Ich fuehrte sehr neulich mal ein PM-Gespraech mit einer Amerikanerin in einem Forum. Eher zufaellig, wobei es zuerst um ein bestimmtes fachliches Thema ging (im kuenstlerischen Bereich), sie danach aber wohl versuchte, "Freundschaft" zu schliessen und daher auch persoenlichere Fragen stellte. Nach dem ueblichen "Wie alt bist du, was machst du beruflich", usw fragte sie, ob ich in meinem Alter noch bei meinen Eltern lebe, da sie ungefaehr im selben ist, auch studiert, und eigentlich schon auch gern mehr Freiheit - fuer sie: eine eigene Wohnung - haette. Daraus ergab sich folgender, sinngemaess wiedergegebener, Dialog (tatsaechlich natuerlich auf Englisch, aber ich uebersetze es mal ins Deutsche):
Ich: Eigentlich lebe ich noch bei meinem Eltern, bzw meinem Vater (meine Eltern sind seit Jahren geschieden), aber ich verbringe die meiste Zeit tagsueber bei meinem Freund und uebernachte da auch immer uebers Wochenende. Daher habe ich schon so meine Freiraeume, ist ganz angenehm so.
Sie: Seid ihr verheiratet?
Ich: Nein nein, das hat sich bisher noch nicht ergeben ;) Finanziell nicht und ich finde seine Eltern auch nicht sonderlich nett, daher scheut es mich ein wenig...
Sie: Aber dann lebt ihr ja in Suende!
Ich: Was, wieso 'Suende'? Seitwann ist zusammen-wohnen eine Suende?! O_O
Sie: Naja... Ich weiss ja nicht, wie ich das jetzt ausdruecken soll, das ist bisschen zu privat, aber ich denke mal, wenn man zusammen lebt, dann kommt man sich automatisch naeher... Und... Also ich finds besser, wenn man bis zur Ehe wartet.
Ich: Also fuer mich persoenlich ist das nicht so wichtig... Wir sind ja praktisch "verheiratet", nur nicht offiziell, bzw wenn ich jemanden je heirate, dann ihn. Fuer mich kommt es nicht darauf an, ob man mit jemandem verheiratet ist, sondern, wie sehr man sich zu ihm verbunden fuehlt. Und ich sehe in unserer Beziehung keinen einzigen Unterschied zur Ehe. Danach waere es doch dasselbe, nur, dass ich einen anderen Nachnamen trage (und das nicht einmal zwangslaeufig).
Sie: Aber seid ihr denn wenigstens verlobt?
Ich: Wenn man es als Verlobung betrachtet, einander irgendwann zu heiraten, und sonst niemanden... Vielleicht. Wir sind seit ueber 5 Jahren ein Paar, ich glaube kaum, dass man die Beziehung als "instabil" bezeichnen kann, ob mit Trauschein oder nicht.
Sie: Ich finde das sehr schade. Ich habe ja eine eindeutige Meinung dazu, weil... (erzaehlt Geschichte von "einer Freundin", die sich angeblich vor der Ehe auf einen Jungen eingelassen haette, der sie verliess - woraufhin - und natuerlich nur aus diesem Grund *hust* - sie depressiv geworden waere, das Studium abgebrochen und mit dem Saufen begonnen haette und von Zuhause fortgelaufen waere. natuerlich alles nur, weil sie nicht bis zur Ehe jungfraeulich geblieben ist)
Ich: Ich denke kaum, dass jemand mit intaktem Selbstbewusstsein unbedingt so enden muss, nur, weil er unverheiratet eine Beziehung fuehrt... Abgesehen davon koennte soetwas auch in/nach einer Ehe passieren... Aber ich will dir nichts reinreden. Ich finde es gut, wenn du eine Ueberzeugung hast und dann diesen Weg unbeirrt gehst, aber jeder hat eben seine eigene Auffassung. Ich respektiere deine absolut, auch, wenn meine eine andere ist.
Sie: (aber aber aber - blah)
O_o Ich dachte wirklich, diese hysterische Angst vor Beziehungen vor der Ehe waere ein Klischee... Bzw traefe das nur auf wenige Menschen zu. Und schon gar nicht auf Menschen, die sich von mir gezeichnete Teilakte ansehen *huestel* Doppelmoral? (Okay, halbnackte Maenner(statuen) anzusehen, ist etwas anderes, als tatsaechlich zu Maennern Kontakt zu haben, aber trotzdem...) Und eine weitere merkwuerdige Erfahrung mehr.
cn P