Memoriae Ex Aeterna Nocte

19.03.2007 um 17:23 Uhr

*schreikrampf*

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken / Essays   Stichwörter: Stress, Studium, Universität, Gesellschaft

So. Mittwoch habe ich meine muendliche Pruefung. Ich wusste/weiss nicht, in welchem Raum sie stattfindet. Daher habe ich der Professorin mittlerweile 3 Emails geschickt.

1. Email - Fragen:
1. Wo findet sie statt?
2. Wie lange dauert sie?
3. Welche Themen kommen dran? 

Beantwortet wurde Frage 2. Zu Ort und Themen hat sie NICHTS gesagt.

2. Email - Fragen:
1. Wo findet sie statt?
2. Welche Themen kommen dran?

Beantwortet wurde die 2. Frage. Zum Ort - Wieder NICHTS.
Ausserdem fragte Frau Prof, ob ich denn brav gelernt habe.

3. Email - Frage:
1. Wo findet sie statt?

Antwort: Sie freue sich, dass ich gelernt habe.
Noch immer keine Antwort auf keine Frage, zum 3. Mal!

Es waere mir peinlich, noch eine 4. Nachricht zu schicken uns nochmals nach dem Ort zu fragen. Die letzten 3 Male hat sie die Frage ja irgendwie ignoriert... Was nun?

cn P 

 

 

19.03.2007 um 00:38 Uhr

17. und 18.3.07

Stimmung: Selbst das Gelaber meines "Vaters" ist zwar stoerend, beruehrt mich aber nicht mehr.
Musik: Keine.

Freitagabend um 3 Uhr offline, trotz Muedigkeit geschrieben, schon um 4 Uhr schlafen gegangen. Am naechsten Morgen um 10 Uhr aufgestanden und Ewigkeiten auf das Essen gewartet. Ohne Hunger. Aber vorher darf ich ja nicht gehen :/ ER wartete derweil draussen... Ich musste mir dummes Gerede anhoeren und hatte wieder starke Rueckenschmerzen. Letzte Nacht hatte ich unbequem geschlafen, habe dennoch getraeumt, allerdings aeusserst merkwuerdige Dinge. Als ich dann endlich die Wohnung verliess, leider ging es schon gegen 12 Uhr, quaengelte ER nur herum. Wohl auch aus Boshaftigkeit erzaehlte er mir dann eine Sache, worueber ich jetzt noch nicht weiss, was ich denken sollte. Der grobe Inhalt war, er habe neulich im Bus im Halbschlaf ein Maedchen gesehen, das er sehr huebsch gefunden habe. Mit langem blonden Haar, dunkel gekleidet, zartes Gesicht. Dann habe er auf den 2. Blick festgestellt, dass es nur eine Spiegelung von ihm selbst war. Worueber soll ich mich mehr sorgen: Ueber seine Selbstverliebtheit oder die Tatsache, dass er geglaubt hat, eine Frau schoen zu finden, die das komplette Gegenteil von mir darstellt? Sicher, ich habe auch ein recht zartes Gesicht, aber ich bin weder blond, noch habe ich gruene Augen, ich bin nicht hochgewachsen, nicht so schlank wie er, und sowieso... Wie kommt man dazu, seinem Partner von Menschen dessen Geschlechts zu erzaehlen, die man attraktiv gefunden habe?

Zuhause verschlechterte meine Stimmung sich schnell und ich lag weiter mit Ruecken- und Gliederschmerzen herum. Erstere waren extrem schlimm. Dann begann mein Koerper auch noch, zu zittern. Und ich bekam Muskelzucken. Meine Augen kniffen sich unkontrolliert zu, das ueber Stunden, ich konnte gar nicht lesen. Ich weiss nicht, was da los war. Ich habe die Augen wirklich nicht mehr oeffnen koennen. So aehnlich wie bei Lichtempfindlichkeit bei Fieber, nur willkuerlicher. Es ging mir graesslich. ER machte sich schliesslich auf den Weg zum Einkaufen. An viel erinnere ich mich gar nicht mehr. Nur, dass ER auch den gesamten Tag nur jammerte, was meine Stimmung auch nicht verbesserte. Ich habe die gesamte Nacht an dem bloeden Buch von Nietzsche gesessen, bin erst nachts um 4 mit dem Lesen und allen Notizen fertig geworden, und habe danach noch 3(!) Stunden gebraucht, bis ich den Aufsatz geschrieben hatte. Das hatte extrem lange gedauert, aber ich war um die Uhrzeit auch nicht mehr leistungsfaehig. Manchmal frage ich mich, wieso ich mir das alles antue, wird doch sowieso alles willkuerlich und subjektiv bewertet, und ich weiss, die Professorin mag mich nicht, daher kann ich nur durchfallen, und wenn mich ein anderer Prof mit einer 1 fuer dieselbe Arbeit bewerten wuerde...

Das gesamte Leben ist deprimierend. Augenringe habe ich bis jetzt. Ich sehe wirklich krank aus. Aber nach dieser Nacht hatten ploetzlich alle meine Empfindungen ausgesetzt. Keine Muedigkeit mehr, kein Hunger, kein Durst, keine Emotionen. Immerhin waren auch die Schmerzen somit eine Weile weg. Dann habe ich einige Zeit herumgelegen, konnte einfach nicht einschlafen. Es ging nicht. Ich stellte mich an den Balkon und machte Fotos vom tiefblauen Morgenhimmel. Irgendwie gefiel mir das Licht... So wie hier hatte ich es seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Es ist eine ganz andere Blickrichtung als in R. Auch die Luft ist anders. Hier ist es laendlicher. Dann habe ich ein wenig am PC gesessen, IHM zuliebe aber bald aufgehoert. Es war schon schlimm genug, dass ich ihn die gesamte Nacht stoeren musste, okay, geschlafen hat er trotzdem, aber ohne den angeschalteten PC und Monitor waere es sicher angenehmer gewesen - Aber was soll man machen, wenn der PC nun einmal in demselben Raum steht, in dem WIR schlafen? Aus Platzgruenden geht es nicht anders. Eigentlich kann ich verstehen, wenn ER mir boese ist, auch, wenn ich nichts dafuer kann, dass ich diese beschissenen Semesterarbeiten schreiben muss. Online habe ich mich mal wieder laenger mit Postcrossing beschaeftigt. Zwei regulaere Adressen gezogen (2x Finnland, regulaer), dann aber auch noch im Forum herumgeschaut und ein paar private Tauschgeschaefte organisiert. Bekomme so 6 alte Engel-Karten im Tausch gegen 6 Landschaftsbilder, ist schon in Ordnung so. Ich hoffe nur, all das klappt gut. Und vielleicht gibts auch noch eine Karte vom Ohlsdorfer Friedhof. Das ist noch nicht entschieden, da muss ich hoffen, die Person bekommt welche...

Mittags habe ich doch noch zwei Stunden oder eine geschlafen. Habe sehr merkwuerdig getraeumt: Einen gewoehnlichen Tagesablauf. Mit Busfahrten, Gemecker meines Vaters, Arbeit am Nachmittag - Ein "normaler" Tag eben! Sogar im Schlaf bin ich schon nur mit den bloeden Semesterarbeiten beschaeftigt :(( Mittags dann konnte ich nichts essen. Ich konnte bis jetzt nichts essen, bekomme einfach nichts herunter. Habe kein Beduerfnis. Es macht mich einfach krank... Die Schmerzen, gerade starke Lungen- und Rueckenschmerzen, sind wiedergekehrt. Den Nachmittag und Abend habe ich ununterbrochen an der naechsten Semesterarbeit geschrieben. Kurz nach 22:30 war ich fertig, relativ "puenktlich" - So koennen die Sachen morgen abgegeben werden. Besonders absurd finde ich es, mich mit einem Text beschaeftigt zu haben, der besagte, es sei der Untergang der Menschheit, dass diese sich nicht mehr mit dem fuer das Leben wichtige beschaeftigen koennte, sondern einem Lernwahn verfallen sei - Alles moegliche, moeglichst viel und moeglichst kompliziert zu lernen, ohne, dass man das jemals wieder braeuchte. Genau so habe ich mich auch beim Schreiben dieser Arbeit gefuehlt. Ist das nicht verrueckt?

Abend dann war kein Besoffener zu sehen, aber es war kalt und ein nach dem Weg fragen wollender Autofahrer blockierte die Bushaltestelle. Ich hatte ihn ziemlich schnell und ungewoehnlich unfreundlich erfolgreich vertrieben. Im Bus war es wie ueblich vorne voll und hinten leer, weil die Menschen scheinbar zu bloed sind, durch zu ruecken. Zuhause angekommen: 2 Motten in meinem Zimmer, beide nicht bekommen :(( Und eine im Bad, welche mich weniger kuemmerte. Dafuer roch es in meinem Zimmer ekelhaft nach Waschmittel. Seitdem laeuft meine Nase, ich habe Niesanfaelle und meine Augen brennen. Ich glaube, ich bin allergisch dagegen... Und jetzt muss ich damit leben :/ Ich werde hier systematisch krank gemacht! In dem Raum bei dem Geruch schlafen zu sollen... Werde ich nachher noch schreiben? Kann ich noch schreiben? Meine Gedanken sind so fern all dem, was ich liebe. Es ist, als sei ich tot - Ich empfinde nichts mehr, kann nicht kreativ sein, bin LEER, nichts ist mehr hier! Ich bin NICHTS mehr! Ich fuehle nicht und das waere die erste Vorraussetzung um ueberhaupt zu schreiben... Selbst jetzt, wo ich diese vielleicht schon emotionalen Zeilen tippe, ist das mehr Gewohnheit, als Empfinden. Ich kann vielleicht empfindsam schreiben, aber ich spuere dabei gar nichts mehr. Wie lange werde ich noch darunter leiden?

Und was meint ihr - Schaffe ich es morgen und uebermorgen, fuer die muendliche Pruefung zu lernen? Oder werde ich resignieren? Ich weiss es nicht... Eigentlich will ich einfach nicht mehr, andererseits bekomme ich vielleicht kurz bevor es zu spaet ist doch ein schlechtes Gewissen und dann ist es schon zu spaet :( Ich wuerde, der Tag der Pruefung wuerde niemals kommen. Aber das Leben geht immer weiter - Manchmal ist man froh darueber, manchmal nicht.

cn P