Die Wohnung nachts verlassen... Ein dunkelblauer Himmel, nicht das Gelb, Rot oder Hellblau der letzten Tage. Starker Wind. Eisige Kaelte. Oder bilde ich mir das nur ein, weil ich lange nicht mehr draussen war? Ein Bus kam tatsaechlich puenktlich. Und in R. bluehten, zu meinem Erstaunen, nun wirklich schon alle Kirschbaeume. Und es waren seltsame Geraeusche zu hoeren, die ich einfach nicht orten konnte. Und dann ueberflog mich, um diese Uhrzeit, im kompletten Dunkel, eine Gruppe Wildgaense. Aber einige Besoffene lungerten trotz der Temperaturen wieder an den Bushaltestellen herum. Einige Dinge aendern sich nie. Das musste ich, als ich wieder "Zuhause" ankam, noch deutlicher bemerken.
Ueber meinem Bett hingen zwei Weberspinnen, im Bad liefen mehrere ueber den Boden, als ich das Licht anschaltete. Ekelhaft. Also daran wird sich wohl nie etwas aendern. Dann bekam ich Herrn "Vater" zu sehen. Was soll ich sagen? Obwohl das duemmliche Gerede und aggressive Gemecker von vor 14 Tagen fast vergessen waere, haette ich nicht noch Ueberreste dessen in meinem elektronischen Notizbuch stehen, koennte ich jetzt mit meiner Genervtheit nahtlos daran anknuepfen. Denn schon wieder wird nur duemmlich herumgemotzt, aggressiv gegen Juden angeschrieen, wirre Behauptungen verbreitet, willkuerlich Leute beschimpft. Das bisher einzig Erfreuliche daran, dass die Busse wieder fahren, ist, dass ich endlich zu einem Briefkasten gekommen bin. Sonst waere ich in S. wahrscheinlich besser aufgehoben, zumindest haette ich mir diesen ganzen Stress, den ich mir jetzt seit gut einer halben Stunde wieder antun muss, dann gespart.
Aber es sind nicht nur Aggressionen, Senilitaet oder neunmalkluges Besserwissen... Wobei ich vielleicht anmerken sollte, dass er vorhin tatsaechlich zugegeben hat, mir nicht zugehoert zu haben, und das von sich aus! Aber worauf ich eigentlich hinaus wollte... Nein, nicht darauf, dass die Tastatur hier so kaputt ist, dass ich kaum einen Satz ohne grossen Aufwand und staendige Korrekturen, weil diverse Buchstaben immer wieder ausfallen, schreiben kann... Nein; evtl gibt es schon bald wieder Streik und wieder wird nichts mehr fahren. Aemter werden schliessen, die Post wird nicht befoerdert (na toll...), Muellabfuhr und Wasserwerke sind sowieso laengst menschenleer. Was soll noch kommen? Wie kann es sein, dass Menschen, ohne jegliches Verantwortungsgefuehl gegenueber der Gesellschaft, einfach aus Geldgier eine ganze Stadt lahm legen koennen? Das ist Erpressung mit Geiselnahme, mehr nicht. Und ich muss am 20.3. zur Uni kommen, und vor Allem wieder regulaer, taeglich ab dem 14.4. - da beginnt mein 4. Semester (das wahrscheinlich genauso erfolglos wird, wie die bisherigen - aber das ist eine andere Sache).
Wobei ich ehrlich sagen muss, dass mich das Studium auch belastet. Ich sehe, ich kriege es nicht wirklich hin, Profs agieren willkuerlich, ganze Kurse fallen komplett durch, und wen sie aus irgendwelchen Gruenden nicht leiden koennen, kann sich sowieso gleich abmelden, weil er nie eine Hausarbeit als bestanden bewertet bekommen wird. Ohne Begruendung geben sie einem mal eben eine 5 und man darf sehen, wo man bleibt. Zudem darf man sich auch andauernd irgendwelche Beschuldigungen und Vorwuerfe anhoeren, wie, dass man zu faul sei oder sich nicht genuegend Muehe geben wuerde, nur, weil man einen Streik im Nacken hat, und sagt, man kann deswegen nicht kommen - dann machen sie es einem zum Vorwurf, dass man nicht das Taxi nimmt! Da kann ich 1000x sagen, ich habe nicht das Geld, mich taeglich fuer 70 Euro durch die gesamte Stadt hin und zurueck kutschieren zu lassen (Ich muss von 4 - VIER!!! - Euro pro Tag leben! Das soll ein Prof mit Mercedes und Designertaeschchen doch mal nachmachen!). Dann heisst es, wer kein Geld habe, duerfe eben nicht studieren, Pech gehabt.
Endweder es ist Dreistigkeit, oder Eitelkeit, oder sie haben keine Ahnung von der Realitaet und koennen sich nicht in die Lage eines anderen, finanziell nicht so beguenstigten, Menschen versetzen. Leider tippe ich auf Ersteres, wahrscheinlich sind sie auch noch selbstherrlich-erfreut, wenn sie sehen, wie viel besser als so ein armer, erbaermlicher Student sie es doch haben. Und leider habe ich dann auch noch die andere Front am Hals, die "liebe" Sippe, die verlangt, dass ich unbedingt studiere. Kein Studium - gar kein Geld, also muss ich da irgendwie durch... Ich kann so oft sagen, wie ich will, dass das keinen Sinn macht und dass ich aufhoeren will, nein, "Du studierst gefaelligst, sonst haettest du gleich nach der Hauptschule Putzfrau werden koennen und haettest dir die Jahre bis zum Abitur gespart!" Das musste ich mir mehrfach anhoeren. Mit dem Zusatz, dann wuerde ich wenigstens schon seit dem 15. Lebensjahr Geld verdienen und waere so wenigstens zu etwas nuetzlich. Die Person zaehlt hier doch nicht... Und vorhin habe ich auch die Immatrikulationsbescheinigung vom 4. Semester vor die Nase gehalten bekommen und wurde ermahnt, ich solle mir gefaelligst endlich ein Praktikum suchen, weil ich das ja auch noch machen muesse. Ich wuerde am liebsten alles hinschmeissen.
Es klingt sicher wenig emanzipiert, aber ich habe eine tiefe seelische Tendenz, dass WIR zueinander halten, und ich bin mir sicher, da ER einen "ordendlichen" Beruf ergreifen wird, wird ER unsere "Familie" ernaehren koennen, ohne mein Zubrot. Natuerlich will ich nicht nichts tun und bloss herumsitzen, aber wenn ER ein abgeschlossenes Studium und einen demnach "hohen" Beruf hat - dann muss ich nicht zu viel verdienen und kann ruhig einen "bloedsinnigen" Beruf ergreifen - Reichtum brauchen wir nicht, hauptsache, es reicht zum Leben - darin sind wir uns einig. Wir brauchen nur einen Hauptverdiener, wie es so "schoen" heisst, und dann koennte ich doch einfach das tun, was ich am liebsten will... Nein, das EINZIGE, was ich wirklich will: Kuenstlerin werden. Ich glaube, einen normalen Beruf ergreifen koennte ich sowieso nicht. Wahrscheinlich wuerde ich sowieso gemobbt werden oder nach zwei Tagen rausfliegen, ER meint auch, ohne mir damit zu nahe treten zu wollen, ich sei zu individuell-separatistisch. ER hat in seiner Ausbildung verschiedenste Betriebe kennen gelernt, und an allen, ausser einem einzigen, wollte man bloss bedingungslose - Entschuldigung - Arschkriecher haben, wer nicht schleimig-arschkriecherisch genug war, wurde sowieso sofort schikaniert.
Nun weiss ich ja, dass man nicht unbedingt dominierend sein sollte, sich mit anderen Menschen anlegen sollte, etc. Ich kann auch still sein, ich kann auch einfach bloss meine Arbeit tun - und zwar verantwortungsvoll. Das Arbeiten ist nicht das Problem, das Loesen von Aufgaben. Nur scheinen sie zu erwarten, dass man staendig herumschleimt, irgendwelche Kennenlernfeten besucht, sich staendig lobt, besonders die hoeher Gestellten, obwohl es eigentlich gar nichts zu loben gibt. Eine Trennung zwischen Beruf und Privatleben scheint in bestimmten Bereichen unerwuenscht zu sein. Sie glauben wohl, man koenne am Besten arbeiten, wenn man mit allem und jedem befreundet sei. Nun bin ich ein Mensch, der sehr kritisch ist, und der als wirkliche Freunde nur Menschen annimmt, bei denen ich mir 100%ig sicher bin, dass sie charakterlich meinem Bild entsprechen, weil ich keine Lust habe, staendig mit ihnen herumzustreiten. Freundschaften sind bei mir rar, aber darauf angelegt, SEHR LANGE anzuhalten. Streitereien ueber Nichtigkeiten mag ich nicht. Daraus folgt, dass ich den meisten Menschen gegenueber neutral und hoeflich bin, dass ich einfach meine Arbeit tue und im Bereich der Zusammenarbeit produktiv kooperativ vorgehe. Aber auf die Idee, mit irgendwelchen Menschen, mit denen ich einfach so in eine Gruppe geworfen wurde, herumzulaestern oder in die Kneipe zu gehen, mich irgendwie ausserhalb der Arbeit zu beschaeftigen - darauf kaeme ich nicht, es sei denn, diese Personen waeren so geartet, dass ich mich mit ihnen anfreunden WOELLTE - das ist selten.
Und da haben wir das Mobbingproblem... Wenn man sich nicht mit ihnen zusammenrottet, tun sies untereinander, und hacken auf die ein, die nicht zu ihnen gehoeren. Die Wahrscheinlichkeit fuer mich, auf jemanden zu treffen, den ich wirklich mag, ist wohl auch relativ gering. Kein Wunder, wenn man sehr eigene Denkweisen und Interessen hat. "Normalos" (sag ich mal pauschalisierend - bitte nicht zu ernst nehmen), die Pop-Musik hoeren, sich ueber Schauspieler das Maul zerreissen, Frauen, die ueber Makeup und Mode schwafeln, Maenner, die nur ueber Autos und Fussball reden - davon gibt es Millionen. Die Wahrscheinlichkeit, dass solche aufeinander treffen, ist doch sehr gross, weil es eben Unmengen davon gibt. Aber wo sollte ICH jemanden treffen, der MEINE Interessen teilt? Sicher nicht durch Zufall an irgendeinem Arbeitsplatz. Aber mich anpassen werde ich definitiv nicht - schliesslich ist das 1. mein Charakter, 2. meine Privatangelegenheit, und ich bin der Meinung, Beruf ist Beruf, Hobby Hobby - und meine Freizeit lasse ich mir von niemandem verbieten. Ich hoffe, man konnte meinen Gedankengaengen folgen.
Um zurueck zum Thema zu kommen: Ich weiss, 99% aller Menschen finden es sicher blauaeugig, dass ich mich so auf eine Zukunft mit IHM verlasse. Ich sage einfach mal eitel, und mach mich gern damit unsympathisch: Die Beziehung kann ausser den Involvierten ohnehin keiner nachvollziehen, kann keiner verstehen, und auch niemand weiss, wie die Gefuehle fuereinander aussehen. Ich persoenlich habe das Gefuehl, dass eine Trennung nicht moeglich ist. Ich wuerde ihn nur verlassen, wenn er etwas "wirklich Schlimmes" taete, und da bin ich sehr unempfindlich... Die Wahrscheinlichkeit, dass er also etwas taete, was ich so grauenvoll faende, dass ich ihn verlassen wuerde, ist also sehr gering. ER koennte mich sitzen lassen, natuerlich. Aber auch da halte ich die Wahrscheinlichkeit fuer gering. Vielleicht, weil er sich fuer die meisten Menschen nicht ein bisschen interessiert. Waere ich nicht da, waere wohl niemand da, und IHN stoerte es nicht. Wir leben einfach zusammen, als haetten wir gar keine andere Wahl, und wir sind zufrieden damit. Habe ich schon einmal erwaehnt, dass WIR andauernd fuer Geschwister gehalten werden? Viele Menschen behaupten ja, Familienbande hielten ewig (was ich persoenlich nicht bestaetigen kann, aber ich bin ja auch eine verwirrte Irre ;) ) - wieso also nicht auch eine nichtfamiliaere Beziehung?
Eine interessante Frage waere, ob man vor 50 oder 100 Jahren auch so herumgeunkt haette. Oder ist es der Zeitgeist, dass man staendig von gescheiterten Beziehungen, Scheidungen etc, konfrontiert ist, und dass man daher gar nicht mehr daran glaubt, dass eine Beziehung auch jahrelang funktionieren kann? Gerade bei meinem Alter glauben es die meisten nicht. Sie WOLLEN es auch gar nicht glauben. Aber was haette bloss eine 80-jaehrige Oma Hilde (oder sonstwer) gesagt? Viele aeltere Leute sind seit Jahrzehnten verheiratet. Und manche lieben einander noch, ueber all die Jahre. Ob diese auch sagen wuerden, eine Ehe/Beziehung kann nicht auf Dauer gut gehen? Es ist wohl immer eine Frage der persoenlichen Erfahrungen. Am 1.4.08 sind es hier uebrigens die ersten 5 Jahre. Beim Alter von 21 Jahren ganz beachtlich, denke ich. Ein Ende ist nicht in Sicht - wieso sollte auch? Ja, ich weiss, Menschen veraendern sich, WIR haben uns auch veraendert, und passen immernoch zueinander. Es gibt natuerlich keine Garantie, dass das ewig so weitergeht. Und dann stuende ich in 20 Jahren vielleicht ohne richtigen Beruf ploetzlich auf der Strasse. Aber DANN kann man immernoch verzweifeln... Erst sollte man versuchen, das Leben so zu leben, wie man es WILL - so lange wie moeglich. Plaene aendern kann man dann auch noch.
Was ich taete, wuerde ich nun nicht studieren? Allein das ist utopisch, da Herr "Vater" mich dann umbringen wuerde, und tot arbeitets sich schlecht ;) Was ich bisher nur in kleinem privaten Rahmen gemacht habe, und was mir leicht fiel und oft Freude machte, liesse sich sicher auch kommerziell machen: An- und Verkauf von Antiquitaeten, Online-Aktivitaeten, Webdesign, etc, Kunst anfertigen und verkaufen, ggf auch Seifensiederei, Parfuemherstellung (bisher nur fuer den eigenen Gebrauch), evtl schriftstellerische Taetigkeit, oder meine Bilder verkaufen... Ich hab ja schon viele Anfragen bekommen, bezueglich meiner Fotos als Postkartenmotiv. Generell waere Online-Handel wohl ganz "nett"... Ansonsten koennte ich mir auch kleinere Hilfstaetigkeiten in der Nachbarschaft vorstellen - wobei man soetwas heute ja gerne gelernten "Experten" anvertraut. Obwohl ich glaube, dass soetwas doch auch den Zusammenhalt zwischen Nachbarn staerken wuerde... Ich habe frueher schon alten Frauen die Tueten getragen oder bin fuer sie einkaufen gegangen, aber das war eher spontane Hilfsbereitschaft ohne Hintergedanken. Und Geld gabs gewoehnlich auch nicht.
Ach ja, und falls es doch eher in Richtung "normaler Beruf" gehen sollte: Fotografie waere eine interessante Richtung, oder irgendetwas Journalistisches (ich weiss, dazu muesste man ggf. Publizistik studieren - an meiner Uni wurden in dem Fach pro Semester 30 Leute angenommen, bei gut 4000 Bewerbern - der am Schlimmsten ueberlaufene Kurs an der gesamten Uni - wieso, weiss ich auch nicht). Oder, sehen wir es doch mal ganz naiv, aber dafuer nicht weniger logisch: Es gibt Millionen von Menschen, die kein abgeschlossenes Studium haben. Und sie leben auch. Also kann es so schlimm doch nicht sein, kein abgeschlossenes Studium zu haben. (Meine "Eltern" hatten/haben uebrigens beide "nur" einen Realschulabschluss und sind beide trotzdem nicht arm).
cn P