Kulinarisches – Literarisches – Fragmentarisches

24.12.2007 um 07:00 Uhr

schenken

schenken

Das Verb "schenken" (althochdeutsch "scenken") hatte früher die Bedeutung "jemandem zu trinken geben". Deutlich sichtbar ist dies in Wörtern, die mit dem Ort in Verbindung stehen, an dem man - gegen Bares - zu trinken bekommt: Seit dem 15. Jahrhundert gehen die Deutschen in die "Schenke", etwas später dann auch in die "Schankwirtschaft". Auch der "Ausschank", der "Schanktisch", die "Schankstube" und andere Zusammensetzungen dieser Art dokumentieren die alte Bedeutung. Nicht zu vergessen der "Mundschenk", jener Hofbeamte, der an Fürstenhöfen für die Getränke verantwortlich war.

In mittelhochdeutscher Zeit nahm "schenken" die Bedeutung "einen Willkommens- oder Freundschaftstrunk anbieten" an. Dieser Trunk war natürlich gratis. Auf diesem Wege entwickelte das Verb seine heutige Bedeutung "ein Geschenk machen". Ursprünglich bedeutet "schenken" eigentlich "schief halten". Zugrunde liegt ihm die indogermanische Wurzel "[s]keng-" (= schief, krumm), auf die auch die Substantive "Schenkel" und "Schinken" als Bezeichnungen für einen krummen oder gekrümmten Körperteil zurückgehen. Was beim "Schenken" (bzw. Einschenken) schief gehalten wurde, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung.

(aus der Duden-Redaktion Mannheim)

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Und als Nachtrag noch eine interessante Abhandlung von Oddvar aus Oslo für alle Freunde und Freundinnen der norwegischen Sprache:

Skjenke
(gespr. schenke)


"Es ist sehr interessant, das Wort „schenken“ ins Norwegische zu übertragen. Wir sind bei der alten Bedeutung des Wortes geblieben. Die im Deutschen neue, allgemeine Bedeutung für „geben, Gabe“ kommt im Norwegischen kaum vor. Das Wort ”geskjenk” (gave, presang) existiert nicht. In übertragener Bedeutung kommen ein paar Ausdrücke vor, wie z. B. „skjenke noe / noen en tanke“ (etwas / jemandem einen Gedanken schenken). ”Etwas geschenkt bekommen”, „das ist wirklich geschenkt“, “sich einem Mann schenken“ – sind uns fremde Ausdrücke.

„Å skjenke noen“ = jemandem ein alkoholhaltiges Getränk ins Glas gießen. Der altmodische „Mundschenk“ heisst „munnskjenk“. Unser „skjenk“ (Hauptwort) ist kein Diener, sondern ein Schrank zum Aufbewahren von Gläsern und Servicen. Das Hauptwort „skjenk“ kann auf Tröndersk „Branntwein“ bedeuten (nicht auf ”Hochnorwegisch”). Dann gibt es das Wort „sjenkel“ (ohne k): Abschnitt des Beins vom Knie bis zum Knöchel eines Reiters (vgl. Schenkelweichen). Derselbe Teil bei Tieren heisst „skank“. Oberschenkel heisst „lår“ und Unterschenkel „legg“ (vgl. Englisch „leg“) Für Schankbier sagen wir „fatöl“ (Fassbier) und Schankerlaubnis heisst „skjenkebevilling“. Es gehört sich nicht “å skjenke folk fulle“ = Leute vollzuschenken. - Dass der Kommentar ziemlich lang geworden ist – dem schenke ich keinen Gedanken!"

Kommentare zu diesem Eintrag:

  1. zitierensoJA schreibt am 24.12.2007 um 10:08 Uhr:Heißt es Waldschenke oder Waldschänke? So müßte doch beides richtig sein. Deutsch kann ganz schön schwierig sein.
  2. zitierenbuchzeiger schreibt am 24.12.2007 um 10:20 Uhr:Die neue Rechtschreibung orientiert sich am Stammprinzip. Da der Verbstamm "schenken" als auch der Substantivstamm "(Aus)Schank" zuGrunde liegen kann, sind beide Schreibungen richtig.
  3. zitierensoJA schreibt am 24.12.2007 um 13:16 Uhr:Dann braucht sich die Waldschenke nicht umbenennen.

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