Memoriae Ex Aeterna Nocte

05.11.2007 um 01:14 Uhr

3.11.07

In nicht einmal einem Monat habe ich Geburtstag. ER in genau einer Woche. Ich habe noch kein Geschenk, o.ae., das nur mal am Rande. Am Samstag stand ich um 10 auf. Ich war uebermuedet und das Geschrei und Gejammer meines "Vater"s bereitete mir Kopfschmerzen. Ich weiss auch nicht, warum, aber ich musste wieder an meinen in meinem letzten Schuljahr kurz vorm Abitur verstorbenen Geschichtslehrer denken. Er war wirklich nett; er unterrichtete allgemein Erdkunde und Geschichte. Der Unterricht war nicht uebel, als ich mal einen schulischen Wettbewerb zum Thema Geographie gewonnen hatte und fuer die naechste Runde uebte, unterstuetzte er mich. Wir waren mit ihm auf Klassenfahrt, dort spielte er mit den Schuelern Tischtennis, Volleyball, Fussball, usw., war eigentlich fuer Alles zu haben. Auch Radfahren, Golf, Rudern, lange Wanderungen... Er war fuer sein Alter - ueber 60 und nur geringfuegig juenger, als mein "Vater" - sehr gesund und sportlich. Und ploetzlich hiess es eines Morgens, er sei tot. Er habe ganz ploetzlich am vorigen Samstag beim Radfahren mit seiner Frau einen Herzinfarkt bekommen und sei schon auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. Es haette niemand erwartet.

Ich hatte es vorher schon als Geruecht gehoert, und wir wollten es von unserer Lateinlehrerin bestaetigt haben (die beiden waren befreundet). Diese hatte es uns gerade erklaert, da kam eine Mitschuelerin in den Raum. Sie hatte an dem Tag Geburtstag und kam daher etwas spaeter, weil sie noch beim Hausmeister eine Vase geholt hatte, um ihren Blumenstrauss ins Wasser zu stellen - das war an unserer Schule kein Problem. Sie wusste noch nichts davon, dass Herr K. gestorben war. Als sie es erfuhr, starrte sie erst einmal schockiert, und liess im Schrecken Blumen und Vase zu Boden fallen. Das Klirren, die Scherben, und der Anblick... Soetwas setzt sich irgendwie in meinem bildlichen Gedaechtnis fest. Etwas spaeter arbeitete ich dann nachmittags zuhause an einer Seite fuers Kondolenzbuch. Die anderen Schueler waren in der Pause immer spontan dorthin gegangen und haben etwas geschrieben, nein - ich wollte mich nicht von ihnen abheben. Aber ich war meist sehr viel unterwegs und hatte daher kaum Gelegenheit, dort am Buch die Pausen ueber anzustehen; Freistunden hatte ich zu der Zeit nicht. So habe ich alles schon zuhause geschrieben, entworfen, noch etwas dazu gezeichnet, und war dann in einer Pause beim Buch, die Seite einkleben. Bei der Beerdigung war ich nicht, obwohl auch Schueler eingeladen waren (er hat seinen Beruf als Lehrer sehr gemocht, auch nach Rentenbeginn hat er gerne freiwillig AGs geleitet). Stattdessen bin ich wenige Tage spaeter am Samstag mit IHM dort hingegangen. Absurderweise hatte ich genau diesen Friedhof sowieso gerne wieder besuchen wollen, es ist ein sehr schoener, staatlicher. Eine weit gestreckte Landschaft mit vielen Anhoehen und "Taelern", sehr natuerlich, sehr viele schoene Pflanzen. Etwas unschoen fand ichs, dass Herr K. "nur" in einem Urnen-Sammelgrab bestattet wurde, auf einer gruenen Wiese ohne irgendwelche Anmerkungen, also: kein Name, keine Blumen, eigentlich gar nichts. Ich habe die Stelle nur gefunden, weil noch Kraenze herumlagen und mehrere von meiner Schule waren. Ich frage mich, ob er es so wollte, oder ob es finanziell nicht anders ging. Ich hoffe ersteres.

Aber dieser Tag sollte grausiger werden... Ich bemuehte mich also gerade mit dem Fruehstueck, waehrend im Radio herumgeplerrt und mit Vorurteilen um sich geworden wurde. Und die Sprueche meines "Vater"s waren auch nicht sonderlich sinnvoll. Manchmal denke ich mir, viele Dinge auf dieser Welt koennen nur so schlecht sein, wie sies sind, weil Menschen zu wenig Ahnung haben. Denn gerade Vorurteile basieren doch gewoehnlich auf Unwissenheit. Waere die Welt besser, wenn Menschen mehr wissen haetten? Auch die Religion hat zu - meiner Meinung nach - etwas verdrehten Verhaeltnissen gesorgt. Auch die gesamte Auffassung der meisten Menschen, dass lebendiges Leben nicht gleich schuetzenswert sei. Dass Pflanzen bsp nichts empfinden wuerden, nur, weil sie nichts aeussern koennen. Wer weiss das so genau? Wenn wir uns Zellen ansehen, sind sie sich doch erschreckend aehnlich, also wer weiss, ob ein Grashalm, der zertreten wird, nicht auch leidet? Wenn man danach geht, muesste man alles Leben schuetzen und nicht selektieren. Oder man muesste zumindest bewusst sagen, dass man selektiert, und nicht so tun, als sei man - salopp gesagt - "Jesus persoenlich" und wuerde niemandem irgendwie schaden. Man tut es. Ich habe den Weg gewaehlt, dass ich bewusst so lebe und mir nichts vormache. Der Mensch ist ein Tier, ein grausames Tier, die ganze Welt ist im Grunde grausam, weil wir immer und ueberall Mord und Totschlag haben (-> Tierwelt), aber... Ist DAS nicht natuerlich? Doch, ist es. Und wer sich fuer einen natuerlichen Menschen haelt, sollte das nicht missachten.

Und dann begann mein "Vater" auch wieder, mich persoenlich zu nerven :/ Ich sass immernoch am Tisch und "wollte" essen. Da klemmte er mir, weil er neben dem Sofa in einem Karton herum wuehlte, die Haare ein. Ich habe sie natuerlich, weil es weh tat, weggezogen. Da schreit er mich ploetzlich wie bescheuert an: "Bist du dumm?! Wieso ziehst du die Haare weg?! Jetzt hast du mich durcheinander gebracht und ich muss noch einmal von vorn anfangen!" Ich weiss gar nicht, ob ich zu so viel Bloedsinn ueberhaupt etwas sagen muss. "Durcheinander gebracht", weil ich meine Schmerzen beendet hab, weil ich die Haare weggezogen hab... Was fuer ein Schwachsinn... Und nur, weil der Herr "Vater" sich sonst erschreckt, soll ich es also erdulden, wenn man mir mehrere Haare herausreisst und mich nicht dagegen wehren?! Dumme Worte kann ich tolerieren, aber sobald es physisch wird, sei es ein Schlag auf den Ruecken oder ausgerissene Haare, verstehe ich keinen Spass mehr! Also musste ich mich ziemlich zusammen reissen... Waehrenddessen wurde ich weiter beschimpft und die "Musik" im Radio wurde unertraeglich. Ich verschwand ins Bad. Da hoerte ich, dass die Nachbarn mal wieder bohrten. Das samstags um kurz vor 12 Uhr. Gabs nichtmal irgendwann, vor "Jahrhunderten", mal soetwas wie Mittagsruhe?

Auch im Treppenhaus schrieen sie wieder herum, wie bloed. Nichts dagegen, wenn Oma 1 mit Oma 2 herumtratschen muss - meinentwegen! Aber muessen die das zT eine Stunde lang mitten im schallenden Treppenhaus machen, und zwar in einer Lautstaerke, als wuerden sie sonst auf der Baustelle arbeiten und zwischen Presslufthaemmern reden?! Ich verliess die Wohnung... Es war relativ warm. Unschoen waren nur all die poebelnden Asis, im Weg stehenden Personen, dummdreist quatschenden Menschen, Gaffer, Rempler, und all jene, die mit einem riesigen zerrenden Hund durch die Gegend laufen, der staendig Leute anspringt, und den sie nicht im Geringsten unter Kontrolle haben. Solche sind mir allein an diesem Vormittag schon 5(!) begegnet. Also ich finde, man sollte sich, wenn man sich einen Hund kauft, schon so einen halten, den man a) so erzogen hat, dass er andere Menschen sicher in Ruhe laesst, oder b) den man zumindest festhalten kann, DAMIT er andere in Ruhe laesst. Ach ja, selbst im Fall von a) sollte man den Hund notfalls, wenn er doch mal losstuermt, halten koennen. Aber wen wunderts, dass das hier in B. irgendwie nicht klappt... Hier, wo die Menschen sich irgendeinen Hund kaufen, weil sie ihn schoen finden oder weil er als "cool" gilt oder was weiss ich. Ohne, dass sie Ahnung von Hunden haben oder sich informieren, ohne, dass sie sich richtig um den Hund kuemmern, und so kommt es, dass so mancher Irische Wolfshund in einer Zwei-Zimmer-Wohnung herumwuetet und psychische Knackser bekommt. Ein Hund ist eben kein Mode-Accessoire, das einfach da ist und sich willenlos herumfuehren laesst, sondern ein Lebewesen, das man erziehen und um das man sich kuemmern muss.

Ich begab mich zur Post, Luftpostaufkleber besorgen. Die Wartezeit war uebertrieben lang *seufz* Danach wollten wir in 2 Supermaerkte, wobei sich die als solche "Saftlaeden" herausstellten, dass es eigentlich nur Zeitverschwendung war :/ Und problemlos einfach wieder hinaus kam man auch nicht. Derweil war ich dermassen genervt... Laut Anzeige sollten die naechsten Busse dann auch erst um 20 Minuten wieder kommen :/ So sind WIR dann noch in eine Drogerie hinein, ich habe mir etwas Orchideen-Badesalz besorgt und dann mussten wir uns auch beeilen, den gerade einfahrenden (da zu frueh :/ ) Bus noch zu bekommen. Und dann das Gedraengel :/ Von Personen hatte ich heute wirklich schon genug. SEINE Bemerkungen waren aktuell auch ein wenig nervig, aber ich konnte mich dann doch mit der Zeit ganz gut beruhigen. (Was mich bsp oefters nervt, ist SEINE Pingeligkeit... Wehe, irgendwo liegt EIN Staubkorn! Das kann einen zum Teil wahnsinnig machen, wenn er immer an allem herummaekelt... Und dann waren heute auch noch Telefonbuecher bzw das Branchenbuch gekommen. Mit dickem Gutscheinteil vorn. Sehr "interessant": Gleich auf der allerersten Seite strahlten einem schon einmal eine ganze Seite (schaetzungsweise 10 oder 12 Stueck) BORDELLgutscheine entgegen O_o So viele, wie sonst von keinem Laden. Und das gleich beim ersten Aufschlagen, auf der allerersten Seite. Und immer schoen mit nacktem Weib neben dem Text.

Nun kann man sich fragen, welches Kind schon ins Brachenbuch sieht, aber irgendwie find ich das dennoch kritisch. Okay, man kann mich gern fuer pruede halten, denn Kindern sehen UEBERALL Sexuelles, ob das nacktbusige Weib vorn auf der BILD-"Zeitung" oder irgendwelche Werbeplakate fuer Sexmessen... Und hier in B. fahren sogar normale Linienbusse (und nicht wenige!) mit Werbeaufdruck eines Bordells herum. Aber irgendwie bin ich mir dennoch nicht sicher, ob das so gut ist, wenn soetwas ueberall ganz offen beworben wird, ich meine, Kinder sehen es irgendwann und stellen dann auch Fragen. Was soll ein Kind denken, wenn es erfaehrt, dass Sex kaeuflich ist? Gibt das nicht irgendwo einen Schaden in der sexuellen Entwicklung? Das Kind koennte den Eindruck bekommen, dass ALLES einfach kaeuflich sei. Ich meine, natuerlich kann man dem fragenden Kind auch einfach etwas vorluegen, aber Kinder anluegen duerfte auch nicht sonderlich gut sein. Aber fast noch ein Stueck "schwieriger" finde ich die zahlreichen Werbeplakate fuer SM-Messen, die manchmal wirklich ueberall herumhaengen und auch schon "aussagekraeftig" bebildert sind. Nichts gegen BDSM an sich, aber muss ein Kind aufm Schulweg Plakate sehen, wo Frau in "einschlaegiger" Kleidung (die praktisch nichts bedeckt) von Mann in einschlaegiger Kleidung an der Leine gehalten und gepeitscht wird? Was loest das in einer Kinderpsyche aus? Und wegsehen kann man wohl schlecht, wenn die Dinger zT direkt am Schulzaun haengen.

ER war nachmittags einkaufen, ich doeste ein wenig und zeichnete bisschen am PC. Abends waren WIR doch nicht mehr draussen, schade, eigentlich wollten WIR noch ein wenig fotografieren. Es ging schon gegen Mitternacht, ich war totmuede, ER aber nicht :/ Generell war es dieses WE so unglaublich unpassend, dass ER immer schlief, wenn ich mich mal wach fuehlte, und ER aktiv war, wenn ich einfach nur schlafen wollte...

cn P


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