Memoriae Ex Aeterna Nocte

07.11.2007 um 00:59 Uhr

6.11.07, Teil 1

2 Uhr offline. Nebenbei noch zwei Anmerkungen, die mir gestern zu spaet eingefallen waren: 1. SEINE Eltern wollen nun genau in der Woche kommen, in der ER Pruefungen hat (und nun mache man diesen sturen Personen mal klar, dass das kaum geht), 2. Beim Amt ging bisher keiner mehr als Telefon und angerufen hat von denen auch keiner hier. Tja, und - das wusste ich gestern allerdings noch nicht - hat SEINE Sippe da mal angerufen und ihnen die Hoelle heiss gemacht. Das immerhin koennen sie: Menschen terrorisieren. Da waere es nicht schlecht, wenn das mal jemanden treffen wuerde, der wirklich etwas dafuer kann. Zuerst hiess es uebrigens, man koenne nichts unternehmen und vor Allem wisse man von nichts, aber nachdem Schwieger"mutter" drohte, sie wuerde die Presse einschalten, wenn sich nicht binnen 3 Tagen etwas taete, wurde ploetzlich sofort umgeleitet (wobei man die letzten Male immer versicherte, dass das technisch gar nicht ginge!), und nun soll der Rueckruf von ihnen eben noch innerhalb dieser Woche kommen. Ehrlich gesagt, ich finde diese Drohungsmasche laecherlich (zumal man sie gar nicht haette wahr machen koennen), aber es ist schon interessant, dass ein Amt sich ausgerechnet davon draengen laesst (eine Beschwerde an eine hoehere Instanz, die wir auch schon einmal "angemerkt" hatten, hat sie zB nicht interessiert).

Und eine weitere Bemerkung noch, da man meinte, ich wuerde ggf wegen meines "Vaters" ueberreagieren: Es ist ja nun nicht so, dass ich bei einer dummen Bemerkung gleich tobe. Aber dieser "Vater" redet pausenlos auf mich ein, sobald ich irgendwo in Sichtweite bin, und das sind abends immerhin, je nachdem, wie lange ich noch online bin, zwischen 1 und 3 Stunden! Versucht ihr mal, so lange pausenlos dumme, rassistische oder aggressive Sprueche zu ignorieren, oder direkte Beschimpfungen und Unterstellungen euch gegenueber! Eine halbe oder vielleicht auch ganze Stunde ueberhoere ich es. Aber dann irgendwann werde ich auch sauer, weil meine Geduld auch nicht endlos ist! Uebrigens ist es dann auch nicht so, dass ICH herumschreie. Ich sage meistens trotzdem kein Wort. Nur innerlich koche ich und ich beeile mich, hier weg zu kommen, damit ich nicht doch laut schreie. Und dann sitze ich in meinem Zimmer und versuche, mich irgendwie zu beruhigen. Gegenueber anderen Menschen bin ich nicht gewalttaetig. Die einzige Ausnahme, dass ich jemanden schlage, ist, wenn ich selbst physisch(!) angegriffen werde. Da stehe ich natuerlich nicht einfach bloed herum und lasse mich verpruegeln, sondern wehre mich. Aber ich wuerde nie einen Menschen zuerst schlagen, oder generell angreifen, es sei denn, er hat mich schon taetlich angegriffen und es ist absehbar, dass er weitermachen wird. Wenn man sich nicht wert, hoert es schliesslich nie auf.

Um 7:30 stand ich auf und versuchte erst einmal, meine Uebelkeit zu unterdruecken. Eigentlich war alles, wie jeden Morgen... Ich machte mich auf den Weg zur Uni. Da ist heute etwas sehr Merkwuerdiges geschehen: Ich wurde mal wieder ueber maennlich gehalten O_o Zwar nicht fuer einen erwachsenen Mann, aber wohl fuer einen "Heranwachsenden". Ehrlich gesagt erstaunt mich das, weil ich glaube, eigentlich nicht gerade maennlich auszusehen, und es waer mir auch neu, dass Jungen eine Oberweite von ueber 1,20m haetten. Aber wieso wundert es mich; mir ist das vor einigen Jahren auch schonmal passiert. Wobei ich da natuerlich noch relativ kindlich aussah, da koennte man das glatt noch nachvollziehen. Das einzige, was "maennlich" an mir wirken koennte (wobei ich da eher zum Neutrum tendiere ;) ), ist eigentlich meine Kleidung, die schon sehr viel von meiner Figur kaschiert. Und ja, die meisten Menschen, die sich so kleiden, haben, unabhaengig von ihrem Geschlecht, langes Haar. Aber dennoch, mich hats - wie gesagt - gewundert. Andererseits: ER wird alle paar Tage (wenns oft vorkommt, gar taeglich) auch fuer eine Frau gehalten. Das lange blonde Haar, die Figur (schmale Taille, relativ breites Becken, lange Beine)... Bei IHM kann ichs schon eher verstehen. Aber auch nicht ganz. Zumindest anhand des Gesichts sollte man doch erkennen, dass ER keine Frau ist (Und es sind nicht nur mit dem Auto vorbeifahrende Menschen, die pfeifen, hupen, oder irgendwelche dummen Anmachsprueche rufen, wenn sie IHN von Weitem oder von hinten sehen). Aber naja, sobald sie langes Haar sehen, scheint bei einigen Personen einfach das Hirn durchzubrennen, da WOLLEN sie wohl gar nicht mehr wahrnehmen, dass das KEINE Frau sein koennte...

Nicht, dass ich missverstanden werde: Ich habe nichts dagegen, dass Menschen so handeln. ER verantwortet es schon selbst, indem er sich auch feminin kleidet, feminin verhaelt, usw. Ist eigentlich auch ganz lustig, Menschen zu verwirren (Ich bin kindisch, ich weiss :P). Es stoert keinen von uns. Aber ich WUNDERE mich eben nur, dass viele Menschen sich so einfach taeuschen lassen. Denen koennte man wohl auch eine Stange Spargel auf den Teller legen und ihnen sagen, das sei ein Schnitzel, und sie wuerdens glauben... Das Umsteigen heute war die reinste Hektik. Ich muss immer von Bus 1 in Bus 2 umsteigen, nur kommt Bus 2 eine Minute vor Bus 1... Heute hab ichs durch Rennen geschafft, ihn noch zu bekommen. Sonst haette ich 10 Minuten warten muessen :/ Irgendwie schon daemlich, diese Planung von den Verkehrsbetrieben. Und absurd: Allein durch Umsteigeprobleme kann meine Fahrtzeit zur Uni insgesamt um ca 30 Minuten variieren. Das ist schon enorm. Ach ja, und natuerlich standen wieder etliche Menschen genau im Weg, was das Umsteigen noch erschwerte. Nicht nur auf dem Hinweg, sondern auch auf dem Rueckweg, wo ich Bus und Bahn aber mit viel Glueck dennoch immer erwischte. Und die gesamte Fahrt zur Uni ueber hatte ich wieder eine hektische Kindergartengruppe im Bus, die die "Erzieher" absolut gar nicht beaufsichtigt haben. Schlecht auch fuer die Sicherheit der Kinder sebst.

Frueher war ich meinem Alter immer vorraus. Das klingt sicher eitel, aber es war so: Ich war koerperlich schneller in der Pubertaet, ich habe schneller gelernt, mehr Wissen gehabt, als Gleichaltrige, und hatte Hobbies, die bei anderen auch erst Jahre spaeter Thema wurden. Das ist natuerlich nicht unbedingt besser, es ist einfach anders (es ist genauso positiv, wenn jemand eine lange, schoene Kindheit hat). Und um dieses "anders" gehts mir, um nichts weiter... Wenn ich mich heute hingegen beobachte, dann bin ich gar nicht so anders, als ich es von 20-Jaehrigen erwarten wuerde. Vielleicht taeusche ich mich auch. Okay, ich sehe immer wieder Leute, die gar aelter sind, als ich, und die mir vorkommen, als seien sie gerade aus dem Kindergarten entflohen (aber dann bilden sie sich weiss ich was ein). Nein, Kindliches ist NICHT schlecht! Nur ein Erwachsener in einem bestimmten Alter soll auch Verantwortung kennen, argumentieren koennen, kompromissbereit sein, usw. Wenn das fehlt, ist das sehrwohl hinderlich. Ich frag mich wirklich immer wieder, ob die Entwicklung bei mir schon aufgehoert hat ;) Eine zeitlang ist es ja richtig gerast, im Moment hingegen erkenne ich kaum grundlegende Veraenderungen. Aber irgendwann muss ja wohl auch Schluss mit der Charakterentwicklung sein.

Ich versuchte, mir mal allen moeglichen und unmoeglichen Gedanken die lange Fahrtzeit zu vertreiben. Die meisten kann ich gar nicht mehr wiedergeben, weil sie schnell auch wieder aus meinem Kopf verschwunden waren. Ich musste aber wieder an Thailand denken, das weiss ich sicher. Wie ich Gebetsmuehlen gedreht habe, gepilgert bin, Tuerme aufgestiegen bin, in Tempelanlagen. Alle paar Etagen ein Gongschlag und ein Gebet. Die letzten Etagen "zur Vollkommenheit" konnten von Erwachsenen gar nicht mehr betreten werden (eigentlich eine schoene Symbolik). Selbst ich als Kind musste kniend dort hinauf klettern. Mein "Vater" hatte wohl unten gewartet. Meine "Mutter" ueberliess mir die letzten Stufen allein, weil sies nicht mehr schaffte. Ich hingegen hatte kaum ein Problem, dabei war ich gerade mal 6 Jahre alt und die tausenden von Stufen duerften fuer meine Beine doch gerade noch anstrengender gewesen sein. Aber ich hatte Ehrgeiz und auf irgendeine Art hat das auch "Spass" gemacht. Und dann bin ich allein hinauf und habe die oberste Glocke gelaeutet. Ich habe deutlich gefuehlt, dass es etwas Besonderes war. Uebrigens sollte ich in meiner Kindheit auch mal fuer einige Zeit ins Kloster, was aber scheiterte, da ich mich weigerte. (Nur zur Info: In bestimmten asiatischen Laedern ist es normal, dass Kinder immer fuer eine oder wenige Wochen ins Kloster gehen, um dort zu lernen; danach gehen sie ganz "normal" in die Familie zurueck) Aber ehrlich gesagt: Ich bin heute noch froh, dass ichs nicht getan habe! Die Zeit mit meiner "Mutter" war sowieso irgendwie zu kurz. So hatte ich sie einen Monat laenger, wenigstens.

Ich bin ganz ehrlich: Eigentlich waers schon nicht uebel gewesen, "richtige" Eltern gehabt zu haben. Eine zeitlang war meine "Mutter" auch gar nicht so schlimm - wobei sie schon aggressiv und SEHR streng war. Aber nun empfinde ich in die Richtung eigentlich gar nichts mehr. Fuer mich ist es etwas, was abgeschlossen wurde, und woran man doch sowieso nichts aendern kann. Psychologen meinen doch immer, mit bestimmten ungluecklichen Dingen abzuschliessen, sei wichtig ;) Frueher, als ich in Thailand war, waren wir viel im gesamten Land unterwegs. Auf Bergen konnte man auf grosse Palast- und Tempelanlagen hinab blicken. Mit knapp 4 Jahren hatte ich irgendwie eine Vorliebe fuer Krematorien. Klingt sicher seltsam, aber ich fand sie aeusserlich immer so schoen, und als meine "Mutter" mir erklaerte, was das ueberhaupt fuer Gebaeude seien, da fragte ich mich zuerst nur, wieso man denn Menschen verbrennen sollte, und wenn sie tot sind. Aber ich habe - in dem Alter schon - die Erklaerung meiner "Mutter" akzeptiert: Wenn Menschen es durch ihren Glauben so wuenschen, dann schaden sie damit ja niemandem, dann sollen sie doch machen, was sie moechten. Erstaunlich, wenn ich mir das jetzt mal bewusst mache - wie viel ich als Kind schon wusste, wie frueh ich einige Dinge erfuhr, wie liberal ich mit vielem umging. Uebrigens: In dem Alter duerfte ich auch das erste Mal von Bi- und Homosexuellen gehoert haben. Meine "Mutter" hatte einen schwulen Bekannten und fuer mich war es nie ein Tabu, sondern immer ganz selbstverstaendlich, dass es eben auch Maenner gibt, die Maenner lieben, und Frauen, die Frauen lieben, und Menschen, denen das Geschlecht der Person, die sie lieben, egal ist. Wieso kann es bei den meisten Menschen nicht auch so selbstverstaendlich sein?

cn P


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