Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

18.10.2010 um 04:00 Uhr

Das Stettiner Puppenkochbuch

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

Das Stettiner Puppenkochbuch 

Es enthält - in Frakturschrift - 130 Rezepte, die sich meist nur in den Mengenangaben von "normalen" Rezepten unterscheiden. So wird z. B. ein "Prophetenkuchen" gebacken aus 9 Gramm (1/2 Loth) Butter und einem halben Ei - Kleinstmengen also - eben für die Puppenstube.

Lustig fand ich folgendes "Rezept":

128. Junge Gänschen aus Wallnüssen bereitet.

"Nimm recht gute, große Wallnüsse, befreie sie recht behutsam von der Schale, damit sie ganz bleiben, schneide sie mit einem Messer in zwei Hälften und brühe sie mit heißem Wasser. Nun ziehe die gelbe Haut ab, dann hast du lauter kleine, niedliche Gänschen, welche man auf einen Teller legt und mit gekochtem Zucker übergießt, damit sie eine Glasur erhalten. Nun legst du sie im Kranze auf eine Schüssel und verzierst das Ganze am Rande mit fein geschnittenen Apfelscheiben."

Sonstige

18.07.2010 um 06:00 Uhr

Saucenrezept von A. Pucci

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte


Rezepte willst du wissen zarter Saucen?
Da musst du Salbei, Minze, Thymian geben,
Das Ganze drauf mit Rosmarin beleben,
Mit Knoblauch dies in einem Mörser stoßen.
Versäume nicht, den Schlägel oft zu heben!
Gib Lorbeer bei, drei Blätter auch von Rosen.

Basilienkraut musst ferner du zerdrücken.
Gut ist ein Pfefferkorn, auch Kräutersäfte.
Und spare nicht an ein paar Nelkenstücken.
Die Butterblume gibt dem Seim die Kräfte.
Hast du gar Ingwer, wird’s besonders glücken.
Zerbrösle dann zwei, drei, vier Zimmetschäfte.

Zu alle dem Kraut ist Essig sehr ersprießlich.
Nimm ihn nur scharf, sonst ist es recht verdrießlich.

Dieses historische Saucenrezept des Florentiners
Antonio Pucci aus dem 14. Jahrhundert habe
ich beim Blättern in alten Rezeptbüchern gefunden.

Hier ein „modernes“ Saucenrezept zum Ausprobieren:

Paprikasauce:

2 große Paprikaschoten, 4 Tomaten, 3 Zwiebeln, 1 Knoblauchzehe, 4 Esslöffel Olivenöl, Rosmarin (zerbröselt), Salz, 1 Glas herber Weißwein.

Die Paprikaschoten waschen, halbieren, entkernt und in schmale Streifen schneiden. Die Tomaten leicht einritzen, ein paar Sekunden in kochendem Wasser blanchieren, häuten. Zwiebeln und Knoblauch fein wiegen. Alles in Olivenöl andünsten, würzen und 20 Minuten bei kleiner Temperatur schmoren. Nach und nach mit Weißwein ablöschen.

Passt warm zu Pasta oder kalt zu Gemüserohkost.

19.05.2010 um 04:30 Uhr

Makkaroni auf aaanstrengende Art

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte   Stichwörter: Makkaroni

Aus den "Libri di ricette" (Rezeptbüchern)
von Maître Martino, um 1450:

Makkaroni nach sizilianischer Art

Nimm hochfeines Mehl und vermenge es mit Eiweiß und Rosenwasser oder gemeinem Wasser. Willst du zwei Portionen bereiten, nimm nicht mehr als das Eiweiß von ein oder zwei Eiern. Der Teig muss recht fest sein. Forme den Teig dann zu Stangen, die so lang wie deine Hand und dünn wie Strohhalme sein sollen. Nimm dann einen handlangen oder etwas längeren Draht, der nicht dicker als ein dünnes Garn ist, lege ihn auf die Teigstange und rolle sie mit beiden Händen einmal über den Tisch. Nimm dann den Draht heraus und du erhältst innen hohle Makkaroni. Die Makkaroni müssen in der Sonne getrocknet werden. Sie sind zwei oder drei Jahre haltbar, insbesondere, wenn sie im August bereitet werden.

Und dann kann man daraus Makkaroni-Auflauf
mit Grünkernfüllung (statt Hackfleisch) machen:

Makkaroni-Auflauf 9

12.12.2009 um 08:30 Uhr

Tirggel

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

Tirggel ist ein Gebäck aus Honig, Mehl und Gewürzen, welches in Zürich um Weihnachten und am Sechseläuten gegessen wird. Tirggel werden mit starker Oberhitze gebacken, dass sie eine bräunliche Ober- und eine helle Unterseite haben. Die Oberseite zeigt ein geprägtes Bildmotiv, dessen Linien dunkler hervortreten. In der Regel sind Zürcher Sujets dargestellt, beispielsweise das Hans Waldmann-Denkmal vor dem Fraumünster oder die Spanisch-Brötli-Bahn.

In Zürich wurden sie 1461 erstmals schriftlich erwähnt. Bis 1840 hatten nur Zürcher Stadtbäcker das Recht, Tirggel herzustellen.

Die Formen für das Bild (Model genannt) wurden normalerweise aus Holz geschnitzt. Jeder Hersteller ist stolz auf seine Vielfalt, und es gibt wertvolle Sammlerstücke, die oft Motive aus der Bibel, Wappen oder Szenen aus dem Leben zeigen. Einer der letzten Modelbauer lebt in Appenzell. Einige Formen befinden sich im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich.

(aus Wikipedia)

Tirggel

Foto(s): Brigitte Stolle

Tirggel-Geschichte

18.09.2009 um 04:05 Uhr

Was im Jahre 1789 ein Reisender ...

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

Was im Jahre 1789 ein Reisender in Südwestfrankreich
aus eigener Anschauung berichtete:

"Das Brot liegt mit einem Stück Butter in einem großen Holzteller schon bereit, und dann gießt man kochendes Wasser darüber: die Suppe ist fertig. Eine Knoblauchzehe und eine rohe Zwiebel, von der Köchin kleingekaut und dann hineingespuckt: das ist die Würze, der letzte Schrei der Küchenkunst. Die Suppe wird aufgetragen; sie ist exzellent. Gegessen wird sie mit einem Holzlöffel."

aus: Roger Vaultier "La gastronomie régionale
en France pendant la Révolution" (1940)

Bon appétit !

11.09.2009 um 07:00 Uhr

Kräutersoße zum Rittermahl

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

Historisches Rezept:

Wiltu machē gut grūn salssē vo kreuter so klaub
pfefferkraut. deymantē. mangolt. ampffer. streiff die
stil darauß vnnd warn dich eines verglaste hafen mit
einer deck Nym weiß brot das weich in weī oder ī
essig gar woll reib leckūchē vn stos dy kreuter vn
das alles miteinander gar wol treib es durch ein tū
ch
mit essig. vn wein darin dz brot ist geweicht mach
es ab mit wurtzen vnd versuch die salssen vn
behalt sie in den glesen hafen vber iar.

Es existierte noch keine einheitliche Rechtschreibung;
die Schreibweise war regionalen Schwankungen
unterworfen. Sogar in ein und demselben Text
konnte man Wörter in verschiedener Schreibweise
finden, hier z. B. weī und wein, wol und woll.

sals(s)e = (gesalzene, d. h. pikante) Brühe, Soße

Foto: Brigitte Stolle

Übertragung:

Wenn du eine gute grüne Sauce machen willst,
so lies Bohnenkraut, Minze, Mangold und Sauerampfer.
Streif die Stiele ab und besorge dir ein gläsernes
Gefäß mit einem Deckel. Nimm Weißbrot, das weich
in Wein und Essig gut ein, reib Lebkuchen und zerstoß
alles gut miteinander. Treib es zusammen mit Essig
und mit dem Wein, in dem das Brot eingeweicht war,
durch ein Tuch. Würze es und schmecke die Sauce
ab. Und bewahre die Sauce in einem
Glasgefäß übers Jahr auf.

16.12.2007 um 04:00 Uhr

Ältestes Lebkuchenrezept

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

 

Lebkuchen-Variationen

Heute:

Ein uraltes Rezept 


Das älteste schriftlich überlieferte Lebkuchenrezept stammt aus dem 16. Jahrhundert und wird im Germanischen Museum in Nürnberg aufbewahrt:

"1 Pfd. Zucker
½ Seidlein oder 1/8erlein Honig
4 Loth Zimet
1 ½ Muskatrimpf
2 Loth Ingwer
1 Loth Caramumlein
½ Quentlein Pfeffer
1 Diethäuflein Mehl

– ergibt 5 Loth schwer."

Ausprobieren erlaubt!

28.11.2007 um 04:10 Uhr

Makkaroni nach Alexandre Dumas

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

Makkaroni auf Hausfrauenart

„Ein Pfund Makkaroni werden eine Dreiviertelstunde
lang in Wasser gekocht, in das ein Stück Butter, Salz und
eine mit Gewürznelke gespickte Zwiebel integriert werden.
Dann lässt man die Makkaroni gut abtropfen und legt sie
mit etwas Butter, 120 Gramm geriebenem Gruyère und
ebenso viel, gleichfalls geriebenem Parmesan, etwas
Muskat, grobem Pfeffer sowie einigen Kaffeelöffeln
Sahne in eine Kasserolle und schwenkt alles. Wenn die Makkaroni gut rutschen, richtet man sie an und serviert.“

Dieses "historische" Rezept habe ich im
Großen Wörterbuch der Kochkunst
von Alexandre Dumas (dem Älteren)
gefunden. Ich habe es zwar nicht nachgekocht,
wage aber die Prognose, dass Makkaroni,
die „eine Dreiviertelstunde lang in Wasser gekocht“
werden, an Form und Bissfestigkeit verheerend einbüßen.

Tipp: Kochen Sie die Makkaroni
nach Packungsangabe!

Das Wörterbuch der Kochkunst
von Alexandre Dumas kann hier angeschaut werden.

04.11.2007 um 18:10 Uhr

Ein guot spise von bire und eppele

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte   Stichwörter: Birnen, Äpfel

Ein guot spise
von bire und eppele

Eine gute Speise aus Birnen und Äpfeln

Zwei Äpfel und zwei Birnen schälen, vierteln, entkernen und klein würfeln. Mit drei Löffeln Wasser zu einem Mus verkochen und gut mit Anis und Zimt abschmecken. Das Mus fingerdick auf vier Brotscheiben streichen. Mit vier weiteren Brotscheiben bedecken und mit Milch beträufeln. Zwei Eier schlagen, mit Mehl und ein wenig Milch vermengen, so dass ein glatter Pfannkuchenteig entsteht. In diesem Teig die gefüllten Brote wenden und in einer Pfanne in erhitzter Butter ausbacken. Wenn die Brote auf beiden Seiten goldbraun sind, aus der Pfanne nehmen und mit Zucker und Zimt bestreuen. Heiß servieren.

 

gefunden in:
Wie man eyn teutsches Mannsbild
bey Kräfften hält


Die vergessenene Küchengeheimnisse des Mittelalters wiederentdeckt, ausprobiert und aufgeschrieben
von H. Jürgen Fahrenkamp.

Das Buch kann man hier anschauen !

21.06.2007 um 04:05 Uhr

Schwarzwälder Kirschtorte

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte   Stichwörter: Torte, Geschichte

Schwarzwälder Kirschtorte soll in mehreren Schritten "erfunden" worden sein. Den Anfang der köstlichen Geschichte bildet die so genannte Schwarzwälder Creme. Schwarzwälder Bäuerinnen pflückten Süß- und Sauerkirschen, kochten sie und ließen sie abkühlen. Abends molken sie ihre Kühe und schöpften den Rahm von der Milch. Dieser wurde über die Kirschen gegeben und das Ganze als bäuerliches Abend-Dessert genossen. An besonderen Tagen kamen zu dieser süßen Leckerei noch ein paar Spitzer hausgebranntes Kirschwasser dazu.

Erst im 20. Jahrhundert vervollständigte der Konditormeister Josef Keller dieses Gericht durch einen dunklen Tortenboden und kreierte so die berühmte Schwarzwälder Kirschtorte. Im Jahre 1915 soll sie erstmals in Bad Godesberg einen breiten Publikum – Kurgästen – vorgestellt worden sein.

 
 

02.03.2007 um 04:05 Uhr

Kochkunst und Magie

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

"Die Kochkunst stammt direkt von der Magie ab, und die Dampfwolken, das Feuer und die Dunstschwaden, die sich über dem Rauchabzug zusammenbrauen, sind das Wahrzeichen für unsere Verbindung mit jenen Höhlen, wo die Materie der Welt brodelt, sich löst und die Welt durch Verwandlung verändert".

Das hat vor langer Zeit ein Alchimist festgestellt.

18.11.2006 um 07:05 Uhr

Ein guot spise von bire und eppele

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

Ein Rezept aus dem Buch:

Wie man eyn teutsches Mannsbild bey Kräfften hält.
Die vergessenene Küchengeheimnisse des Mittelalters wiederentdeckt, ausprobiert und aufgeschrieben
von H. Jürgen Fahrenkamp.

Ein guot spise von bire und eppele
Eine gute Speise aus Birnen und Äpfeln

Zwei Äpfel und zwei Birnen schälen, vierteln, entkernen und klein würfeln. Mit drei Löffeln Wasser zu einem Mus verkochen und gut mit Anis und Zimt abschmecken. Das Mus fingerdick auf vier Brotscheiben streichen. Mit vier weiteren Brotscheiben bedecken und mit Milch beträufeln. Zwei Eier schlagen, mit Mehl und ein wenig Milch vermengen, so dass ein glatter Pfannkuchenteig entsteht. In diesem Teig die gefüllten Brote wenden und in einer Pfanne in erhitzter Butter ausbacken. Wenn die Brote auf beiden Seiten goldbraun sind, aus der Pfanne nehmen und mit Zucker und Zimt bestreuen. Heiß servieren.

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04.11.2006 um 07:51 Uhr

Ausgezogene Kirchweihküchel

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte   Stichwörter: Süßspeisen, Gebäck, Bayern

Ausgezogene Kirchweihküchel

So steht es in einem alten bayrischen Kochbuch geschrieben:

"Der Hefeteig wird etwas splendider als sonst gemacht. Etwas mehr Fett, etwas mehr Hefe, und noch gründlicher abgeschlagen, länger gehengelassen. Dann sticht man mit einem Löffel kleine Laibchen heraus, dreht sie auf dem gemehlten Brett mit der flachen Hand, bis sie schön rund werden, und lässt sie ¼ Stunde gehen. Man befettet die Finger mit Butter und Mehl, zieht die Nudeln von der Mitte nach nach außen so fein, dass man fast durch den Teig lesen kann, doch darf kein Riss oder Loch entstehen, und außen herum muss ein daumendicker Rand bleiben. Man erhitzt in einer tiefen Pfanne Butter, legt einige Küchlein zugleich hinein, übergießt sie mit Butter und backt sie schön gelb, wendet sie um und nimmt sie heraus und lässt sie erkalten."

27.08.2006 um 04:31 Uhr

Aus einer handschriftlichen Rezeptsammlung

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

Motto:

Nichts verschwendet, nichts gespart,
Nichts zu weich und nichts zu hart,
Nichts versotten, nichts verbraten,
Alles schmackhaft, gut geraten,
Wohl geordnet, recht gemischt,
Reinlich, zierlich aufgetischt,
Nichts zu sauer, nichts zu süß.
Ist der Hausfrau Ruhm gewiß.


(aus einer handschriftlichen
Rezeptsammlung um 1900)

22.08.2006 um 04:05 Uhr

Pastete mit Milch und Honig

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

Historisches Rezept:
Pastete mit Milch und Honig

Nimm frische Milch und lasse sie so lange auf dem
Feuer, bis sie eindickt.
Nimm daraufhin frischen Käse,
den du mit Mehl und feinen Gewürzen mengst,
um daraus Teig zu bereiten.
Der Teig wird flach und breit gedrückt,
mit der Milch gefüllt und in einer Pfanne
mit heißem Fett gebacken.
Wenn die Pastete gar ist,
bestreiche sie mit Milch und Honig.
Dieses Gericht wird Schwaben und Bayern schmecken.

(aus: Registrum Coquine, Nr. 39)

Leckere Rezepte ganz ohne Fleisch
finden Sie auf den
Kuh-Seiten!

27.06.2006 um 04:21 Uhr

Bannfluch eines Papstes

von: buchzeiger   Kategorie: Historische Rezepte

Bannfluch eines Papstes gegen Vegetarier:

»Wenn jemand Fleischspeisen, die Gott den
Menschen zum Genuss gegeben hat, für unrein hält und
... auf sie verzichtet ... sei er mit dem Bannfluch belegt.«

Papst Johannes III. (561-574) verkündete dieses
Anathem auf der 1. Synode von Braga (Portugal)