Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

24.07.2007 um 04:05 Uhr

Zeidler / Lebkuchen / Honig

Bis heute ist die Stadt Nürnberg für ihre köstlichen Lebkuchen bekannt. Noch im Mittelalter war der Honig ein Hauptbestandteil des Lebkuchens. Damals war die Stadt Nürnberg von Reichswäldern umgeben, in denen die Imker, auch Zeidler genannt, den Honig direkt von Bienenbäumen ernteten.

Auf der Zeichnung, die soJA im Bergbauernmuseum Immenstadt-Diepolz abfotografiert und mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, kann man dies sehr schön sehen:

 
 
Waldbienenzucht (Zeidlerei)
um 1750 im Nürnberger Reichswald


Die Zeidler waren damals hoch angesehene Personen, da sie nicht nur Honig, sondern auch Wachs für Kirchenkerzen lieferten. Es gab spezielle Imkertrachten, die man im Bienenmuseum Feucht bei Nürnberg bestaunen kann. Gearbeitet wurde mit so genannten „Zeidlerbeilen“, die mit Spitzen versehen waren – auch dies sind interessante Ausstellungsstücke des genannten Museums. Es existierte ein spezielles, sehr umfassendes „Zeidlerrecht“. Da es in den dichten Wälder rund um Nürnberg nicht nur Bären sondern auch Honigwilderer gab, war es den Zeidlern sogar erlaubt, sich bei der Arbeit zu bewaffnen. Das Tragen einer Armbrust war ein Privileg! Außerdem durften sie 90 % des Honigs für sich behalten und mussten nur 10 % abgeben. Eine sehr großzügige Regelung, die es ihnen ermöglichte, „nebenberuflich“ die Honigbäcker zu beliefern und zu Wohlstand zu kommen. In der Nürnberger Gegend, die noch heute ein Zentrum der Lebkuchenbäckerei ist, werden die Imker immer noch Zeidler genannt. Mittlerweile wird allerdings mit Zucker gebacken und der Honig lediglich als „Aromastoff“ zugesetzt, der vor allem aus Südamerika importiert wird.

Erst im Laufe der Zeit entwickelte sich die Wald-Bienenzucht zur Haus-Bienenzucht, indem die Baumstämme zerteilt und aus dem Wald mit „nach Hause“ gebracht wurden.

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierenbeastlover schreibt am 24.07.2007 um 06:53 Uhr:das muss ja ein undankbarer job gewesen sein damals:-)
  2. zitierennightlight schreibt am 24.07.2007 um 09:15 Uhr:Auf dem Nürnberger Christkindles Markt gibt es jedes Jahr die verschiedensten Lebkuchensorten zu probieren, auf die Kreationen mit viel Honig ist man besonders stolz. Ich mag leider keine Lebkuchen, und habe es deshalb nicht überprüfen können, aber meine Brüder schwören, dass es einfach fantastisch schmeckt. Also fahren wir jedes Jahr den langen Weg nach Nürnberg und kaufen haufenweise Honiglebkuchen ;-)
  3. zitierenbuchzeiger schreibt am 24.07.2007 um 10:02 Uhr:beastlover: Man musste auch noch Kraxelkünstler sein.

    Nightlight: Auf zum Nürnberger Christkindelsmarkt!
    (Wenn's dort nur nicht immer so proppenvoll wäre!)
  4. zitierennightlight schreibt am 24.07.2007 um 10:10 Uhr:Ja, das ist allerdings ein Problem^^ und noch ein weiteres Problem, für alle die Lebkuchen mögen:
    Schnelle Gewichtszunahme in kurzer Zeit:-)
  5. zitierenbuchzeiger schreibt am 24.07.2007 um 11:02 Uhr:Du meinst: NOCH schneller als bei Marzipan !!!???
  6. zitierennightlight schreibt am 24.07.2007 um 15:20 Uhr:Hmmm! Interessante Frage! Das müsste man mal vergleichen! Nimmt man nun schneller von Honiglebkuchen oder von Marzipan zu? Wahrscheinlich kommt es darauf an, was man mehr mag und wo man sich weniger beherrschen kann und alles einfach in sich reinstopft *überleg*
    Keine Ahnung, das kann man ja mal testen *lach*
  7. zitierensoJA schreibt am 24.07.2007 um 15:55 Uhr:Da haben es die Imker heute etwas einfacher.
  8. zitierenbuchzeiger schreibt am 24.07.2007 um 16:13 Uhr:nightlight: Ich werde mich in der Vorweihnachtszeit gerne als Versuchskaninchen zur Verfügung stellen.

    soJA: Auf jeden Fall! Ich würde nie und nimmer auf soooo hohe Bäume kraxeln!

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