Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

24.04.2010 um 11:11 Uhr

Die schreckliche deutsche Sprache

von: buchzeiger   Kategorie: Schreiben, Sprache, Schrift   Stichwörter: Deutsch, Sprache, Mark, Twain

 

"... Es gibt zehn Wortarten, und alle sind sie schwierig.
Ein Durchschnittssatz in einer deutschen Zeitung
ist eine erhabene und ehrfurchtsgebietende
Kuriosität; er nimmt eine Viertelspalte ein; er
enthält alle zehn Wortarten – nicht in der
gehörigen Reihenfolge, sondern
durcheinandergewürfelt. Er ist hauptsächlich
aus zusammengesetzten Wörtern gebaut, die
der Schreiber an Ort und Stelle konstruiert hat
und die in keinem Wörterbuch zu finden sind
– sechs oder sieben in eines zusammengepresste
Wörter ohne Naht und Gelenk – das heißt
ohne Bindestriche. Er handelt von vierzehn
oder fünfzehn verschiedenen Gegenständen,
jeder in einer eigenen Parenthese
eingeschlossen, mit zusätzlichen Parenthesen
hier und da, die wiederum drei oder vier
Unterparenthesen einschließen, so dass
Pferche innerhalb der Pferche entstehen;
schließlich werden alle Parenthesen
und Unterparenthesen zwischen zwei
Überparenthesen zusammengeballt, von
denen die eine in der ersten Zeile des
majestätischen Satzes liegt und die andere
in der Mitte der letzten Zeile – und danach
kommt das VERB, und man erfährt zum ersten
Mal, wovon die ganze Zeit die Rede war;
und nach dem Verb – nur als Verzierung,
soweit ich es ausmachen kann – schaufelt
der Schreiber "haben sind gewesen
gehabt haben geworden sein" oder Wörter
von ähnlicher Wirkung hinein, und das
Monument ist fertig. Ich nehme an, dass
dieses abschließende Hurra so etwas wie der
Schnörkel bei einer Unterschrift ist – nicht
notwendig, aber hübsch. Deutsche Bücher
sind ziemlich leicht zu lesen, wenn man sie
vor den Spiegel hält oder sich auf den
Kopf stellt – um die Konstruktion
herumzudrehen; aber ich glaube, eine
deutsche Zeitung lesen und verstehen zu
lernen ist eine Sache, die einem Ausländer
 stets unmöglich bleiben muss."

The Awful German Language
Die schreckliche deutsche Sprache
aus Mark Twain: Bummel durch Europa

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenoddvar schreibt am 26.04.2010 um 08:48 Uhr:Man braucht nicht wie Mark Twain scherzhafte
    Konstruktionen mit vielen Verben hintereinander bilden. Es gibt genügende Beispiele im " Dudendeutsch ", so wie " Wer sich die
    Suppe hat versalzen lassen wollen",muss......
  2. zitierenbuchzeiger schreibt am 26.04.2010 um 19:12 Uhr:Aber nein! Wer will sich denn die Suppe versalzen lassen?

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