Ich habe vor Langem schon bemerkt, dass an meiner Psyche irgendetwas "nicht stimmt". Ich fragte mich immer nur, ob man das irgendwie klassifizieren koennte, einfach interessehalber. Dabei habe ich schon vor Laengerem festgestellt, dass man nicht 1 Syndrom diagnostizieren koennte, sondern dass es eine grosse Mischung aus allen moeglichen Phaenomenen ist. Und gestern habe ich noch etwas Interessantes gefunden, was zwar nicht "die Loesung schlechthin" ist, aber schon eine Erklaerung fuer einige meiner Denkweisen. So gesehen erscheint es logisch und ich bin schon blind gewesen, eigentlich haette man doch wissen muessen, dass mein Sozialempfinden anders sein muss, weil ich in meiner Kindheit und auch danach kaum Menschenkontakt hatte. Auch, wenn ich danach wieder "aufgeholt" habe und viel "draussen" war, die Kindheit praegt eben doch. Und so habe ich jetzt meine Erklaerung, wieso ich glaube, Logik zu "empfinden" statt Emotionen, wieso ich alles sehr nuechtern betrachte, und das auch, wenn ich meine, dass es mir gut geht. Nicht etwa, wenn ich so ueberbelastet bin, dass es "logisch" ist, gar nichts mehr zu fuehlen (das hatte ich auch schon einige Male und es war definitiv anders, als sonst).
Ich habe eben eine andere Art, meine Empfindungen auszudruecken, ich tue es in meiner Kunst und durch Schrift. Viele koennen sich, die meine Briefe kennen, gar nicht vorstellen, dass ich im Alltag gar nicht sonderlich sozial interessiert (im Sinn von "redefreudig") bin und meist vor mich hin schweige und, wie man es mir schon mehrfach bestaetigt hat, "erschreckend kalt" wirke. Ich schreibe gerne - Das Schreiben ist meine bevorzugte Kommunikationsart. Das Reden erscheint mir oft irgendwie "unnoetig muehsam". Physisch vor einem Menschen zu sitzen, ebenfalls, denn es kommt mir auf Informationsaustausch an, und da ist die logischste und schnellste, einfachster (und vielleicht auch schoenste?) Form fuer mich die Schrift. Ich kann mir nun auch erklaeren, was ich in der Schule haeufig erlebt habe. Man hat mir so oft vorgeworfen ich sei undankbar, und eine der meistgestellten Fragen war wohl "Freust du dich denn nicht?". Wenn andere eine gute Note hatten, sind sie schreiend und jubelnd durch die Klasse gesprungen, auch als "Erwachsene" noch. Ich habe mich gefreut, aber nichts gezeigt. Oft nicht einmal gelaechelt. Wieso auch? Ich habe Freude empfunden, aber hatte keinen Anlass gefuehlt, irgendwie meine Mimik oder meine Koerperhaltung oder was weiss ich zu wechseln. Ich habe es nicht unterdrueckt, sondern es war gar kein Drang da. Das hat leider staendig zu dem Missverstaendnis gefuehlt, ich haette mich nicht gefreut. Dank dem ewigen Vorurteil "Koerpersprache luegt nie" haben sie mir dann nicht einmal geglaubt, dass ich mich freue, sondern auf mir herum gehackt, ich wuerde luegen. Was fuer ein Bloedsinn. Aber es beweist: Koerpersprache scheint irgendwie schon erlernt und nicht unbedingt natuerlich zu sein.
Aber wie kann ich das Gegenteil beweisen?! Wenn ich etwas empfinde, aber mein Koerper das nicht nach aussen zeigt, dann empfinde ichs doch trotzdem. Wie soll ich das beweisen? Mehr als behaupten kann ichs nicht. Im gegenteiligen Fall jedoch, wenn man physisch so tut, als empfinde man etwas Bestimmtes, da wird nie nachgefragt, ob man das ehrlich meine. Oder, ein anderer Gedanke: Damit man mich in Ruhe laesst, haette ich mir ihr Verhalten ja einfach absehen koennen und dann bei den Empfindungen so reagieren koennen, wie sie es getan haetten. Um "normal" zu wirken. Aber das wollte ich nie, denn es waere eine Maske, ein Theaterspiel gewesen! Wenn ich nicht das Gefuehl habe, laechelnd und jubeln zu muessen, dann tue ich das auch nicht, auch, wenn das von mir erwartet wird. Denn ich verabscheue Luegen und das waere eine Luege. Die einzigen Gelegenheiten, wann ich luege, sind - wie gesagt - Gruende, wo ich eine "Regel" breche, weil ich den Sinn der Regel nicht sehe. Das altbekannte "Ich uebernachte dieses WE bei einer Freundin" - Weil ich anders niemals hinaus gedurft haette. Ich haette IHN nie wieder sehen duerfen, und nun sind wir bald 5 Jahre ein Paar. Ohne Luege waere das gar nicht moeglich gewesen. Ich hatte anfangs schon einige Zweifel, ob ich in dem Fall luegen "duerfe", aber ich habe schnell "eingesehen", dass es das einzig richtig fuer meine Liebe war, und damit hatte ich dann auch keine Gewissensbisse o.ae. mehr.
Ich luege nicht grundlos. Nicht aus Bequemlichkeit. Nicht, weil es so einfacher waere. Nur, wenn ich ein richtiges "Herzensziel" vor mir habe und es anders nicht erreichen kann. Und dann auch nur, wenn die Barrieren, denen ich nur mit der Luege entgehen kann, fuer mich sinnlos wirken, wie eben zB das Verbot, IHN zu treffen, bzw das Verbot, generell bei Jungen/Maennern zu uebernachten. Das sollte mit 16-18 Jahren doch wohl normal kein Problem sein. Was die Emotionen betrifft, noch einmal: Erstaunlicherweise lache ich oft, und ich lache wirklich "ernsthaft", von ganzem Herzen. Das liegt wohl daran, dass es eine sehr starke Emotion ist. Ich weine auch, wenn es mir sehr schlecht geht. Das sind wohl die Prioritaeten; solche Dinge wie eine gute Zensur (zB) sind zwar schoen, aber sie bedeuten mir nicht wirklich viel. Der andere Punkt, der die schizoide Persoenlichkeitsstoerung ausmacht, ist das Desinteresse am Begegnen von anderen Menschen. Es ist wirklich so; Freunde will ich nur wenige, aber dafuer verlaessliche haben. Mehr ist wohl auch gar nicht moeglich, weil ich - das sage ich offen und ich finde es gut so - einen schwierigen Charakter habe. Und wenn ich Menschen "haben" moechte, dann moechte ich mich nur gedanklich mit ihnen austauschen. Physik brauche ich gar nicht.
Vielleicht verstehen die Menschen das nun ja... Diese Menschen, die mich staendig fragten, ob ich sie denn nicht leiden koennte, nur, weil ich sie nicht sprechen oder treffen wollte. Es ist ein Missverstaendnis. Einem "normalen" Menschen wird das vielleicht nicht einleuchten, aber ein Mensch kann mir sehr viel bedeuten, kann eng mit mir befreundet sein, und doch kann ich oft gar keine Lust haben, ihn zu treffen, mit ihm zu telefonieren, etc. Ich mag das einfach nicht. Dadurch bedeutet mir der Mensch nicht weniger! Und diese Menschen, die mir nahe stehen, die sollten sich geehrt fuehlen ;) Wirkliche "Vertrauenspersonen" habe ich zeitgleich nie mehr als 2 oder allerhoechsten 3. Aber was heisst "Vertrauenspersonen" - ueberhaupt, Menschen, mit denen ich mich ueber laengere Zeit persoenlicher unterhalte ;) ER ist es nun schon seit einigen Jahren, vorher waren es immer irgendwelche "Schwestern". Franziska, die nun in der Anstalt sitzt, war eine dieser Personen, die mich genauso gut kannte, wie ich mich selbst. Ich habe fast alles mit ihr geteilt, ich wusste auch alles ueber sie. Wir waren spiegelbildlich. Und irgendwie neige ich dazu, mich nur mit Menschen zu befassen, mit denen ich wirklich eine extrem enge Bindung fuehren kann. Alle anderen interessieren mich gar nicht. Sie gehen an mir vorbei, weil sie fuer mich sowieso bald wieder weg und daher vollkommen unbedeutend sind.
Wenn ich mich mit einem Menschen intensiv befasse, dann moechte ich das laenger tun, sonst ist es fuer mich verschwendete Muehe. Was uebrigens nicht heisst, ich waere an den Belangen der Masse an Menschen desinteressiert. Ich interessiere mich sehr wohl fuer unsere Gesellschaft, fuer Kultur, fuer Politik, fuer die Lebensverhaeltnisse verschiedenster Menschen. Nur ist das doch vielleicht ein wenig abstrakt. Wenn man das so nennen kann. Was mir auch aufgefallen ist, war der letzte Punkt auf der Symptomliste zur schizoiden Stoerung: Die Unfaehigkeit, mit Normen zurecht zu kommen. Also ich denke, das trifft bei mir nicht so zu, aber es muessen ja auch nicht 100% der Symptome bei jedem Betroffenen(?) auftreten. Das einzige, was bei mir in diese Richtung geht, ist wohl, dass ich Normen immer hinterfrage, nichts einfach so hinnehmen will, und dass ich auch Dinge nicht ernst nehme, bei denen ich selbst keinen logischen Sinn sehe. Faellt das auch schon in den letzten Punkt? Aber es ist ja wohl logisch; ich erwaehnte vor wenigen Tagen schon einmal: Ich wuchs relativ "unerzogen" auf und musste mir daher immer SELBST Gedanken machen. Ich musste selbst richtig und falsch entscheiden, nur nach Logik und dem, was ich fuer sozial bzw asozial hielt. Meine Regel fuers Leben ist: Alles sei erlaubt, was niemand anderem gegen seinen Willen schadet. Das ueberschneidet sich manchmal mit unseren Traditionen und Normen, manchmal nicht.
Uebrigens habe ich nie eine wirkliche Beziehung zu meinen "Eltern" gehabt. Wenn ueberhaupt, dann war sie viel schwaecher und oberflaechlicher, als die, die ich zB zu Schwestern oder IHM hatte/habe. Meine "Mutter" habe ich bekanntlich ab ca 7 Jahren nicht mehr wirklich oft gesehen, davor sah ich meinen "Vater" nie, weil er immer arbeiten war, und danach sass ich eigentlich den gesamten Tag immer nur allein in meinem Zimmer und habe Musik gehoert, gelesen und geschrieben. Lyrik, Kurzgeschichten. Schon mit 8 Jahren. Menschenkontakt interessierte mich damals schon nicht zu recht. Aber er ist ja unvermeidbar... Was nicht bedeutet, dass man ihn dennoch auf ein geringstes Masz reduzieren kann.
cn P