Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

05.10.2006 um 04:04 Uhr

Yüan Me, Gemüse-Chop-Suey und "Hüpfender Braten"

von: buchzeiger   Kategorie: Gemüse   Stichwörter: China, Gemüse, Tierschutz, Tierrecht


Umfrage: Welche Länderküche bevorzugen Sie?


Bei meiner „Fleischlos-glücklich“-Umfrage fallen zurzeit 15% der abgegebenen Stimmen auf die chinesische Küche. Auf „Sonstige“ fallen immerhin 13% der Stimmen. Hierbei würde mich interessieren, an welche Länderküchen die betreffenden Leser und Leserinnen bei "Sonstiges" gedacht haben. Hat jemand Lust, von seiner Lieblingsküche zu berichten und möchte vielleicht ein vegetarisches Rezept vorzustellen? – Ich würde mich freuen! Herzlichen Dank!

Mit der chinesischen Küche habe ich meine Probleme. Einerseits liebe ich alles, was mit Gemüse zu tun hat, heiß und innig. Auch Chinesisches gehört dazu, z. B. herrliche Leckereien aus dem Wok.

Aber ...

Doch erst einmal ein Zitat, ein Rezept und ein Buchvorschlag:

"Die Schönheit eines Gemüses sind Reinheit,
Sauberkeit, Duftigkeit, Zartheit.
Aber wer so sagt, weiß nicht, dass die ganze
Schönheit, durch die es über allem Fleisch steht, nur in einem Wort liegt: Frische."

aus: Yüan Me. Speiseliste des Gartens des Beliebens.


Hier ein Rezept für
Gemüse-Chop-Suey:

Schneiden Sie je 150 g Blumenkohl, Lauch, Sellerie und Steckrüben – oder was Ihnen sonst gerade an Gemüsen in die Hände fällt – in dünne Stäbchen bzw. ganz kleine Stücke. Lassen Sie die Gemüse drei Minuten unter ständigem Kehren (gemeint ist hier das heute so genannte "Pfannenrührenbraten" im Wok) in 1 Esslöffel heißem Öl, das Sie vorher gesalzen haben, braten. Dann gießen Sie eine aus ½ Teelöffel Sojasauce, ½ Teelöffel Stärkemehl, ½ Teelöffel Ingwerpulver und 2 Esslöffeln Sherry gemischte Sauce darüber, decken die Pfanne zu und lassen alles, in schöner Eintracht, noch 3 Minuten auf dem Feuer.

gefunden in: China bittet zu Tisch.
Kochbuch mit 110 Rezepten (1956)

Die Bedeutung der Bezeichnung Chop Suey ist übrigens strittig. Fest steht nur, dass es sich bei diesem Gericht um eine amerikanische Erfindung handelt. Die Abendländer hielten es so lange für typisch chinesisch, bis die Chinesen es schweigend adoptierten.

Buchtipp:
Die vegetarische chinesische Küche von Ho Fu-Lung.

Aus dem Klappentext:

Die chinesische Küche kennt eine jahrtausende alte vegetarische Tradition. Auch heute noch ist in China im ganzen Volk ein tief verwurzeltes Wissen über die richtige und gesunde Ernährung vorhanden. Aus dieser Tradition und diesem Wissen schöpft der Autor und chinesische Meisterkoch Ho Fu-Lung. Er stellt die vegetarische chinesische Küche in 120 ausgewählten Rezepten vor, welche die ganze reiche Vielfalt ihrer Zutaten und Zubereitungsarten zeigen.


Mehr dazu finden Sie hier !

Jetzt kommt das große "ABER" ...

Wer meine Fleischlos-glücklich-Seite regelmäßig "konsumiert",
weiß, dass nicht nur leckere vegetarische Rezepte vorgestellt
werden (oft garniert mit appetitanregenden Bildern),
sondern dass auch häufig Themen wie
Tierschutz und Tierrecht zur Sprache kommen.
Und diese sind meist weniger „lecker“.


Wenn ich im Zusammenhang mit Essen und Trinken an China denke, überkommt mich oft ein gewisser Ekel – und eine große Wut. Lesen Sie bitte nur weiter, wenn Sie starke Nerven haben ...!

Kein Horrorfilm für Sadisten, sondern grausame Realität ist die Zubereitung von Gerichten, die übersetzt soviel wie „Hüpfender Braten“ oder „Miauendes Kätzchen“ heißen.

Diese "Leckereien" werden z. B. im Pekinger Nobelrestaurant "Tenah Koi" angeboten. Der interessierte Gast darf sich ein Kätzchen aussuchen. Der Koch zieht ein blitzendes Rasiermesser und rasiert dem Kätzchen das Fell vom Körper. Dann hackt er ihm mit einem Beil alle vier Pfötchen und den Schwanz ab. Während das Blut aus den klaffenden Wunden läuft und das verstümmelte Tier vor Qualen schreit, übergießt er es mit Öl und wirft es wie ein rohes Steak auf den glühenden Stein! Die Schmerzensschreie des Kätzchens gellen durch das Lokal, wenn es bei lebendigem Leib gebraten wird und schwarzer Qualm von seiner gerösteten Haut aufsteigt. In einem verzweifelten Reflex, sein Leben zu retten, zuckt das kleine Tiere in furchtbaren Krämpfen und versucht, von der glühenden Platte zu springen. Die Gäste lachen über den Todeskampf und machen mit Armen und Beinen die hilflosen Bewegungen des Kätzchens heiter nach! Minutenlang weiden sich die Zuschauer am entsetzlichen Leiden der gequälten Kreatur, bis der Tod das arme Wesen endlich von seinen schrecklichen Qualen erlöst. Und wenig später sticht der Gast mit seiner Gabel ins gebratene Katzenfleisch ... Guten Appetit!



Einige „Schrecklichkeiten“ aus den Küchen dieser Welt habe ich auch in meinem Buch „DIE KÖCHIN“ zur Sprache gebracht. Um meinen Leserinnen und Lesern nicht allzu viele schlaflose Nächte zu bereiten oder zu Depressionen beizutragen, habe ich mich dabei allerdings ziemlich zurückgehalten.

Für alle Interessierten:

Die „Zweite, korrigierte Ausgabe 2006“ ist dieser Tage erschienen und ab sofort erhältlich. Interessierte beachten die neue, jetzt 13-stellige ISBN-Nummer: 978-3-924944-67-4.


Zu bestellen über den Buchhandel
oder direkt beim Verlag
Edition Thaleia

Aus dem Klappentext:


"Wahrscheinlich wird sich der geneigte Leser bei seinem nächsten Besuch in der gehobenen Gastronomie mit einer leichten Gänsehaut an dieses Buch erinnern." (Mannheimer Morgen)

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenElin schreibt am 05.10.2006 um 12:19 Uhr:Ich habe zwar keine "Lieblingsküche" und auch kein Lieblingsgericht, aber ich werde sicher demnächst mal einen kulinarischen Beitrag in mein Blog schreiben.

    Die Geschichte über den Katzenfleischverzehr in China ist wirklich fürchterlich.... Nicht auszudenken... Das treibt einem die Tränen in die Augen! Aber leider regen sich viele Leute (damit meine ich natürlich NICHT Dich!) über so etwas auf und wie das Schnitzel auf ihrem Teller zu Tode gekommen ist, ist ihnen sch***egal! Und ein Ei darf nicht mehr als 15 cent kosten etc etc...

    Wirklich widerlich! Wir sollten uns öfter daran erinnern, dass Lebensmittel, die Dinge sind, die unser Körper zum LEBEN braucht und da sollte man schon überlegen, was man kauft. Dann lieber weniger, aber dafür hochwertig und aus vernünftiger Quelle. So wäre schon viel erreicht.

    Aber das ist ja nicht das Thema. China ist mir unheimlich, wie dort mit Tier- und Menschenleben umgegangen wird.... :-(
  2. zitierenleo14 schreibt am 05.10.2006 um 13:52 Uhr:ich hab den artikel schon in der früh überflogen und es hat mich geschüttelt, jetzt beim zweiten lesen bin ich entsetzt - obwohl wir uns nichts vormachen dürfen, dass wir in mitteleuropa viel besser sind: wir blenden unsere tiertötungsmethoden nur völlig aus dem alltag aus, geh mal auf einen schlachthof, in eine große fleischhauerei, in eine hühnerfarm - tiergerecht und politisch korrekt ist das auch bei weitem nicht.
    wir lieben halt den streichelzoo und denken beim essen einer wurstsemmel nicht mehr an tiere ...

    grüße
    leo14
  3. zitierensoJA schreibt am 05.10.2006 um 18:01 Uhr:Wenn ich in Zusammenhang mit Essen an Deutschland denke, überkommt mich auch oft ein Ekel und Wut.
  4. zitierenbuchzeiger schreibt am 08.10.2006 um 12:51 Uhr:Vielen Dank für eure Kommentare. Viele dieser schrecklichen Dinge (Schlachthof, Fleischessen, Behandlung von Hummern, Jagd, Hühnerfarmen usw.) habe ich in meinem Buch "DIE KÖCHIN" zur Sprache gebracht (auf Schlachthöfen war ich nämlich früher ziemlich oft, Leo!). Vielleicht ist es meine Art, den Ekel und die Wut zu verarbeiten. Sonst könnte man sich überhaupt nie mehr im Leben über irgendetwas freuen ...
  5. zitierenleo14 schreibt am 08.10.2006 um 13:01 Uhr:@buchzeiger - ich hab auch nicht gemeint, dass du die tötungs- und
    verarbeitungsmethoden ausblendest, sondern der fleischkonsument im allgemeinen, wer hühner so hält wie wir, ist selbst schuld, wenn die vogelgrippe dann die freilufthaltung von "glücklichen Hühnern" verbieten muss - wie dekadent ist doch unserre welt.
    grüße leo14
  6. zitierensoJA schreibt am 08.10.2006 um 15:22 Uhr:Da bin ich froh, daß die anderen das auch so sehen wie ich. Da brauchen wir gar nicht so auf die Chinesen zeigen. Ich esse also weiterhin mit Genuß Gemüsegerichte nach chinesischer bzw. thailändischer Art.
  7. zitierenbuchzeiger schreibt am 08.10.2006 um 15:47 Uhr:Ein thailändisches Gemüserezept würde mich auch mal interessieren ...

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