Freitagmorgen um 7:30 aufgestanden. Es war kalt, ich erkaeltet. Habe nichts essen koennen, bei dem dummen Gerede. Es ging mal wieder nur um den Krieg und um KZs. Und ich MUESSE Historiker werden, um die "Wahrheit" ueber den Krieg aufzustecken und "der heutigen antideutschen Propaganda ein Ende zu machen". Aber wenn er tatsaechlich glaubt, ich wuerde Geschichte studieren, nur um danach meinen Namen fuer Naziparolen herzugeben - wie bloed kann man sein?! Neuigkeiten vom Streik: Angeblich sollte erst am Samstagabend gestreikt werden, fruehstens. Dann wollte ich gerade losgehen, da haelt mich mein "Vater" wieder auf, mit dem Buechergeld :/ Er gibts nicht auf und will mich wohl auch damit zwingen, weiter zu studieren. Wenn ich naemlich nach dem Buecherkauf sagen wuerde, ich will aufhoeren, wuerde es heissen "Haetteste das mal vorm Buecherkaufen gesagt! Geldverschwendung - blah blah blah". Ausserdem hoert er nie zu... Naja, dann sagte ich jedenfalls, es waere schoener gewesen, haette er mich frueher daran erinnert, und nicht, wo ich schon mit einem Fuss im Treppenhaus stehe. Da keifte er mich an: "DU bist selbst Schuld, du hast mich ja nicht erinnert!" Da sagte ich: "Ich habe vielleicht auch mal andere Sorgen im Kopf!" und bin gegangen.
Dann gings zur Uni - die Notizen davon habe ich, wie erwaehnt, woanders. Und der Rueckweg war recht strapazioes, muss aber wohl nicht naeher erlaeutert werden, nur: Es ist doch IMMER dasselbe... Taeglich im Bus pro Fahrt mindestens 1 weinendes Einzelkind, 1 Kindergartengruppe, 1 Besoffener oder eine Gruppe poebelnder Asis. Dieses Mal hatten wir sogar 1 Kindergartengruppe, 1 Gruppe Asis UND 1 Besoffenen drin... Die Asis waren aber fast noch am Schlimmsten. Ueberall diese respektlosen, JEDEN anpoebelnden Idioten... Unterrichtsschluss hatte ich schon um 12 Uhr (es ging uebrigens vorher um Propaganda, Geschichtsunterricht, 20. Jh., Kriege). Und so gegen 14 Uhr duerfte ich in S. gewesen sein. Dann noch paar Einkaeufe in der Nachbarschaft. Den Nachmittag - schrieb ich auch schon - habe ich mich irgendwie beschaeftigt, ER hatte abends Unterricht und war mit dem auch ganz zufrieden. Wenigstens etwas :) Ich trank ein wenig zu viel, hoerte eine Menge Musik, usw. Irgendwie vertrieb ich mir dem Abend eben. Erst gegen 22:30 kam ER dann heim, schade, dass ich gleich wieder gehen sollte :(
Aber habe dann ja - auch schon beschrieben - bei meinem "Vater" angerufen und einfach mal klargestellt, dass ich nicht kommen wuerde. Streik ist immer eine gute Ausrede (da ist er wenigstens zu etwas gut) :P Und so wurde es doch noch ein schoener Abend mit IHM. Obwohl WIR wohl leider etwas zu lang wach waren, 6 Uhr musste ER wieder aufstehen und zum Unterricht. Aber dennoch war es nicht unangenehm. Allein bei IHM einzuschlafen, ist immer viel angenehmer, als hier in R. Da friere ich wenigstens nicht, kann mich noch unterhalten und schlafe nie schlecht gelaunt, deprimiert, weinend oder voller Wut ein. Und die folgenden Traeume sind demnach meist auch angenehmer... Morgens wurde ich wach, als ER aufstehen musste, und blieb es auch, bis ER ging. Und dann begann bei den Nachbarn bekanntlich lautes Gehaemmer, bis mittags, dann nachmittags nochmal, und als ER abends wieder zuhause war, immernoch oder wieder *amok* Den Tag vertrieb ich mir in etwa wie den Freitagabend. ER kam leider erst gegen 17 Uhr, verspaetet, nach Hause :( Abends dann die Freude, nicht nach R. zu muessen... Dass erst SA war, und noch nicht SO. Wenn ich von FR auf SA auch dort uebernachte, macht das eine Menge aus...
Ja, es reduziert meinen Stress wirklich und ich habe sogar das Gefuehl, die Neurodermitis wird dadurch vermindert. Zum Unterricht am SA uebrigens... Den fand ER nicht so toll. Die Designprof hat wohl einen absoluten Dachschaden... Weiss nicht genau, was sie sagt, und hat von ihrem Fach wirklich keinerlei Ahnung... Und entscheidet alles willkuerlich. Diese Person ist ein einziges Aergernis! Eine HA war, Einladungen zu designen. Da stand etwas von freier Farbwahl, so viele Bilder, wie man will, etc. Dann hat sie alle Projekte mit Bildern rausgeworfen, alle mit mehr als zwei Farben, alle ausser denen mit Standardschrift, und die einzigen Muster, Formen, "Bilder", etc, die sie akzeptiert hat, waren einfache geometrische Formen: Kugeln, Vierecke, Dreiecke. Und das soll schoen sein?! Ausserdem hatte sie davon vorher NICHTS gesagt, von diesen Anforderungen. Und im Hirn dieser Frau gibt es nur "moderne abstrakte Kunst". Anderes Akzeptiert sie nicht, keine andere Meinung, keinen anderen Stil. Und da soll einer sagen, Kunst sei frei! :/ Dieser Kurs ist - so seltsam es klingt - wohl das schlimmste am gesamten Informatikstudium. Wozu man da so ausgiebig Printdesign machen muss - sowieso keine Ahnung...
In der Freizeit befassten WIR uns lieber wieder mit Kunst, die UNS auch wirklich zusagt. Und anderen Dingen, die einem nicht noch mehr Unmut machen. Das Studium habe ich Studium sein lassen, und so wird es wohl auch weitergehen. Dann falle ich halt in manchen Kursen durch - seis drum, mach ich sie irgendwann nochmal! Ich kann ja doch nicht aufhoeren, dann hoch ich lieber jahrelang dort herum, aber mach mir dafuer keinen Stress *zyn* Nein, eigentlich habe ich keine wirkliche Perspektive. Nur den Wunsch, aufzuhoeren, und daran arbeite ich nun auf laengere Zeit hin. Mal sehen. Aktuell verdraenge ich noch :P Natuerlich nicht gut... Aber was solls, wenn man keine Perspektive hat... Dann kuemmere ich mich eben nicht darum. So werde ich auch nicht verrueckt, darum sollte es mir gehen. Ich frage mich, ob ich eine angeborene Neigung zu psychischen Stoerungen habe, oder ob es einfach eine natuerliche, unglueckliche Auswirkung auf die schlechten Lebensumstaende ist. Klar, im Kindesalter an Suizid zu denken, ist sicher nicht "normal". Depressionen sogar schon kurz vor der Pubertaet. Aber ich habe ja auch nicht ein Leben, das man normalerweise lebt, und eins, das man sich wuenscht, erst recht nicht!
September 2000 hatte ich einen schweren Unfall, bei dem ich fast ums Leben gekommen waere. Krankenhaus, ueble Verletzungen. Schmerzmittel, Gehirnerschuetterung, Schock. Ein unglaublicher Schock, der sich verschlimmert hat, weil ihn keiner ernst nahm. Selbstsucht, nicht um andere kuemmern wollen, keine Bereitschaft zur Ruecksichtnahme. Ich war auf zweiwoechiger Klassenfahrt, das Unglueck ereignete sich am 1. Tag :/ Und dann wurde ich gefragt, ob ich auf eigene Kosten mit der Bahn(!), allein(!) in dem Zustand zurueck nach B. fahren wolle. Natuerlich habe ich das abgelehnt. Dachte, ich koennte dort, im dortigen B., dann einfach in Ruhe im Schullandheim bleiben. Schlafen, ruhen, lesen, und danach regulaer nach B. zurueck fahren. Denkste! Ich hatte am gesamten Koerper ueble Schmerzen, aber wurde nicht respektiert. Nicht in Ruhe gelassen. Staendig genoetigt, dieses und jenes zutun. "Ach, komm doch mal nach XY mit", usw. Ich sagte oft genug, es geht nicht, ich brauchte Ruhe - es interessierte niemanden. Obwohl ich vom Unfall eine grosse Abneigung dem Radfahren gegenueber bzw schnellen Geschwindigkeiten allgemein, entwickelt hatte, wollten sie mich tatsaechlich, trotz Oedemen am gesamten Koerper, Schnitten, Schuerfungen, Kratzern, Verstauchungen, Zerrungen - dazu noetigen, doch noch mit zu ihren Radtouren zu kommen. Wie kamen sie auf die Idee?! Das war hirnrissig.
Und so geschah, was bei Belastung geschehen kann. Eine Sache, die Angst macht und die man sich kaum vorstellen kann. Ich habe sie erlebt. Der "Zufall" wollte es, dass ich bloss ca 2 Jahre spaeter eine Beziehung mit einem Maedchen einging, die auch darunter litt - mit dem Unterschied, dass sie es dauerhaft hatte, seit einem s*xuellen M*ssbrauch im Kindesalter. Ich hatte es "nur" paar Monate: Ich litt unter - wie es so schoen heisst - Dissoziationen. Einer dissoziativen Persoenlichkeitsstoerung, auch Persoenlichkeitsspaltung, Multiple Persoenlichkeit oder Schizophrenie genannt. Es war unglaublich. Ich kann seitdem verstehen, wieso es Menschen gibt, die glauben, von Daemonen besessen zu sein. Ich "war" zwei Personen. Ich wuerde heute sagen, ein "gutes" und ein "schlechtes" Ich. Beide wussten voneinander, beide kommunizierten im Stillen in meinem Kopf miteinander. Ich war die "Gute", die "Schlechte" war wie ein ungewollter Gast mit in meinem Kopf. Leider verstanden wir uns schlecht. Sonst haetten wir vielleicht nette Dialoge miteinander fuehren koennen :P Aber so war es angsteinfloessend und grausam.
Der Wechsel zwischen zwei Personen geschah ploetzlich: Irgendwo, irgendwann, meist ohne sichtbaren Ausloeser. Von einer Sekunde auf die andere: Ich brach mitten im Satz ploetzlich ab, war verwirrt, aengstlich, sah mich um, wusste nicht, wo ich war. In einer ploetzlichen Amnesie waren die letzten paar Minuten weg. Kamen erst spaeter wieder. Aber wenn mein "gutes Ich" wieder meinen Koerper steuerte, war das zu verschmerzen. Was schmerzhaft war, war, wie man wegen der Gedaechtnisstoerungen und ploetzlichen Stimmungswechsel diskriminiert wurde, ausgegrenzt, als "gefaehrlicher Psychopath" fort gedraengt. Und genauso schlimm war, als meine "schlechte Persoenlichkeit" meinen Koerper ergriff. Mein anderes Ich, also das wirkliche, war noch da. Wie ein Gast, eingeschlossen im Koerper. Ich konnte ihn nicht steuern. Er tat einfach Dinge, die ich nicht wollte. Handelte selbst, redete allein. Er war ziemlich unhoeflich und schonungslos... Waehrend ich in meinem Koerper beobachten musste, wie mein Koerper eine andere Person gemein beschimpfte, sagte ich nur schweigend in mir zu meinem anderen Ich "Hoer auf! Du kannst das nicht tun! Hoer gefaelligst auf!", aber der Koerper reagierte nicht. Wenigstens sagte ichs nicht laut...
Und wenigstens war dieses andere Ich doch ganz "in Ordnung". Letztendlich tat es nichts ZU schlimmes, so lange es existierte. Aber Angst hatte ich da immer. Was der Koerper als naechstes taete, ich hatte schliesslich NULL Kontrolle. Immer die Furcht, was passiert als naechstes. Wann kommt der naechste Personenwechsel. Dann gabs auch noch merkwuerdige Erzaehlungen, was ich angeblich mal getan haette, an die ich mich nicht erinnern konnte... Nach dem Motto "DU hast gestern XY gemacht!" und als ich sagte, das koenne nicht sein, warf man mir vor, zu spinnen oder zu luegen. Ich weiss bis heute nicht, ob sie MICH anlogen oder ich wirklich nicht wusste, was mein Koerper stundenlang getan hatte. Und seitdem frage ich mich, WER diese andere Person war. Ich glaube nicht an Daemonen o.ae., glaube, das war auch ich. Ein Teil meines Ichs. Der sich sonst evtl versteckt haelt? Ein wenig beeindruckend fand ichs, ganz ehrlich, auch... Aber war dann doch natuerlich heilfroh, als diese 2. Persoenlichkeit endlich wieder weg war. Nach langen Wochen, zurueck in B. Und noch laenger hatte ich Angst, dass es mal wiederkommen koennte. Um genau zu sein, bin ich nicht geschuetzt, dass es NIE mehr im Leben zurueck kehrt. Eigentlich ist NIEMAND geschuetzt, ich denke, bei einem Schicksal, das nur schlimm genug ist, koennte jedem dasselbe passieren...
Jetzt beschimpft mich ruhig als verrueckt oder glaubt es nicht, weil es einfach eine zu unglaubliche Erzaehlung ist. Aber es war so. Okay, glaubt es, oder nicht, behaltet euren Unmut, falls ihr es nicht glaubt, fuer euch. Und wendet euch doch ruhig ab, wenns euch nicht passt... Stolz bin ich sicher nicht auf das, was geschah. Prahlen will ich nicht. Aber ich will darueber schreiben, weil es eben so ungewoehnlich ist, weil man soetwas selten liest. Damit Leute, denen es vielleicht genauso geht, wissen, sie sind nicht allein, und wissen, es kann auch wieder vergehen. Dass Angehoerige erfahren, was geht im Kopf einer Person mit dissoziativer Stoerung vor. Denn der, der darunter noch leidet, kann selten erklaeren, was los ist. Das geht wohl meist erst, wenn man da durch ist, und fuer viele endet es nie :/
cn P