Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

07.07.2007 um 08:03 Uhr

Earl-Grey: Schmeckt auch eisgekühlt!

von: buchzeiger   Kategorie: Getränke

Der Earl Grey-Tee

ist ein "Chinese", der mit dem ätherisch-würzigen Bergamotte-Öl (die Bergamotte ist eine Zitruspflanze; Pomeranze) aromatisiert wird. Seinen Namen hat der Tee von Charles Grey (1764–1845), der als britischer Premierminister das Preismonopol der East India Company im Teehandel mit China aufhob. Erfunden hat Mister Grey den Earl-Grey-Tee jedoch nicht, sondern er stammt aus China. Ursprünglich wurde der Tee von den Chinesen mit einem zusätzlichen Duft versehen, damit er auf der langen Schiffsfahrt nach England keinen Fisch- oder Teergeschmack annahm. Der Earl Grey ist bis heute der Inbegriff von feinem Tee.

Der chinesische Philosoph Lin Yutang hat in seinem Buch "Weisheit des lächelnden Lebens" dem Tee ein eigenes Kapital gewidmet. Er schreibt u. a.:

"In meinem Arbeitsraum gibt es keine Förmlichkeiten, und nur die vertrautesten Freunde haben Zutritt. Sie bekommen reich oder karg zu essen, wie mein Küchenzettel es eben fügt, und wir schwatzen und lachen und vergessen alles um uns herum. Wir fragen nicht, ob die Leute recht oder unrecht haben, und Ruhm und Reichtum dieser Welt lassen uns kalt. In unserer Muße sprechen wir von den Alten und von uns Heutigen, und in unserer Ruhezeit spielen wir mit den Bergen und Flüssen. Dann trinken wir dünnen hellen Tee und guten Wein, gerade das Richtige in dieser Stimmung köstlicher Weltenferne. So stell‘ ich mir die Lust der Freundschaft vor."

"Beim Teetrinken" heißt es weiter, "ist es von Wichtigkeit, dass wenig Gäste zugegen sind. Durch viele Gäste würde es geräuschvoll, und dadurch ginge etwas von dem eigenen Zauber des Tees verloren. Allein Tee trinken heißt "still und zurückgezogen"; zu zweit trinken heißt "gemütlich"; zu dritt oder viert trinken heißt "bezaubernd"; mit fünften oder sechsten trinken nennt man "gemein", und mit sieben oder acht ist es, und zwar in einem verächtlichen Sinn "ein Akte der Menschenfreundlichkeit".

Als geeignete Momente fürs Teetrinken nennt Lin Yutang:

Wenn Herz und Hände müßig sind.
Wenn man vom Gedichtelesen müde ist.
Wenn man beim Denken gestört wurde.
Wenn man Gesang und Liedchen hört.
Wenn man an einem Feiertag still in seiner Klause sitzt.
Wenn man auf dem Ch’in spielt und Gemälde betrachtet.
Bei einem guten Gespräch in tiefer Nacht.
Vor einem hellen Fenster und einem aufgeräumten Schreibtisch.
Wenn der Tag heiß ist und linde Lüfte wehen.
In einem Wald mit hohem Bambus.
Wenn die Kinder in der Schule sind.
In der Nähe von Quellen und wunderlichen Felsen.

Und Augenblicke, in denen man aufhören soll, Tee zu trinken:

Beim Arbeiten.
Beim Briefeöffnen.
Wenn es stark regnet oder schneit.
Bei großen Weingelagen in zahlreicher Gesellschaft.
An Tagen mit vielen Geschäften.

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Bei heißem Sommerwetter trinke ich Earl Grey am liebsten eisgekühlt. Ich friere Zitronenwasser zu Eiswürfeln und gebe diese in den bereits kalt gestellten Tee. Dazu gibt es Früchte wie zum Beispiel hier auf meinen Fotos: Saftige Wassermelonen und zuckersüße Aprikosen.

Foto: Brigitte Stolle


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