Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

09.09.2010 um 20:39 Uhr

Schnäppchen fürs kulinarische Regal

von: buchzeiger   Kategorie: Schweiz   Stichwörter: Lebkuchen, Zürich, Bern

In einem der zahlreichen Antiquariate in Zürich habe ich etwas Hübsches gefunden. Nein, falsch: Ich habe viele hübsche Sachen gefunden, mich aber für ein besonders hübsches Büchlein entschieden: 

Bärner Läbchuechebuech 

Neue Berner Lebkuchen
gestaltet von Ingeborg von Erlach
mit vielen anregenden Rezepten
und einer Erzählung von Rudolf von Tavel
 

Benteli Verlag Bern 1982

 In der Erzählung „Der Läbchueche“ erinnert sich der Berner Dichter Rudolf von Tavel (1866 – 1934) an eine Begebenheit aus seiner Kindheit.

Außerdem finden sich im Buch zahlreiche Fotos von künstlerisch gestalteten „Bärner Läbchueche“: 


Nachtwandelnder Bär



Hippie-Bär

 

 


Waschbär

 

 

Im Anhang sind Lebkuchen-Rezepte abgedruckt, einige davon sehr alt, sie stammen aus einen Berner Kochbuch von 1863, z. B. die “Lebküchli, sehr gut“: 

Man nimmt 3 Vierling gestossenen Zucker, stark gewogen, 1 starken Schoppen Honig, eine gute hand voll rein erlesenen Anis, die Rinde von 2 grossen Citronen gehackt, Nägeli und Macis gestossen, jeder Art eine kleine Prise, eine halbe Muskatnuss geschabt, 3 Löffel voll Kirschenwasser und 2 Pfd. Semmelmehl. Der Honig wird auf’s Feuer gesetzt und verschaumt, dann in einer Schüssel mit allem Gewürz und Zucker vermengt und wohl durcheinander gerührt, die 3 Löffel Kirschenwasser dazu und 3 oder 4 Hände voll von dem abgewogenen Mehl darunter gerührt. Ist das alles wohl vermengt, so wird ein wenig Mehl über den Teig gestreut, die Kachel zugedeckt, auf einen nicht allzu warmen Ofen gestellt und drei Stunden stehen gelassen. Dann wird das übrig gelassene Mehl auf das Wirkbrett gethan, der Teig darauf, zusammen gewirkt und tüchtig gearbeitet, bis das Mehl mit dem Teig alles vermengt ist; es wird etwas Weniges von dem Mehl zurückbehalten zum Auströhlen des Teigs. Ist derselbe nun gehörig gearbeitet, so wird er die Nacht über an einem kühlen Ort aufbehalten, am Morgen dann ausgetröhlt in der Dicke eines Messerrückens, und in beliebiger Grösse verschnitten, wenn man will, Mödeli aufgedrückt, und auf einer mit feinem Öl bestrichenen Schüssel gebacken. Sie werden mit Zuckersyrup glaciert, wenn sie halb gebacken sind.

Viel Freude beim Nachbacken !


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