Wir befinden uns in Norwegen, wo Karla Kunstwadl vor einem Getreidefeld fotografiert werden wollte:
Von Oddvar aus Oslo habe ich einige interessante E-Mails über traditionelle Essgewohnheiten in Norwegen erhalten, speziell über Haferbrei. Ich denke, es handelt sich um eine Art Porridge, was man ja als Frühstück auch aus England kennt, eine geeignete Ernährung für kalte Morgen, wärmend, nahrhaft und schnell zubereitet. Ich gebe hier, mit freundlicher Erlaubnis des Informanten Teile des Originalschriftwechsels wieder:
„Vom Honig essen wir wenig, aber verwenden ihn als Süssmittel auf dem Haferbrei, was wir normalerweise am Samstag essen. Das macht ein paar Kilo im Jahre aus.“
Bekanntlich hat Oddvar vor vielen Jahren Deutsch im Schwabenländle gelernt:
„In dr frühara Zeid wenn d’Leut nor a weng Geld gehätt han, wur Brei sehr oft gesse. Brei war billig, gell, ond schnell g’macht. Heut’ isch des net mehr so. Gesund war’s au. “Töt mi gehra, abr net mit Brei“, hot der Knecht uf em Höfle g’sait. Also, nicht Brei zu jeder Mahlzeit!"
Aber auch in der heutigen Zeit ist der Brei in Norwegen noch beliebt:
„Haferbrei zum Frühstück. Billig, gesund, rasch. Zum Haferbrei – Brei überhaupt – wird Milch getrunken. Einige kochen das Hafermehl mit Milch, in unserem Hause wird nur Wasser verwendet. In Norwegen isst man normalerweise zum Frühstück nur Brot, auch beim zweiten Frühstück (im Gegensats zu Schweden und Dänemark) (mit Butter / Margarine + Belag). Nach der Arbeit, gegen 5 bis 6 Uhr abends wird Mittag (middag) gegessen, und dann natürlich warmes Essen. (Auf den Bauernhöfen dagegen isst man normalerweise om zwölfe warmes Essen und om sechse kaltes Essen.)
Generationsunterschiede:
"Meine Generation schmiert morgens ”matpakke” – Essenpakete, die wir mit zur Arbeit bringen. Scheiben Brot mit kaltem Belag mit ”matpapir” – Essenpapier – umgewickelt. Die jüngere Generation schmiert auf der Arbeitsstelle – heute gibt es ja auch auf der Arbeitsstelle oft Kühlschrank. Einige sind auch europäischer geworden und gehen zum Laden und kaufen sich a halbes Göggele, Salate usw.“
Oddvars Familie geht samstags einkaufen, weil man da mehr Zeit hat, „und wenn man heimkommt ist Haferbrei in drei Minuten fertig - und eine Abwechslung vom kalten Brot beim zweiten Frühstück. Dann essen wir etwas Warmes auch am Abend. Normalerweise wird Haferbrei mit Zucker gesüsst, aber nicht im Hause Oddvar – da gönnt man sich Honig.“
An bestimmten Terminen gibt es Rahmbrei:
„An “mid summer“, den 23. Juni wird oft Rahmbrei gegessen (Tradition). Auf den Bauernhöfen wird nach Beendigung der Mahd auch Rahmbrei serviert (onnagraut). Rahmbrei ist ja köstlicher und teurer als Haferbrei.
Aber es gibt auch die billigere Variante:
"Das billigste ist ”vassgraut” = Wasserbrei – Mehl von Gerste im Wasser gekocht. Dieser Brei wird heute weniger gegessen – sehr wenig gegessen, aber es gibt Leute die ihn gern essen – diese frühere Armutsspeise.“
Linguistisches zum Brei:
„Bei uns ist grauthode (Breikopp) ein Schimpfwort – ein dummer, strukturloser Kerle.
Bokmål: grøt / Nynorsk: graut (gespr. gröut) / Dialekt : meistens graut. Fast keiner sagt grøthode eller grauthode. Oslo : gröuthüe / Trøndelag und nordwärts : gröuthöu.“
Früher und heute:
„Früher wurde viel mehr Brei gegessen als heute. Vor und noch ein paar Jahrzehnten nach dem Kriege wurde hauptsächlich Gerste und Hafer in unserem Lande gebaut, Weizen importiert hauptsächlich für Brot und Kuchen. Heute ist Norwegen mit Weizen um etwa 80 % selbstversorgt und das auch total von Korn (Weissbier wird nicht gebraut). Das meiste von Gerste und Hafer bekommen die Viehe. Roggen wird immer mehr gebaut, hauptsächlich für die Brotproduktion. Natürlich kann man auch Brei machen mit gemischten Kornsorten. Heute wird auch Reisbrei gegessen und viele Familien essen zum zweiten Frühstück Reisbrei am Weihnachtsabend."
Diese nette Weihnachtsüberraschung ist uns bereits von Leos Skandinavien-Seite bekannt:
"Darin ist eine Mandel im Brei versteckt und wer diese Mandel in seinem Teller findet, bekommt ein Geschenk, z.B. ein Marzipanschweinchen. (Das wird natürlich immer eines der Kinder).“
Und hier ausnahmsweise mal ein Rezept (und kein Limerick) von Oddvar:
„Da du eine wohlhabende Frau bist („Wer? ICH?), kannst du mit diesem Rezept dir eine Portion Fløyelsgrøt kochen.
Fløyelsgrøt / silkegrøt
(Samtbrei / Seidenbrei):
1 1/2 Esslöffel Margarine
1 ½ dl Weizenmehl
3 dl Vollmilch
¼ Teelöffel Salz
Margarine in der dickbodigen Kasserolle schmelzen, dann darin das Mehl – gut umrühren bis alles gleich verteilt ist. Dann 1 dl von der Milch darin – und gut umrühren. Dann wieder 1 dl Milch – gut umrühren. Den letzten dl Milch nai ond wieder gut umrühren. Lass den Brei ein kurzes ”Aufkochen” bekommen und danach 10 Minuten leicht sieden. Zum Schluss Salz darin. Servier mit Zucker, Zimt und ein ”Butterauge” in der Mitte und diesmal keine MiIch, sondern Saft vom Ribiesl (rote Johannisbeeren) dazu.
Guten Appetit wünscht Oddvar!“
Ein interessanter Beitrag zur norwegischen Landeskunde, vielen Dank. Den / die oder das (?) Fløyelsgrøt werde ich auf jeden Fall ausprobieren!
Wer allerdings lieber Fritten mag,
soll sich hier umschauen !