Memoriae Ex Aeterna Nocte

30.08.2007 um 01:42 Uhr

29.8.07

von: AngelInChains   Kategorie: Tagebuch   Stichwörter: Erinnerung, Kunst, Schule, Fotografie, Internet, Winter

In der Schule wurde mein kuenstlerisches Talent wenigstens noch anerkannt... Von allen, ausser den Kunstlehrerinnen, die immer predigten, wie toll Individualitaet doch sei, aber sobald man seinen eigenen Stil hatte, und nicht ihren Lieblingskuenstler 100%ig kopierte, bekam man dennoch eine schlechte Bewertung... Mit ihnen befasste ich mich daher auch ungern. Ich mag keine verlogenen Wendehaelse. Die anderen Lehrer schaetzten jedoch gerade mein fotografisches Talent. Ich musste staendig mein Stativ zur Schule schleppen und Bilder fuer offizielle Anlaesse machen. Und meine Zeichnungen sahen sich auch viele gern an, und auch viele Schueler/innen sahen gern zu, wenn ich - verbotenerweise ;) - im Unterricht zeichnete... Und auch diverse Leute, die ich durchs Postcrossing kenne, finden meine Online-Gallerien ganz toll... Nur... In meinem direkten, heutigen Umfeld komme ich dabei kaum bei jemandem an. Klar, ER schaetzt die Werke, besonders die Zeichnungen, aber ansonsten? Zugegeben, so viele Menschen kenne ich gar nicht, aber eben die schaetzen mich nicht... Waers mein komplizierter Charakter und meine Launenhaftigkeit, koennte ichs ja verstehen, aber meine Kunst? Bin ich wirklich so schlecht?

Mist, jetzt hab ich mir wieder den Finger umgedreht :/ Kommt davon, wenn man mit den langen Naegeln ueberall haengen bleibt... Ich machte mich auf den Weg nach R. Wartete eine laengere Zeit auf den Bus, da der noch immer nicht sehr regelmaessig faehrt, trotz Ende des Ferienfahrplans. Im Bus dann war ich umzingelt von cholerischen Muettern und quaengelnden Kindern O_o Es waren fuer die Uhrzeit auch ungewoehnlich viele Schueler unterwegs. Zuhause habe ich mich erst einmal weiter kuenstlerisch betaetigt. Und bin mal wieder Waesche waschen gegangen, da mein lieber "Vater" ja mal wieder nicht waescht und ich nicht nackt herumlaufen will :/ Es ist so schon eine Zumutung. ER war wie ueblich um 17 Uhr zuhause. Viel gibts nicht zu sagen... Abends habe ich mich wieder sehr ueber einige Amateurfilmchen bei Youtube amuesiert; also einige Menschen haben wirklich nette Filmprojekte am Laufen. Da gibt es einige, an denen habe ich persoenlich mehr Freude, als bei irgendeiner stinklangweiligen 08/15-Hollywood-Produktion (wobei die "Qualitaet" derer auch so eine Sache ist *raeusper*). Gen 23:30 draussen stank es ueberall nach Kuhmist :/ Da zog wieder staerkerer Wind von den Feldern. Und auf dem Weg zur Bushaltestelle verwest seit Monaten(!) eine Taube. Die riecht natuerlich auch schon aus der Entfernung uebel. Seltsam nur, dass sie sich nach der langen Zeit noch nicht zersetzt hat.

In R. dann wurde es angenehmer. Wie ich die Kombination aus erfrischender Kaelte und dem Rauch aus umweltschaedlichen Kohleoefen liebe! Es klingt vielleicht makaber, aber ich habe diesen Brandgeruch immer gemocht. Frueher, wenn ich im tiefsten Winter, auf komplett verschneiten Wegen, morgens kurz nach 7 in absoluter Dunkelheit zum ca 1km entfernten Bahnhof gelaufen bin, um zur Schule zu fahren... Diese erdrueckende Stille. Der Nachthimmel mit den vielen Sternen. Das helle Strahlen vom am Boden liegenden Schnee. Die kahlen, schneeschweren Aeste und Zweige. Und dann dieser Brandgeruch, und der Qualm aus allen Schornsteinen... Eine Stimmung, die irgendwie melancholisch machte. Ich genoss sie meistens. Ab und zu wurde sie mir zu viel, wenn beispielsweise die Kaelte gar kein Ende mehr nahm, es noch im Maerz lange dunkel blieb und noch immer Schnee lag - das hatten wir schon mehrfach. Aber allgemein sind die Erinnerungen an solche Morgende eher schoen. Auch mein Abiturmorgen war so gewesen... Bei Temperaturen unter -30 Grad! Ueberall Schnee und Eis. Einer der wenigen Tage im Jahr, an denen ich meinen Mantel zugeknoepft hatte *lach* Normal blieb der bis -10 Grad offen. Ich war noch nie kaelteempfindlich, Temperaturen ueber 20 Grad hingegen bringen mich foermlich um.

Ich bin schon seltsam, aber es ist einfach so, auch, wenn man es anders meinen sollte, da ich als Kind laengere Zeit in Thailand lebte, wo die Temperaturen doch normal zwischen 30 und 40 Grad lagen. Aber irgendwie bin und bleibe ich ein Wintermensch, am kaeltesten Tag seit Jahren geboren, und Temperaturen ueber 20 Grad ertrage ich nicht mehr. Da wird mein Kreislauf instabil, so auch heute mittag. Warm und grell - da fiel meine Stimmung wieder, wie die Temperaturen stiegen... Antiproportional ;) Der Mond schien schoen grell. Insekten gab es leider immernoch zu viele, gerade an der Haustuer :/ Und Spinnen :/ Meinem Fuss gehts uebrigens etwas besser... Zum dummen Gerede meines "Vaters" will ich nichts sagen. Musste irgendwie wieder an meinen Ex-Freundin denken. Was der Wetterwechsel so ausrichten kann *re* Damals, als wir uns das letzte Mal sahen, war es auch Winter. Nacht. Extrem kalt, Schnee lag, Eis noch viel mehr. Es schneite auch leicht. Ich war komplett durchgefroren, zu leicht bekleidet, und rannte, um noch puenktlich um 20 Uhr nach "Hause" zu kommen, damit mein "Vater" nicht noch mehr ausrasten wuerde :/ Ich bin bei ca minus 20 Grad gerannt, wie bescheuert, ueber das Eis, ueber einen Kilometer vom Bahnhof bis zur Wohnung... Eine seltsame Stimmung. Wie sonst morgens, nur ohne die Stille und Ruhe. Es war, im Gegenteil, fast "bedrohlich". Als haette ich das Ende erahnt.

Naja, ich kann froh sein, DASS es Vergangenheit ist...

cn P

30.08.2007 um 01:14 Uhr

Ueber Arbeit und Kunst

3 Uhr offline, wie ueblich, Musik gehoert und geschrieben, bis nach 5 Uhr. ER muesste um die Zeit schon wieder aufgestanden sein. Ich wagte mich erst um 1 Uhr wieder aus dem Bett, von meinem "Vater" genervt und scheinbar fuer bloed gehalten, zumindest erschien es mir anhand seines dummen Geredes so. Und wenn ich dann wieder dieses Kleinreden mitbekomme... Von wegen jeder Penner an der Ecke sei ein ach wie toller Kuenstler, nur ich natuerlich nicht. Ich wuerde ja nur Schrott produzieren, meine Zeichnungen entstammten einem kranken Hirn und seien weder Stift noch Papier wert. Sagt einer, der nicht einmal ein Strichmaennchen "zeichnen" koennte, und der leider auch auf anderen Gebieten kein Talent hat. Denn ich meine, jeder Mensch muesste doch wenigstens in irgendeiner einzigen Sache ein Talent haben. Aber in meiner Familie ist das sowieso so eine Sache. Ich frage mich immer haeufiger, ob ich nicht evtl adoptiert oder im Krankenhaus vertauscht wurde. Denn meine "Eltern" haben mit mir nichts gemein, ausser vielleicht paar koerperliche Merkmale (ich habe ungefaehr dieselbe Augenfarbe, wie meine Mutter, aber das wars auch schon *re*). Aber - ich meine, seht es euch doch an! Ich spreche 7 Sprachen und bin in vielen kuenstlerischen Bereichen taetig und ich denke, ich habe da auf jeden Fall ein gewisses Talent! Meine beiden "Eltern" jedoch koennen mit Kunst nichts anfangen und haben sprachlich auch keinerlei Begabung.

Nun mag es vielleicht sein, dass ich die Talente von meinen Grosseltern geerbt habe. Ich weiss es nicht, schliesslich habe ich einen Teil nie kennen gelernt und den anderen nur wenige Male im Urlaub gesehen. Ich war damals noch jung; das letzte Mal einen dieser Menschen gesehen habe ich mit vielleicht 7 Jahren, mittlerweile sind sie alle, ausnahmslos, tot. Von den Grosseltern vaeterlicherseits weiss ich nicht viel, der Grossvater war schon vor meiner Geburt verstorben, meine Grossmutter, als ich sie das letzte Mal sah, schon ueber 90 und sehr senil. Muetterlicherseits waren die Grosseltern auch schon ziemlich alt, und arbeiteten auch nicht mehr. Wobei ich glaube, mein Grossvater muetterlicherseits war Schmuckschmied (Gold, Silber, etc), wozu ja schon eine gewisse Fingerfertigkeit gehoert haben muss. Wenn ich mir so die restliche Sippschaft ansehe, dann sind das eigentlich groesstenteils Landwirte gewesen, und Beamten O_o Sogar meine "Mutter" hat vor ihrer Ausreise nach Deutschland noch auf dem Amt gearbeitet. Mein "Vater" sowieso, und... Ich glaube, mein Grossvater vaeterlicherseits ebenfalls, in Preussen. Der Rest waren Besitzer von kleineren und groesseren Guthoefen, mich viel Getier, oder auch Plantagen.

Und die, die "Hausfrauen" in Thailand waren/sind, haben mittlerweile auch, um sich Geld dazu zu verdienen, Betriebe aufgebaut. Obs nun eben ein kleines landwirtschaftliches Gut ist, oder eine Waescherei oder ein kleiner Laden auf dem Dorf. Kuenstlerisch oder sprachlich beschaeftigt ist allerdings keiner; damit stehe ich in dieser Sippe komplett allein da. Und leider meinen alle, ich muesse irgendwelchen Traditionen folgen :/ Will ich aber gar nicht... Á propos "Kuenstler"... Da hab ich heute Morgen etwas gesehen, wo ich nur den Kopf schuetteln konnte: Da war mein "Vater" auf der Website eines Fotokuenstlers. Ein dummer Farbdruck auf normalem Papier in DIN A 4 hat bei dem Typen 140 Euro gekostet! Also soviel wuerde ich nicht einmal fuer einen Leinwanddruck der Groesse zahlen, geschweige denn fuer ein Papier, dass man mit jedem billigen Farbdrucker so hinbekommt. Fuer Bilder in dem Format zahlt man ja sogar auf Fotopapier keine 4 Euro... Wenn denn nun wenigstens die Bilder an sich gut gewesen waeren... Denkste! Sicher, Schoenheit liegt im Auge des Betrachters, aber ein Grossteil seiner Bilder (die man sich online in einer Gallerie ansehen konnte), wirkten auf mich einfach misslungen, nach dem Motto: "Ich stells trotzdem online, vielleicht zahlt ja noch irgendein Depp Geld dafuer".

Also wirklich... Die meisten Bilder waren farblich sehr verwaschen, oft unscharf, und die Motive waren auch nicht kompositorisch ansprechend dargestellt. Und die Belichtung war ja auch voellig im Eimer... Ein Bild zeigte zum Beispiel ein ganz gewoehnliches Gedenkschild, das irgendwo an einer Hauswand haengt. Der untere Teil war so unterbelichtet, dass man gar nichts erkennen konnte, der obere so verblitzt, dass er reinweiss war und man nichts mehr lesen konnte. Also natuerlich koennte man jetzt irgendeinen kuenstlerischen Sinn andichten, dass das alles so gewollt sei, aber irgendwie wirkte es nicht so, und aesthetisch sah das auch nicht aus. 140 Euro... *kopfschuettel* Fuer einen Druck auf Papier... Langsam denke ich fast, ich habe etwas falsch gemacht, als ich frueher in der Schule Leuten Abzuege von meinen Fotos fuer den normalen Abzugspreis plus evtl paar Cents fuer die Muehe verkauft habe. Manchmal hab ich die auch verschenkt (wenn ich zb von einem Motiv - damals noch analog - mehrere Bilder gemacht habe, damit wenigstens ein gut wird - wenn sich dann jemand interessierte, dann hat er, wenn er wollte, das schlechtere von der Reihe geschenkt bekommen). Aber haette ich damals 50 bis 100 Euro verlangt, haette man mich wohl fuer verrueckt erklaert. Und wenn meine Bilder schoener oder einfach fotografisch "ordendlicher" gewesen seien. So viel gibt doch keiner fuer einen Foto-Abzug aus, oder?

Und da wundern sich einige Kuenstler noch, wieso sie ihre Werke nicht verkaufen koennen?

cn P