Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

25.05.2009 um 04:55 Uhr

Schokolade / Kakao

von: buchzeiger   Kategorie: Süßes

Schokolade als Lebenselexier. In Augsburg erschien 1725 unter dem Titel "Des Menschen Zung und Gurgel Weid" eine Folge von Stichen, in denen Trinkschokolade als Lebenselexier empfohlen wurde.

Auf obigem Stich reicht eine Dame ihrem Ehemann eine Tasse Schokolade mit den Worten: "Hier hast du ein Getränck aus dem so fernen Westen. Wiewohl der nahen Lieb gewiß, zum allerbesten. Es reißet deinen Muth, erneuert deine Jahr. Du kostest es mein Schatz, darauff wird ichs auch genießen. Ich reiche dirs zugleich mit meinem Herzen dar, weil wir der späten Welt noch Enckel geben müßen.

Tipp: Eigentlich heißt es ja Elixier !

Öffentliche Kakaostuben. Im 18. Jahrhundert entstanden in Europa öffentliche Kakaostuben, eine Verbindung von Geschäft und Gaststube, in denen das Bürgertum seinen Kakao trank. Kakaostuben gab es zuerst in Italien, aber auch Holländer und Briten gewöhnten sich rasch an den neuen Genuss. In Deutschland, das durch den Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) schwer getroffen war, kam das Luxusgetränk erst relativ spät in Mode.

Mit zunehmender Verfügbarkeit des Kakaos sowie der Verfeinerung und Verarbeitung gewann die Schokolade ständig neue Freunde, rief aber auch Gegner auf den Plan – wie obige Karikatur zeigt, weil dem Kakao und den Kakaostuben mitunter die Förderung eines liederlichen Lebenswandels unterstellt wurde. Die Darstellung nimmt das bei der Londoner Prominenz so beliebte "White Chocolate House" aufs Korn.

Tee, Kaffee, Kakao. Drei beliebte Genussmittel der Europäer im 17. Jahrhunderts, die mit ihren landestypischen Vertretern dargestellt sind: Kakao aus Mittelamerika, Tee aus China und Kaffee aus dem Orient. Der Indianer ist auf dem Stich von Philippe Sylvestre Dufor mit Schokoladentasse, Kanne und Quirl dargestellt.

Kakao war aufgrund des arbeitsaufwendigen Herstellungsprozesses von Anfang an teurer als Kaffee und Tee. Vor allem in Deutschland wurde Kakao zunächst nur in Apotheken gehandelt.

Foto: Brigitte Stolle

Es wurden hier Erläuterungstafeln abfotografiert,
die bei der Kakao-Ausstellung im Pflanzenschauhaus
des Luisenparks in Mannheim gezeigt wurden (Mai 2009).

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenGalahad schreibt am 25.05.2009 um 19:45 Uhr:Und wo ist das Bild von Karla mit einem großen Becher Kakao vor sich? Sag nicht, sie hatte keinen? ;-)
  2. zitierenbuchzeiger schreibt am 25.05.2009 um 20:41 Uhr:Genau genommen war es so: Karla hatte einen Kakaobecher, sogar den größten, den sie nur an sich raffen konnte. Sie hatte ihn schon gierig an die Lippen gesetzt – ich wollte ein Foto machen: Bitte lächeln! – dann hat der schwere Becher ihre Oberlippe unvorteilhaft in die Höhe geschoben, irgendwie platt und verdrückt aussehen lassen, knipps. Als Karla das Foto sah, hat sie hysterisch geschrien: Zeig das ja niemandem, niemals nicht usw. – Drum !
  3. zitierenGalahad schreibt am 25.05.2009 um 20:51 Uhr:DAS verstehe ich natürlich absolut! Welche Dame möchte schon, dass solche entstellenden Fotos in die Öffentlichkeit kommen - vor allem, wenn sie in Wirklichkeit so hübsch und anmutig ist?

    Gut so! :-)

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