Normal? "Die sexuelle Entwicklung des Kindes"
Stimmung: Wie vorhin.
Musik: Aeltere Lieder von Nightwish.
Viele Leser wissen wahrscheinlich, dass ich mir dann und wann gerne diverse Studien oder "Experten"meinungen durchlese, selten zufrieden bin, manchmal einfach nur verwirrt bis sogar aergerlich. Beispielsweise, wenn anerkannte, von Laien geschaetzte, Menschen Bloedsinn erzaehlen. In diesem Fall hier weiss ich nicht, was "normal" und was "unnormal" ist, ich weiss nicht, ob ich es berechtigterweise seltsam finde, ob der Text oder ob ich "krank" bin. Ich kann nur meine Meinung darlegen... Es geht um folgenden Artikel:
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_Aktuelles/a_Kindliche_Entwicklung/s_1514.html
Es faengt ja schon damit an, dass ich, und das kann ich mit reinem Gewissen sagen, wenn ich an meine Kindheit zurueck denke, weitaus weniger sexuell war, als es in diesem Artikel beschrieben wird (Und ich kenne viele Menschen, denen es genauso geht). Ich kann natuerlich nicht sicher sagen, ob ich nicht mit 1 Jahr ueberall an meinem Koerper herumgetastet habe, das weiss ich einfach nicht mehr. Aber wenn ich an an Sexualitaet angrenzende Situationen aus meiner Kindheit zurueck denke... Ich weiss, ich kann damals gar nicht so sexuell orientiert gewesen sein, denn ich erkenne erst heute den sexuellen Wert des Geschehnisses und bemerke somit rueckblickend, dass ich damals GAR KEIN sexuelles Empfinden hatte! Es ist nicht beschoenigend, es ist einfach so. Irgendwie wirkt mir das ganze Menschenbild der Autorin des Artikels uebersexualisiert (Wahrscheinlich Freudianerin? :/ ).
So wuerde ich bei vorkindlichen Erfahrungen von Toenen und Waerme nicht von Sexualitaet sprechen. Auch, wenn ich heute noch gute Musik hoere (Muss nicht unbedingt klassische Musik sein, auch, wenn das immer "alle" behaupten - Ich habe auch schon kleine Kinder und auch Haustiere gesehen, die Rockmusik schoen fanden) - Ich habe dabei doch kein sexuelles Empfinden und das war auch frueher nicht so. Das Milchtrinken an der Mutterbrust ist meiner Meinung nach auch nicht sexuell erfuellend fuer das Kind, sondern positiv, weil es das Durstgefuehl stillt. Sonst wuerde das Kind ja auch beim Anblick einer weiblichen Brust schon sexuell erregt sein, und das kommt mir auch etwas seltsam vor.
Weiter geht es, dass Kinder schon sehr frueh eine "sexuelle Identitaet" entwickeln, indem sie sich mit ihren Geschlechtsorganen beschaeftigen... Bin ich gestoert, weil ich mich nicht darum gekuemmert habe, dass ich ein Maedchen bin, sondern einfach mein Ding gelebt habe und bsp. auch nicht nur, um in das weibliche Rollenbild zu fallen, mit Puppen, u.ae. gespielt habe? Ich habe einfach getan, was mir gefiel. Junge oder Maedchen - Fuer mich war das nie sonderlich interessant, Mensch war Mensch. (Natuerlich wusste ich, dass es Maenner und Frauen gibt und dass sie verschieden sind, nur was sollte mich das interessieren, wenn ich mir beispielsweise Spielgefaehrten suche?). Und dann diese Aussagen, das Kind wuerde mit seinen Ausscheidungen spielen... Aehm... Ist es normal, dass Kinder immer nackt herumlaufen?! Ich weiss, dass ich wenigstens Windeln, spaeter Unterwaesche, trug. Da gabs gar kein Herumspielen... Und ich denke nicht, dass es mir geschadet hat. Auch habe ich nie irgendwelche Doktorspiele mit anderen Kindern gemacht, allein schon, weil ich gewoehnlich nicht nackt mit anderen nackten Kindern zusammen war. Das ergab sich allein kurz vor meiner Einschulung beim Schwimmunterricht in der Gruppenumkleidekabine. Aber auch da redete man nicht so darueber, sondern eher ueber den Unterricht oder ueber Hobbies, und man begrapschte sich auch nicht gegenseitig... Und ja, ich war da 4 oder 5 Jahre alt, in dem Alter also, in dem man laut Frau Expertin genau diese Dinge tut.
Ich war auch nie eifersuechtig auf meine Mutter oder sexuell angezogen von meinem Vater (Und auch, wenn es heisst, die zukuenftigen Partner wuerden dem gleichgeschlechtlichen Elternteil aehneln - Das ist bei mir auch nicht der Fall und ich WEISS, dass ich meinen Partner attraktiv finde, auch, wenn er nicht aussieht, wie jemand aus meiner Sippe), und im Kindergartenalter habe ich Worte wie, ich will Frau Expertin zitieren, "ficken" oder "Moese" auch nicht in den Mund genommen! Ich weiss ja nicht, ob ich altmodisch bin, aber ich finde solche Begriffe bei Kindergartenkindern definitiv NICHT normal... Weiter wird gewarnt, den Kindern das "Maerchen vom Klapperstorch" zu erzaehlen, da sie spaeter erfahren wuerden, dass das gelogen sei und sich dann von den Eltern hintergangen fuehlten... Und ich wette, Frau Expertin erzaehlte ihnen Kinder (Wenn sie ueberhaupt Kinder hat! Oft reden "Experten" gerade ueber Dinge, zu denen sie eignetlich keinerlei persoenlichen Bezug haben) immer vom Weihnachtsmann, obwohl das im Grunde genau dieselbe Enttaeuschung ist, wenn die Kinder erst einmal aelter sind... Aber wer redet ueberhaupt noch vom Klapperstorch?!
Dann heisst es, alle Menschen, die mit ihren Eltern nicht oft ueber Sex gesprochen haben, seien spaeter verklemmt und liebesunfaehig. Aehm... Mit meinen Eltern wurde eigentlich NIE ueber Sex gesprochen, ja, SIE sind schon ein wenig verklemmt in dieser Hinsicht, aber ich denke nicht, dass ich dadurch nicht faehig zu einer Beziehung bin. Ich lebe mit IHM nun bald 4 Jahre zusammen und alles laeuft bestens. Und ich gehoere auch nicht zu den Leuten, die anfangen, zu stammeln, wenn irgendwo das Wort "Sex" faellt. Sonst wuerde ich dies hier nicht schreiben oder? Sicher, mich stoert es, dass Sex in der Gesellschaft ueberbetont ist, seinen Wert verloren hat, zur Ware verkommen ist... Aber ist das verklemmt? Ist es nicht eher Unzufriedenheit ueber die Oberflaechlichkeit vieler Menschen? Mich stoert nicht der Sex als Handlung, sondern die Emotionslosigkeit, Gleichgueltigkeit, der Egoismus, die Hauptmentalitaet eines grossen Teiles der Gesellschaft. Dazu kommen Krankheiten, aber da wuerde ich nun zu weit abschweifen.
Ich finde nicht, dass ich krank bin, nur, weil ich nicht war, wie in dem Text ein "gesundes" Kind beschrieben wird. Okay, ich kam frueher in die Pubertaet (Bin nun einmal koerperlich fruehreif, mit knapp 8 Jahren fing es an), bin vielleicht trotzdem nicht so "stuermisch" gewesen wie andere Jugendliche... Statt wie einige 13-Jaehrige schon Torschlusspanik zu bekommen und dringend Sex haben zu wollen (Nur weil alle ebenfalls 13-jaehrigen Freundinnen behaupten, schon Sex gehabt zu haben - Aber zu 75% auch nur luegen, weil sie "cool" wirken wollen - Die Medien machens immer vor), habe ich gewartet, bis ich die Person gefunden habe, mit der ich wirklich etwas INTIMES teilen moechte. Denn Sexualitaet ist fuer mich schon etwas Besonderes. Nein, nichts "Verbotenes", "Ungewoehnliches" oder was auch immer. Aber dennoch etwas, was ich nicht mit JEDEM, sondern nur mit emotionell sehr nahe stehenden Personen, teilen moechte. Das ist einfach meine Entscheidung.
Und ich denke nicht, dass ich darum pruede bin. Viele moegen das jetzt so sehen, gerade, wenn ich einfach mal darauf verweise, dass Sex fuer mich nicht alles im Leben ist. Oft hoert man dann so dumme Sprueche wie "Du hattest bloss noch keinen guten Sex" - Irrtum, meine Damen und Herren. Was Haeufigkeit und Praktiken betrifft, meine ich, ist das alles, wie bei vielen anderen Angelegenheiten im Leben, eine gewisse "Geschmackssache". KEINER ist krank, weil er mehr oder weniger haeufig Sex haben moechte, als der "Durchschnittsmensch". Wenn Menschen asexuell sind, ist das meiner Meinung nach auch normal. Wo Leute, bleibt eure Toleranz?! Gerne erklaert man jeden zum Kranken, der nicht ist, wie der Durchschnitt. Aber koennte nicht vielleicht auch der Durchschnitt krank sein? Masse ist kein Garant fuer Richtigkeit oder Wahrheit. Im 3. Reich hat auch die MASSE der NSDAP zugejubelt... Richtig war es trotzdem nicht.
cn P


Heute geht das alles viel lockerer zu, aber man muß sich nicht alles Geschriebene zu eigen machen