Sonntag, 1. Teil
Ich sah IHM eine Weile zu, dann doeste und dann schlief ich wieder... So zog es sich eine ziemlich lange Zeit. Dann folgte irgendwann das Mittagessen, danach schlief ich wieder, dann kam ich wieder in eine depressive Phase... Eine sehr depressive. ER hatte den Fehler gemacht, mich darauf anzusprechen, dass ich mich laengst fuer einen Ausbildungsplatz haette bewerben muessen, was ich bislang aber einfach noch nicht tun konnte, denn ich war so gut wie jeden Tag mit Klausuren und aehnlichem Mist beschaeftigt. Aber da ging es den meisten Mitschuelern auch absolut nicht anders... Wieder begannen meine Gedanken, negativer zu werden. 1. Hatte ich noch keine Bewerbung an irgendwen geschrieben. 2. Wuesste ich auch nicht, wo ich mich ueberhaupt bewerben sollte! Gemeinsam mit IHM begann ich, alles schwarz zu reden, und sowieso, es wuerde alles nichts bringen, und am besten sei es immernoch, wenn ich meine Traeume vom Sprung uebers Brueckengelaender wahr machen wuerde. Das kalte, schwarze Wasser unter mir... Die Kaelte auf der Haut, den Wind. SIE an meiner Seite... Ich halte ihre Hand, lasse ploetzlich los und springe. Ich komme nicht mehr an die Oberflaeche. Diese Erinnerungen an den Februar 2003... Ich denke, diese Bilder haben sich sehr tief in mein Gedaechtnis gebrannt. Immer wieder sehe ich dieses tiefe, schwarze Wasser vor und unter mir... Immer wieder... Das eiserne Gelaender mit den Kreuzen... Der schwarze Himmel... Die Wolken, Sterne, diese Kaelte... SIE lacht. Ich springe. Ich komme von den Gedanken, wenn ich gerade sehr schlecht gelaunt bin, kaum mehr ab... Aber schliesslich weiss ich, dass das wirkliche Leben, das jetzige Leben, anders aussieht. Ich darf nicht springen und ich werde es auch nicht. Die Traeume, vielleicht Alptraeume, bleiben.
Meine Stimmung konnte sich nicht mehr bessern. Ich stopfte mich mit Schokolade voll, dann versuchte ich, zu schlafen, dann, weiterzulernen. Es ging einfach nicht vorwaerts, auch ER konnte nichts tun. Ich sah mich verloren... Aber stimmt es denn nicht auch? Ich persoenlich denke oft, ich wuerde lieber gar nicht arbeiten, als mein Leben lang eine Arbeit machen zu muessen, die ich hasse. Und was mag ich schon... In der Kunst taetig zu sein? Oh, wenn da nur solche Deppen sind, wie meine Kunstlehrerin, nein danke... Und wenn ich diesen Mist schon immer hoere, man koenne nur Kuenstler sein, wenn man eine Kunsthochschule besucht hat... So ein Schwachsinn! Es gibt selbst unfaehige Kunsthochschueler, und ich kenne sehr viele Leute, die einfach super sind, und die nie so einen Mist besucht haben. Um Schoepfer zu sein, muss man keine Schule besuchen. Man kann Talent nicht lernen. Diese Kunsthochschulen scheinen nur Fachidioten wie meine Kunstlehrerin und Konsorten herzustellen. Dorthin? Nein danke... Aber was soll ich denn mchen? Ich sehe nichts. Alles ist dunkel. Aber... Wenn ich denn gar nichts machen wuerde, wuerde es nicht nur mit meinen, sondern auch mit SEINEN Eltern extrem Aerger geben... Das ist wohl der einzige Grund, wieso ich ueberhaupt nach einer Arbeit suchen werde. Wenn ich das Leben auch hasse. Wenn das Leben wohl auch nichts fuer mich ist. Wieso koennte ich nicht einfach gluecklich sein, nicht einfach fuer IHN leben? Nein einfach MEIN Leben leben? Ich tue doch niemandem etwas. Ich will nur frei fuer mich sein, meinen Willen und meine bescheidenen Traeume leben duerfen, und fuer IHN da sein... Mehr will ich nicht im Leben. Ich will keinen Reichtum, ich will keinen Ruhm. Ich will nur ich sein - Und ueberleben.
cn P

