Bin ich pubertaer? Darf ich in meinem Alter pubertaer sein? Wer definiert das ueberhaupt? Fakt ist, bei einigen Dingen scheine ich auf einige Menschen vielleicht wenig festgelegt zu wirken, aber ich denke, ein Problem mit meinem Selbstbewusstsein habe ich nicht, wo doch staendig behauptet wird, um auch nur ein geringes Selbstbewusstsein zu haben, braeuchte man zwingend ein "intaktes Elternhaus". Scheidungskinder wurden immer zu Monstern stilisiert, Kinder von prueden Eltern ebenfalls - alle beziehungsunfaehig. Gut, dass meine Beziehungsunfaehigkeit nun schon zu ueber 5 Jahren Beziehung gefuehrt hat, ich kann mich nicht beklagen. Zwar muss ich zugeben, dass ich sicher anders fuehle, als "normal aufgewachsene" Menschen, wenn man das verallgemeinern koennte. Vielleicht musste ich relativ frueh autark handeln, weil sich um mich keiner gekuemmert hat, vielleicht habe ich deswegen einen eigenen Willen - und glaube, obwohl seit Geburt eingeimpft, den rassistischen Quark meines so genannten "Vater"s nicht. Ich lasse mich von niemandem indoktrinieren, ausser vielleicht von mir selbst. Aber da weiss ich wenigstens, was ich mir antue und tue es aus Ueberzeugung - also gewissermaszen doch frei. Meine Kindheitslosigkeit hat mir sehrwohl auch Defizite beschert - aber meine Ideale und meine eigenen Moralvorstellungen habe ich und halte mich dran - ich bin treu gegenueber dem, wofuer ich meine, dass es sich lohnt, treu zu sein - und mein Selbstbewusstsein? Verglichen mit anderen Menschen habe ich da wohl auch "Glueck".
Ich weiss ja selbst nicht, woran es liegt. Es gibt Menschen, die finden mich schoen, sehr schoen sogar, wenngleich ich mich selbst nicht fuer eine ueberragende Schoenheit halten wuerde. Wobei ich festgestellt habe, dass ich mir meiner koerperlichen Makel erst bewusst werde, wenn ANDERE mich darauf ansprechen. Ich selbst kaeme nicht auf die Idee, mich deswegen haesslich zu finden... Wegen einer griechischen Fussform, die wohl nur 15% der Menschheit hat (grosse Zehe kleiner als die darauf folgende, also quasi keine abfallende Linie, sondern eine Faecherform). Oder wegen eines Ohrs, das scheinbar absteht, da es drei Milimeter zu weit vom Kopf entfernt ist (da gibt es tatsaechlich eine Norm, ab wieviel mm ein Ohr abstuende). Andere Dinge habe ich mir mehr oder weniger selbst ausgesucht. Mir nicht die Arme zu rasieren. Mich relativ maennlich zu kleiden. Und meine Narben, die haette ich mir auch ersparen koennen, aber nein, ich habe sie mir irgendwie auch "ausgesucht"... Schoen finde ich sie nicht, aber, das muss ich zugeben, sie gehoeren zu mir, zu meiner Erinnerung, und daher will ich sie behalten. Schoen finde ich mich nicht unbedingt, nach welchem Schoenheitsideal auch immer man geht (an das neuste inklusiver magersuechtiger Duerrheit will ich mich gar nicht annaehern). Aber das macht mir gar nichts aus! Ich finde mich aeusserlich interessant. Das "Gesamtkonzept" geht auf. Mein Aussehen erzaehlt von mir und meinem Leben. Auf 08/15-Durchschnitts-"plastic people", die blind dem Schoenheitsideal folgen und fuer die Attraktivitaet bedeutet, makellos und kuenstlich wie eine Barbiepuppe auszusehen, wirke ich sicherlich nicht attraktiv. Aber die Menschen, die Makel interessant finden oder die ein bestimmtes "Bild" schoen finden, duerften sich an mir nicht stoeren. Ausserdem sind es ja nur kleine(?) Makel. Ich habe noch alle Arme und Beine, obwohl ich tatsaechlich sagen wuerde, auch an arm- und/oder beinlosen Menschen wuerde ich mich PERSOENLICH nicht stoeren. Aber ich kann ja nicht von jedem so eine Toleranz erwarten, oder?
Aber zum Thema Selbstbewusstsein... Mich verwundert es immer wieder, wie Personen, die doch eigentlich nahezu dem Ideal entsprechen muessten, derart Komplexe haben, dass sie sich nichts trauen... Es gibt tausende Weibchen, die sich ohne Makeup nicht vor die Haustuer trauen. Die sich schaemen, wenn sie kein Designerkrams anhaben. Die kaum nackt in ihre Badewanne steigen koennen, weil sie sich ueberall wabbelndes Fett einbilden und sich vor sich selbst ekeln. Wie oft habe ich (Blogs, etc) gelesen, wo es hiess, man traue sich nicht, ungeschminkt oder nackt sichtbar seinem Partner (und das trotz zT mehrjaehriger Beziehung, Sex inklusive) gegenueber zu treten. Was sind das fuer Zustaende, dass man sich einer Person, mit der man intim ist, die einen also eigentlich kennen sollte, nicht mehr so begegnen kann, wie man tatsaechlich ist? Diese Gesellschaft scheint komplexbeladener denn je, soetwas scheint schon "normal" zu sein, und ich frage mich nur: Wieso? Muesste ich nicht eigentlich verschaemt meinen Koerper verbergen, bei den ganzen Narben? Einen dicken Hintern hab ich auch :P Trotzdem bekomme ich keine Weinanfaelle unter der Dusche. Wieso ist Selbstakzeptanz so schwer? Vielleicht glauben viele nicht, sich mit ihrem Koerper zu einem gewissen Masz abfinden zu muessen, sich einfach akzeptieren, und halten sich daher immer fuer imperfekt, haesslich und dringend verbesserungspflichtig. Ich will jetzt nicht zu weit zum Thema Schoenheits-OPs wechseln, aber bei denen, die meinen, sie muessten sich zerschneiden lassen, waere es wohl sinnvoller, an der Psyche zu arbeiten, statt am Koerper zu schneiden. (OPs, die rein dem Aeusseren dienen, finde ich nur bei starken Entstellungen zB durch einen schweren Unfall verstaendlich).
Der Koerper... Knecht von Moden. Kein eigenstaendiges Schoenheitsideal, immer in Muster passen wollen. Dazugehoeren wollen. Stimmt, wenn man gesellig ist, ist es wohl schwer, dazu zu gehoeren, wenn alle daemlichen Moden folgen und mit anderen Menschen nichts zutun haben wollen. Daher habe ichs in der Hinsicht vielleicht so "leicht". Wobei es ja durchaus auch Menschen gibt, die sich am Aeusseren ihrer Gespraechspartner nicht stoeren, aber die findet man dann wohl auch nicht ueberall... Zum Thema Ich+Umwelt... Ich merke immer wieder, dass ich nicht ins Bild passe, das andere Leute gern von den Schubladen, die ich laut ihnen gehoeren muss, ausgehen und aergerlich reagieren, weil ich nicht hinein passe. Wir kennen die "Benimm dich seinem Alter/Geschlecht/Stand gemaess!"-Sprueche, im Prinzip... Noch arbeite ich nicht und kann mich relativ kleiden, wie ich will. Nicht, dass ich schlampig waere, aber der Stil ist doch leger und nicht feminin. Allerdings wuerde es zu meinem Selbstempfinden nicht passen, in hochhackigem Kram mit kurzem Roeckchen und irgendnem zu engen Top durch die Gegend zu stoeckeln. Jeans, Tshirt (und zwar ein "normales", kein figurbetonendes fuer Frauen) und Sneakers (das, was man mal Turnschuhe nannte) reichen mir... Oder im Winter Jeans, Pullover, absatzlose Stiefel. Ein wenig grauts mir, wenn ich einen Beruf suchen muss und mich dann gefaelligst kleiden soll, wie eine "erwachsene Frau". Aktuell bekommt man beim unfemininen Stil hoechstens negativ vorgeworfen, man sei eine "Lesbe", aber das ist mir egal.
Es ist einfach so, dass ich mich selbst in typisch weiblicher Kleidung nicht wiederfinde, ich finde auch typische "Frauenthemen" langweilig, ich benehme mich nicht so, ich denke, mein Koerper ist das einzig Weibliche an mir... Maennlich bin ich aber auch nicht direkt, die Kleidung vielleicht ein wenig... Das Verhalten entspricht keinem der Klischees (oder, euphemistisch: Rollenbilder). Mir persoenlich macht es nichts aus, dass ich so bin, wie ich bin (ich will mich auch nichts eindeutig zuordnen, weil ich mich als "etwas" dazwischen empfinde). Leider macht sich das Umfeld aber gern ueber Menschen her, die dem Klischee nicht entsprechen. Fing in der Kindheit schon mit "Mutter"s "Benimm dich doch mehr wie ein Maedchen!" an, ging ueber das "Du waerst doch bestimmt lieber ein Junge!" in der Grundschule und bis zur Mittelstufe, und heute? Nichts ist anders. Waere aber wuenschenswert, wuerde man als Nicht-100%ig-Frau und auch Nicht-100%ig-Mann genauso akzeptiert werden, wie die, die jedem Klischee entsprechen... Aber die Rollenbilder, Klischees... Die Medien verbreiten sie weiter. Ich will mich jetzt gar nicht ueber Sex and the City aufregen, auch, wenn ichs beschissen finde, was fuer ein Frauenbild dort aufgebaut wird (Frau = oberflaechlich, interessiert sich nur fuer Shopping, Schuhe, Karriere, Sex und hat sonst keine Interessen). Klar ist es ironisch, das Problem ist, Massen von Dummen verstehens nicht, erklaerens zum Kult und die dummen Tussen werden zu Vorbildern... Erkennt man an zahlreichen Jung"erwachsenen", die schwafeln, sie waeren gern wie Protagonistin XY, und die Kleidung von denen verkauft sich auch prima als Massenware bei H und M.
Man muss der Serie nicht die Schuld geben koennen, wenn die Zuschauer sie falsch interpretieren. Dennoch gefaellt mir diese Klischeehaftigkeit, Ironie, oder nicht, nicht - uebrigens auch bei diversen anderen Filmen und Buechern. Natuerlich muss ein Medium nicht immer tiefsinnig sein, diverse leichte, sinnlose Kost ist legitim. Ich sehe mir auch nicht immer wirklich schwerwiegende Dinge an. Wobei man sich streiten kann, ob seichte Kost ab einem bestimmten Masz nicht auch schaedlich ist... Aber kommen wir zum Thema zurueck (das bei mir aber auch schon durchgekaut sein duerfte *huestel*): Rollenbilder und die Nichteinhaltung dieser... Ob man das biologisch nicht kann und daran leidet, oder ob man es akzeptiert, oder ob man es sogar absichtlich ablehnt, dem traditionellen Bild zu entsprechen... Ich wuerde mittlerweile sogar ausdruecken, dass es, zumindest in meinem Fall, wo ich mit meinem Koerper vollkommen zufrieden bin, keinesfalls irgendeine Art von Gender Identity Disorder ist. Es ist eine Society Identity Disorder - Ich fuehle mich der Gesellschaft, zu der ich gehoeren soll, aufgrund meiner Persoenlichkeitsmerkmale kaum zugehoerig. Vielleicht ist es auch die Menschheit an sich, oder zumindest ein grosser Teil dieser. Ich glaube aber (wie alle Kranken? ;) ) nicht, dass ich krank bin. Ich denke, wenn ueberhaupt, dann ist die Intoleranz der Gesellschaft gegenueber Andersartigem irgendwie "krank". (Ja, ich weiss, biologisch ist es sinnvoll, sich vor Unbekanntem zu aengstigen, aber der Mensch veraendert die Natur und fuehlt sich doch so aufgeklaert - sollte er dann nicht auch die evolutionaer bedingte Intoleranz beherrschen koennen?).
cn P