Verzauberte Jungfrau
Die Gemeine Wegwarte (Cichorium intypus) ist die Blume des Jahres 2009. Man findet sie, wie der Name sagt, an sonnigen Weg- und Feldrändern. Die hellblauen Blütenkörbchen sind nur vom Morgen bis gegen 12 Uhr mittags geöffnet. Außer von der Honigbiene wird der Pollen der Wegwarte noch von drei Dutzend Wildbienenarten genutzt.
Andere Namen der Wegwarte sind "Wegleuchte" oder "Verzauberte Jungfrau". Damit wird auf ein altes deutsches Blumenmärchen hingewiesen, wonach die Wegwarte früher ein Mädchen war, das auf ihren Geliebten wartete, der sie verlassen hatte. Mit ihren leuchtend blauen Augen steht sie am Wegesrand und blickt in alle vier Himmelsrichtungen, um ihn zu wiederzufinden. Die Wegwarte wurde dadurch zum Symbol für treue Liebe, die sich durch nichts erschüttern lässt.
Nach altem Aberglauben wurde die Wurzel der "Verzauberte Jungfrau" an Jakobi, das ist am 25. Juli, ausgegraben. Wer sie bei sich trug, verfehlte beim Schießen niemals das Ziel und war selbst vor Gewehrkugeln und Messerstichen geschützt. Länger als 7 Jahre hielt so eine Wurzel allerdings nicht, denn anschließend verwandelte sie sich IN EINEN VOGEL. Seltsam, seltsam, was es alles gibt, man glaubt es kaum !
Bekannt war die Wegwarte noch bis in die jüngere Vergangenheit durch den "Blümchenkaffee" oder "Muckefuck". In den beiden Weltkriegen diente sie als Kaffee-Ersatz. Dafür wurde eine Kulturform angebaut, deren Wurzeln man nach der Ernte röstete. Die ersten Chicorienfabriken entstanden allerdings schon im Jahre 1763 und 1882 gab es in Deutschland bereits 130 davon!



