Mit den ueblichen Knie-/Oberschenkelschmerzen begab ich mich schliesslich endlich aus der Wohnung... Nach weiterem Gemecker und abstrusen Bemerkungen, wie, dass es "unnormal" sei, wenn Geschwister sich gut verstuenden. Bei der Auffassung ist es sicher auch unnormal, sich generell mit irgendwelchen Menschen zu verstehen. Da wundert mich das asoziale Verhalten natuerlich gar nicht. Ich gebe zu, mit VIELEN Menschen verstehe ich mich auch nicht, aber ich schliesse es nicht kategorisch aus, sondern interagiere schon gerne mit BESTIMMTEN Menschen, mit denen ich mich eben gut verstehe.
Zum Nachmittag laesst sich eigentlich nicht viel sagen. Ich war erst relativ spaet in S., habe kurz am PC gesessen, da war auch schon wieder Abend. ER kam nach 19 Uhr heim, wird morgen wohl auch laenger brauchen... :/ Abends dann schien der Mond unglaublich hell, so weiss, wie seit Wochen nicht mehr (wenige Tage zuvor war er noch dunkelorange), und voll... Auch, wenn ich glaube, ein relativ rationaler Mensch zu sein, ich bin schliesslich sogar in den Emotionen immer "logisch" und bedacht, manchmal kommen einem schon merkwuerdige Gedanken, wenn man in solch einer Nacht im Bus im schummerigen Licht durch das Schwarz faehrt, in die dunklen Baumwipfel blickt, und an den Himmel, wo das weisse Mondlicht gerade fahl doch eine einzelne Wolke scheint, deren Raender dadurch silbern glitzern...
Ich frage mich, wie viele Menschen es auf dieser Welt wohl gaebe, die mir aehnlich seien. Wieviele sind es wohl, bei einer Bevoelkerung von fast 7 Milliarden? Ist da wirklich jeder Mensch komplett individuell? Oder kann es jemanden geben, der einem zumindest charakterlich sehr aehnlich ist? Ploetzlich musste ich wieder an meine Schwester Franziska denken. Die in der Psychiatrie in H. lebt. Ich fragte mich, wie oft sie wohl noch an mich dachte, oder ob sie gerade nun, wo ich gedanklich bei ihr war, auch bei mir war? Ob wir uns jemals sehen werden? Ob sie jemals wieder dort heraus kommt? Diese Sehnsucht ist doch sicher sehr irrational. Sehr unrealistisch, hyper-romantisch. Aber war es nicht schon unrealistisch genug, vor ueber 6 Jahren einem Menschen zu begegnen, der einem so aehnlich ist? Mit dem man so viel teilt? Das war keine "durchschnittliche Freundschaft" mehr. Ich habe sie geliebt, sie hat mich geliebt, und ich bin mir nicht sicher, ob sich das bis heute geaendert hat. Wuerde ich sie nicht mehr lieben, wuerde ich wohl nicht so besorgt um sie sein. Wuerde sie mich nicht lieben, wuerde sie nicht versuchen, mich immer wieder, wenn sie die Moeglichkeit hat, zu erreichen. Und doch weiss keiner von uns, ob wir einander je wieder begegnen werden... Wir wuerden gern, doch das Leben will es nicht so.
Vielleicht werden wir ja irgendwann das Glueck haben...
Manchmal habe ich fast den Wunsch, so zu tun, als lebte ich noch vor fast 5 Jahren. Als sei ich noch knapp 16, als wuerde die Welt noch so aussehen, wie sie es damals tat. Ich koennte mich so kleiden, wie damals, die Dinge tun, die ich damals haeufig tat... Ich koennte mir einreden, wir haetten das Jahr 2002, und alles saehe noch anders aus. Aber es ist nicht moeglich, und selbst, wenn es moeglich waere - Es waere FALSCH. Ich wuerde in einer Luege leben, und das woellte ich niemals. Man muss die Welt nehmen, wie sie IST! Man muss versuchen, aus der Realitaet das beste zu machen, nicht in einer Traumwelt leben. Nur, wenn man an der Realitaet arbeitet, kann sie dem Idealbild von Welt naeher kommen. Wer sich zurueck zieht, nur noch in Traeumen lebt, und sonst nichts mehr mitbekommt, lebt vielleicht einige Jahre gluecklich, doch ist er, irgendwie, schon tot.
In melancholischen Zeiten frage ich mich, ob es nicht sinnvoller waere, tot, aber gluecklich, zu sein, statt lebendig und ungluecklich. Denn was nutzt einem das Leben, wenn man es nicht liebt?
Gerne wuerde ich mich nun einfach wieder auf eine Friedhofsbank setzen, dem Wind zuhoeren, den Menschen, die selten vorbei laufen, zusehen. Ich erinnere mich gut an 2003. WIR hatten uns zum 2. Mal ueberhaupt gesehen, es war unser 1. Wiedersehen nach einer schweren, langen Trennung. Wir hatten einfach nur dort gesessen, es regnete, es stoerte uns nicht... Dieser Moment, mit all seinen Eindruecken, all seinen Seiten, war so wunderschoen, wie wenige in meinem Leben. Er war, so gesehen, nichts Besonderes, es war einfach nur auf einer Friedhofsbank zu sitzen, im kalten Wind, und doch ist es ein Moment, den ich nie im Leben vergessen werde.
Auf dem Heimweg sah ER wieder in den Himmel, waehrend ich eher auf die Pflanzen am Wegesrand blickte, auf all die Wildblumen. ER sah wieder eine Sternschnuppe, das Glueck hat er sehr oft, schliesslich blickt er jede Nacht in den Himmel, und nun sind wir schon ueber 2 Jahre jeden Tag in der Nacht unterwegs. Aber generell scheine ich bei soetwas immer weniger Glueck zu haben. Sternschnuppen habe ich noch nie gesehen, Regenbogen bisher erst 3 (zwei davon in den letzten 2 Jahren). Vielleicht sehe ich zu selten nach oben. Aber auch der Boden hat Schoenheit zu bieten.
cn P