Haben Tiere eine Seele?
Tiere haben eine Seele
von der Verhaltensforscherin Charlotte Probst
"Konrad Lorenz, dessen Haus inmitten eines parkähnlichen großen Grundstückes gelegen ist, teilte seinen Alltag mit Hunden, Katzen Vögeln, Fischen. Auch Igel, Eichhörnchen, Frösche und was weiß ich noch, alles tummelte sich in seiner Nähe. Als ich das Areal betrat, traute ich meinen Augen kaum, mit welcher Zutraulichkeit mich die Tiere umringten. Auch Vögel flogen aus einem großen, saalähnlichen Raum beim Fenster hinaus und kamen zwanglos wieder "nach Hause"! Eine wunderbare, wundersame Harmonie, die zeigt, wie schön es sich auf dieser Erde zwischen Mensch und Tier leben ließe. Mit Tieren leben heißt auch, die Tiere "kennenlernen". Ihr Verhalten beobachten, ihre Freuden und Wünsche zu deuten, ihre Verstimmungen, Ängste, Vorsichtsgebärden, ja, ihre Trauer erkennen lernen, ist auf diese Weise möglich. Wenn z.B. Hunde friedlich neben ihrem Herrn schlafen und man bei ihnen in gewissen Situationen die Pulsschläge misst, so kann man feststellen, daß diese sich bei einem aufregenden Traumerlebnis deutlich erhöhen. Hört ein Hund sogar die Schritte vom Briefträger, dem er die Hosen zerschlitzen möchte oder er riecht etwas für ihn Aufregendes, so "fliegt sein Herz"! Die Schlaggeschwindigkeit des Herzens erhöht sich beträchtlich. Betrachtet man also die Schlaggeschwindigkeit des Herzens als Maß für die Stärke der seelischen Erregung, so ergibt sich aus diesen Beobachtungen eine Folgerung, die Menschen, die mit Tieren - in welcher Form auch immer - zu tun haben, zu denken geben müßte! Die allen Menschen die Achtsamkeit Tieren gegenüber zur ethischen Verpflichtung werden lassen müßte, da der Mensch die Tiere seiner Umgebung zu beherrschen gelernt hat. Das Phänomen der Gefühle existiert bei Mensch und Tier gleichermaßen! Ja noch ärger! Was die Stärke der Gefühle angeht, so sind uns die Tiere haushoch überlegen: Sie haben eine vehemente Wut, eine große Angst, eine zum Himmel springende Freude, eine alles erlahmen lassende Trauer, eine Art Hoffnung oder aber auch offene Begierde, Anhänglichkeit und Treue, ein Sympathiegehabe für Freunde, eine Abwendungszeigefähigkeit bei Feinden, eine hinreißende Urgewalt in allen Gefühlsäußerungen, kurzum, nicht gekünstelt wie oft bei Menschen, nicht verdeckt, nicht verfälscht oder "eingefärbt". Das Vorhandensein einer Seele – in diesem Sinne – ist offenkundig! "Zwei elementare Hauptgefühle zeigen Tiere", sagt Konrad Lorenz, Lebensfreude und Todesangst." Dies alles sollte der Mensch wissen und respektieren, wenn er einem Tier entgegentritt. "
© Charlotte Probst



