Nunja. Das Gefuehl, das mich damals mehr oder minder in die Arme der Goth-Szene getrieben hatte: Man redet mit den ganzen 'Normalos', sie labern einen mit irgendwelchen 'Tipps' voll, die so sinnlos sind, sie halten einen gleich fuer verrueckt, stoeren mit ihren 'Hilfen' nur, oder... Glauben, sich in das Leben einer Person einmischen zu muessen, das sie gar nichts angeht. Wie sehr bekomm ich Kotzreiz, wenn ich daran zurueckdenke, wie mich ab und zu Tussis genervt hatten, ich solle mich doch mal bunter kleiden, meine Haare faerben, schwarz saehe ja so trostlos aus... Das war zu Zeiten, wo Gothic noch kein Mainstream war, wo viele gar nicht wussten, dass es Gothic ueberhaupt gibt. Keine Ahnung, was sie damals ueber mein dunkles Erscheinungsbild dachten, aber es war deprimierend, dauerhaft von Idioten belaestigt zu werden. Meinen Stil hatte ich schon lange zuvor, meine Gedanken auch, und irgendwann war da dieses Schluesselerlebnis... Und es ging in die Szene. Zu vielen Menschen, mit denen man sich wirklich unterhalten konnte, weil ihnen die Probleme, von denen sie nun hoerten, eben nicht fremd waren! Weil sie sich in einen hineinversetzen konnten, weil sie auch offen genug waren, Dinge zu diskutieren... Und vor Allem auch unvoreingenommen zu diskutieren. Und nannte man einen nicht alltaeglichen Gedanken, haben sie einen auch nicht gleich als bekloppt abgestempelt. Klar kann man jetzt nicht verallgemeinern, es gibt ueberall Idioten, aber Fakt ist, und jetzt sage ich etwas, was viele, egal, ob schwarz oder bunt, nicht gerne hoeren: In der Szene sammelten sich zu einem Grossteil schon Aussenseiter.
Das ist der Punkt an der Gemeinschaft gewesen: Die ganzen nach Normalomeinung Haesslichen, Verrueckten oder Unfaehigen wurden hier nicht verstossen. Unvoreingenommen machte man sich erst langsam ein Bild von einer Person, es hiess nicht gleich, was weiss ich, du siehst dir gerne Statuen und Friedhoefe an, du bist ein armer Irrer... Toleranz und Offenheit hatten einmal grosse Teile gepraegt. Und da der Mensch in Gemeinschaften staerker ist, leichter ueberleben kann, sucht er sich natuerlich gerne Gleichgesinnte. Und die hatte ich nun in diesem Bereich gefunden und im Moment habe ich wieder dieses Gefuehl: Hier, unter den Normalos, versteht mich niemand. Der Unterschied zur allerersten Zeit ist, dass ich natuerlich auch noch einen Haufen schwarzer Kontakte habe. Damals stand ich alleine da. Und nun zerfaellt alles wieder... Was bleibt, ist der Kern, der, oh Wunder, nicht aus 'Normalos' besteht... Und wohl auch nie zerfallen wird. Nicht in absehbarer Zeit... Vorhin und auch schon seit einigen Tagen emaile ich wieder einem Gothmaedel, das noch unverdorben von allen Moden und Attitueden ist... Kein 'Das und das tu ich nicht, das ist nicht gothic!' oder 'Ich tue alles, um bloss nicht normal zu sein!'. Nein, sie folgt einfach ihrem Denken und das ist schon sehr vernuenftig. Jeder hat Macken, aber... Wir unterhalten uns gut, denken dabei nach, doch, es bringt einen weiter. Wir haben auch wieder viel ueber die Szene, etc, geschrieben, der Schluss ist: Es gibt keinen eindeutigen.
Ich hatte mich schnell wieder von den schwarzen Massen distanziert, weil eben auch zu viele Spinner dabei waren, und schlug den an sich eigentlich vernuenftigsten Weg ein, wie ueberall im Leben ist es naemlich am vernuenftigsten, immer zu differenzieren: Ich hatte nun meine Gothfreunde, aber auch einige Gothics, gegenueber denen ich nur Gleichgueltigkeit oder auch starke Antipathie verspuerte. Lange Zeit bliebs dabei... Bloss keine Identifikation mit einer Masse, da das auch wieder Schubladendenken waere, bloss nicht Teil der Szene sein, nein, die Szene selbst sein. Mittlerweile sind wechselnde 'Normalo'-'Freunde' dazugekommen und auch wieder gegangen, und... Nein, ich will in keine Szene, keine Schublade. Wie ich schon einmal erwaehnt hatte: Ich bin ich und in Schubladen koennen mich andere werfen. Wenn ich sage, ich sei Goth, was durchaus zutreffen kann, dann, weil mein wirkliches Ich mit dem, was man dem Gothic zugehoerig definiert, miteinander konform gehen. Dann bin ich eben Goth. Aber bemueht habe ich mich nie darum. Ich bin es einfach und das ist wohl das, was jemanden, der nicht nur Goth spielt, sondern Goth ist, auszeichnet: Das Denken ist wahr und wirklicher Charakter. Nicht nur etwas sich selbst Eingeredetes, weil man unbedingt in die Szene will. Was leider immer oefters der Fall ist.
Schauen wir uns die Szene heute an. Ja, okay, es sind wenige Jahre vergangen, an sich keine so extreme Zeit. Aber in den Charts sind seit einigen Monaten sogar Bands wie Lacrimosa, L'Âme Immortelle, Within Temptation, nun auch Nightwish, eine zeitlang Oomph!, neulich sogar Deine Lakeien (Ich mag sie uebrigens sehr) und Pseudo-Bands spriessen auch wie Pilze aus dem Boden... Nu Pagadi, Xandria, Evanescence, etc... Die Szene hat sich damit auch gewandelt. Zulauf juengerer Schichten, viele dieser Leute, die durch die Modewelle nun meinen, zumindest eine zeitlang, 'Goth' zu sein, bzw das, was die Medien uns gerne als Goth verkaufen, weniger Tiefsinn, mehr Hektik, Aeusserlichkeiten gewinnen an Wert, das Denken zaehlt kaum mehr. Alle laufen Schau, wer kleidet sich am merkwuerdigsten, wer ist am 'boesesten', was weiss ich. Kein Zusammenhalt, oft sogar Konkurrenz. Der Eine beschimpft den Anderen, weil er einen anderen Musikstil hoert. Intoleranz nimmt ueberhand. Feindlichkeit, Abschottung, keine Offenheit, dafuer voreingenommenes Denken. Ja, es werden immer mehr Leute und damit wirds auch chaotischer und die breite Masse, ueber deren IQ wir ja bescheid wissen, zieht ein. Somit... Gehts den Bach herunter, aber so ist der Wandel des Lebens. Ich gehoere nicht zur Szene... Ich wills auch nicht. Ich bin nur ich selbst.
cn P