Memoriae Ex Aeterna Nocte

01.08.2007 um 01:29 Uhr

Logik

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken / Essays   Stichwörter: Gesellschaft

Viele Menschen denken zu wenig nach. Sie tun einfach Dinge, wissen gar nicht, warum, fragen sich selbst aber auch gar nicht nach dem Sinn. Wie soll das gut gehen? In Fremde hinein versetzen koennen sie sich scheinbar auch nicht, weil sie es generell nicht auf die Reihe bekommen, ueber irgendetwas nachzudenken. "Ist ja viel zu anstrengend." Und: "Wieso, wenns auch ohne geht?" So ist unsere Welt sorglos - Sorglosigkeit ist natuerlich ein angenehmes Gefuehl, aber zu viel kann schaden, einem selbst und anderen. Und viele tun dann auch noch so, als koennten sie fuer ihre Ignoranz gar nichts... Aber sind wir denn triebgesteuerte Tiere? Ja, bei einigen Menschen glaube ich das fast. Aber das ist doch keine Entschuldigung! So, wie es keine Entschuldigung ist, wenn jemand mordet und dann sagt "Ich hatte eben einen Drang, es zu tun und habe nicht ueber die Folgen nachgedacht". Und doch tun so viele Menschen Dinge, ueber die sie gar nicht nachdenken. Ist es nicht gerade diese Faehigkeit, die uns zum Menschen macht? Sollten wir sie, wo wir doch immer ach wie tolle Menschen sein wollen, nicht nutzen?

Ich meine, es hat mit Selbstbewusstsein zu tun. Mit einem gewissen "Stolz" gar, wenn man so will. Sich selbst als guten Menschen sehen zu wollen, und deswegen auch immer so zu handeln. Seinen eigenen Grundsaetzen zu folgen - Ich sage es ganz ehrlich, auch, wenn viele das ungern hoeren, in meiner ganzen Eitelkeit: Ich finde Menschen, die nicht einmal den Grundsaetzen, die sie sich selbst auferlegen wollten, folgen koennen, unglaublich schwach! Schwaeche an sich ist nicht negativ, aber ihr versteht sicher, was ich meine. Es hat mit Charakterstaerke zutun, Regeln, die man fuer sinnvoll haelt, einhalten zu koennen. Und wenn irgendein "Drang" dagegen wirkt. Wir sind Menschen, wir koennen denken, wir koennen unser Handeln kontrollieren - Also wieso handeln wir dann nicht auch so?

Der Grund ist: Ein Grossteil der Menschheit ist unglaublich unlogisch. Mir als doch sehr rational denkendem Menschen ein Graus. Aber ein wenig nachvollziehen kann ich ihr Handeln schon - manchmal. Manchmal ist es mir auch raetselhaft destruktiv-unlogisch.

cn P

01.08.2007 um 01:18 Uhr

Sehnsucht

von: AngelInChains   Kategorie: Gedanken / Essays   Stichwörter: Gesellschaft, Natur, Erinnerung, Liebe, Friedhof

Mit den ueblichen Knie-/Oberschenkelschmerzen begab ich mich schliesslich endlich aus der Wohnung... Nach weiterem Gemecker und abstrusen Bemerkungen, wie, dass es "unnormal" sei, wenn Geschwister sich gut verstuenden. Bei der Auffassung ist es sicher auch unnormal, sich generell mit irgendwelchen Menschen zu verstehen. Da wundert mich das asoziale Verhalten natuerlich gar nicht. Ich gebe zu, mit VIELEN Menschen verstehe ich mich auch nicht, aber ich schliesse es nicht kategorisch aus, sondern interagiere schon gerne mit BESTIMMTEN Menschen, mit denen ich mich eben gut verstehe.

Zum Nachmittag laesst sich eigentlich nicht viel sagen. Ich war erst relativ spaet in S., habe kurz am PC gesessen, da war auch schon wieder Abend. ER kam nach 19 Uhr heim, wird morgen wohl auch laenger brauchen... :/ Abends dann schien der Mond unglaublich hell, so weiss, wie seit Wochen nicht mehr (wenige Tage zuvor war er noch dunkelorange), und voll... Auch, wenn ich glaube, ein relativ rationaler Mensch zu sein, ich bin schliesslich sogar in den Emotionen immer "logisch" und bedacht, manchmal kommen einem schon merkwuerdige Gedanken, wenn man in solch einer Nacht im Bus im schummerigen Licht durch das Schwarz faehrt, in die dunklen Baumwipfel blickt, und an den Himmel, wo das weisse Mondlicht gerade fahl doch eine einzelne Wolke scheint, deren Raender dadurch silbern glitzern...

Ich frage mich, wie viele Menschen es auf dieser Welt wohl gaebe, die mir aehnlich seien. Wieviele sind es wohl, bei einer Bevoelkerung von fast 7 Milliarden? Ist da wirklich jeder Mensch komplett individuell? Oder kann es jemanden geben, der einem zumindest charakterlich sehr aehnlich ist? Ploetzlich musste ich wieder an meine Schwester Franziska denken. Die in der Psychiatrie in H. lebt. Ich fragte mich, wie oft sie wohl noch an mich dachte, oder ob sie gerade nun, wo ich gedanklich bei ihr war, auch bei mir war? Ob wir uns jemals sehen werden? Ob sie jemals wieder dort heraus kommt? Diese Sehnsucht ist doch sicher sehr irrational. Sehr unrealistisch, hyper-romantisch. Aber war es nicht schon unrealistisch genug, vor ueber 6 Jahren einem Menschen zu begegnen, der einem so aehnlich ist? Mit dem man so viel teilt? Das war keine "durchschnittliche Freundschaft" mehr. Ich habe sie geliebt, sie hat mich geliebt, und ich bin mir nicht sicher, ob sich das bis heute geaendert hat. Wuerde ich sie nicht mehr lieben, wuerde ich wohl nicht so besorgt um sie sein. Wuerde sie mich nicht lieben, wuerde sie nicht versuchen, mich immer wieder, wenn sie die Moeglichkeit hat, zu erreichen. Und doch weiss keiner von uns, ob wir einander je wieder begegnen werden... Wir wuerden gern, doch das Leben will es nicht so.

Vielleicht werden wir ja irgendwann das Glueck haben...

Manchmal habe ich fast den Wunsch, so zu tun, als lebte ich noch vor fast 5 Jahren. Als sei ich noch knapp 16, als wuerde die Welt noch so aussehen, wie sie es damals tat. Ich koennte mich so kleiden, wie damals, die Dinge tun, die ich damals haeufig tat... Ich koennte mir einreden, wir haetten das Jahr 2002, und alles saehe noch anders aus. Aber es ist nicht moeglich, und selbst, wenn es moeglich waere - Es waere FALSCH. Ich wuerde in einer Luege leben, und das woellte ich niemals. Man muss die Welt nehmen, wie sie IST! Man muss versuchen, aus der Realitaet das beste zu machen, nicht in einer Traumwelt leben. Nur, wenn man an der Realitaet arbeitet, kann sie dem Idealbild von Welt naeher kommen. Wer sich zurueck zieht, nur noch in Traeumen lebt, und sonst nichts mehr mitbekommt, lebt vielleicht einige Jahre gluecklich, doch ist er, irgendwie, schon tot.

In melancholischen Zeiten frage ich mich, ob es nicht sinnvoller waere, tot, aber gluecklich, zu sein, statt lebendig und ungluecklich. Denn was nutzt einem das Leben, wenn man es nicht liebt?

Gerne wuerde ich mich nun einfach wieder auf eine Friedhofsbank setzen, dem Wind zuhoeren, den Menschen, die selten vorbei laufen, zusehen. Ich erinnere mich gut an 2003. WIR hatten uns zum 2. Mal ueberhaupt gesehen, es war unser 1. Wiedersehen nach einer schweren, langen Trennung. Wir hatten einfach nur dort gesessen, es regnete, es stoerte uns nicht... Dieser Moment, mit all seinen Eindruecken, all seinen Seiten, war so wunderschoen, wie wenige in meinem Leben. Er war, so gesehen, nichts Besonderes, es war einfach nur auf einer Friedhofsbank zu sitzen, im kalten Wind, und doch ist es ein Moment, den ich nie im Leben vergessen werde.

Auf dem Heimweg sah ER wieder in den Himmel, waehrend ich eher auf die Pflanzen am Wegesrand blickte, auf all die Wildblumen. ER sah wieder eine Sternschnuppe, das Glueck hat er sehr oft, schliesslich blickt er jede Nacht in den Himmel, und nun sind wir schon ueber 2 Jahre jeden Tag in der Nacht unterwegs. Aber generell scheine ich bei soetwas immer weniger Glueck zu haben. Sternschnuppen habe ich noch nie gesehen, Regenbogen bisher erst 3 (zwei davon in den letzten 2 Jahren). Vielleicht sehe ich zu selten nach oben. Aber auch der Boden hat Schoenheit zu bieten.

cn P

01.08.2007 um 00:55 Uhr

Mobbing - Irgendwann ist Schluss!

von: AngelInChains   Kategorie: Tagebuch   Stichwörter: Arbeit, Recht, Gesundheit, Krankheit

Stimmung: Vergesslich.
Musik: Nightwish - Dead to the world.

3-4:30 geschrieben, am naechsten Morgen um 1 aufgestanden und angeschnauzt worden, dass ich so spaet sei. Waere ich eine Stunde frueher dort gewesen, haette es sicher gehiessen, ich sei viel zu frueh. Das Essen war schrecklich und von IHM gab es kaum gute Neuigkeiten. Aber morgen werden wir uns wohl einen Anwalt suchen, denn mittlerweile ist SICHER, dass etliche der Dinge, die in den letzten Monaten geschahen, Unrecht waren, und das sollte man nicht ignorieren:

- Genehmigter Urlaub kann nicht grundlos wieder gestrichen werden
- Urlaub kann nicht aufgrund von Fehlzeiten generell verboten werden
- Die Zeit, die durch Arztbesuche verloren geht, muss nicht nachgearbeitet werden, wenn a) der Besuchsgrund akut war (zB Zahnschmerzen) oder b) der Termin aus verschiedenen Gruenden nicht verschoben werden konnte (zB Blutabnahmen, die immer morgens durchgefuehrt werden)
- Nachholstunden muessen zeitlich frei waehlbar sein und duerfen nicht terminlich vorgeschrieben werden

Das waeren die rein arbeitsrechtlichen Punkte, bezueglich Mobbing liesse sich wohl auch etwas machen:
- Staendiges Hickhack bei Vereinbarungen
- Grundlose Unterstellung von Diebstahl (zB Papier, Arbeitsmaterial)
- Absichtliche Ignoranz und Luegen ("Sie haben nie gesagt, dass...")
- Alle durften Urlaub machen, nur ER nicht
- Bei Fehlzeiten wird gnadenlos auf IHM herumgehackt, wenn andere Azubis krank sind, stoert es niemanden (die mussten auch nie nacharbeiten)
- Es heisst, fuer Arzttermine solle man Urlaub nehmen, deswegen hatte er zu heute welchen genommen, bekam ihn nach der Genehmigung aber wieder gestrichen (und wieder verschiebt sich die Untersuchung auf Kosten der Gesundheit!)

Um nur mal einige Punkte zu nennen. Dazu ergaben sich heute noch einige andere Dinge... So verlangte man heute ploetzlich wieder (obwohl er heute die 4 Stunden - sowieso schon illegal - nachgearbeitet hat), dass er insgesamt 5 Stunden nacharbeiten sollte, morgen also nochmal eine Stunde laenger machen soll (also hatte er FR eine Arbeitszeit von 10 Stunden, heute von 9, morgen von 9 - das ist uebrigens auch nicht legal, wenn die Regelarbeitszeit sonst jeden Tag bei 8 Stunden liegt). Und den Urlaub gestern habe er ja gar nicht genehmigt bekommen, aber sie seien mal so gnaedig, das durchgehen zu lassen (Ach ja?). Ausserdem interessant finde ich, wie sie ihre Arbeitszeitsregelungen nach Belieben anders auslegen... Bei festen Arbeitszeiten muss man naemlich nicht nacharbeiten, aber da behaupteten sie dann ploetzlich, der Betrieb habe Gleitzeit (was vorher NIE erwaehnt wurde). Aber Gleitzeit bedeutet auch, dass man sich die Nachholstunden legen kann, wie man moechte (in einem gewissen Rahmen) - aber nun wollen sie sie doch fest vorschreiben, wie es nur bei festen Arbeitszeiten der Fall waere. Illegal? Na klar!

Dazu hat ER heute noch etwas Anderes sehr viel Aussagendes mitbekommen... Es hiesse ja immer, ER duerfe keinen Urlaub nehmen, aber selbst, wenn, es muesse IMMER eine Frist von 3 Wochen zwischen Beantragung und Urlaub liegen. Wuerde man kurzfristiger um Urlaub betteln, wuerde das auf jeden Fall abgelehnt werden. Nun hat heute ein Kollege von IHM (Auch Azubi im selben Jahr) muendlich salopp gefragt, ob er morgen frei haben koennte, da das Wetter so schoen sei und er gern mit seiner Freundin ins Gruene fahren woellte (also kein dringlicher Grund) - und das hat er problemlos genehmigt bekommen! Wo war da denn die 3-Wochen-Mindest-Frist? Nicht, dass ich dem Menschen das nicht goenne, aber es sollte gleiches Recht fuer ALLE gelten! ER hat sich dann auch wieder bei der Auszubildendenvertretung der Berufsschule gemeldet und sich beschwert, wegen der unbezahlten Nachstunden. Tja - die Leute haben aber nicht einmal richtig hingehoert, sondern nur behauptet, sie seien fuer die Regelung der Arbeitszeiten nicht zustaendig, und sofort aufgelegt. Wo sollte man sich nun beschweren? Da bleibt wohl nichts anderes, als hoechstens noch eine Beratungsstelle, und dann muss ein Anwalt her... Es waere schoen, wenn man dies alles auch anders klaeren koennte (oder wenn es nie dazu gekommen waere), aber irgendetwas MUSS man dagegen unternehmen!

Es ist naemlich auch so, dass es IHM gesundheitlich immer schlechter geht. Nachtraeglich erscheint einiges sehr logisch... Wie ich bereits erwaehnte, erkrankte ER in letzter Zeit oft scheinbar ohne physischen Grund. Hatte Probleme mit Muskeln und Gelenken, aber war auch staendig erkaeltet, hatte dauerhaft Magenprobleme, starke Kopfschmerzen, dann in letzter Zeit auch immer haeufiger Depressionen. Angefangen hat es ca einen Monat nachdem er bei diesem Betrieb angefangen hat. In letzter Zeit wird er uebrigens auch immer aggressiver... Aber ich weiss leider nicht, ob das ein Arzt anerkennen wuerde, denn nun, wo er "aggressiv" ist, ist er in etwa so uebel gelaunt, wie ich im "NORMAL"Fall... Dh man merkt eigentlich nur eine Veraenderung, wenn man ihn vorher sehr gut kannte... Denn im Vergleich zu noch vor ca 1 Monat ist er schon gereizter geworden, wenn das fuer einen "normalen" Menschen sicher noch als "normal" gaelte. Als weitere Symptome kommen komplettes Desinteresse an allem moeglichen, was ihn vorher interessierte, noch extremere Zurueckgezogenheit als sonst, Nervositaet (er zappelt staendig herum), die Neurodermitis hat zugenommen, Kreislaufprobleme, Konzentratiosstoerung und generell extremes Gestresstsein... Durchschlafen kann er nicht mehr, ist trotzdem staendig muede, isst nicht mehr, und nun schau sich mal einer das hier an:
http://www.mobbing-web.de/html/burnout-syndrom_mobbing.html
Als ichs das erste Mal gelesen hab, gestern, ist es mir wie Schuppen von den Augen gefallen...

Ich bin der Meinung, dass hier einfach etwas unternommen werden MUSS, bevor es gesundheitlich immer weiter bergab geht! Auch, wenn der Weg muehsam ist und es auch fatal enden kann. Versuchen muss man es. Irgendwie "schade", all das, wo die Ausbildung im Februar 2008 sowieso beendet waere. In einer ein wenig menschlicheren Gesellschaft waere es sicher nicht passiert. Aber da sieht mans mal: Wer von Kranken umgeben ist, wird oft selbst krank!

cn P