Memoriae Ex Aeterna Nocte

08.09.2007 um 01:17 Uhr

Das Christentum und die Homophobie

Ich finde es aeusserst erschreckend, wie die meisten Christen auch heute noch offiziell (nicht als Einzelpersonen, sondern als Gemeinden) Homosexualitaet als Suende bezeichnen und sie in einem Zug mit Mord, Vergewaltigung und Raub nennen, und zwar nicht nur verbal in einen Topf werfen, sondern auch deutlich ausfuehrend, dass alle diese 4 Dinge gleich schlimm seien. Angefuehrt werden immer dieselben Bibelverse, die in mir fast den Anschein erwecken, diverse Apostel seien selbst "verkappte Homosexuelle" gewesen, die glauben, ihre Neigung verstecken zu koennen, indem sie sich als scheinbar heterosexuell darstellen und Homosexualitaet verdammen. Mal abgesehen davon, dass ich es persoenlich sehr unlogisch finde, einem einzigen Buch aus Menschenhand (das nachweislich ueber die Jahrhunderte immer wieder nach gusto der Herrschenden veraendert wurde) alles blind zu glauben, und zu behaupten, es sei "Gottes Wort". Aber dass die streng Religioesen blind glauben, das akzeptiere ich langsam... Nur finde ich diese Ablehnung von Homosexuellen, vor Allem, sie mit Moerdern und anderen Kriminellen, die Menschen schaden, absolut ekelhaft und unsozial. Schliesslich schadet ein Homosexueller niemandem.

Und wie passt das alles eigentlich mit der Tugend der Naechstenliebe zusammen? Solle man nicht sogar seinen "Feind" respektieren? Respekt sieht fuer mich anders aus, als Homosexuelle manchmal gar zu Tieren zu degradieren und ihnen jegliche Rechte abzusprechen. Es gibt bekanntlich mehr als eine Institution fuer homosexuelle, glaeubige Christen, was ich gut finde (schliesslich sollte auch ein Homosexueller seinen Glauben leben duerfen!), allerdings wird diesen Organisationen durch die "richtigen" Kirchen immer wieder Kontra geboten, und zwar mir schoen aus dem Zusammenhang gerissenen Bibel-Zitaten. Wobei man erwaehnen muss - leider muss man nicht unbedingt pfuschen, um solche Zitate auszugraben, denn in der Bibel stehen so einige Dinge, die ich verabscheuungswuerdig finde. Denn es wird, neben Anfeindungen zu anderen Gruppen, der Glaube vermittelt, man koenne so viel rauben, toeten und vergewaltigen, wie man moechte, solange man dabei ein toller Christ sei und damit Gott irgendetwas Gutes taete. Der eine oder andere wird sicherlich das Zitat kennen, dass man die Unglaeubigen vernichten, brennen, stechen, usw, sollte, da sie minderwertige Nicht-Christen seien.

Interessant im Zusammenhang Kirche-Homosexualitaet habe ich zufaellig diese Website gefunden: http://www.efg-hohenstaufenstr.de/downloads/bibel/homosexualitaet_und_bibel.htm . Einige Argumente der Institution "Homosexuelle und Kirche" finde ich ehrlich auch etwas unguenstig gewaehlt, aber die Reaktionen darauf sind wirklich die Hoehe. Da heisst es, Homosexualitaet sei "mit Gottes Hilfe heilbar", Homosexualitaet sei eine Geisteskrankheit, "Wer ganz allgemein Sünde gut heißt, steht unter Gottes Fluch (Jes 5,20). Sehe ich Sünde bei einem anderen Christen, soll ich ihn zurechtweisen (Mt 18,15-17). Sünde hat die Tendenz sich auszubreiten und muss deshalb innerhalb einer Gemeinschaft gerichtet werden (1Kor 5,6.7). Wer als Christ einen homosexuellen Lebensstil praktiziert, der sollte wissen, daß er das Reich Gottes nicht erben wird (1Kor 6,9.10)." Auch "interessant": "Liebe ist nicht immer gut. Jesus weist in Mt 10,37 darauf hin, dass natürliche Liebe der Beziehung zu Gott im Wege stehen kann. Liebe ist nicht genug, um eine Beziehung zu rechtfertigen. Das unverheiratete christliche Paar mag sehr verliebt sein, aber ihr sexueller Verkehr vor der Ehe bleibt ein Fall von Unzucht."" - Wobei ich glaube, wenn es einen Jesus gab und dieser je etwas zu diesem Thema gesagt haben sollte, meinte er damit nur, dass man nicht mit etlichen Menschen "herumhuren" sollte und dass man treu bleiben soll. Wenn zwei Menschen einander lieben und einander dabei treu sind, wuesste ich nicht, wieso ein Gott etwas dagegen haben sollte.

Oder wieso haette Gott, der ja angeblich die Menschen schuf, sonst die Liebe erschaffen? Theoretisch muesste er auch die Homosexualitaet erschaffen haben... Aber das Gottesbild vieler Menschen erscheint mir sowieso seltsam. Wenns passt, heisst es, alles wurde von Gott allein geschaffen, denn er sei allmaechtig. Wenn es jedoch nicht passt (bei Dingen, die als "schlecht" gelten), behauptet man schnell, Gott habe darauf gar keinen Einfluss, da seien nur die Menschen schuld. Was denn nun? "All"maechtig - nur, wenns gerade fuer unsere ideologische Propaganda passt? ;) Auch sehr "interessant" finde ich die Ausfuehrungen dieser Gemeinschaft, was die Ursachen von Homosexualitaet betrifft. Da werden alle Klischees aufgefahren: Mal abgesehen davon, dass es natuerlich nur um maennliche Homosexuelle geht, und nicht um Lesben (Ach, Frauen sind sowieso unwichtig, ueber die muss man nicht reden! - Das klingt aber irgendwie auch schwul ;) ), ist Homosexualitaet natuerlich nie angeboren oder irgendwie "einfach so" entstanden, sondern immer eine Folge unchristlicher Erziehung.

Diese unchristliche Erziehung sei zum Beispiel dann gegeben, wenn die Mutter in der Familie das Sagen haette oder weibische Triebe des Jungen nicht schnell genug unterdrueckt worden waeren (spraeche das Vorhandensein dieser Triebe denn nicht gerade fuer etwas Angeborenes?), oder wenn das Kind Minderwertigkeitskomplexe bekommen haette, oder wenn der Vater sich nicht maennlich genug benaehme. Weiter werden diverse gesellschaftliche Faktoren genannt, die man sich mal auf der Zunge zergehen lassen muss (das, liebe Menschheit, sind die boesen satanischen Dinge, die unsere heile christliche Welt zerstoeren!): die Verweiblichung des Mannes (als Beispiel werden lange Haare genannt, dabei glaube ich, in biblischen Zeiten war diese Frisur fuer Maenner normal - und wie sah nochmal Jesus aus? *zyn*) und die Vermaennlichung der Frau (zb durch das Tragen von Hosen und die Arbeit in maennlichen Berufen oder generell Taetigkeit in Sport, Politik oder Wissenschaft - da haben wirs also wieder: Frauen sollen nur Roecke tragen und gefaelligst am Herd stehen), die Abnahme der Wertschaetzung der Ehe, Feministinnen (die so boese sind, dass Maenner vor ihnen Angst bekommen und daher schwul werden - boese, boese selbstbewusste Frauen! Die arbeiten ja sogar in Maennerberufen, pfui Teufel! *zyn*)...

Des Weiteren die Akzeptanz von Homosexualitaet durch die Medien und Gesellschaft (Welch Dekadenz!) und diverse psychische Krankheiten, die Homosexualitaet quasi als "Folge-" oder "Nebenkrankheit" haben. Das wird dann durch einen Wissenschaftler, der mit veralteten Quellen von 1800nochwas(!) arbeitet (wer Quellen mit dem Alter ohne Kritik akzeptiert, koennte heute noch an Alchemie glauben und daran, dass Maedchen durch "feuchte Winde" waehrend der Schwangerschaft entstehen), "belegt", laecherliches Zitat: "Homosexualität ist eine psychische Krankheit, eine emotionale Störung mit psychologischer Ursache (Neurose), die durch Erlebnisse in der Kindheit ausgelöst wird. Der homosexuelle Neurotiker wird geprägt von einem zwanghaften Selbstmitleid, das sich verselbständigt hat (Autopsychodrama). Dieses Selbstmitleid ist der auslösende Faktor der Homosexualität." Ausserdem wird verallgemeinert, Homosexuelle seien alle untreu und Paedophile alle homosexuell. Und schoen schliesst der Text mit dem Satz: "Somit sind die Homosexuellen nicht unverschuldet Leidende, sondern Menschen, die durch ihre Ablehnung Gottes und ihre Selbstvergötzung ihr Verhängnis selbst bestimmt haben." Ich moechte keinem Christen damit auf den Schlips treten, aber so ein Denken erinnert mich uebel an die Nazi-Zeit, in der Homosexuelle wegen ihrer Liebe gequaelt und ermordet wurden! Ich moechte gar nicht wissen, wie viele anti-homosexuelle Extremisten sich diese unmenschlichen, perversen Zustaende zurueck wuenschen.

cn P


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