Memoriae Ex Aeterna Nocte

28.11.2005 um 00:21 Uhr

Sonntag, 1. Teil

Ich wurde frueh wach, hatte jedoch nie Lust, aufzustehen. Als ich mich letztendlich dazu zwingen musste, war es zwischen 10 und 11 Uhr. IHN zu wecken, war noch schwerer. Lust hatte ich natuerlich noch immer nicht, aber ich sah die Politikklausur vom Dienstag vor mir... Dafuer wuerde ich noch dringend lernen muessen, da gaebe es keine Widerworte. Zuerst aber kuemmerte ich mich um die Planung jener Heiligenikone, die ich fuer SEINE Mutter zu Weihnachten anfertigen will. Ich weiss nicht, ob es die Muehe wert ist, um ehrlich zu sein, mag ich diese Frau auch nicht sonderlich (Sie ist eine strikte Esoterikanhaengerin und haelt sich fuer eine Hexe... Fuer mich als eher rationale Person ist soetwas natuerlich nicht gerade sympathisch), aber immerhin soll ich von ihr eine Digitalkamera bekommen, und wenn sie mir eine Freude macht, kann ich ihr doch auch eine machen, oder? Und sowieso reizt mich die Ikonenmalerei irgendwie... Ich finde die Dinger ja irgendwie primitiv, aber immerhin sind sie dadurch auch nicht mehr so schwer ;) Eine Holztafel hatten WIR gestern schon besorgt, Acrylfarben habe ich, nun muessen WIR uns wohl nur noch nach Blattgold oder irgendwelche Goldspitzendinger aus Papier umsehen... Ich bin gespannt, was es wird. Es wird auf jeden Fall aufwaendig, aber dieser Herausforderung stelle ich mich. Nun aber sollte ich mich lieber um die ernsteren Dinge des Lebens kuemmern. So packte ich, sehr widerwillig, die Politiksachen aus, und begann, den Ordner zusammenzufassen. Das gelang nicht... Ich hoerte immer wieder auf. Und ich war noch immer oder wieder so verdammt muede, ich schaffte es nicht, wenige Minuten am Stueck in meine Aufzeichnungen zu sehen, ich verstand schnell den Sinn des ganzen nicht mehr, und dann verschomm alles vor meinen Augen. Es ging so nicht weiter, aber was sollte ich tun?

Ich sah IHM eine Weile zu, dann doeste und dann schlief ich wieder... So zog es sich eine ziemlich lange Zeit. Dann folgte irgendwann das Mittagessen, danach schlief ich wieder, dann kam ich wieder in eine depressive Phase... Eine sehr depressive. ER hatte den Fehler gemacht, mich darauf anzusprechen, dass ich mich laengst fuer einen Ausbildungsplatz haette bewerben muessen, was ich bislang aber einfach noch nicht tun konnte, denn ich war so gut wie jeden Tag mit Klausuren und aehnlichem Mist beschaeftigt. Aber da ging es den meisten Mitschuelern auch absolut nicht anders... Wieder begannen meine Gedanken, negativer zu werden. 1. Hatte ich noch keine Bewerbung an irgendwen geschrieben. 2. Wuesste ich auch nicht, wo ich mich ueberhaupt bewerben sollte! Gemeinsam mit IHM begann ich, alles schwarz zu reden, und sowieso, es wuerde alles nichts bringen, und am besten sei es immernoch, wenn ich meine Traeume vom Sprung uebers Brueckengelaender wahr machen wuerde. Das kalte, schwarze Wasser unter mir... Die Kaelte auf der Haut, den Wind. SIE an meiner Seite... Ich halte ihre Hand, lasse ploetzlich los und springe. Ich komme nicht mehr an die Oberflaeche. Diese Erinnerungen an den Februar 2003... Ich denke, diese Bilder haben sich sehr tief in mein Gedaechtnis gebrannt. Immer wieder sehe ich dieses tiefe, schwarze Wasser vor und unter mir... Immer wieder... Das eiserne Gelaender mit den Kreuzen... Der schwarze Himmel... Die Wolken, Sterne, diese Kaelte... SIE lacht. Ich springe. Ich komme von den Gedanken, wenn ich gerade sehr schlecht gelaunt bin, kaum mehr ab... Aber schliesslich weiss ich, dass das wirkliche Leben, das jetzige Leben, anders aussieht. Ich darf nicht springen und ich werde es auch nicht. Die Traeume, vielleicht Alptraeume, bleiben.

Meine Stimmung konnte sich nicht mehr bessern. Ich stopfte mich mit Schokolade voll, dann versuchte ich, zu schlafen, dann, weiterzulernen. Es ging einfach nicht vorwaerts, auch ER konnte nichts tun. Ich sah mich verloren... Aber stimmt es denn nicht auch? Ich persoenlich denke oft, ich wuerde lieber gar nicht arbeiten, als mein Leben lang eine Arbeit machen zu muessen, die ich hasse. Und was mag ich schon... In der Kunst taetig zu sein? Oh, wenn da nur solche Deppen sind, wie meine Kunstlehrerin, nein danke... Und wenn ich diesen Mist schon immer hoere, man koenne nur Kuenstler sein, wenn man eine Kunsthochschule besucht hat... So ein Schwachsinn! Es gibt selbst unfaehige Kunsthochschueler, und ich kenne sehr viele Leute, die einfach super sind, und die nie so einen Mist besucht haben. Um Schoepfer zu sein, muss man keine Schule besuchen. Man kann Talent nicht lernen. Diese Kunsthochschulen scheinen nur Fachidioten wie meine Kunstlehrerin und Konsorten herzustellen. Dorthin? Nein danke... Aber was soll ich denn mchen? Ich sehe nichts. Alles ist dunkel. Aber... Wenn ich denn gar nichts machen wuerde, wuerde es nicht nur mit meinen, sondern auch mit SEINEN Eltern extrem Aerger geben... Das ist wohl der einzige Grund, wieso ich ueberhaupt nach einer Arbeit suchen werde. Wenn ich das Leben auch hasse. Wenn das Leben wohl auch nichts fuer mich ist. Wieso koennte ich nicht einfach gluecklich sein, nicht einfach fuer IHN leben? Nein einfach MEIN Leben leben? Ich tue doch niemandem etwas. Ich will nur frei fuer mich sein, meinen Willen und meine bescheidenen Traeume leben duerfen, und fuer IHN da sein... Mehr will ich nicht im Leben. Ich will keinen Reichtum, ich will keinen Ruhm. Ich will nur ich sein - Und ueberleben.

cn P


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