 Uhr:Ich habe auch kein Auto - nicht mal nen Führerschein - und muss mich immer fahren lassen. Auch keine Hütte oder Abstellmöglichkeit bei den Bienen - man muss ständig improvisieren und alles hin und herschleppen. Ganz schön mühsam.
  10. zitierenKarl Röttel schreibt am 22.05.2009 um 01:53 Uhr:Liebe Imkerin!
    Betreiben Sie auch Königinnen-Zucht bzw. Verhinderung von Schwärmen?
    Falls ja, wie verhindert man Schwärme am besten, wenn man die Königinnen kaum kennt und eine Zarge aufgesetzt hat (von oben Bearbeiteng)?
    Danke für einen tip.
    Gruß
    Kleinimker Karl
  11. zitierenbuchzeiger schreibt am 22.05.2009 um 05:15 Uhr:"Königinnenzucht" beschränkt sich bei mir auf die Bildung von einem Ableger pro Jahr.

    Schwarmverhinderung betreibe ich durch wöchentliche Kontrolle (während der Schwarmzeit) aller Rähmchen und Ausbrechen von etwaigen Königinnenzellen. Das ist viel Arbeit, hat aber bislang gut funktioniert. Die Königinnen muss ich dafür nicht unbedingt kennen, meistens sehe ich sie nicht einmal, weil sie nicht gezeichnet sind.

    Imkerliche Grüße !

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