Jens Grüll Autorenservice (J.G.): Frau Stolle, Sie haben einen regionalen Krimi geschrieben, der in der Kurpfalz und in Ihrer Heimatstadt Mannheim spielt?
Brigitte Stolle (B.S.): Ja, ich wurde 1959 in Mannheim geboren, wo ich noch heute lebe und arbeite.
J.G.: Ist dieser Krimi Ihr erstes Buch?
B.S.: Nein, nach einer szenisch angelegten Groteske, einem Buch mit Kurzgeschichten und einem Limerick-Bändchen, liegt nun mein viertes Werk vor: BIENENSTICH – ein Imkerkrimi, der in der Kurpfalz, in Heidelberg, Schwetzingen, aber vor allem in Mannheim spielt.
J.G.: Bienenstich – ein Imkerkrimi, das klingt sehr spannend. Mord durch Bienenstich, ein Giftmord steht im Mittelpunkt Ihres Krimis?
B.S.: Honig ist in aller Munde und der Mikrokosmos eines Bienenstockes mutet mitunter geheimnisvoller an als die exotische Tierwelt ferner Kontinente. Als Leserin haben mich Giftmorde schon immer fasziniert. Als schreibende Imkerin und imkernde Schriftstellerin hat mich die Idee, jemanden mit Apitoxin, dem Gift der Honigbiene, ins Jenseits zu befördern, literarisch besonders interessiert. Auf meinen Recherchen bin ich auf zahlreiche Romane gestoßen, die sich mit den Motiven Bienen und Honig auseinandersetzen, es existieren einige Krimis und Kurzgeschichten, in denen Bienen thematisiert werden – aber einen richtigen Imkerkrimi mit interessanten Einblicken und Streifzügen in die Welt der Immen und des Honigs gibt es noch nicht. Dies alles in einem Krimi mit einem Hauch von Lokalkolorit zu vereinigen, mit mundartlichen Einsprengseln zu versehen und regionale Schauplätze ins Spiel zu bringen (die Mannheimer Quadrate, die Fressgass‘, Stadtteile wie Feudenheim, Käfertal oder Seckenheim, die Heidelberger Fußgängerzone, der Schwetzinger Schlossgarten usw.) hat mir viel Spaß gemacht.
J.G.: Sehr gut, Frau Stolle, detailgetreue Krimis, die auf wissenschaftlichen Fakten beruhen, liegen zurzeit im Trend. Möchten Sie mir mehr über die Handlung Ihres Imkerkrimis erzählen?
B.S.: Allzu viel will ich nicht verraten, um die Leserschaft nicht um einen spannenden Lesegenuss zu bringen. Deshalb nur soviel: Während des Finalspieles der Fußball-WM wird ein Mann durch einen geheimnisvollen Anruf in den Garten gelockt und stirbt qualvoll an Bienenstichen. Was als vermeintlicher Unfall und vermuteter Mord beginnt, wird für die Beteiligten zu einer Reise in die Vergangenheit. Denn zwei Jahre nach dem Geschehen treffen die Hinterbliebenen Almut und ihr Sohn Henri auf die Privatdetektivin Karla Kunstwadl, eine sympathische Mannheimer Ermittlerin, die sich sowohl als Frau als auch als Detektivin eigenwillig und unkonventionell gibt und ihre eigenen ungewöhnlichen Wege geht. Dadurch kommt sie dem Fall näher, als sie eigentlich wollte ... Gefährlich nahe!
J.G.: Bienenstich ist ein mehrdeutiger Begriff, Sie sind in Ihrem Roman nicht nur auf den "Stich der Bienen" eingegangen, sondern auch auf die kulinarische Bedeutung. Wie spiegelt sich dies in Ihrem Krimi wider?
B.S.: Da ich nicht nur Germanistik studiert, sondern auch ein Abschlusszeugnis als Köchin in der Tasche habe, interessiert mich neben der Literatur besonders auch alles Kulinarische. Dies kam in meinem ersten Buch "Die Köchin", besonders zum Tragen. Auch im "Bienenstich" fröne ich dieser Leidenschaft, indem ich im Anhang einige Honigrezepte preisgebe. Unter anderem selbstverständlich den "Bienenstich", der zwar in seiner leckeren gebackenen Variante nicht der eigentliche Namensgeber des Buches ist. Vielmehr ist der Bienenstich ein Homonym, ein Wort mit zwei Bedeutungen, geeignet auch für das beliebte Teekesselchenspiel. In diesem Zusammenhang fand ich es sehr sympathisch, dass Herr Konditormeister Herrdegen vom gleichnamigen Mannheimer Traditionscafé so freundlich war, mir ein Rezept seines Bienenstiches zum Abdruck im Buch zur Verfügung zu stellen. Literatur und Kulinarik – zwei wundervolle Themen!
J.G.: Planen Sie weitere Bücher?
B.S.: Mit einem fünften Buch, das ebenfalls in der Region spielt, bin ich zurzeit auf Verlagssuche. Und das sechste ist in Arbeit. Regionalkrimis neigen zu Serialisierung – Karla Kunstwadl wird also weiterermitteln. Da ich eine 40-Stunden-Woche und nebenher noch drei Bienenvölker zu betreuen habe, schreibe ich nachts. Meine Leser müssen also ein wenig Geduld aufbringen. Aber wie sagte schon der russische Schriftsteller Michail A. Scholochow? 'Schnelligkeit ist notwendig, um Flöhe zu fangen, aber nicht, um Bücher zu schreiben!'
J.G.: Vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Jens Grüll im Auftrag des Verlags.