Die provokative These stelle ich mal in den Raum, ohne sie viel weiter zu erlaeutern. Viele, die mich kennen, werden ohnehin schon wissen, was meine Meinung dazu ist. Ich will jetzt nicht die Geschichte der katholischen Kirche durchgehen oder von irgendwelchen Heiligenerscheinungen reden, nein... Es geht mir darum... Dass man... Nein, auch nicht, dass man als Nichtglaeubiger oft von strikten Religioesen diskriminiert, wenn nicht sogar angegriffen wird. Nee... Es geht im Moment um etwas, was mich persoenlich, als Antichristen, absolut krank macht: Die Beschaeftigung mit dem lieben Christentum im Unterricht. Und nicht kritisch. Sondern beschoenigend.
Ihr koennt euch vielleicht noch erinnern, naja, wie genau ich darauf eingegangen war, weiss ich nicht mehr, aber da war doch neulich diese Englischstunde. Im Buch, das wir gelesen hatten, Equus, von meiner Meinung nach sehr psychisch gestoerten und allgemeiner Meinung nach auch sehr religioesen Peter Shatter, ging es um eine Mischung aus Sex und Religion. Dargestellt in der drastischer, brutaler und pornografischer (Andere Leute sagen 'offener', damits nicht negativ klingt) Form. Nunja... So diskutierten wir in der Klasse ueber Religion und bald stellte sich heraus, dass ich umzingelt von strikten Christen war. Aussagen wie 'Es ist scheusslich, dass es Menschen gibt, die Sonntags arbeiten!' bis 'Ich finde Religion gut, dann bin ich nie alleine. Wenn ich mit jemandem ueber etwas reden will, kann ich mich immer an Gott wenden; Der hoert mir immer zu und hilft mir' traten auf und ich war vorm Verzweifeln, denn der Lehrer redete genauso einen Mist. Ich fragte mich, mit welchen Mitteln man Menschen so gehirnwaschen kann und sagte auch mal meine Meinung: Dass Religion naemlich nicht immer etwas Gutes waere, dass um sie Kriege gefuehrt wurden und sie als Fundamentalismus viel Schaden bringt. Natuerlich wurd ich von den christlichen Leugnern sofort zusammengeschrieen. Das sei ja alles gar nicht wahr. Ach ja? Ich soll mit Kreuzzuege, den Nordirlandkonflikt, die Anschlaege vom 11. September, die Inquisition und die Unterwerfung Suedamerikas ausgedacht haben? Bei sowas bekomm ich einen Knacks weg.
Schwachsinnige Aussagen wie diese fallen, sobald das Thema Religion sich zeigt, en masse. Wie es dazu kommen kann? Wieso die wenigen, die anders denken, schweigen? Nun... Wenn wir uns dem gemeinsam stellen wuerden, dann haetten wir wenigstens eine geringe Chance. Aber dass so viele Menschen gar nichts selbst fuer ihr Leben tun, sondern alles irgendeinem Gott, den es vielleicht nicht einmal gibt, in die Hand legen: Das ist erschreckend und es ist traurig, dass die Schule das scheinbar sogar foerdert. Haben wir nicht angeblich eine Trennung von Kirche und Staat? Oft glaube ich, das ist nicht mehr als eine leere Behauptung. Die Realitaet sieht leider anders aus. Nicht nur, dass an vielen Schulen christlicher Religionsunterricht Pflicht ist und andersreligioeser erst gar nicht angeboten wird und unreligioese Alternativen auch nicht bestehen, nein, selbst ausserhalb des Religionsunterrichts wird Religion oft unkritisch behandelt! Ich rede nicht von Kruzifixen, die an der Wand haengen, in manchen bayerichen Schulen (Obwohl es offiziell ja auch verboten sein soll...), ich mein wirklich den Unterricht. So, wie wir in Musik lange nur Kirchenmusik behandelt hatten und in Kunst nur sakrale Architektur. An sich mags okay klingen, aber als wir in Musik wie dann auch in Deutsch regelmaessig in der Bibel lesen mussten, da hats mir wirklich gereicht! Wie war das mit der Trennung von Kirche und Staat?!
Auch, wenns keiner zugeben will, die Schule erzieht eben immernoch mehr zu Gehorsam, als zu Vernunft oder einem kritischen Blick, auch, wenns immer wieder bestritten wird.Und langsam krieg ich einen Knall von diesem ewigen Religions-Blah-Blah. Wir lesen christliche Buecher, lernen ueber Christen... Und das an einer eigentlich unreligioesen Schule. An einer toleranten, offenen... Wie sie sich bezeichnen, und das wird auch das Einzige sein. Blosse Worte, mehr nicht. Nunja. Was brachte mich heute wieder auf Religion? Richtig, nach dem Essen musste ich wieder lernen. Fuer die Klausur morgen. Und in eben der kommt Equus als Thema dran... So las ich nochmal in diesen Buch. Und es endete, dass ich halb zusammenbrauch vor Wut, mich nicht mehr fassen und auch nicht weiterlernen konnte, das Buch in die Ecke pfefferte, ordendlich knickte (Muesste ichs nicht beim Verschwinden zahlen, haett ichs laengst im Bad abgebrannt), und erstmal eine Weile da sass, Religion verdammend und Schulen, die Religion immer als das Beste auf der Welt propagieren, genauso...
Denn was stand in dem netten Buch? Nunja... Ich machte mir mal Muehe, das Vorwort zu lesen, was das letzte Mal nicht der Fall war. Da beganns schon damit, zu behaupten, Liebe sei nichts Romantisches, sondern etwas natuerliches, animalisches. Der Mensch kenne keine Liebe, sondern Sex, das sei ja das einzig Normale, alles andere krank. So sei es falsch, wenn Eltern ihren Kindern eine ueberromantisierte oder rein biologische Aufklaerung darbieten wuerden, und - so isses im Buch - allein daher soll also der Protagonist durchgedreht sein und 6 Pferden die Augen ausgestochen haben. Denn er haette ja allein aus angestauter Sexualitaet heraus so handeln koennen, nur, weil seine Eltern ihn nicht richtig aufgeklaert haetten... Da haett ich schon ognog gehen koennen... Okay... Gute Aufklaerung ist wichtig, aber gerade dieses 'Sex ist normal, daher huepf mit jedem ins Bett, den du kriegen kannst, das braucht die Biologie zur Arterhaltung!' ist meiner Meinung nach der falsche Weg. Weiss nicht, von wann das Buch ist... Aber dass das Jahr 68 nicht nur Gutes herausgebracht hatte, und die vorherige Hippiezeit genauso wenig... Naja... Mich wird eh kaum einer verstehen. Aber das is auch sowas, was meiner Meinung nach dazu beitraegt, dass die heutige Gesellschaft an Wuerde und Liebe verliert. Diese angebliche 'sexuelle Freiheit'. Die viele als 'jeder mit jedem' sehen, weshalb auch mit Treue nicht mehr viel ist. Und da soll diese 'Freiheit' noch was gutes sein? Wenn sie teils auch ziemlich schadet? Ich find den Begriff an sich absurd. Man redet davon... Und meint Gruppensex, jeder mit jedem, Pornos, oeffentlichen Sex, Exzesse, usw. Aber wirklich frei... Ich wuerd sagen, es ist einfach nur regellos geworden. Jede Gesellschaft hat irgendwelche Regeln, meiner Meinung nach hatten Sex und Liebe auch mal welche gehabt. Aber hier ploetzlich gilt es als weiss ich wie gut, diese Regeln komplett ausser Kraft zu setzen. Anarchisten sind von Erwachsenen immernoch ungern gesehen... Sexuelle Anarchisten sind die Normalitaet. Diese Gesellschaft ist krank - Unverantwortlich. Wir sehen, wie sich AIDS ausgebreitet hat... Nein, meinentwegen kann jeder es treiben mit wem er will, aber sobald er andere damit verletzt (Zum Beispiel die betrogene Ehefrau) oder eine Gefahr darstellt (Verbreitung von Geschlechtskrankheiten), da hoert fuer mich der Spass auf!
Zumal diese 'sexuelle Freiheit' auch noch immer keine wirkliche Freiheit. Ehrlich gesagt sind meiner Meinung nach nur so gut wie alle negativen Punkte verwirklicht, die positiven dabei komplett nach hinten gedraengt. Freiheit wuerd beispielsweise auch heissen, dass Homo- und Bisexuelle toleriert und sogar akzeptiert werden. Wie man recht oft sehen kann, ist das aber in dieser Gesellschaft noch laengst nicht der Fall. Darueber hab ich mich schon haeufiger in meinen Logs ausgelassen... Weil ich einfach nicht verstehen kann, wieso einige Leute etwas gegen Schwule und Lesben haben! Was ist so schlimm daran, jemanden zu lieben, der dasselbe Geschlecht hat, wie man selbst? Es ist doch Schwachsinn, zu sagen, Liebe waere schlechter, nur weil der Partner das 'falsche' Geschlecht hat! So einen Schwachsinn kann sich aber irgendwie auch echt nur diese Gesellschaft ausdenken. Genau dasselbe, was leichten Fetischismus anbelangt. Wenns niemandem schadet, ist doch auch okay. Mit Bondage dasselbe. Transsexuelle werden immernoch dumm angegafft... Transvestiten, denen man noch deutlicher ansieht, dass sie 'fuer ihr Geschlecht die falsche Kleidung tragen' sogar noch schlimmer. Wann akzeptiert diese Gesellschaft das mal? Sie schaden noch niemandem. Aber scheint soetwas typisches fuer Menschen zu sein... Alles, was Minderheiten sind, was nicht der Masse angehoert... All das fuerchten oder verdammen sie.
SM wird in dem Buch Equus uebrigens auch als eindeutig etwas absolut Schlimmes dargestellt. Wird also, wie von vielen Menschen in der Realitaet acuh, nicht akzeptiert. Freiheit? Schliesst auch das aus. Ich mein... Wenn man... Also, klar, meiner Meinung nach gibts auch Grenzen, aber wenn jemand sich gerne seinem Partner unterwirft oder mal leichte Schlaege bekommen will... Wieso nicht? Also natuerlich, wenns zu blutenden Wunden und Verstuemmelungen fuehrt... Dann isses meiner Meinung nach wirklich pervers und da wuerd ich auch eher kein Auge mehr zudruecken. Aber... Es gibt auch doch viel softere Formen und die sollte man doch wohl langsam akzeptieren, als nicht pervers. Denn ich will eigentlich auch gar nicht wissen, wieviele von denen, die immer sagen, wie pervers es waere, heimlich selbst davon traeumen oder es sogar ausleben. Uebrigens: Gegen Leute, die sich anpinkeln, hab ich auch nichts. Ich finde sie seltsam, pervers... Naja, eigentlich schon. Aber ich verdamm sie nicht. Ich tolerier sie einfach... Wie alle anderen auch, die niemandem schaden. Das ist sowiso mein grosses Motto: Alles ist erlaubt, solange es niemand anderem schadet und auch niemanden einschraenkt. Ach so, da gehoert noch ein 'gegen seinen Willen' eingeschoben. Dann passts perfekt. Denn, wie gesagt: Wenn jemand sich freiwillig seinem Partner willenlos zur Verfuegung stellt... Ist vollkommen okay. Dann liegt meiner Meinung nach aber auch beim dominanten Part eine grosse Verantwortung ueber sein 'Eigentum'. SM ist meiner Meinung nach, wenn richtig un mit Liebe durchgefuehrt, kein bloedes aufeinander eindreschen. Es ist tiefstes Vertrauen, groesseres als in vielen anderen Beziehungen. Und Verantwortung fuereinander, eher ueber den devoten Partner, allerdings... Meiner Meinung nach auch gegenseitige. Alles auf gegenseitigem Einverstaendnis... Naja, will jetzt nicht so lange drum herum labern, jedenfalls sehe ich einige Formen davon als sehr akzeptabel an und meine auch, sie sollten nicht als etwas ach wie Schlimmes gelten.
Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, jenes Buch... Nunja, daneben, dass jeder mit jedem propagiert wird, SM aber als pervers gilt, wird noch geschildert, dass Jugendliche doch spaetestens mit 13 schonmal einen nackten Menschen anderen Geschlecht gesehen haben muessen, nicht nur auf Bildern. Alles andere sei ja unnormal und entwicklungsverzoegert. Was bleibt mir zu sagen, als erneut 'Schwachsinn'? Ich kenn beispielsweise viele absolut musikvernarrte Leute, deren Sexualitaet erst recht spaet begann, mit 18 oder so... Wieso auch nicht? Zurueckgeblieben sind diese Leute garantiert nicht. Es gibt halt solche und solche Menschen, die einen haben ein grosses, die anderen ein weniger grosses Beduerfnis nach Sex. Ist doch alles okay. Meiner Meinung nach sind ALLE diese Menschen normal, die Natur variiert doch auch. Uebrigens, das mag an sich zwar ein absoluter Fehler gewesen sein, aber dass man davon nicht sexuell pervers werden muss, zeigt das auch ganz schoen: Ich wurd als Kind so gesehen nie aufgeklaert. Ging sogar so weit, dass mein Vater wann immer irgendetwas, was sexuell sein koennte, und sei es auch medizinisch, im TV kam, schnell wegschaltete... Laecherlich... Absolut laecherlich. Trotz all diesem Schwachsinn wurde aus mir, biologisch fruehreife, ein auch sexuell verhaeltnismaessig 'normaler' Mensch. Trotz verklemmten Eltern. Okay, vielleicht war ich als Kind allem geschlechtlichen daher ein wenig abgeneigt, aber spaetestens wenn man sich von zuhause abnabelt, ist einem das Geschwafel der Eltern sowieso egal und Sexualitaet ist in den Genen festgelegt, dann ist einem auch egal, wie schlimm die Eltern es fanden. Wenn man fuer sich selbst denken kann (Und da wird wohl das Problem liegen!), spielt es also absolut keine Rolle, ob einem die Eltern aufklaeren und wie, oder nicht. Nunja... Aber viele Menschen denken wohl nicht selbsts... Hm...
Ach so, wenn jetzt jemand damit ankommen will, dass ich sexuell nicht normal waer: So unnormal bin ich auch nicht, ausserdem ist es doch wohl meine Sache. Ich schade niemanden mit meinem Leben, mit keinem Teilbereich meines Lebens, und damit sollte es doch wohl egal sein. Meine letzte Freundin war jedenfalls nicht ungluecklich mit unserer Beziehung... Bis sie mit mir Schluss gemacht hatte, aber das ist eine andere Sache. Wieder zum Buch... Ja... Was kam noch fuern Schwachsinn? Ach ja, genau, das Blenden der Pferde war eine Mischung aus religioeser und sexueller Perversion. Ja, klar doch. Und mit jedem ins Bett zu steigen ist normal, als Kinder Nackte anzustarren und das auch schon als sexuell zu sehen, Atheisten seien alle hirnlos und dumm... Nach all dem Scheiss, der in diesem hoch gefeierten Buch als 'normal' beschrieben wird, muesste ich eine Ausserirdische sein. Son Scheiss. Ach so, und angeblich benoetigt JEDER Mensch etwas, was er anbeten und von was er sich leiten lassen kann. Spaetestens da bemerkt man die tiefe, schwachsinnige Religioesitaet des Autors. Dieser Gedanke schon, dass ich mich in die Haende von irgendetwas Uebersinnlichem fallen lassen koennte, komplett... Nee danke, dagegn hab ich schon ne Abneigung! Klar, auch ich glaube, dass es Dinge gibt, die der Mensch nicht sehen kann. Noch nicht, oder aber auch nie. Ja, es muss unsichtbare und unmessbare Dinge geben. Geister, Seelen, wie auch immer... Nennen wir sie, wie wir wollen, ich weiss auch nicht, wie sie sein und aussehen sollen, aber auf jeden Fall muss es noch etwas geben. Aber der Gedanke, diese Wesen koennten uebermaechtig sein...Meinentwegen. Aber ich wuerde mich selbst niemals vollstaendig in die Hand von irgendetwas geben, von dem ich nicht einmal weiss, ob es es ueberhaupt gibt. Daher wuerd ich mein Schicksal auch keinem Gott ueberlassen. Es selbst leben. Schliesslich bin ich, wie mans immer wieder sieht, immernoch der einzige, der wirklich ueber mein Leben entscheidet. Vom 'Schicksal' oder Zufall abgesehen. Aber ich glaube, der ist wirklich Zufall. Und von niemandem bestimmt.
So, Rest im naechsten Beitrag.