"Schade, dass nicht alle Menschen gleich denken." Den Satz hab ich in letzter Zeit auch haeufiger gelesen. Ich kann ihn ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Waer die Welt wirklich interessant, wenn alle gleich denken wuerden, alle die gleiche Meinung haetten? Vielleicht gaebe es dann keine Diskussionen mehr, das koennte einem Nerven sparen, das stimmt. Aber wuerde nicht auch etwas fehlen? Lernt man nicht auch, indem man verschiedene Meinungen hat, diskutiert, Meinungen vergleicht und daraus versucht, mit Vernunft, die sinnvollste Sicht zu ermitteln? Eine Frage waere auch, wenn alle das gleiche denken wuerden, was wuerden sie dann denken? Der Mensch kann nicht immer richtig liegen. Wenn also alle Menschen glauben wuerden, die Erde sei eine Scheibe, und es kann fuer diesen Gedanken gar keine andere Meinung haben... Ohne den Diskurs haetten wir keine Forschung, keine Erkenntnis, keinen Fortschritt. Ausserdem faend ichs langweilig, gaebe es keine verschiedenen Geschmaecker, denn dann saehe alles in der Welt, von der Gebaeudeeinrichtung ueber die Kleidung und Frisuren bis hin zu Gaerten o.ae. gleich aus. Ausserdem haetten alle dieselbe Meinung und wuerden einander nur nachschwafeln. Einige Menschen stoeren sich daran vielleicht nicht, ich persoenlich faends aber schade. Und die, die es noch nicht so sehen, koennen ja mal drueber nachdenken, wie gut ihre Chancen, einen Partner zu finden, waere, wenn alle den gleichen Partnergeschmack haetten ;) Und Menschen sehen bekanntlich unterschiedlich aus... Vielleicht entspricht man aus irgendeinem Grund nicht dem Schoenheitsideal, und wenn ALLE ausnahmslos dieses vertraeten, faenden einen ALLE haesslich? Was waer das dann noch fuer ein Leben (in unserer oberflaechlichen Gesellschaft)?
Viele Menschen koennen sich nicht in andere Menschen hineinversetzen und wollen das vielleicht auch gar nicht. Sie empfinden es wahrscheinlich als unnoetige Muehe, haben keine Lust, sich anzustrengen. Kann ich mir durchaus vorstellen, viele reden ja, weil sie zu faul dazu sind, nicht einmal mit ihrem Partner, den sie sich selbst ausgesucht haben. Aber selbst, wenn einige es versuchen, frage ich mich, wieso viele es nicht schaffen, sich auch nur ansatzweise in die andere Person hinein zu versetzen? Was bindet sie so stark an ihre eigene Meinung, ihre eigene Denkweise, dass es ihnen gar nicht moeglich ist, alles aus einer anderen Sicht zu betrachten? Fehlt da eine bestimmte Denkkultur bzw -tradition, gibts die selten, vielleicht nur in einigen Gegenden? Waeren sie in dem Fall wenigstens tolerant! Doch auch das kann man bei vielen vergessen. Wie viele wollen einem ihren Lebensstil aufzwingen... Ich muss in dem Fall immer zurueck daran denken, wie es bei mir in der 10. Klasse war. Schon damals trug ich, und das seit gut 3-4 Jahren, meist dunkle, unauffaellige Kleidung, Silberschmuck, schminkte mich aber nicht oder nur dezent. Ich tat das, weil ich mich so mochte, weil ich es so mochte, und es mir egal war, was andere dachten - es sollte MIR gefallen, schliesslich war es mein Koerper. Ich war damit vollkommen zufrieden und meine Freunde (alle ausserhalb der Schule) hatten auch nichts daran auszusetzen. In der Schule aber, war es ein wenig anders. Dort wusste keiner wirklich etwas ueber mich, geschweige denn ueber meine Freunde und IHN, aber trotzdem wollten sich fuer mich fremde Personen (wenngleich sie in meiner Klasse waren, allein deswegen kennt man sie ja nicht automatisch) staendig in meine Privatsphaere einmischen. Nahezu taeglich musste ich mir Sprueche anhoeren wie "Zieh dir doch mal was Buntes an und benutz bisschen Makeup, dann findest du bestimmt schnell ganz viele Freunde!" oder "Wenn du mehr aus dir machen wuerdest, haettest du bestimmt nen Freund!"... 1. Was heisst, ich wuerde nichts aus mir machen, nur, weil ich meinen eigenen Stil habe? 2. Wieso braeuchte ich noch einen Freund, ich kannte IHN da schon einige Monate! 3. So viel Oberflaechlichkeit stoesst mich ab, was soll denn das, wenn man sich "korrekt" kleidet und schminkt, habe man "ganz schnell" "viele" Freunde?! Ich moechte lieber wahre Freunde, die mich akzeptieren, wie ich BIN, nicht solche, die mich nur moegen, wenn ich in einem Kostuem mit Maske herumlaufen und nichts von mir wissen woellten, waere ich einfach nur ich. Leider hat sich diese Auffassung von "Freunden" bei vielen auch beim Schulabschluss noch nicht veraendert. Ich weiss nicht, wie es heute ist, weil seitdem kein Kontakt mehr besteht. Aber immerhin wurde ich, nach einigen Jahren des Gejammers, in Ruhe gelassen, mit einem eingeschnappten "Dann eben nicht, du undankbare Pute, wir wollten dir doch nur helfen!" oder "Du bist eine schlechte Freundin, sonst haettest du dir helfen lassen!"... Ich sehe Manipulationsversuche nicht als Hilfe an und Leute, die das anders sehen, sind mir ziemlich sch-egal und keine Freunde. Und haben mir vor Allem nicht zu sagen, wie ich mich kleiden soll.
Interessant ist uebrigens auch, dass solche Leute, die einem, obwohl man ruhig und zufrieden ist, Ratschlaege geben, zu leben, wie sie, oft selbst vollkommen unzufriedene Menschen sind. Sie waren staendig am jammern, wegen aller moeglicher Personen, weil die Frisur nicht richtig sass, weil die Kleidung schon wieder aus der Mode war, weil das Makeup immer so viel Zeit kostet... Es stimme ja, dass man soetwas in Kauf nehmen muesse, um "nen tollen Boy" kennen zu lernen, aber es sei doch trotzdem nervig... Und das alles war dann auch noch voellig vergebens! *g* Es endete schliesslich so, dass ich in der 10. Klasse IHN kennen gelernt hatte (meine 1. Beziehung hatte ich schon etwas vorher) und die Dame, die mir besonders viele Ratschlaege geben wollte und staendig den Jungmaennern hinterher war, bis zu unserem Abschluss, damals war sie 19, noch nie eine Beziehung hatte. Vielen anderen gings nicht anders. Wollen diese ungluecklichen Leute einen vielleicht mit ihren Ratschlaegen so ungluecklich machen, wie sie selbst, damit sie sich besser fuehlen? Vielleicht auch rein unbewusst? Nein, ich will niemandem Boeses unterstellen muessen...
Apropos Beziehungen... Ich habe nun auch schon mehrfach gelesen, dass eine dauerhafte Beziehungsarbeit gar nicht moeglich sei, schon gar nicht mit Mitte 20 bis Ende 30, weil man da noch "experimentieren" sollte (Ach ja? Hier klappts super und ich bin sogar noch juenger), da zu anstrengend. Nun denke ich persoenlich aber, dass man eigentlich gar nicht so viel arbeiten muss, vorrausgesetzt, man hat sich einen passenden Partner gesucht, und dass man das bisschen schon akzeptieren sollte, sonst kanns mit der Beziehung ja nichts werden. Aber viele tun ja gern nichts und jammern am Ende... Ich weiss, es ist moeglich, dass man sich psychisch nicht in der Lage fuehlt, etwas zu tun, aus welchen Gruenden auch immer. Und dann ist es irgendwie gemein, zu sagen "Selbst schuld"... Aber wenn wir der schonungslosen Wahrheit ins Gesicht sehen wollen, ist es wohl so. Da nehme ich mich selbst nicht aus. Ausserdem habe ich gelesen, dass viele Paare ungluecklich werden wuerden, wenn aus einer Fernbeziehung eine ohne Distanz wird, weil man dann ja immer den Partner am Hals habe. 1. Ist es ja wohl nicht so, dass man, nur, weil man zusammen wohnt, nicht auch mal was allein machen koennte. 2. Hat man sich seinen Partner selbst ausgesucht, also geh ich davon aus, dass man mit ihm auch Zeit verbringen moechte. 3. Wenn man den Tag allein auswaerts verbringt, sieht man den Partner abends paar Stuendchen, und ist das wirklich so unertraeglich schrecklich? Wenn ja, wieso geht man dann eine Beziehung ein? Ich war damals jedenfalls sehr froh, als ER hierher gezogen ist, sodass ich ihn mal haeufiger, als nur einmal pro Monat zwei Tage sehen konnte. Natuerlich ist jeder Mensch anders, aber man sollte sich schon einen Partner mit einem aehnlichen Naehebeduerfnis suchen.
Naechster Punkt. Nun, ich durfte mir im Lauf meiner Beziehung, an der bis jetzt nix broeckelt und mit der wir beide ziemlich zufrieden sind, haeufiger von zum Teil voellig Fremden anhoeren, diese Beziehung koenne gar nicht gut werden, da ich dazu ja noch viel zu jung sei. Irgendwann wuerde ich bereuen, treu geblieben zu sein, denn ich haette meine ganze Jugend keine Chancen gehabt, zu "experimentieren". Nun sehe ich keinen Grund, wieso ich etwas ohne IHN versuchen sollte, weil ich IHN aeusserst anziehend finde (abgesehen davon liebe ich ihn, und was ich von Fremdgehen halte, habe ich schon einmal geschrieben...). Ich seh gar keinen Grund, mir jemand anderen zu suchen, und wenn ich irgendetwas hochgradig Perverses ( ;) ) ausprobieren will, frag ich IHN. Im Gegensatz zu vielen Menschen bin ich naemlich nicht so seltsam, mich nicht zu trauen, paar Worte mit dem eigenen PARTNER zu wechseln. Ich wuerd nie mit jemandem eine Partnerschaft eingehen, mit dem ich nicht mal ehrlich sein koennte bzw mich nicht trauen duerfte, etwas anzusprechen, was auch schlecht ankommen koennte. Aber ich weiss, wir tolerieren einander bei Meinungsverschiedenheiten, daher gibts da gar kein Problem. Die Neugier, auch mal mit einem anderen Mann sexuell zu verkehren, die ja angeblich "bei jedem mal" auftritt... Hm... Nein, eigentlich empfinde ich das nicht so. Sicherlich sehen alle Menschen anders aus, aber um das festzustellen, kann ich auch an den FKK-Strand gehen und niemanden anfassen. Was soll da anders sein? Gut, Menschen riechen anders, bewegen sich anders, aber ich hab kein Beduerfnis, das genauer zu erfahren. Zumal mir ausser IHM hoechstens ein bis zweimal im Jahr jemand begegnet, den ich wenigstens nicht zutiefst unattraktiv finde. Ich bin da wohl zu anspruchsvoll. Ich meine mit "attraktiv" hier uebrigens mal die rein optische Ebene, die mir bei Gespraechspartnern vollkommen egal ist. Aber wenn man sich paart, vielleicht doch eine Rolle spielt :P Und in der Hinsicht... Gibts wenige Leute, die mich ansprechen.
Seit bald 6 Jahren "vergeben" - und so gluecklich wie am ersten Tag (oder sogar gluecklicher), wuerde nix daran aendern wollen :P Da kann von beziehungsfrustrierten Tussen so lange gejammert und miesgemacht werden, wie sie wollen.
cn P