Paris, Tag 0 und 1
Abends in S. losgegangen... Ein sehr nebliger Nachmittag, die Sonne stand als wollweisse Scheibe am hellgrauen Himmel. Die Wolken hatten merkwuerdige Formen. Wir fuhren zum Bahnhof, das erste Unglueck geschah, als ein Gurt vom Koffer riss. Dann gabs Zugverspaetung... Wir kamen dennoch puenktlich am Busbahnhof an. Schnell wurde das Gepaeck eingeladen, um 19:15 stieg noch einmal jemand verspaetet dazu, dann gings los. Der Bus war relativ voll. Wir fuhren waehrend eines atemberaubenden Sonnenuntergangs erst einmal ins eher unspektakulaere Magdeburg. Danach gings nach Hannover, wo wir gegen 23 Uhr ankamen. Naechste Haltestelle... Die Gegenden sahen bisher eher unschoen aus, Plattenbauten, Beton, in Naehe des Hannoverschen ZOBs schien sich ausserdem das Rotlichtviertel zu befinden... Gegen halb Mitternacht machten wir noch einmal Rast an einer Raststaette, die eigentlich schon geschlossen war :/ Es brachte also gar nichts, ausser, dass ich mir bei der Kaelte draussen den Magen verkuehlte. Die restliche Nacht hatte ich also schreckliche Magenbeschwerden/schmerzen und kruemmte mich nur so auf meinem Sitz. Ich wuenschte mir, ich waere zuhause geblieben, und die erbaermlich stinkende, aber bei Durchfall unumgaengliche, Bustoilette machte es auch nicht besser. Mir graute es schon vor der Rueckfahrt... Wieder gut 14 Stunden, bei Stau mehr, um das Ziel zu erreichen. Wir fuhren durch das Ruhrgebiet, auch naechtlich sehr interessant anzusehen (ich war noch nie vorher da). Allgemein sah man trotz der Dunkelheit einiges Interessantes... Dann gerieten wir dummerweise nahe Duisburg in einen Stau, und spaeter, kurz nach der niederlaendischen Grenze, in eine Grenzkontrolle, die die Weiterfahrt wieder um ca 30 Minuten verzoegerte. Es ging durch Venlo und Tilburg nach Antwerpen, wo wir um ca 5 Uhr morgens eintrafen. Die Stadt machte auch bei naechtlicher Beleuchtung eine Menge her... Dummerweise bekam ich die Einfahrt in die Stadt nicht mit, weil ich da fuer eine Weile eingeschlafen war. So auch wieder kurz nach Einbruch der Daemmerung. Wach wurde ich wieder, als es schon hell war... Die Sonne stand als blutrote Scheibe am komplett weissen(!) Himmel, die gesamte Landschaft war in Nebel und unwirklich erscheinendes Licht getaucht. Links und rechts sah man weite Felder mit wenigen, niedrigen Bueschen, in der Entfernung Doerfer mit kleinen Einfamilienhaeusern und fuer die Dorfgroesse ziemlich grosszuegige, prunkvolle Kirchen. Mit zugehoerigen Friedhoefen: kaum eine Pflanze, Steinplatte neben Steinplatte. Nun hatte ich in einer Nacht also schon drei Laender besucht, die ich vorher noch nicht einmal von Weitem gesehen hatte.
Tag 1:
Wir kamen in Paris an. Das sollte Europas modernster Busbahnhof sein? O_O Diese gammelige Halle war schon einmal eine unangenehme Ueberraschung. Zuerst dachten wir, es sei vielleicht ein Provisorium, da in der Gegend viele Baustellen waren und auch viele Strassen gesperrt wurden, aber das war wohl tatsaechlich der richtige Bahnhof... Grauenvoll versiffter, dunkelgrauer, riffeliger Beton. Da standen wir nun in einer fremden Stadt. Einen Fahrkartenschalter fanden wir schnell. Die Fahrkarte fuer die laufende Woche war einige Euros teurer, als erwartet, aber verglichen mit B. immernoch guenstig, ca 16 EUR pro Person. Sprachlich klappte alles gut, und das, obwohl ich die franzoesische Sprache schon in der Schule weder sehr gut konnte noch ueberhaupt leiden konnte, weshalb ich das Fach auch schon mit Beginn der 11. Klasse abwaehlte (oder wars doch erst die 12.?) - jedenfalls habe ich sie seit Jahren nicht mehr benutzt, habe aber trotzdem alles verstanden, was man sagte, und auch jedes einzelne Schild. Es gab wirklich keinerlei Probleme. Das Bahnnetz, das viele Leute angeblich verwirrt, bereitete uns auch keine Schwierigkeiten, viel anders als das von B. ist es nicht. Allein die Bahnhoefe an sich sind etwas umstaendlich, es gibt kaum Rolltreppen, was den Transport von Koffern erschwerte, durch die Drehkreuze kam man aber gut durch. Leider liegen Gleise meist sehr weit von einander weg, und man muss unnoetig oft Treppen hinauf und hinunter laufen, um von einem zum anderen zu gelangen. Einige Bahnhoefe machten einen grauenvoll gammeligen Eindruck. Wir fuhren also in Richtung Hotel, wobei wir unser Zimmer erst in einigen Stunden empfangen durften. Wie wir das Hotel selbst empfanden, habe ich ja schon geschrieben, aber daran konnte man jetzt auch nichts mehr aendern, man konnte nicht schnell eine Alternative finden. Durften dann dort unser Gepaeck abstellen und sind dann erst einmal durch die Gegend gelaufen. In die "Dorf"kirche (wir waren in einem Ort vor Paris - der aber schon sehr(!) staedtisch wirkte), wo wir dann die viele betenden Glaeubigen aber nicht stoeren wollten. Dann sassen wir noch in diversen Parks herum, bis es zu ungemuetlich wurde. Schauten uns einige Laeden von aussen an. Und gingen dann auf den nahe gelegenen aeltesten Tierfriedhof der Welt. Der war zwar nett anzusehen, aber sehr klein und dafuer Eintritt zu verlangen, war auch etwas dreist, aber wenn man einmal da ist, dann kann man das Geld auch mal ausgeben, man kommt ja vorraussichtlich nie mehr dort hin... Und jetzt habe ich ja meine Fotos, die ich euch auch nicht vorenthalten werde. Insgesamt haben wir diesen Urlaub uebrigens fast 2500 Fotos gemacht, davon ueber 1000 von Pere Lachaise. Der Friedhof war wohl auch das Highlight des Urlaubs... Wenn es auch etwas seltsam erscheint, fuer einen Friedhof 30 Stunden im Bus zu hocken und so weit weg zu fahren. Aber wir waren ja nicht NUR deswegen dort... Uebrigens reichte das Geld sehr gut, wir haben zum Schluss sogar fast 100 EUR weniger ausgegeben, als berechnet. Dafuer haben wir auch keinen Absinth besorgt und ausser Postkarten und paar Kerzen aus diversen Kirchen keine Souvenirs erworben. Es lief allgemein anders, als erwartet... Nachdem wir noch eine Weile herumgesessen hatten, bekamen wir unser Zimmer. Haben erst einmal eine Weile geschlafen, uns dann was Waermeres angezogen und sind dann einfach mal in die Innenstadt gefahren. Eigentlich wollten wir zu einem Einkaufszentrum, haben das aber nicht gefunden. Dafuer etliche alte, sehr fotogene, Gebaeude, die wir dann auch abliefen. So spazierten wir schliesslich im Dunkeln an der Seine entlang, machten Nachtaufnahmen von Notre Dame, und fuhren dann gegen 23 Uhr wieder zum Hotel. Wobei wir uns vorher verliefen :/ Es gammelten zwar einige Grueppchen Jugendlicher dort herum, aber keiner hat auch nur ein Wort gesagt, geschweige denn gepoebelt. Im Hotel wars schoen ruhig, noch hatten wir ja keine Nachbarn, dann sahen wir noch ein wenig fern, wollten eigentlich noch den naechsten Tag planen, aber ich war ziemlich schnell eingeschlafen.
Restliche Teile folgen.
cn P

