Ich beschaeftige mich ja immer wieder gerne mit unserer Gesellschaft... Und dennoch gibt es einige Denkmuster, die ich bei vielen Menschen feststelle, aber irgendwie nicht nachvollziehen kann. Unnoetige Aggressionen oder Auslaenderfeindlichkeit zum Beispiel, habe ich ja schon einmal erwaehnt. Ich frage mich bloss: bin ich psychisch so anders, dass ich soetwas nicht nachempfinden kann? Bin ich "krank" (und stolz drauf)? Wieso bin ich so anders? Es ist kein sich selbst auferlegtes Anders-sein-wollen (obwohl ich mich so, wie ich nun einmal bin, sehr gut fuehle, und kein anderes Denken haben woellte), sondern wirklich eine Andersartigkeit, die schon in frueher Kindheit begonnen hat und bis heute fortwaehrt. Andere Interessen, andere Meinungen, ich denke viel ueber alles nach, hinterfrage alles (bis es sich mir ein einleuchtender Sinn erschliesst), und eben bei diesem Hinterfragen sehe ich in dieser Gesellschaft viele Dinge, die mir missfallen, wo ich mich dann einfach frage: wenn Menschen tatsaechlich intelligente Wesen seien, und nachdenken wuerden, wieso merken SIE denn nicht, dass da etwas widerspruechlich/falsch/schaedlich/fremdenfeindlich (o.ae.) ablaeuft?
Ich kann mir das nur so erklaeren, dass viele Menschen wohl so starr im Kopf sind, dass sie eben nichts hinterfragen und auch kein Interesse haben, ueber Dinge nachzudenken und evtl ihren Standpunkt in Frage zu stellen. Nur frage ich mich da auch, wie man an der Welt so desinteressiert sein kann, denn angeblich hat der Mensch eine natuerliche Neugier (abgesehen vielleicht von einigen Ausnahmen, die auf diese Weise "krank" sind, dass ihnen das fehlt), die - zumindest mich - eben dazu bringt, ueber Dinge nachzudenken. Ist das anerzogen? Aber wenn das so waere, dass man alles annimmt, was einem anerzogen wird, waere ich heute Hitlerine, wuerde Auslaender und Punks als asozial beschimpfen, ueber "unnormal" Gekleidete die Nase ruempfen und Homosexuelle als krank und einsperrwuerdig bezeichnen. Ist alles nicht der Fall, also kann das nicht stimmen. Oder ist das eine psychische "Krankheit" bei mir? Aber diese Gesellschaft wundert mich wirklich... Besonders eben die Inliberalitaet vieler Personen und das Nicht-Akteptieren von Dingen, die von der Norm (= Mehrheit der Menschen) abweichen.
So gelten bestimmte Dinge ja wohl als "fremd" fuer viele Menschen, und sie behalten sie auch als "fremd" im Kopf, egal, wie viele Erfahrungen sie machen. ZB gibt es durchaus Personen, die ueber alle Tuerken schimpfen, aber einmal pro Woche bei einem Tuerken Doener essen gehen (und diesen Tuerken dann durchaus nett finden). Sie koennen im Kopf nicht verbinden, dass das widerspruechlich ist - Das erkenne ich leider sehr oft! Und wenn ich so eine Person dann darauf aufmerksam mache, wenn sie schon von allein nicht drauf kommt, dann will sie es nicht wahr haben bzw verstehts immernoch nicht. Wieso? Wie kann man so einen Widerspruch nicht erkennen? Erwarte ich zu viel Intelligenz von der Menschheit? Fuer mich ist das das Selbstverstaendlichste ueberhaupt, Zusammenhaenge (und auch Widersprueche) zu erkennen. Oder auch - kommen wir wieder zu dem Thema - Homosexualitaet. Ich weiss, in unserem Land wird sie, der Friede-Freude-Eierkuchen-Mentalitaet zum Trotz, von vielen Menschen immernoch nicht akzeptiert. Obwohl Tiere auch homosexuell sein koennen und obwohl es Homosexualitaet schon in der Antike - eigentlich in ALLEN Zeiten - gab (und nicht aus der Not heraus, dass es vom anderen Geschlecht zu wenige Angehoerige gaebe), wird sie von vielen Menschen als krank und unnatuerlich bezeichnet. Dass etwas, was immer schon vorkam und selbst bei unbeeinflussten Tieren auftritt, kaum krank sein kann, und dass man das nicht wahrhaben will, ist fuer mich auch ein Zeichen von Starrheit.
Natuerlich muss niemand Schwule und Lesben besonders toll finden (so wie man zB auch Punks, Kaninchenzuechter oder rothaarige Maenner nicht generell moegen muss). Aber ich bin schon der Meinung, dass man keinen Menschen wegen seiner wie auch immer gearbeiteten Sexualitaet in irgendeine Schublade werfen und diskriminieren sollte. Generell wuerde es dieser Gesellschaft besser gehen, wenn man Menschen gar nicht aufgrund irgendwelcher "Klassenangehoerigkeiten", sondern nur nach ihrem Charakter, beurteilen sollte! Denn auch wenn bestimmte Dinge sicher auch einen Einfluss auf den Charakter haben, verallgemeinern kann man nicht, und es gibt in jeder "Gruppe" sehr unterschiedliche Menschen. Alle unterscheiden sich, wieso sollte man also ueber alle pauschal urteilen? Was ich aber besonders absurd finde, ist, dass viele Menschen sich selbst nicht einmal akzeptieren koennen, nur, weil sie "anders" sind. Oft hoert man zB von Schwulen, dass sie ihr Schwulsein nicht wahr haben wollen, ggf sogar andere Schwule beschimpfen. Wieso? Dass man sich vielleicht nicht outen moechte, weil man Angst vor der Diskriminierung durch andere hat, kann ich eher verstehen. Aber wieso gesteht man es sich nicht selbst ein? Wieso haben einige Menschen dann sogar Suizidgedanken? Wieso koennen sie sich nur, weil sie nicht in die Norm passen, nicht akzeptieren? Selbst, wenn es gar nicht um Diskriminierung geht?
Nun sehe ich ja ein, dass es ein innerer Widerspruch ist, wenn jemand zB Schwule hast und dann feststellt, dass er selbst einer ist. Nur wenn einer offen ist bzw zumindest so tut, und dann trotzdem nicht klarkommt, wenn er seiner eigenen Sexualitaet gewahr wird - Wieso? Wieso koennen einige Leute ihre Natur nicht akzeptieren? Vielleicht kann ich das bloss nicht wahrnehmen, weil ich persoenlich anders bin. Ich habe KEINE EINZIGE SEKUNDE an meinen sexuellen Praeferenzen gezweifelt, ich habe immer dazu gestanden, ich verstecke mich nicht, sondern bin zufrieden mit mir, wie ich bin. Es ist nicht so, dass ich es alltaeglich herausschreie oder mir "bisexuell" auf die Stirn schreibe, aber innerlich bin ich vollkommen im Reinen mit mir, was das betrifft, und wenn einer mich genau danach fragen wuerde, wuerde ich einfach die Wahrheit sagen. Gar keine Frage fuer mich. Ich stehe zu mir, worum es auch geht. Nur: wie passt das wieder mit meiner Erziehung zusammen, wenn man doch angeblich so von den Eltern gepraegt wird? Da muesste ich Schwule und Lesben ja ueber alles hassen. Da koennte ich auch Transgendern, nicht einmal heterosexuellen Mitgliedern bestimmter Subkulturen, gegen ueber tolerant sein! Weil soetwas fuer Herrn "Vater" schon immer als pervers/abartig/krank galt. Sogar bei langhaarigen Maennern fielen immer Sprueche, die behaupteten, soetwas sei anormal und krank.
Und dennoch: ich bin nicht aus Protest sexuell unbestimmt (bisexuell trifft es nicht, da ich das Geschlecht von Menschen gar nicht beachte, sondern JEDEN bei einem "passenden" Charakter attraktiv finden kann, was kuemmert mich da das Vorhanden- oder Nicht-Vorhanden-Sein irgendwelcher Koerperteile/Geschlechtsteile?) und habe einen sehr langhaarigen, femininen Freund, sondern weil ich einfach empfinde, dass ich so leben will. Es ist fuer mich das einzig Richtige, es ist mein Wesen, meine Wahrheit - wenn ich es unterdruecken oder mit einreden wuerde, dass das nicht so sein DUERFE, dann waere das nicht ich, und ich will als ich leben, wie ich bin, und als niemand Anderes. Natuerlich bedeutet das Abweichen von der Norm immer Druck durch Intolerante, aber wenn man den Mut nicht hat, kann man doch wenigstens innerlich man selbst sein, aber selbst das wollen einige Menschen irgendwie nicht... Und wundern sich dann, wieso sie ungluecklich sind. Natuerlich sorgt unsere Welt mit allen Aspekten dafuer, dass es Normalitaet und Anormalitaet gibt. Allein die Worte sagen es schon aus, generell, die ganze Sprache: Wir haben so viele Dinge, sprachlich, die die Welt einschraenken. Zu Recht?
Es ist manchmal, als gaebe es kein Orange, sondern nur Gelb oder Rot. Das Eine, das Andere, aber nichts dazwischen. Uebrigens gibt es den Begriff Orange noch gar nicht so lange, nur mal am Rande, ich glaube, vor 1900 ist er noch gar nicht aufgetaucht. Damals sagte man dazu einfach Gelb (weiss ich von Erzaehlungen einer Person, deren Uroma in der Kindheit noch kein Orange kannte). Uebrigens gibt es auch heute noch Kulturen, die zwischen zB Gruen und Blau nicht unterscheiden, oder andere Grenzen als wir in Europa ziehen. Darueber, ob Tuerkis Gruen oder Blau ist, wird ja aktuell noch gestritten. Frueher haben sich mit dem Thema wohl nur Kuenstler beschaeftigt, anderen Menschen war alles vereinfacht ausreichend. Aber hat sich da viel geaendert? Ich wage mal auszusprechen, dass fuer viele Menschen jeder Rotton einfach nur "Rot" ist, egal, ob es Karmin, Scharlach, Kirsch oder Mohn ist. Aber ich schweife vollkommen ab, kommen wir zur Hauptaussage zurueck: unsere Sprache definiert einige Dinge so, dass es nur ein "Endweder-Oder" gibt, obwohl das in der Natur gar nicht der Fall ist.
Zumindest habe ich noch auf meinem Formular neben "Mann" und "Frau" ein "Neutrum" oder "Zweigeschlecht" zum Ankreuzen gefunden. Obwohl es all das gibt. Ich glaube, wenn es das gaebe, wuerde ich als "Neutrum" ankreuzen. Dazu stehe ich. Koerperlich mag ich mehr oder minder weiblich sein (eher mehr ;) ), aber geistig mag ich mich nicht einordnen, weil ich in keine Rollenklischee passe (anhand von was sollte man ein Geschlecht ueberhaupt definieren, auf nicht-koerperliche Ebene?). Ausserdem empfinde ich mich auch als relativ neutral. Ich weiss ehrlich gesagt gar nicht, wie man sich strikt als Mann oder Frau empfinden kann. Situationsabhaengig vielleicht, aber dauerhaft? Ich glaube, das ist wirklich Erziehungssache, wenn jemand von Geburt an anerzogen bekommt, was maennlich und was weiblich sei, wie man sich aufgrund seines Geschlechts zu verhalten habe, und was sich fuer ein Geschlecht nicht gehoere, und dass man strikt nach dem Klischee leben muesse - dann glauben viele das wohl. Viele Menschen sind ja sogar der Ansicht, bloss weil man als Maedchen mit Spielzeugautos spielt, waere man lieber ein Junge. Sogar als Lesbe muss man sich manchmal anhoeren, man sei sicher lieber ein Mann. Oder weil man sich nicht die Beine rasiert. Oder weil man irgendetwas anderes tut, was dem Klischee (Klischees sind immer dumm...) des anderes Geschlechts entspricht, bzw was dem Klischee des eigenen Geschlechts widerspricht.
Statt einfach endlich einzusehen, dass Menschen Menschen sind, und jeder anders ist, und dass man nicht in irgendwelche Klischees passen MUSS, hackt man aufeinander herum. Maenner auf Frauen, Frauen auf Maenner, Muetter beschimpfen ihre Toechter, weil sie sich zu jungenhaft benaehmen, Vaeter verstossen ihre Soehne, weil sie nicht "maennlich" genug waeren. Ich weiss, mein "Vater" wuerde dasselbe tun. Viel zu viele Menschen, fuer unsere angeblich tolerante Gesellschaft. Und Muell stapelt sich auf Muell... Immer mehr dumme Klischees. (Faden verloren, Mist :/ ). Da frage mich mich: bessert sich die Situation, hat sie sich schon gebessert? Geht es wieder bergab? Immerhin kann man als Frau mittlerweile Hosen tragen, ohne sich anhoeren zu muessen, fuer eine Frau wuerde sich das nicht ziemen. Bei Maennern mit Roecken hingegen sieht es ausserhalb Schottlands wohl eher negativ aus ;) Fragt sich auch noch, ob es zu Toleranz beitraegt, dass aktuell einige Subkulturen wohl wie Zootiere begafft werden. Kommt vor. Lernen die Zuschauer dabei, dass das auch nur Menschen sind und ihnen gar nicht so fremd? Oder bleibt das ein hirnloses Gaffen ohne irgendwelche positiven Auswirkungen? Macht es das gar noch schlimmer?
Letzte Frage, ganz anderes Thema (wobei, vielleicht doch nicht): An welches Alter kann man sich zurueck erinnern bzw in welchem Alter liegt die erste Erinnerung eines "durchschnittlichen" Menschen? Ich erinnere mich an sehr viel von meiner 1. Thailandreise, da war ich 2 Jahre alt. Ich erinnere mich vereinzelt sogar an Dinge davor, damals muss ich 1 Jahr alt gewesen sein. Ab dem 4. oder 5. Jahr erinnere ich mich ziemlich lueckenlos. Viele Menschen, habe ich aber gelesen, erinnern sich an nichts vor dem 5. Lebensjahr. Bei denen, die schon ein "grosses" Erinnerungsvermoegen haben sollen, liegt die Grenze beim 3. Lebensjahr. Was ist da mit mir los? Biologisch erklaere ich mir das ganze so, dass Kinder in der ersten Zeit doch sehr viele neue Eindruecke haben und viel lernen: sitzen, stehen, laufen, sprechen... Da verbraucht das Hirn viele Kapazitaeten und die Erinnerung tritt zurueck. Ich bin mir aber sicher, dass die Eindruecke im Unterbewussten festsitzen. Einige Menschen koennen sie bewusst machen - viele nicht. Generell haben wir viel unterbewusst... Und immer wieder werden einige Dinge neu sichtbar - zumindest bei mir. Manchmal werden mir Dinge nach Jahren klar oder kommen einfach zurueck, obwohl sie vorher ueber Jahre verschwunden waren. So traurig es manchmal auch war, dennoch finde ich es immer positiv (bin eben ein neugieriger Mensch).
Generell sollte man die Wahrnehmung von Kindern nicht unterschaetzen. Viele Menschen meinen ja, sie wuerden einige Dinge "sowieso noch nicht verstehen" - und dann kommt irgendwann der Moment, an dem es sich erinnert und sehrwohl versteht. Kann schmerzhaft sein. Oder Sprueche wie "Das vergisst es sowieso bald wieder" - Manche Dinge schmerzen ein Leben lang und werden sicher nicht vergessen. Viele glauben, Kinder bekaemen von vielen Dingen sowieso nichts mit, interessierten sich nicht dafuer, etc... Ich frage mich, wie man Kinder so unterschaetzen kann. Man ist doch selbst eins gewesen, wie kann man Kinder also ab einem bestimmten Alter nicht mehr verstehen, als sei man nie selbst eins gewesen! Wahrscheinlich ist es die Tatsache, dass sie sich an Dinge vor ihrem 5. Lebensjahr sowieso nicht erinnern koennen ;) Ich sags ja: Menschen lernen nichts, weil sie sowieso alles vergessen haben, bis sie ihre Fehler wiederholen, und noch einmal wiederholen, und noch einmal wiederholen... Ich glaube, die Intelligenz des "Durchschnittsmenschen" wird im Wahn, dass man das beste aller Lebewesen sei (Menschen werden auf-, Tiere abgewertet - Profilierungswahn), vollkommen ueberbewertet.
cn P
P.S.: Waere eine Frage, wie sich diese Erkenntnisse, die ich ueber unsere Gesellschaft hier in Deutschland, oder besser gesagt: in B., gemacht habe, in anderen Regionen der Welt zeigen liessen... Sind Asiaten anders? Afrikaner? Australier? Amerikaner? Gibt es schon innerhalb Europas oder innerhalb Deutschlands Unterschiede? Natuerlich grob gesehen, denn man kann nicht jeden einzelnen Menschen in eine Schublade mit den anderen Menschen, die zufaellig dieselbe Nationalitaet haben, in einen Topf werfen. Waere schon interessant zu wissen...