Memoriae Ex Aeterna Nocte

18.10.2008 um 16:51 Uhr

Herbsterinnerungen an einen beinahen Tod

Es ist ein Herbsttag, das Licht wie damals, wie an jenem Tag, an dem ich fast starb. Das war am 19. September 2000 gewesen. Es waere eine Mischung aus Selbstueberschaetzung, Unglueck und technischem Versagen gewesen. Wenn ich daran zurueckdenke, bin ich nicht ungluecklich - es ist sogar ein melancholisches Gefuehl. Ich weiss, das ist "anormal". Natuerlich war es nicht schoen, was geschah, was haette geschehen koennen, und die Folgeschaeden und -zeit ebenfalls nicht. Aber dass man es ueberlebt hat, macht einen schon gluecklich, und ich finde die Erfahrung im Nachhinein fuer mein Leben doch interessant. Es war am 1. Tag einer Klassenreise nach B. im Norden gewesen, wir machten eine Radtour... Gut, "Radrennen" haette man es auch nennen koennen, das Tempo war enorm. Das ueber holperige Landstrassen. Huegel hinauf und hinab. Ich hatte an einer Stelle so beschleunigt, wie noch nie, den Wind ueber die Haut streifen zu spueren, war schon ziemlich angenehm. Das an sich war ja noch nicht das Fatale; das war die Tatsache, dass ein spitzer Stein aus der unbetonierten staubigen Strasse herausragte, an dem mein Vorderrad sich so verhakte, dass die Speichen durchbrachen und... aehm... nunja, ich sass noch mehrere Sekunden auf dem kaputten Rad und versuchte, zu bremsen... Dann brach noch mehr durch und ich machte einen huebschen Flug mehrere Meter durch die Luft... Ein angenehmes Gefuehl (ich bin sowieso fasziniert davon, wuerde auch Bungee oder Fallschirm springen, wenn es nicht so riskant waer - Nervenkitzel interessiert mich nicht, nur das Gefuehl des freien Falls). Ich war so sorglos, wie kaum sonst. Es hatte sich, schon als ich merkte, nicht bremsen zu koennen, das Gefuehl in mir ausgebreitet, ich wuerde nun wohl sterben, das binnen einem Bruchteil einer Sekunde, und danach genoss ich bloss noch den Flug. Ich weiss, das klingt makaber. Aber ich dachte, es waere sowieso aus, habe mich sofort abgefunden, hatte keinerlei Angst... So ruhig zu sein, das erlebe ich selten. Ruhig sein - ja, aber nicht so sehr, wie damals. Denn, wenn man weiss, es kommt nichts mehr, muss man sich auch ueber nichts mehr Gedanken machen.

Als ich aufschlug, noch ein ganzes Stueck ueber die Strasse schlitterte, wurde ich erst einmal bewusstlos. Ich weiss nicht, wie lange es dauerte, bis ich wieder erwachte, jedenfalls lag ich seitlich auf der Strasse, aber so verdreht, dass ich in den blauen Himmel mit Schaefchenwoelkchen sah, ins grelle, gleissende Licht. Mir lief Blut in die Augen. Ich versuchte, es zu verwischen, bekam dabei aber nur noch mehr von den Haenden ins Gesicht. Ich sah mir meine zerrissene Kleidung an, tastete nach meinen Zaehnen, was mir irgendwie am meisten Sorgen machte, schaute, wo sich ueberall offene Wunden befanden, soweit grob ersichtlich. Ziemlich viel Blut floss aus meiner linken Schlaefe und von meinen Lippen, was weniger schoen war. Ich stand auf, um zu sehen, ob irgendwo Hilfe zu holen waere. Die kam erst nach laengerer Zeit, rannte mir hysterisch entgegen und forderte mich auf, mich hinzusetzen. Dabei konnte ich problemlos stehen. Dann kamen noch ein paar Personen, eine wurde kreidebleich, weil sie kein Blut sehen konnte, und die anderen waren auch vollkommen entsetzt. Einmal kollabierte ich dann noch. Schmerzen habe ich kaum gespuert, es waren wohl so starke, dass mein Koerper sie nicht mehr verarbeiten konnte. Wie schlimm es eigentlich war, sah ich erst im Krankenhaus, als ich mit Desinfektionsmittel eingerieben wurde und Bandagen bekam. Dafuer waren die Schmerzen wirklich gering. Aber generell funktionierten nun meine Emotionen nicht mehr richtig, und schliesslich bekam ich auch noch Dissoziationen, dh, Persoenlichkeitsabspaltungen. In manchen Situationen war es mir, als wuerde mein Koerper allein handeln und reden, und ich hatte keinen Einfluss darauf und konnte nur zusehen. Das war das Erschreckendste am ganzen Unfall, aber zum Glueck war ich es nach einigen Monaten los. So ist es wohl, wenn ein Koerper in Not ist... Er schaltet um und funktioniert nur noch "automatisch", wenn die Schmerzen anders nicht mehr zu verkraften waeren.

Die Schaeden an Fahrzeug und Kleidung habe ich erst einige Tage spaeter gesehen. Vom Rad war insgesamt wirklich nicht mehr viel uebrig. Und ohne Helm waere wahrscheinlich meine halbe Schaedeldecke weg gewesen. Zudem haette ich mir, wenn das nicht geschehen waere, um ein Haar das Genick gebrochen, waere ich bloss wenige Zentimeter anders aufgeschlagen. Glueck gehabt. Darueber bin ich froh.

Auf was fuer Erinnerungen einen einsame Herbsttage so bringen... Naja, wenigstens kann ich mir sicher sein, dass der Zufall noch was mit mir vor hat (3x dem Tod vonner Schippe gesprungen - zum einen obiger Unfall, zum anderen hatte ich in Thailand mal ein schweres Tropenfieber und wurde zu einem anderen Datum auch mal fast von einer Giftschlange im Garten meiner Grosseltern gebissen - toll). ;)

cn P

15.04.2008 um 00:29 Uhr

Keine Kindheit

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Kindheit, Familie, Gewalt, Erinnerung

Heute Streik im Einzelhandel. Sind wir eigentlich noch ein stabiler Staat, oder schon eine Bananenrepublik? 1:30 offline, konnte mir das daemliche Gelaber nicht mehr anhoeren. Zahnfleischschmerzen gehabt. Natuerlich entzuende ich mir aktuell alles moegliche sehr schnell, weil das gesamte Immunsystem nicht wirklich funktioniert. Wieder an einige Dinge, an die ich mich kaum mehr erinnern konnte, zurueck gedacht. Wie meine "Mutter" von meinem "Vater" vollkommen zusammengeschrieen verschwunden ist, dann zu einem neuen Lebensgefaehrten gezogen ist, an jenem 1. Tag wurde ich mitgenommen, irgendwohin, aber weil ich zur Schule sollte, war ich ab dem Folgetag wieder in R. bei meinem "Vater". Dann war meine "Mutter" hier und wollte ihre Sachen holen, mein "Vater" hat ihr nicht geoeffnet und die Sachen lose ins Treppenhaus geworfen. Ein andern Mal kam sie mit ihrem Lebensgefaehrten, weil mein "Vater" einige teure Wertsachen, vor Allem ihren Schmuck, nicht herausruecken wollte. Natuerlich gab es eine Pruegelei. Wer angefangen hat, weiss ich nicht. Auf jeden Fall hat meine "Mutter" so die Nerven verloren, dass sie mit mehreren Glasflaschen geworfen hat, weil sie meinte, so koennte sie die beiden trennen. Was fuer Idioten. Was fuer "Eltern", die nicht ohne Gewalt auskommen.

Dann war die Polizei da. Ich konnte noch nie Aufregung leiden, habe mich also unter dem Bett versteckt und mich gar nicht erst sehen lassen. Trotzdem wurde ich dann paarmal zu irgendwelchen Zeugenverhoeren gebracht. Schliesslich stellte sich die Frage, ob meine "Mutter" wegen versuchten Mordes angezeigt werden sollte, natuerlich KOENNTE jemand daran sterben, wenn er eine Flasche an den Kopf bekommt, aber als Mordversuch wuerde ich das nicht bezeichnen. Mein "Vater" zog die Anzeige im letzten Augenblick zurueck. Eine so genannte "Mutter" habe ich dann monatelang nicht mehr gesehen. Dann gabs obligatorische Psychologenbesuche, obwohl ich eigentlich gar keine Probleme mit dem hatte, was geschehen war. Ich halte bloss nicht viel von "Eltern", die sich nicht wie halbwegs gesittete Menschen benehmen koennen. Aber ich weiss nicht, was an diesem Denken krank sein soll. Eigentlich war mir alles, was geschah, egal. Hauptsache, ich hatte meine Ruhe, konnte meinen Alltag in der Schule irgendwie durchleben und dann nachmittags bis zum Abendessen in meinem Zimmer sitzen. Und danach bisschen fern sehen oder lesen, und dann schlafen. Mehr wollte ich nicht, aber sogar das war wohl zu viel verlangt. Als alles begann, war ich gerade 6 oder 7 Jahre alt.

Dann kam man auf die Idee, dass ich alle 2 Wochen fuer ein WE zu meiner "Mutter" muesse. Habe ich dann auch gemacht. Eigentlich nicht so gern. Fremde Umgebung, fremde Menschen, keine Rueckzugsmoeglichkeit. Aber das interessierte niemanden, Kontakt zu beiden "Eltern" diene ja immer dem "Wohl des Kindes". Und so ging es jahrelang. Als ich 18 war, bin ich nur noch ab und zu dorthin gegangen. Eigentlich wollte mein "Vater" es mir, weil er es nicht mehr zulassen musste, sogar verbieten, aber das war mir egal. Dann zog ER hierher, ich glaube, damals war ich 19. Seitdem bin ich sowieso staendig bei IHM, wenn meine "Mutter" mich mal sehen wollte, sind wir gemeinsam hingegangen. Immer seltener. Dann manchmal monatelang nicht. Jetzt habe ich sie seit letztem Herbst nicht mehr gesehen und vielleicht ist sie ganz weg. Wie lange noch, bis es auch mein "Vater" ist? Bis ich endlich einfach zu IHM kann und meine Ruhe habe?

Ich wollte das einfach mal schreiben. Ich hatte wirklich eine alles Andere als "normale" Kindheit.

cn P

13.12.2007 um 12:34 Uhr

Manchmal ist es schoen...

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Blog, Erinnerung, Friedhof, Winter

Manchmal ist es schoen, durch Zufaelle auf alte Erinnerungen gestossen zu werden. Oder auf Erinnerungen an Erinnerungen. Geschehen heute, als ich ueber google einen alten Blogeintrag von mir selbst fand...

"Das Wetter ist aehnlich, vielleicht sogar ein wenig waermer, als damals, vor 677 Tagen. Es ist sonnig, man hoert leichten Wind. Die ganzen Erinnerungen wurden wieder wach, die Kaelte jener Friedhofsbank am Abend genauso wie jener Nachmittag, an dem wir am S* auf dem neuen Friedhofsteil auf bestimmter Bank, direkt unter einer Birke, sassen, und langsam begann, warmer Sommerregen niederzuspruehen. Ich will nicht naeher auf meine Eindruecke eingehen. Es war alles wieder da, auch diese ganzen Empfindungen, und die Frage, wieso war es so gekommen, wie es gekommen war? Wieso hatten wir dieses oder jenes nicht gewagt? Und dann die Erinnerung an... Die erste Zeit mit meiner Schwester. Mein erster Friedhofswinter, dieser ist der 3. Damals, vor ueber 3 Jahren, begann das alles, exzessiv zu werden. Frueher frequentierte ich Gottesaecker immer nur, wenn sich die Gelegenheit bot, wenn ich an einem vorbei gekommen war... Im Winter 2002 aenderte sich all dies, seitdem fuehle ich mich krank, wenn ich mal einen Monat lang keinen betreten darf. Dann jener Tag, wo wir nach meiner Arbeit auf dem Amt noch umherzogen... Oder wie ich als mein Vater im Krankenhaus lag, lange Zeit in der Kirche am S* herumsass, oder am staedtischen Friedhof Blumen brach [Anmerkung: natuerlich nur auf Gruenflaechen, wo sie wild wuchsen, nicht das Eigentum fremder Menschen - bevor hier einer etwas Falsches denkt!]. Oder vor einem Jahr, als der S* komplett vereist war und ich beim Nebel am Engel der Auferstehung vorbei in Richtung Ausgang lief, den Abhang hinunter, und ueberall brannten Lichter im Weiss."

- 5.2.2005

Wie sich Dinge aendern...

cn P

 

01.11.2007 um 14:18 Uhr

Wieso ich Jugendaemter hasse

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Erinnerung, Liebe, Stress

Bin heute ein wenig vergesslich, aber ein Thema moechte ich doch noch anschneiden... Heute demonstrieren wohl Jugendamt-Mitarbeiter fuer kuerzere Arbeitszeiten, da sie ja nie Freizeit haetten und ihre eigenen Familien zu kurz kaemen. Ach ja? Ich habe andere Erfahrungen mit dem Jugendamt gemacht!

Zum einen wurde man eigentlich staendig abgewimmelt (nach dem Motto: "wenn das Kind (damit meine ich jetzt nicht einen Menschen im Kindesalter, sondern auch Jugendliche, eben vereinfachend jeden, der bei seien Eltern lebt) nicht regelmaessig geschlagen wird, ist es ja nicht schlimm"), zum anderen war meine persoenliche Beraterin immer im Urlaub. Staendig, wenn ich angefragt habe, wegen akuten Vorfaellen. Statt sich dann einen anderen Berater fuer mich zu suchen, hiess es bloss, dann muesse ich halt die 2-3 Wochen warten, bis die Beraterin wieder zurueck ist. Sag das mal zB einem Kind, das taeglich m*ssbraucht wird!

Ich will jetzt gar nicht mehr mit einigen anderen merkwuerdigen Erlebnissen mit ihnen anfangen, auf jeden Fall habe ich wirklich nur schlechte Erfahrungen gemacht. Allein schon die Tatsache, dass sie einem Minderjaehrigen angeblich nicht helfen koennen, ohne die Eltern mit einzubeziehen. Mir haben sie auch gesagt, ich koenne nicht in ein Frauenhaus oder zum betreuten Wohnen, da muessten sie erstmal meine Eltern anrufen und fragen, ob das okay sei. Bitte - was soll dieser Bloedsinn denn? Wenn einen eine Tracht Pruegel erwartet, wenn die Eltern ueberhaupt nur heraus bekommen, dass man beim Jugendamt war...

Aber zwei Faelle will ich dann doch noch praezisieren... Zum einen meine 1. Beratung, und zum anderen meine letzte (wobei ich danach noch einmal angerufen hatte, um etwas zu fragen, sie mich aber gleich abgelehnt haben, mit der Begruendung, ich sei doch vor wenigen Tagen 18 geworden und daher seien sie nicht mehr fuer mich zustaendig).

1. Die gesamte Beratung will ich nicht wiedergeben, nicht schon wieder... Sie geschah im Herbst 2004 (Oktober?) und muesste auch in diesem Blog zu lesen sein, direkt an jenem Tag geschrieben. Auf jeden Fall endete die Beratung damit, dass man mir auferlegte, in einer Woche anzurufen und bescheid zu sagen, wie es mir ginge. Wuerde ich mich nicht melden, wuerden sie die Polizei vorbei schicken. Ich fragte sie, wie sie sich vorstellten, wie ein Kind in dieser Familiensituation ungestoert beim Jugendamt anrufen kann. Da hiess es, man muesse das eben heimlich machen, wenn die Eltern arbeiten sind. Ich machte darauf aufmerksam, dass mein "Vater" nicht arbeitet und das auf der Telefonrechnung alle gewaehlten Nummern aufgelistet sind. Und da mein "Vater" kaum telefoniert, waere das so gut wie nur die vom Jugendamt, was SEHR auffaellig waere, da mein "Vater" sofort nachforschen wuerde, und dann haette ich den Salat. Dann meinten sie, in meinem Alter haette ich doch sicher ein Handy. Ich war so bloed, zuzustimmen. Dann hiess es, ich solle da eben per Handy anrufen. Ich meinte, das koenne ich mir nicht leisten. Sie kamen zum Schluss, dass ich sie anrufen und meine Nummer durchgeben sollte, dann wuerden sie zurueck rufen. Aenderte nichts dran, dass auch das mir etwas kostete, aber nun gut... Gefragt, ob Leidende ohne Handy nun komplett im Stich gelassen werden, habe ich nicht mehr... Der naechste Punkt war die Uhrzeit. Ich sagte, ich kann nicht bis 14 Uhr anrufen, da ich da noch in der Schule sei (generell konnte man nur waehrend der Oeffnungszeiten mit ihnen in Kontakt treten, und die waren ausser mittwochs nur Vormittags - also auch um zu den Beratungen zu kommen, musste ich jedes Mal die Schule verlassen! Generell wurmt es mich bis heute, dass alle moeglichen Einrichtungen fuer Kinder- und Jugendschutz absolut bescheuerte Oeffnungs- und Telefonzeiten haben, die eigentlich kein Mensch wahrnehmen kann! Selbst die Selbstmordhilfe... Wer ausserhalb der Sprechstunde von 13-14 Uhr anruft, darf sich erschiessen...). Schliesslich haben sie mir - wie gnaedig - erlaubt, am folgenden Mittwoch nachmittags anzurufen. Na wenigstens :/ Wenn mir auch der gesamte Zwang nicht passte.

Und so kam dann der folgende Mittwoch... Ich wartete, bis mein "Vater" PC spielte und nicht mehr davon abzubringen war, und ging dann in mein Zimmer. Leise rief ich an, damit er es ja nicht bemerkte... Ich gab, wie abgemacht, meine Nummer und meinen Namen an, sie meinten, sie riefen gleich zurueck, und ich legte auf. (Vorher hatte ich uebrigens mehrfach versucht, anzurufen, aber es war immer besetzt). Insgesamt wartete ich 30 Minuten, wurde aber nicht mehr zurueck gerufen! Ich dachte schon, sie haetten mich vergessen, und wollte mich nochmal melden, nicht, dass die wirklich auf die Idee kaemen, die Polizei zu rufen (das fand ich sowieso kritisch). Aber dann klingelte es, ich ging dran. "Hallo A., hier spricht Herr X. vom Jugendamt in B., wie geht es dir?", fragte eine Maennerstimme. Man hatte wohl meinen Berater einfach so gewechselt. "Naja...", sagte ich, und der Mann fiel mir ins Wort, rief nur noch in etwa: "Das ist super, tschuess!" und legte auf. Er hat mich nicht aussprechen lassen. Eigentlich hat er mich gar nichts sagen lassen. Ich war enttaeuscht. Naja, wahrscheinlich gings wirklich nur darum, dass ich noch am Leben war :P

2. Ich fuehlte mich relativ gut. WIR hatten einen Plan, es schien so perfekt, ich wuerde endlich heraus kommen... ER wuerde in wenigen Monaten sicher hierher ziehen, es war Platz fuer mich da, ich wollte zu IHM ziehen, und brauchte nun nur noch die Erlaubnis vom Jugendamt, da ich noch minderjaehrig (17) war. Eigentlich war alles bestens... Das Kindergeld muesste direkt zu mir umgeleitet werden, eine Wohnung hatte ich ja, ich wuerde mein Abi in nicht einmal zwei Jahren machen, und dann mal sehen... Also eigentlich sahs toll aus, fanden WIR. So sind wir dann zum Amt gegangen, nachdem ich mir sogar einen Termin fuer eine "Beratung" hatte geben lassen. Da war man jedoch gar nicht begeistert von meinen Ideen. Es begann damit, dass meine Beraterin wieder im Urlaub war, und ich spontan jemand anderem zugeteilt wurde, einer anderen Frau, die natuerlich null Ahnung von meinem Fall hatte. Ich schilderte ihr also meine Idee, sagte auch, dass die Beziehung nun schon mehrere Jahre hielt, und dass es an sich perfekt sei... Sie hingegen hat sich aufgespielt, als sei ich mit 17 Jahren dumm und unmuendig, und hat mir jegliche Entscheidungsfaehigkeit abgesprochen! Sie sagte mir ganz offen, dass sie ja nicht einfach so zu einem Mann ziehen wuerde, denn Maennern koenne man nicht vertrauen, und wer das glaubte, sei dumm und naiv. Ich solle stattdessen, wenn ich schon aus meiner Familie raus woellte, in ein Frauenhaus. Sie zog einige Formulare aus der Schublade und erklaerte mir lang und ausschweifend, wie das im Frauenhaus funktioniere. Ich sagte, das wolle ich aber nicht, ich wolle zu meinem Freund ziehen! Dann meinte sie, die Informationen wuerden nie schaden, und drueckte mir eine Broschuere in die Hand. Ich gab sie IHM in die Hand, damit er sie in meine Tasche, die zwischen uns am Boden stand, stecken konnte, weil er da gerade besser heran kam. Panisch begann die Beraterin herumzuschreien, in etwa, ob ich denn bescheuert sei, einem MANN diese geheimen Broschueren in die Hand zu geben! Maenner duerften naemlich weder die Telefonnummer, noch den Namen, noch die Adresse des Frauenhauses erfahren, das sei viel zu gefaehrlich! (Ich wette, dabei steht an dem Gebaeude sogar "Frauenhaus" dran - in spaeterer Recherche hab ich uebrigens auch eine Website gefunden, auf der alle Adressen standen, das nur mal am Rande) Nie duerfe ein Mann aber diese Zettel zu sehen bekommen. (Als wenn es IHN interessieren wuerde, wo irgendwelche Frauenhaeuser sind... ER hat andere Hobbies, als irgendwelchen Frauen aufzulauern).

Ich war sauer. Da hat diese Frau nicht nur allen Maennern quasi unterstellt, gewalttaetig und gefaehrlich zu sein (und ich HASSE dumme Verallgemeinerungen und Vorurteile!), sondern auch meinem Freund, den ich ueber alles liebe, und indirekt hat sie mir, weil ich IHM vertraue, ja auch an den Kopf geworfen, dumm und unfaehig, ja, sogar anti-feministisch, zu sein, da ich so bloed sei, einem Mann zu vertrauen. Ich habe vor ihren Augen den Zettel zerrissen, habe gesagt, dass ich mit dieser unfaehigen Behoerde nichts mehr zutun haben will, und bin gegangen. Im Treppenhaus habe ich noch ein wenig rumrandaliert, bis ich mich endlich beruhigen konnte. Seitdem war dieses Amt fuer mich gestorben und ich hasse es bis heute. So eine unglaubliche Dummheit war einfach nicht zu fassen.

cn P

P.S.: Mit diesem "boesen, gewalttaetigen" Mann lebe ich auch heute noch gluecklich zusammen. Bald seit 5 Jahren. Und nie hat er mir, im Gegensatz zu bestimmten Behoerden, je geschadet.

01.09.2007 um 02:04 Uhr

Erinnerungen

Ja, ich bin wirklich genervt, dass der PC sich staendig aufhaengt. Und ich dabei die gesamte Zeit noch von meinem "Vater" zugesuelzt werde... Also manchmal koennte ich wirklich cholerisch werden, dann haette ich auch endlich mal etwas gemeinsam mit meiner Sippe vaeterlicherseits! *zyn* Gestern Nacht war ich aber auch schon einmal kurz davor. Denn zwischen aller Traeumerei wollte ich auch noch zeichnen. Da ER mal wieder meine Zeichensachen aus meiner Tasche genommen, aber nicht zurueck gelegt hat, hatte ich allerdings nicht die noetigen Utensilien hier - und habe also mit einem stumpfen Bleistift, ohne Radierer oder Anspitzer, vor mich hin gekritzelt. Irgendwann habe ich genervt aufgehoert. Vorhin hatte ich meine Sachen wieder und habe grob einige ueberfluessige Linien radiert, aber auch nicht mehr weiter gezeichnet. Ich denke, das lass ich jetzt auch so. Vielleicht mache ich ein andern Mal aus dem Konzept noch eine "professionellere" Zeichnung. Es ist wirklich eine Qual, wenn man eine Idee hat, sie aber nicht umsetzen kann. Aber es geht einem so oft so im Leben... Also habe ich zum Schluss noch ein wenig geschrieben, und schon drifteten meine Gedanken wieder ab... Auf eine Kindheit an Badeseen mit meiner "Mutter" (Mein "Vater" waere sicher strikt dagegen gewesen, das sei ja so gefaehrlich!), Wanderungen durch den Wald mit einer Freundin und ihrer Mutter (Davon wusste mein "Vater" und war auch jedes Mal dagegen!) und die eine Nacht, die ich allein irgendwo auf den Feldern verbracht habe (nicht komplett, aber schon bis ca Mitternacht, vom Nachmittag an) - da konnte mein "Vater" nichts mehr dagegen haben, da er im Krankenhaus lag; aber wenn ers gewusst haette, haette er mich sicher dafuer verpruegelt, denn die Gegend sei ja so gefaehrlich! :P

Oder der Abend, die anbrechende Nacht, mitten im Winter, an dem ich am Absperrgitter am Rollfeld des Flughafens in T. stand und mir all die Lichter mit IHM angesehen habe. Einfach so, weils so schoen aussah. Da waeren mal sowohl SEINE als auch meine Eltern dagegen gewesen. SEINE waren ausgerastet, da ER sich entschlossen hatte, nicht zu ihnen zurueck zu fliegen, sondern auf eigene Kosten weiter bei mir zu bleiben. Da hiess es dann uA, dass ER fuer immer verschwinden solle, undankbares Goer, blah blah blah. Nur "schade", dass ich irgendwann aufgehoert habe, mich darum zu kuemmern, was mir irgendwelche vertrockneten Miesepeter vorschreiben wollen! Dinge, die keinen Sinn erfuellen, ausser mir die Laune zu verderben. Fuer mich ist weiterhin Gesetz, dass alles erlaubt sei, was niemandem schadet. Wo lag der Schaden, dass ich eine Stunde spaeter heim kam und ER einen Tag? Wir haetten ja auch einfach abhauen koennen, sind wir aber nicht, sondern haben sogar nett zuhause bescheid gesagt! Wie undankbar, dass sie uns das noch zum Vorwurf machen wollten! Also bitte, ich weiss nicht, was das soll... Ich weiss nicht, wieso ich als 16-Jaehrige um 18 Uhr zuhause sein muessen sollte oder wieso ER als Volljaehriger nicht mal einen Tag laenger Urlaub haben koennte. Zumal ers vorher angekuendigt hatte, und es dann von den lieben Eltern nur hiess "Nein, das darfst du nicht, du musst uns noch beim Haushalt helfen!" - Was erwartet wurde, war aber keine normale Haushaltsarbeit, sondern eher die eines Sklaven! Man hat schliesslich immer alles moegliche auf IHN abgeschoben. Das war wirklich nicht mehr "normal", wann immer irgendetwas gearbeitet werden musste, wurde es auf IHN abgewaelzt. Egal, ob er keine Zeit hatte, weil er lernen musste (stand damals kurz vorm Abitur), oder irgendetwas anderes ihn daran hinderte. Nein, die anderen haben lieber ferngesehen oder sind spazieren gegangen, ER musste arbeiten. Und da man IHN nie nach der Meinung fragte, haben wir es dieses eine Mal auch nicht getan, und ER war einfach hier geblieben. Uebrigens nicht nur einen Tag, sondern laenger. Bis SEINE Eltern dann doch angekrochen kamen, er solle bitte bitte wieder nach Hause kommen. Das war nur eine vieler Katastrophen der letzten Jahre...

Und auch andere Fragen stellte ich mir... Wieviele Menschen beispielsweise, denen ich bislang begegnete, mittlerweile nicht mehr leben. Und wieder ueberkam mich ein Gefuehl, dass ich doch unglaublich alt fuer mein tatsaechliches Alter sei... oder mich zumidest oft so fuehle. Irgendwoher muss die Altklugheit ja kommen ;) Und dafuer, dass ich praktisch als Waise aufgewachsen bin (das, was Eltern einem angeblich geben, hab ich nie von irgendwem bekommen), bin ich wohl doch mittlerweile ganz gut dran... Wobei, einige "elternhafte" Momente hatte ich auch. Aber auch sie waren vielleicht nicht wirklich familiaer. Ich erinnere mich beispielsweise, wie ich mit meiner Mutter im Winter, kurz vor Weihnachten, in einem italienischen Restaurant in einem Einkaufszentrum in der Innenstadt sass. Wie es hiess, weiss ich nicht mehr, und mittlerweile hats geschlossen. Die Raeume waren ganz ansprechend dekoriert, mit vielen echten und kuenstlichen Pflanzen. Es war relativ dunkel, das Licht kalt, eine merkwuerdige Stimmung, aber sie gefiel mir. Direkter Blick auf die Kueche, an den Ecken der Waende zwei Fernseher, auf denen alles moegliche lief, ab und zu auch irgendwelche Musikvideos. Keine traditionelle Lokalitaet, aber irgendwie dennoch angenehm - erstaunlich, da ich sonst eigentlich einen anderen Geschmack habe und hatte. Meine "Mutter" hatte wohl fast taeglich dort gegessen, weil sie in der Naehe arbeitete. Mit mir war sie ausserdem manchmal wochenends da. Es war ein kleines Lokal, nicht viele Gaeste, meine "Mutter" war schon bekannt. Da bekam sie ab und zu ein Essen umsonst und an besagtem Tag eine grosse Weinflasche geschenkt (Lambrusco). Ich bekam trotz minderjaehrigem Alters auch ab und zu einen Schluck. Dennoch hatte ich noch nie Alkoholprobleme - vielleicht auch deswegen? Man hoert ja immer, das Verbotene wuerde reizen...

Auch wieder sehr im Gedaechtnis war mir das 1. Mal, an dem ich IHN am Flughafen verliess. Als ich allein den Weg "nach Hause" antrat, in der Bahn ueber Stunden heulend, und nur knapp puenktlich zuhause. Eigentlich war es schrecklich, aber es ist doch ein Moment, den man nicht mehr vergisst. Und dann all die Erinnerungen an die fruehere Kindheit... Ob auf diversen Spielplaetzen und in allen moeglichen Parks, von denen es heute die Mehrzahl wohl gar nicht mehr gibt und von deren Standort ich leider gar nichts mehr weiss, Orte, an denen Erinnerungen haften, oder die Ferien in Baden-Wuerttemberg, bei meiner deutschen Grossmutter. Direkt im Gebirge, wir sind oft wandern gegangen. Was fuer eine Aussicht, was fuer Erlebnisse. Seltsam, wie deutlich ich einige Orte noch im Gedaechtnis habe, dabei habe ich sie das letzte Mal mit vielleicht 6 Jahren gesehen, also vor bald 15 Jahren... Ist das nicht eine enorme Erinnerungsleistung? Mein armes Hirn ;) Und der Tag, an dem ich eine Freistunde hatte - damals duerfte ich schon 17 gewesen sein - und an dem ich mich auf den Friedhof am S. begab, im Schnee, im Nebel, und dort den Weinberg hinauf gelaufen bin... Diese Stimmung und wie all die Grabmale unter der Nebelschicht lagen und langsam wieder auftauchten, mit jedem Schritt, den man bergab tat. Es sind manchmal wohl nur Sekunden, aber es gibt bestimmte Bilder, Stimmungen, die dennoch mein Leben lang irgendwie im Gedaechtnis bleiben, und wenns nur Kleinigkeiten sind, nur winzige Momente.

Und ich empfinde all die Erinnerungen nicht als Belastung. Ich fuehle mich dennoch irgendwie frei - vielleicht, weil mich ein gutes Erinnerungsvermoegen davor schuetzt, Fehler wiederholen zu muessen ;) Irgendwie mag ich sie, Erinnerungen und spontane Flashbacks, und irgendwie denke ich, mir wuerde etwas fehlen, ohne sie. Und manchmal frage ich mich, ob andere Menschen dasselbe empfinden, oder ob ich in dieser Hinsicht auch "verwirrt" bin. Hey, ich bin entmenscht, ich darf das! ;) Frei vom Menschkranken, frei von irgendwelchen Konventionen ohne Sinn... Ich weiss, ich uebertreibe wieder. Aber irgendwie bin ich gerade in letzter Zeit so gelassen und betrachte vieles absolut humoristisch... Man mags nicht glauben, aber ich denke, ich lache taeglich mehr, als viele andere Menschen! Ich lache sicher ueber 100x pro Tag, wenn nicht noch viel haeufiger. Mag daran liegen, dass ich ueber vieles lachen kann, oder auch, dass ich manchmal gezielt Dinge tue, um mich zu amuesieren. Dabei muesste man meinen, bei meiner beschissenen Vergangenheit koennte ich nicht mehr lachen - Bloedsinn! Und wenns nur die Dummheit von Menschen ist, die mich amuesiert (das ist jetzt wieder klischeehaft ;) ). Ich hoerte noch Musik und ging schliesslich um 4:30 schlafen.

cn P

01.09.2007 um 01:27 Uhr

Nacht auf hoher See

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Erinnerung, Schule, Reisen, Nacht

Auch die folgende Nacht war ich extrem flashback-gefaehrdet. Ich wurde foermlich mit Erinnerungen ueberschuettet, kam nicht mehr von Gedanken frei, es war, als sei mein gesamtes Leben noch einmal vor mir passiert ;) Es ist wirklich ungewoehnlich, all die Empfindungen, alles scheinbar so grundlos. Es haelt bis jetzt an. Ich kann kaum Konzentration auf die Gegenwart aufbauen, weil immer irgendeine Erinnerung auftaucht. Vielleicht sollte ich froh sein, ich leide seit dem Nachmittag wieder unter starken Magen- und Halsschmerzen, und so bekomme ich sie weniger mit... Habe uebrigens auch wieder Muskelschmerzen, wer weiss, was da wieder los ist :/ Und ich vergesse leider auch eine Menge, so viel, wie ich denke, kann ich gar nicht schreiben. Was mir auch wieder in den Sinn gekommen ist: Frueher schwankte meine Stimmung und meine Denkfaehigkeit sehr phasenhaft. In den Ferien oder wenn andersweitig der Stress abnahm, fuehlte ich mich unglaublich frei, gedanklich zu uebermaessig hohen Leistungen faehig, entspannt, generell leistungsfaehiger. Sobald dann aber die Schule begann, war es jedes Mal, als wuerde sich eine Mauer um mich aufbauen, mein Sichtfeld schrumpfen, meine Empfindsamkeit abstumpfen, und frei denken konnte ich auch nicht mehr. Es war ein riesiger Wandel, den ich auch deutlich wahrnahm, und den ich auch mit bestimmten Erlebnissen in Verbindung bringen konnte. Jedes Mal, wenn der Stress wieder begann, hoffte ich, meine gedankliche Freiheit wuede in den naechsten Ferien schnell wieder kehren. Die Zeit davor war quasi "geistiger Winterschlaf". Es war mir recht, meinentwegen auch Monate, sofern es danach wieder gut weiterging... Ich hatte richtig Angst, eines Tages, obwohl Ferien seien, nicht mehr zu "erwachen".

Lange ging es gut, irgendwann ist es verwaschen. Mittlerweile weiss ich gar nicht mehr, in welchem der Zustaende ich bin. Wach oder schlafend? Mit offenem Auge und Geist, oder geblendet? Ich tippe, ich tendiere eher zur wachen Seite. So hat es in den letzten Sommerferien begonnen, und mit Studienbeginn bin ich nicht mehr eingeschlafen. Vielleicht erklaert das, wieso ich im Studium nie richtig "warm geworden" bin: Da ich noch in der anderen, geistig produktiven, aber fuer ein "funktionierendes Lebenselement" sehr hinderlichen, Phase stecke. Irgendwie bin ich dort geblieben und komme nicht heraus, kann mir gar keinen derartigen Stress mehr machen, eher schalte ich ganz ab und bekomme nichts mehr mit... Mal sehen, wie es weitergeht. Um noch einige Erinnerungen zu nennen, die mir gestern kamen, ungeordnet und unerklaert ;) : Schulsport und meine Auseinandersetzungen mit den Lehrerinnen, die irgendwie alle sadistisch waren (ich habe gerade Laufsport immer verabscheut, weil er mir so unglaublich sinnlos erschien - Ich laufe, weil ich von A nach B moechte, und nicht sinnlos im Kreis!), wie uns bei Sport verboten wurde, die Jungen anzusehen (ja, wir hatten getrennt Sportunterricht, und ich fand diese Vorschriften auch unglaublich laecherlich, gerade, weil ich mit den Jungen besser klar kam, als mit den Maedchen - als wenn ein Maedchen stuerbe, sobald es einen Jungen nur ansieht!), die Reisen ans Meer, die ich bislang so machte (an die Nordsee leider bislang nur einmal), die Luxusfaehren, die wir dort so sahen (was fuer ein Aufbau! Derart edel die Innenraeume, die Zierpflanzen, das gelbliche Licht, die Marmortische, teure Teppichboeden, usw), die eine Fahrt, die wir... Nun... machen "mussten", nachdem wir ueber 8 Stunden im Stau standen und nach Amrum keine Faehre mehr fuhr:

Es war Mitternacht, als wir im Hafen von Dagebuell eintrafen, wir hatten uns extra eine Faehre bestellen muessen. Bekommen haben wir natuerlich eine sehr kleine, wackelige. Die Innenraeume waren unverkleidetes Metall, darin Holztische und -baenke, schaebiger, als in jedem Biergarten. Es war kalt und die Motorengeraeusche sehr laut. Aber mit den Mitreisenden war es trotz spaeter Stunde noch sehr amuesant. Damals war ich uebrigens gerade ca 11 Jahre alt. Irgendwann, auf hoher See, war ich dann hinaus gegangen, aufs Deck. Eigentlich wollte ich nur nach meinem Gepaeck sehen, denn draussen standen alle Koffer, da der Innenraum schon fuer die Menschen fast zu klein war. Ich blickte hinaus... Ich war allein. Ueberall nur Schwaerze. Und unzaehlige, weisse Sterne, dort oben am Himmel. Ein so reiner Himmel, wie ich ihn noch nie zuvor gesehen hatte, gerade in der Stadt, wo ich lebe, nicht... In der Ferne ein Leuchtturm-Licht, die Geraeusche von Wellen, dazu das Summen des Motors. Sonst unglaubliche Ruhe und so viel Schwaerze - ueberall! Der Himmel schien wirklich mal unendlich offen, und ich kam mir vor, als sei ich irgendwo im Nichts verschwunden. Aus dem Innern des Schiffes glimmte leicht oranges Licht... Ich bin lange dort draussen geblieben und habe mir die Sterne angesehen. Diese Moeglichkeit hat man sonst nicht im Leben, naja, zumindest nicht so oft ;) Denn um die Zeit fahren in der Gegend sonst wohl nur einige Fischer aus, aber keine Personenschiffe mehr... Und wie oft bin ich schon am Meer? Ich wollte jede Sekunde, die ich die Moeglichkeit hatte, auskosten, und so blieb ich draussen, bis wir gen 3 Uhr auf Amrum antrafen. Die Strassenbeleuchtung war schon abgeschaltet, als wir in Richtung Jugendherberge liefen. Dann noch ein Nachtmahl eingenommen und ins Bett... Schlafen konnte ich lange noch nicht. Irgendwie war es eine schoene Nacht gewesen.

(Jetzt hat sich der PC wieder aufgehaengt; ich uebergeb mich gleich *amok*)

cn P

23.08.2007 um 18:17 Uhr

Vor einigen Sommern

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Kunst, Fotografie, Friedhof, Erinnerung



"It looks like Scandinavia, doesn't it? But it's in Stahnsdorf, a village near Berlin, Germany. And, strange, but true, it's the chapel of an old cemetery. It's one of the biggest cemeteries of Europe, and it's located directly in a forest. Actually, it's more like there's a forest with ruins of graves and crypts every now and then between the trees. It was an unbelievable feeling when I've been there the first time. Everything was full of moss, fern and blooming wild flowers. Somehow it seemed very unreal. It's one of the most peaceful places I have ever been to in my whole life."

cn P

17.06.2007 um 16:01 Uhr

Sammlung merkwuerdiger Ortsnamen

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Bizarr, Reisen

 

Ich habe vorhin eine schoene Sammlung merkwuerdiger deutscher Ortsnamen gefunden: HIER KLICKEN . Von dort aus gibts auch Verlinkungen zu den merkwuerdigen Ortsbezeichnungen in Oesterreich und der Schweiz.

Erstaunlich, wie viele dieser Orte ich selbst schon besucht habe. Ob Quaal oder Todesfelde, Pudel oder Busendorf, oder Borgsdorf, Motzen, Neu Kamerun, Neuseeland, Himmelreich, Afrika, Müllrose, Amerika, Ortrand, Neu Boston, Philadelphia, Altgaul, Knoblauch, Keller, Morgenland, Wassersuppe, Verlorenwasser oder Lauchhammer... Als meine "Mutter" noch ein Auto hatte, kam ich viel herum und die Orte hier in der Gegend haben alle merkwuerdige Namen.

 

cn P

10.03.2007 um 01:09 Uhr

Kindheitserinnerungen

Ich war muede und hatte Kreislaufprobleme, allerdings wollte ich mich einfach noch nicht schlafen legen, sondern lieber schreiben. Ich hatte heute schon so wenig geschafft, da wollte ich wenigstens jetzt etwas erreichen koennen. Und so schrieb ich bis nach 6 Uhr morgens und lag dann auch noch ueber eine halbe Stunde wach, weil ich nicht mehr einschlafen konnte. Und, kaum zu glauben: Um 5:45 hoerte ich Renovierungslaerm! Um die Zeit wurde schon gebohrt! Also das ist ja wohl eigentlich wirklich asozial. Laerm im Treppenhaus gab es dann auch, noch vor 6 Uhr. Die Voegel zwitscherten auch schon, das weckte Erinnerungen... Oder waren das auch Halluzinationen? Die machten sich vor Muedigkeit auch schon wieder bemerkbar. Ich stellte mir die seltsame Frage, ob ich nicht dieses Gefuehl der Erschoepfung vielleicht gerade fuer meine Kunst brauche? Wer sich so oft mit Leiden beschaeftigt, muss das Leiden auch spueren. Was ist da besser, als sich vor Muedigkeit erschlagen zu fuehlen? Das ist ein sehr "produktives" Leid, das aber auch schnell wieder verschwindet. Das ist der Vorteil.

Kaum zu glauben, dass ich beim Studienende 25 Jahre alt sein werde... So lange dauert es noch, bis dahin! Kann ich das schaffen? Wo ich doch nicht gerade gewillt bin, dran festzuhalten... Ich machte mir so viele Gedanken und vergass auch wieder sehr viel. Und ploetzlich fuehlte ich mich wieder in meine Kindheit zurueck versetzt. Ich hatte die Augen nur eine Sekunde geschlossen, da sah ich mich ploetzlich in der Kueche meiner deutschen Grossmutter stehen. Als Kind von 6 Jahren, dementsprechend mit geringer Augenhoehe, dort, mitten in der kuehlen Kueche, es war Sommer, es roch nach frischer Waesche, die meine Mutter draussen im Garten, auf der Wiese, aufhing, was ich auch sehen konnte, nachdem ich aufs Fensterbrett geklettert war, um hinaus sehen zu koennen. Es war windig, im Hintergrund sah man das Gebirge. Der Himmel war hellblau und Schaefchenwolken zogen vorbei.

Ich begab mich wieder vom Fensterbrett hinunter uns sah mich um. Es war Mittag. Bald wuerde es etwas zu essen geben. Meine Grossmutter war einkaufen gewesen, mein Vater sass im Wohnzimmer, das komplett sepiafarben und sehr altertuemlich eingerichtet war, in einem alten beigen Ohrensessel und las die Zeitung. Ich schaute mir die alten Jugendstilschraenke an. Mein Vater kuemmerte sich nicht um mich. Irgendwie mochte ich diese Wohnung, all die Antiquitaeten. Das Wohnzimmer war eng, aber schoen. Alte Bilder hingen an der Wand, in einer Vitrine stand ein eingerahmtes Foto von meinen Eltern und mir. Auf diesem musste ich etwa 2 oder 3 Jahre alt gewesen sein. Um das Foto herum standen verschiedenste Souvenirs und Porzellanfiguren. Nach dem Tod meiner Grossmutter habe ich einige davon bekommen, sie stehen nun bei mir in S. im Wohnzimmer auf einem Regal. Alte Fotos von 1900 herum lagen auch noch in einem Umschlag in der Vitrine. Fotos von meinen Ahnen, aus Ostpreussen, aus Bayern, und solche, die ein Verwandter geschickt hatte, der um 1910 in die USA nach Chicago ausgewandert war. Ich verliess das Zimmer wieder und ging vor die Haustuer. Diese liess sich schwer aufschieben, so viel Kraft hatte ich in diesem Alter nicht.

Ich blickte hinaus auf die Strasse. Eine kleine Strasse, an dessen Ende meine Grossmutter lebte, direkt unten vom Hang, eine kleine, von Einfamilienhaeusern gesaeumte Strasse, die M.strasse. Oben auf dem Huegel, zwei Strassen weiter, lebte meine Tante mir ihrem Mann und ihrer erwachsenen Tochter. Sie besass zahlreiche Haustiere, ein ganzes Stockwerk war nur mit Vogelvolieren gefuellt. Vom Kanarienvogel ueber Nymphensittiche bis zu sehr teuren roten Aras besass sie etliche Voegel. Kaninchen hatte sie auch. Einen Hund wuenschte sie sich, gerade einen Dackel, aber das ging aus irgendwelchen Gruenden nicht. Dafuer hatte jemand aus ihrem angeheirateten Verwandtenkreis einen 11jaehrigen Pudel, der urspruenglich schwarz, aber mittlerweile dunkelgrau, war. Ein Koenigspudel, einer der groessten Pudelsorten also, mittlerweile blind und taub. Er ist staendig gegen den Tisch oder die Sessel gerannt, armer Hund. Aber ungluecklich schien er dennoch nicht zu sein.

cn P

06.03.2007 um 02:44 Uhr

Von Kindern und der Liebe

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Kindheit, Erinnerung, Schule, Reisen, Kunst, Liebe

Wie vorsichtig muss man mit Kindern umgehen? Vor wievielen Gefahren muss man sie schuetzen? So gut wie jeder duerfte mir zustimmen, wenn ich sage, dass Kinder auf jeden Fall schuetzenswert sind, man sie jedoch nicht "ueber-behueten" sollte, sodass sie gar keine eigenen Erfahrungen machen koennen. Ich denke an so einige Erlebnisse aus meiner eigenen Vergangenheit, an Dinge, die ich am eigenen Leib erlebte, und an solche, die ich bei Freunden und Bekannten, bei anderen Gleichaltrigen sah, oder meinentwegen auch spaeter bei juengeren Geschwistern gleichaltriger Bekannter/Freunde. Ich weiss auch noch, wie entgeistert die eine Lehrerin reagierte, waehrend einer Klassenfahrt an den Frauensee, damals war ich in der 2. Klasse, die Schueler und ich also alle nur ca 8 Jahre alt: Zwei Lehrerinnen hatten uns begleitet, und abends holte eine ein Messer heraus und schnitzte. Unter Anweisung durften die Kinder dann auch mal, natuerlich auch unter Aufsicht, mit dem Messer umgehen ueben. Als sich einer dann in den Finger schnitt, war das Geschrei gross. Als die Mutter es erfuhr, sowieso. Dann hiess es, Kindern duerfe man doch keine spitzen Gegenstaende in die Hand geben, selbst, wenn man selbst als Erwachsener noch eine Hand daran haette. Stimmt das?

In der 5., 8. und 13. (Vielleicht auch noch einmal zwischendurch in der 10.? Ich weiss es nicht mehr) Klasse hatten wir im Kunstunterricht Linoleumplatten geschnitten und Druckplatten daraus hergestellt. Auch da haben sich wieder massenhaft Menschen an den Schnitzmessern geschnitten, ich woellte sogar sagen, je aelter sie wurden, desto mehr wurden es - Der Leichtsinn nahm zu, die Vorsicht ab. Als Kinder hatten sie noch panische Angst, sich zu schneiden und waren damit hyper-vorsichtig. Und dann denke ich noch an die 5. Klasse zurueck, an eine Klassenfahrt nach Amrum (Vielleicht sollte ich generell mal etwas mehr ueber meine Erinnerungen an die Reisen schreiben? Da waere noch viel zu sagen). Dort mussten taeglich einige Schueler in der Kueche arbeiten, Sachen waschen, abtrocknen, ordnen, usw. Ich war in den 14 Tagen Reise zweimal dran. Und ich weiss noch, wie seltsam mir die Kueche vorkam... Eine sehr steril wirkende "Halle", seltsamer, nicht angenehmer, Geruch, Milchkannen, die mir bis zum Kinn reichten, einen Meter lange gezackte Messer, Toepfe, in die zwei Kindern hinein passten. Sehen Grosskuechentoepfe immer so aus?

Ich frage mich gerade, wo mein Tagebuch aus jener Zeit ist. Ich habe taeglich geschrieben, natuerlich auf Papier, etliche Seiten, und ich denke, es waere sehr interessant, darin zu lesen. Auch aus der Zeit im Bad Seegeberg (2000) habe ich irgendwo noch Tagebuch-Aufzeichnungen. Wuesste ich bloss, wo sie liegen! *seufz* Ich wuerde gerne wieder sicher wissen, was damals geschah, nicht, dass ich heute falsche Erinnerungen aufgebaut oder Dinge verdraengt haben koennte. Denn auch, wenn ich jetzt wieder sehr in die damalige Stimmung eintauche und das Gefuehl habe, ich wisse alles noch genau, wer sagt mir denn, dass ich nicht irre, dass ich mir nicht ggf. etwas vormache? Ich bin ein sehr misstrauischer Mensch. Wie haelt ER es bloss so lange mit mir aus? ;)

Bald sind es 4 Jahre. Wenn ich daran denke, dass statistisch die meisten Ehen in den 1. 4 Jahren wieder geschieden werden! Kaum zu glauben. Ich weiss nicht, wieso man jemanden heiraten sollte, der - und das setze ich mal bei "erwachsenen" Menschen vorraus ;) - sich nicht unbedingt noch um 180 Grad wendet, wenn man sowieso nicht so perfekt mit ihm zurecht kommt, dass die Ehe laenger als 4 Jahre halten koennte. Natuerlich will ich jetzt nicht alle in einen Topf schmeissen. Natuerlich weiss ich, dass sich einige Eherpartner sehr veraendern, auch in nur(?) 4 Jahren. Das kann natuerlich zur Scheidung fuehren. Aber dennoch kommen mir 4 Jahre auf die Gesamtlaenge des Lebens so wenig vor. Aber fuer Leute in meinem Alter ist eine Beziehung der Laenge schon eine extreme Seltenheit, das weiss ich auch. Ich werde haeufiger gefragt, wieso es bei UNS so gut klappt - Ist es bei uns wirklich "besser" oder stabiler als bei den meisten "Anderen"?

Ich denke, es ist irgendwie "vorteilhaft", dass WIR uns auch freundschaftlich sehr gut verstehen. Ich woellte sagen, ER ist mein bester Freund. Und wir teilen enorm viele Interessen. Ausserdem hat unsere Beziehung etwas seltsam "Geschwisterhaftes" - Pfui, Inzest! ;) Wir sind einander so seltsam "natuerlich" vertraut... Koennte da ueberhaupt noch eine Trennung stattfinden? Man behauptet, Zwillinge koennten nicht voneinander getrennt werden. Ist es soetwas, nur in "etwas" veraenderter Form? Ich denke schon, dass WIR eine ungewoehnliche Bindung zueinander haben. Keine "gewoehnliche" Liebe wie zwischen den meisten Menschen, die zwar ihren ach wie geliebten Partner haben, aber dann doch nichts mit ihm teilen bzw ihre Freizeit lieber mit irgendwelchen Freundinnen oder Kumpels verbringen und mit ihren Problemen auch nur zu diesen rennen, statt so fair und stark zu sein, den Partner anzusprechen, wenn man ein Problem mit diesem hat. Vielleicht bin ich auch einfach "nur" schonungslos ehrlich. WIR reden ziemlich viel miteinander, ueber alles moegliche. Probleme fallen nicht unter den Tisch, sondern werden geloest, auch, wenn es vielleicht eine Weile dauert. Anders kann eine Beziehung gar nicht funktionieren.

Und ich meine doch, wenn man behauptet, seinen Partner zu lieben, dann spricht man auch mit ihm. Dann hat man Interesse, die Beziehung zu halten und auch Problemen nicht aus dem Weg zu gehen. Dann hat man den Willen, auch Dinge mit dem Partner zu teilen, die ueber das Sexuelle hinaus gehen. Wenn ich von anderen Leuten hoere, sie traefen sich einmal die Woche mit dem Partner, obwohl sie die Moeglichkeit haetten, das taeglich zu tun... Das finde ich schon seltsam. Moechte man jemanden, den man angeblich sehr liebt, wirklich nur einmal pro Woche sehen? Klar kann ichs verstehen, wenn ein Mensch auch seine Ruhe haben moechte und allein sein moechte, und nicht ALLES mit dem Partner teilt. Mir geht es genau so. Aber ein Naehebeduerfnis muesste doch auch da sein, wozu braucht man sonst eine Partnerschaft? Ja, ich weiss. Finanzielle Sicherheit und anderes Blahblah. Aber da kann man nun wirklich nicht von LIEBE sprechen.

cn P

25.01.2007 um 21:42 Uhr

Vom 20.11.2004

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Erinnerung, Blog

"Menschen mit gebrochenem Herzen erkennt man. Man erkennt sie an ihrem Gang durch das Leben. Unabhängig ihrer Vitae, es gibt Erfolgreiche und Gescheiterte unter ihnen, tragen sie doch alle die Zeichen ihres geschundenen Herzens offen sichtbar, jeder Bruch, jeder Riss, erkennbar in ihrem Lachen, in ihrem Denken, in ihrem Atmen, in ihrem Fühlen. Allesamt lieben sie die Nacht. Nur in der Nacht dürfen sie offen leiden, bleiben Tränen unsichtbar, sind sie einsam und verloren, unbeobachtet und frei. Nichts gleicht mehr dem Schatten auf ihren Seelen. Die Nacht vergeht, Schatten aber bleiben. Menschen mit gebrochenem Herzen erkennt man. Sie sind unerschrocken und gleichsam ängstlich, sie sind weich wie Samt und gleichsam hart und verletzend wie schroffer Granit. Sie beißen zu, wenn andere bellen und sie umarmen zärtlich und liebevoll, da ihre Seele schmerzt. Menschen mit gebrochenem Herzen erkennt man. Sie besitzen die größten Herzen, doch alles was von ihrer Seele blieb, ist ein Haufen Scherben und ein Schild mit der Aufschrift: Betreten verboten!"

cn P

23.01.2007 um 00:32 Uhr

Der Moment, in dem der Geist erwacht... Bedeutet oft das Ende aller schoenen Illusionen. Die Kindheit ist der grausamen Realitaet gewichen.

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Kindheit, Gesellschaft, Vorurteile, Gewalt

2 Uhr offline - Gleich schlafen gelegt. Oder sagen wir es so: Ich habe noch eine Weile nachdenken muessen, bis ich schliesslich einschlafen konnte. Eine gute Bekannte hatte etwas gesagt, was man vielfaeltig "deuten" koennte.

Fuer mich persoenlich kann ich eines ganz offen sagen: Ich habe mich als Kind immer von Erwachsenen enttaeuscht gefuehlt bzw zum Teil empfand ich ihr Verhalten als aeusserst stupide oder sinnlos. Bis zu einem bestimmten Alter sieht man darueber ja gerne hinweg, man glaubt, seine Eltern seien die tollsten Leute ueberhaupt - Das ist biologisch bedingt und sicherlich evolutionaer sinnvoll. Aber sobald mein Verstand endlich erwachte, war es schnell vorbei damit. Ich sah, dass "die Erwachsenen" so dumme Dinge taten oder ganz einfach solche, die man aus anderen, zB sozialen Gruenden, nicht tun sollte. Zuerst sagt man sich vielleicht noch, es ist eine Minderheit, die es leider geben "muss", die gewalttaetig ist, dumm ist, Kriege fuehrt, die Welt zerstoert. Doch mit der Zeit wurden es immer mehr, von denen ich glaubte, dass sie genau solche Menschen waeren. Ich schaute mich um, und wo ich hinsah, sah ich Personen, die duemmlich waren, die intolerant oder ignorant waren, die sich nur um ihren Wohlstand kuemmerten und an nichts Anderes dachten. All das, was man mir anerzogen hatte - Man soll ehrlich sein, man soll friedfertig sein, man soll offen und tolerant sein, man soll bescheiden sein - all diese Dinge sah ich an "den Erwachsenen" genau ins Gegenteil verkehrt: Verlogenheit, Gewalt und Kriege, Fremdenhass, Intoleranz, Habsucht - Damit war es aus mit dem Glauben, Erwachsene seien zwangslaeufig gute, intelligente Menschen.

Ich schaute mir etwas abgeschreckt und sehr distanziert an, wie sich diese "erwachsenen" Menschen benahmen. Kinder beluegt man immer, "die Erwachsenen" seien klug, haetten Manieren, Moral, Gewissen, weiss ich was - "Du musst all das lernen, weil du es brauchst, wenn du gross bist". Nur sind "die Grossen" oft nicht so, wie sie es wohl sein sollten. Als ich in die Pubertaet kam, aenderten sich die Dinge kaum. Ich blickte mich um: Alle interessierten sich nur fuer Make-up, Stars, Getratsche, Mode. Wieso war ich niemals so? Mein "Vater" behauptete immer, ich wuerde schon noch so werden, aber dieser Zustand trat niemals ein, und ehrlich gesagt bin ich froh darueber. Ich redete mir ein, was man mir einredete: Das sei nur eine Phase, selbst, wenn ich nicht hinein geraten wuerde, mein Umfeld wuerde da mit dem "Erwachsenwerden" schon heraus kommen, dann wuerde ich mich wieder besser mit ihnen verstehen. Aber die Jahre vergangen, aber geaendert hat sich wenig. Nun bin ich 20, studiere, und wohin ich sehe, unter so genannten "Erwachsenen" entdecke ich noch immer all die Dinge, die ich so bloedsinnig finde. Die Stars sind andere geworden, die Vorbilder ebenfalls, man redet ueber anderes Make-up und andere Mode. Aber wirklich klug sind viele Leute noch immer nicht geworden, viele verstecken sich von dem Nachdenken, wollen gar nicht aus ihrer Oberflaechlichkeit heraus.

Ich glaube leider nicht, dass sich die Massen jemals aendern werden. Ich kann mir alle moeglichen Altersgruppen ansehen: Es gibt in allen viele Menschen, die meines Erachtens "blind" durch die Gegend laufen, die geldgierig oder sensationsgeil sind, die fuer ihren vermeintlichen Erfolg ueber Leichen gehen. Es gibt noch immer und ueberall Intoleranz und Fremdenhass, es gibt Kriege, Gewalt, Misshandlungen und Folter. Es faengt bei kleinen Familien an und zieht sich bis in staatliche Gefaengnisse. Nachbarn bekriegen sich, gleich tun es ganze Staaten. Wohin ich sehe, nur "Unvernunft" - Ueberall die Dinge, von denen man als Kind fern gehalten werden sollte. Ich frage mich: Hat nicht jeder von uns in der Kindheit anerzogen bekommen, wie man sich sozial verhaelt? Wieso dann gibt es all diese Ungerechtigkeiten? Manchmal liebe ich die Unschuld eines kindlichen Geists, der noch glaubt, "die Erwachsenen" seien vernuenftig und alles wuerde gut enden. Alles wuerde immer perfekt sein, so lange man sich "gut" verhaelt. Dann, wenn man "gross" ist.

cn P

10.01.2007 um 00:46 Uhr

Meine Schwestern

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Erinnerung, Liebe, Familie, Musik, Gothic, Gesellschaft, Alkohol

Stimmung: Im Moment bin ich irgendwie taub auf einem Ohr und der PC spinnt auch rum O_o
Musik: Thyrfing.

"I've lost my faith in you
You did not look at the fire
I've lost my faith, it's true
And it has become our funeral pyre

I spread my wings for you
Heaven, let your gate be open
I'll bless you with venomous kisses
My love in its own cruelty"

Ich dachte nie, dass ich das mal einer "Schwester" schreiben sollte. Ich habe es vorhin getan. Mal sehen, ob sie den Sinn dahinter versteht. Ich habe es ihr einfach mal geschickt... Es ist ein Liedtext, das Lied kennt sie. Ob sie verstehen wird, dass es mir um UNSERE Beziehung geht? Bevor jetzt seltsame Fragen gestellt werden: Natuerlich kann man bei einer Schwesternbeziehung von Liebe sprechen. Auf eine gewisse Weise. *seufz* Und es wird wohl so weiter gehen. Die meisten Menschen "verschwinden" irgendwann. Ich verstehe nur nicht (Werde ich es jemals verstehen?), wie einige ploetzlich eine 180-Grad-Drehung machen koennen. Wie sie in einem Moment noch so freundlich zu einem sein koennen, wie die letzten 4 oder 5 Jahren, und wie sie dann einen so ploetzlich, mir nichts, dir nichts, stehen lassen koennen, als haette man sich in Luft aufgeloest. Dass das gewoehnlich passiert, wenn jemand einen Partner findet - Das kenne ich zu Genuege. Das kann ich ja fast verstehen - Obwohl ich persoenlich immer darauf geachtet habe, trotz Beziehung weiterhin Zeit fuer Freunde zu haben. Ich meine, sie sind die gleichen Personen geblieben, da kann ich sie doch nicht einfach links liegen lassen! Aber dass einige Leute ganz ploetzlich einfach nicht mehr antworten, nicht auf SMS, nich auf Emails, nicht auf Anrufe - Das finde ich doch seltsam. Aber dass es ihr gut gehen muss, das weiss ich. In ihren Blog schreibt sie auf jeden Fall weiter. Von mir - Kein Wort.

Eine andere Art, wie "Freundschaften" vergehen koennen, mal akzeptiere ich es, mal komme ich ueber Jahre nicht darueber hinweg, ist, wenn sich die Eltern einmischen... Zumindest, wenn man noch ein Kind ist, kann das recht haeufig geschehen. So war da mal die Freundin meiner Mutter, welche eine Tochter in meinem Alter hatte. Wir wurden auch schnell Freunde... Nach einigen Jahren zerstritten sich unsere Muetter und wir konnten einander einfach nicht mehr sehen, gerade, weil das Maedchen weit weg von hier wohnte, auf dem Dorf, und dorthin kam man nur mit dem Auto. Dass ich im Alter von 12 oder 13 Jahren keines hatte, duerfte klar sein. Und dann war da noch die Tochter des Ex-Freunds meiner Mutter. Wir waren wirklich wie Schwestern. Wir haben uns so angesprochen, allen Ernstes, wir hatten es wirklich "im Blut". Wir haben uns im kindlichen Trotz sogar dagegen aufgelehnt, wenn unsere Eltern darauf bestanden, dass wir eben keine leiblichen Schwestern seien. Nein, wir WAREN Schwestern, das war uns klar, wir haben uns ueberall als Schwestern ausgegeben, haben einen gemeinsamen fiktiven Nachnamen angenommen (Machen das alle Kinder?), wir haben ALLES geteilt. Ich denke, viele reale Geschwisterbeziehungen laufen nicht so gut ab. Andererseits kann man sich seine leiblichen Brueder und Schwestern auch nicht aussuchen... Ja, wir haben ALLES geteilt. Neid und Missgunst gab es nicht. Es ist rueckblickend kaum zu glauben. Was wir fuer einander getan haben. Wie vertraut wir einander waren. Doch dann wurden wir von unseren Eltern getrennt. Das letzte, was ich von ihr gehoert habe, war, dass sie daraufhin wohl sehr depressiv wurde und... Nunja, ob sie noch lebt, weiss ich nicht. Ich wuenschte, ich koennte es herausfinden, doch weiss ich leider gar nichts mehr ueber sie. Sie hatte so einen Namen, der nicht gerade selten ist. Sie ist daraufhin auch mit ihrem Vater weggezogen. Wohin, weiss ich nicht. Meine Mutter moechte ueber diese Beziehung natuerlich auch nicht mehr sprechen.

Aber wenn ich an das Maedchen denke, das ich vor meiner ersten wirklichen Schwester erwaehnt hatte, da kommen auch wieder bizarre Erinnerungen hoch. Ich hatte oft bei ihr uebernachtet - Allgemein war sie der erste Mensch, bei dem ich allein uebernachten durfte. Auch, wenn meine Mutter es nicht gerne sah... Manchmal war ich so frech, mich mit dem Maedel auf der Toilette einzuschliessen und unter Gelaechter verkuendeten wir meiner Mutter, ich wuerde heute nicht mit nach Hause zu ihr kommen, sondern HIER uebernachten. Es klappte oft. Ob ich verzogen bin? Naja. Sagen wir es so: Wenn ich die Wahl habe, bei meiner Mutter fern zu sehen, bis ich um 22 oder 23 Uhr ins Bett muesste, oder bei einer sehr guten Freundin zu sein, bis in die Puppen wach zu bleiben, einen Pc, einen Fernseher, diverse Buecher und Brettspiele zur Verfuegung zu haben, evtl abends noch mal hinaus zu duerfen (Ausserdem hatte die Familie einen Hund) - Na werde ich da nicht den Aufenthalt bei der Freundin der Langeweile bei meiner Mutter vorziehen? Nett war es sicher nicht, aber einige Kinder sind eben grausam ;) Aber ich kanns schon verstehen, dass meine Mutter vielleicht gerade deswegen, weil sie mich so frech fand, nicht wollte, dass ich laenger dort bleibe. Wobei es mit Sicherheit nicht der Einfluss der Freundin war, der mich so "ungezogen" machte, das kann ich sicher sagen!

Aber gemeinsam kommt man wirklich schneller auf dumme Ideen... ;) Wie beispielsweise nachts in den Wald zu gehen... Und dort gar mit zusammengesammeltem Baumaterial eine Huette zu zimmern. Oder was weiss ich durchzufuehren... Dann waren wir eines Nachts sogar mal zu 4t und teilten uns ein kleines Einzelbett... Weil wir zu faul waren, die Gaestebetten aufzubauen. Wenn einer von uns sich bewegte, fielen links und rechts von ihm die anderen aus dem Bett *lol* Und wenn ich mal an so einige Geburtstage zurueck denke - Wir kannten uns ja mehrere Jahre - Das war manchmal auch schon fast derb. Genauso, wie einige Naechte zu richtigen Fressgelagen wurden... Zu Halloween beispielsweise... Nur gefressen, literweise Fassbrause getrunken, fern oder fuer unser Alter ungeeignete Videos gesehen ;) , die ganze Nacht durchgemacht, herumgealbert... Und manche Wochenenden haben wir den ganzen Tag nur geschrieben. Das Maedchen war genauso wie ich vom Schreiben begeistert. Wir konnten stundenlang nur schreiben, tippen, weiter an Geschichten spinnen... Ueber Monate.

Aber dann war da auch noch der Tag, an dem die Erwachsenen unsere schrecklichen Vorbilder wurden. Die Mutter hatte Geburtstag. Auch meine Mutter war eingeladen. Sie tranken Sekt... Dann waren die Erwachsenen gegangen... Es war Sonntag. Ich muss zur Information erwaehnen, dass unsere Muetter Asiatinnen und Buddhistinnen waren, und sie daher versammelt zum Tempel fuhren... Eigentlich haetten wir ja mitkommen sollen, aber wir wollten nicht. Und das wurde akzeptiert... Was folgte? Wir waren allein zuhause. Nun... Wieso trinken Erwachsene zu Feierlichkeiten Sekt? Sollte das wirklich so gut schmecken? Im Keller stand doch noch eine alte Flasche... NEIN! Es kam nicht dazu, dass wir Kinder Sekt tranken. Denn wir stellten uns beim Oeffnen der Flasche so daemlich an, dass der Inhalt sich im gesamten Zimmer vergoss, bis an die Decke und an alle Waende spritzte - Und die naechsten zwei Stunden waren wir hektisch und unter extremem Zeitdurch damit beschaeftigt, den Alkoholgeruch wieder aus dem Zimmer zu bekommen! *lach* Ich muss wirklich laecheln, wenn ich daran zurueck denke. Verharmlose ich da etwas? Lustig war es schon irgendwie... So herrlich... Gar nicht so wirklich naiv ;)

cn P

05.12.2006 um 01:14 Uhr

Schmerzhafte Erinnerungen

Stimmung: Melancholisch. Was auch eine positive Seite besitzt.

Mein Vater sah sich gestern Abend noch irgendeinen seltsamen Science-Fiction-Horror-Film an, erstaunlich fuer einen Senior von ueber 60 Jahren, aber fuer ihn nichts Ungewoehnliches. Ich erinnere mich noch gut daran, wie er frueher an seinem PC einige dieser Filme gesehen hat, den Ton nur ueber Kopfhoerer anhoerend, mit der Begruendung, ich sei da noch nicht alt genug zu. Aber die Bilder habe ich gesehen, da kann man nichts gegen unternehmen! ;) Ich weiss noch, wie ich auf diesem Wege Blade (ca 2000, da war ich so etwa 14) und From Dusk Till Dawn (Selbes Jahr) gesehen habe. Und ich denke, ich habe KEINEN Schaden davon bekommen (...den ich nicht so auch bekommen haette).

Generell war gestern Abend noch so ein Abend des Nachdenkens, der Erinnerung. Ich hatte auch noch lange erstaunlich ernst mit einer meiner "Schwestern" gesprochen, und ich merke, wie manche Dinge sich entfremden, wie Dinge enden, neu beginnen, sich erneuern. Irgendwie sollte mir eine Tatsache aber Sorgen machen: Dass ich sehe, wie um mich herum alles, oder zumindest sehr viel, zugrunde geht. Waren sie auch noch so gesund, irgendwie landen alle der Menschen, mit denen ich intensiver zutun hatte, irgendwann in der Psychiatrie oder werden sonst wie angeknackst. Bei Schwesterchen 2 beginnt es auch schon. Sie hat panische Angst vor Menschen, vor Bindung, vor koerperlicher Naehe. Sie meint, niemals einen Partner zu finden, da sie Angst vor allem hat, was ihr nahe kommt. Und sie wird hysterisch... Sie wird immer verrueckter. Gestern tat ich daher etwas, wovon ich nie dachte, es je tun zu werden. Ich war selbst ueber die Heftigkeit erschrocken, ich gab ihr gewissermassen einen extremen verbalen Faustschlag mitten ins Gesicht. Ich dachte schon, ich haette damit alles zerstoert, aber im Gegenteil: Sie bedankte sich bei mir dafuer! Ich hatte sie wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht. Irgendwie hat meine Intuition doch wieder Recht gehabt.

Aber einige Dinge sitzen tief. Sie ist zu einfuehlsam fuer diese Welt, im Gegensatz zu mir, wobei ich sagen muss, wir kommen uns da doch recht aehnlich vor, schafft sie es aber nicht, den Schmerzen zu trotzen. Wenn ich ueber die Ungerechtigkeit der Welt erfahre, leide ich, aber ich ertrage den Schmerz. Wenn sie diese Ungerechtigkeiten erfaehrt, bekommt sie tagelange Weinkraempfe und kann sich nicht mehr beruhigen. Sie kann nicht einmal mehr Zeitung lesen, nicht mehr die Nachrichten sehen, weil sie von all der Gewalt und all den Schmerzen krank wird. Mir geht es aehnlich - Ich tue es dennoch. Wie man es von einem "braven gebildeten Studenten" erwartet. Ich richte mich selbst zu Grunde, leide auch darunter - Da stellt sich gleich die Frage, wer von uns sich eigentlich mehr Schmerzen selbst bereitet und mehr leidet? Sie hat immerhin das Glueck, sehr tolerante Eltern zu haben. Sicher, auch dort sind Dinge zerbrochen, seit einigen Jahren zerbricht ALLES, aber sie muss nicht arbeiten, wird nicht ins Studium gezwungen, ihre Eltern sind reich, sie hat immer so viel Geld zur Verfuegung, wie sie es moechte. Und da sie meint, ihre Eltern lebten noch einige Jahrzehnte, ist sie fuer diese naechsten Jahrzehnte versorgt. Aber was, liebe Schwester, wenn dann doch ein Unglueck geschieht und du allein dastehst? Ich kann es verstehen: Ich habe auch schon nur fuer den Tag gelebt. Nach dem Motto: 2Wenn es kein Morgen geben soll, dann soll es eben keines geben. Dafuer moechte ich HEUTE gluecklich sein..." Manchmal wuenschte ich, noch immer danach zu leben. Aber die Vernunft hat gesiegt. Ob das so das "Richtige" ist, ist eine andere Frage. Ihr wisst, wie sehr ich das "normale" Leben (Geburt - Schule - Studium - Arbeit - Tod und nie wirklich gelebt) hasse.

Um 2:30 war ich offline gegangen und wollte noch etwa eine halbe Stunde Musik hoeren. Heute habe ich mal wieder HIM herausgekramt... Sass dann da, fast nackt, auf meinem Bett, Naturlocken im Gesicht, die schon fast als "Korkenzieherlocken" durchgehen koennten (Frueher wollte ich immer solche Locken haben, aber habe es nie hinbekommen; Nun habe ich sie irgendwie von Natur aus und bekomme sie nie glatt, wenn ich es moechte - Ironie des Schicksals), und ich habe beim Musikhoeren begonnen, zu weinen. Lange und intensiv. Die Erinnerungen! HIM ist nun die Gruppe, die meine fruehe Jugend dominiert hat und damit mit vielen Erinnerungen eng verbunden steht. Es ist nicht die einzige Gruppe, die ich damals hoerte, natuerlich nicht, ich habe auch "richtigen" Metal und etwas Gothic gehoert, aber HIM ist dennoch eine Erinnerung, gerade an viele Menschen, mit denen ich heute oder damals Traurigkeit verbinde. Ueberhaupt hatte ich sie erst durch einen lieben Menschen kennen gelernt, der heute leider nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ich habe gemeinsam mit meiner 1. richtigen und zerreissend tragischen Liebe diese Musik angehoert... Auch vorbei. Alles schmerzlich. Auch meine erste, ALLERERSTE, "Schwester" hoerte sie ab und zu. Daher muss ich dann auch irgendwie wieder an sie denken. Die heute gefangen ist, in einer Welt aus Schweigen und Stille.

Ich muss auch an meine Schwester 1 aus B. denken. Auch wir haben uns entfremdet - Aber Dinge veraendern sich nun einmal, auch Menschen. Immer diese verdammte Erinnerung... Aber richtig uebel zugerichtet haben mich die Gedanken an UNSEREN 1. Abschied, nachdem ER nach seiner Klassenfahrt das 1. Mal wieder hier war (Zur Erinnerung: Die ersten beiden Male, die wir einander sahen, war ER hier in B. auf Klassenfahrt - Dann sahen wir einander 6 Wochen nicht, am Wochenende darauf kehrte ER endlich wieder)... Ich weiss noch, wie ich IHN am Flughafen verabschiedete. Ich dachte, bald kaeme sein Flug sowieso, der Bus stand auch schon dort, also beeilte ich mich. Er brachte mich noch zur Bushaltestelle und wollte dann an den Schalter zurueck. Da stand der Bus, ich stieg ein, setzte mich. Sah hinaus. ER war schon gegangen, der Bus stand noch gut 5 Minuten oder laenger herum! Die Tueren verschlossen. Ich blickte hinaus, noch konnte ich Traenen unterdruecken. Ich kramte in meiner Umhaengetasche, wollte dann etwas Musik hoeren. Genau, ich hatte eine CD von HIM im Discman liegen. Und zuerst konnte mich das auch noch relativ gut beruhigen. Aber dann wurde es schlimmer. Schliesslich musste ich vom Bus in die Bahn umsteigen.

Ich sass in einer Ecke, starrte zu Boden. Ich war knapp 16 Jahre alt. Ich begann, nervoes an meinen Haenden herumzufummeln, kratzte daran herum, dann begann ich, zu weinen. Alle Menschen starrten mich an. Ich konnte keine Traene, kein Schluchzen, unterdruecken. (Mir kommen wieder die Traenen, noch kann ich sie aber kontrollieren). So ging es, immer schlimmer werdend, ueber eine Stunde. Ja! Die Bahnfahrt an sich sollte schon ueber eine Stunde dauern. Ich weinte, bis ich am ZD ankam, als ich die Treppen hinauf schritt, als ich Richtung Wohnung meines "Vaters" lief. Ich weinte auch noch, als ich diese betrat, hetzte sofort ins Bad, bevor mein "Vater" etwas haette bemerken koennen - Er haette sowieso nur ein Theater daraus gemacht und mich missverstanden. Ich sass eine halbe Stunde im Bad und weinte weiter. Danach verbrachte ich auch noch eine laengere Zeit in meinem Zimmer eingeschlossen. Bis zum spaeten Abend konnte ich mich nicht beruhigen. Und dieses Gefuehl kehrte nun wieder.

cn P

06.10.2006 um 00:53 Uhr

Nochmals aus meiner Vergangenheit...

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Familie, Probleme, SVV, Gewalt

Nungut... Ich mache es noch einmal zum Thema, obwohl ichs eigentlich Leid bin. Denn eigentlich koennte ich auch noch warten, erneut darueber zu jammern; Die Zeit kaeme sowieso, wieder, beim naechsten Streit... Fangen wir doch mal hier an...

Wieso koennte mein Vater mich hassen? Ich denke, dass ich in die Gothic-Schublade geschmissen werden koennte, koennte ein Teil dessen sein. Mein Vater hat schon immer alles gehasst, was seiner Meinung nach "nicht normal" war. Zu Beginn meiner Pubertaet schon ist er ausgerastet, weil ich Hard Rock gehoert habe (Und wenns nur Metallica oder Black Sabbath war), da das "geistesgestoerter Laerm" sei. Ich habe mit 13 meine erste Lederjacke von meiner Mutter bekommen, mein Vater wollte mir vorerst verbieten, sie zu tragen. Denn das sei "krank". Als ich dann ein Jaehrchen spaeter in meine Gothic-Phase kam, wohlgemerkt damals noch staerker, als heute, aber auch nicht wirklich extrem (Schwarze Kleidung, ein Silberkettchen, spaeter Ledermantel, weil ich es huebsch fand - Geschminkt war ich nie, ich hab auch keine Nietenbaender getragen oder mich von oben bis unten mit Pentagrammen behaengt - Eigentlich sah ich aus, wie ein "normaler" Mensch, nur eben in normaler schwarzer Kleidung - Tshirt/Pullover und Jeans), ist mein Vater vollkommen ausgerastet. Dass ich mit Satanismus nichts am Hut habe, wollte er nie glauben. Das konnte ich ihm 10x taeglich sagen, er hat der BILD-Zeitung immer mehr Glauben geschenkt... Wobei man aber auch anmerken muss, dass mein Vater vorher schon sehr authoritaer und aggressiv war. Sonst waere meine Mutter nicht abgehauen, als ich 7 war. Und die 1. Frau meines Vaters auch nicht. Genauso seine 1. Tochter, meine Halbschwester. Die hat die Tyrannei auch nicht ausgehalten und ist mit 18 sofort abgehauen und hat sich, bis auf einen Versoehungsversuch, wo mein Vater wieder nur ausrastete, niemals mehr gemeldet. Fuer mich verstaendlich.

Was koennte es noch fuer Gruende geben? Dass mein Vater sehr konservativ ist, ich seine Auffassung, eine Tochter muesse ihrem Vater bedingungslos gehorchen und duerfe nur reden, wenn man es ihr erlaubt, nicht akzeptieren wollte? Ja, ich habe meinen eigenen Kopf entwickelt, habe widersprochen, wenn er etwas gesagt hat, was falsch war, hatte meine eigene Meinung. Dafuer allein schon hat er mich gehasst. Es war immer wie Rede von "ungezogen", "ungehorsam", "frech", etc. Und dann entwickelte mein Vater auch noch eine Tendenz nach rechts. Daher hasste er mich nun noch mehr... Nicht nur, weil ich meiner Mutter aehnlich sehe, die er so schon hasst, nein, gerade, weil meine Mutter noch dazu Auslaenderin ist... Und ich eben auch so aussehe. Und wie soll er mich denn akzeptieren, wenn taeglich von ihm auslaenderfeindliche Sprueche kommen?! Das widerspricht einander doch. Und jetzt koennt ihr von "Selbstausgrenzung" reden, wie ihr wollt: Ich kann nichts dafuer, Auslaender zu sein! Man kann doch auch einem Dunkelhaeutigen nicht sagen "Selbst Schuld, dass du diskriminiert wirst, du muesstest ja nicht so schwarz aussehen!"...

Wie aeusserte sich die Gewalt? Hm... Staendige Beschimpfungen und Sprueche wie "Du verletzt die Ehre der Familie" oder "Du gehoerst nicht mehr zur Familie" (Zu welcher denn?! Das war schon lange keine Familie mehr), Beschimpfungen wie ich sei minderwertig, krank, pervers, dumm, haesslich, psychisch gestoert, unfaehig, daemlich, und so weiter, und so fort. Staendig Unterstellungen... Die daemlichsten Sachen, wo ich nachweisslich gar nichts dafuer konnte. Es ging bis zu "Du bist Schuld, dass das Wetter heute beschissen ist!". Allen Ernstes. Naja... Ansonsten psychopathisches Geschrei und Gegroehle, Gegenstaende wurden nach mir geworfen, und so weiter. Und wenn ich an dieser Gewalt leiden musste, hiess es, ich sei selbst Schuld, wenn ich so "frech" sei, sei es das gute Recht meines Vaters, mich zu bestrafen. Das nenne man eben Erziehung. Dazu kommt meines Erachtens noch unterlassene Hilfeleistung. Durchs Geheule habe ich schon mehrfach starke Asthmaanfaelle bekommen und waere fast erstickt, und mein Vater sass nur daneben und schrie auf mich ein, ich solle mich nicht so laecherlich hysterisch benehmen. Ansonsten... Was fuer Schikanen koennen wir noch vorweisen? Generelle Minderbewertung meiner Person. Ich habe in der Grundschule immer einen Zeugnisschnitt von 1,4 gehabt, auf dem Gymnasium immerhin immer um 2,0 herum, habe mein Abi mit 2,3 bestanden, aber Lob gab es nie. Wenn ich in einer Klausur mal eine 1- schrieb, hat mein Vater nichts dazu gesagt, ausser auf mich einzuschreien, dass ich dumm sei und "Wieso nur eine 1-, wieso keine glatte 1?! Du bist einfach viel zu dumm dafuer!"...

Was waren nun meine Strategien dagegen? Ich habe in den letzten gut 8 Jahren eigentlich alles versucht. Logisch zu erklaeren, dass mich seine Angriffe verletzen und dass ich sie nicht in Ordnung fand, sie ignoriert, einfach immer ja gesagt, versucht, ihm alles Recht zu machen, mich taub gestellt, selbst zurueck geschrieen... Hat alles nichts gebracht. Irgendwann ging es nicht mehr und, ich glaube 2004, ging ich dann zum 1. Mal zum Jugendamt... Ich habe die gesamte halbe Stunde nur geheult, mehrere Packungen Taschentuecher verbraucht, viel erzaehlt, allein das, was am heutigen Morgen vorgefallen war (Anschuldigungen, Asthmaanfall, Beschimpfungen, etc), war schon eine ganze Menge. Das Resultat war folgendes: "Wir koennen nicht mehr tun, als dich und deinen Vater gemeinsam zu einem Gespraech hier einzuladen". Ich erklaerte dem Betreuer, dass das nicht moeglich sei. Bzw nicht, wenn ich nicht in Sicherheit bin, wenn der Brief zuhause bei meinem Vater ankommt, denn der wuerde mich dann totpruegeln. Er hatte schon solche Androhungen gemacht ("Wenn du zum Jugendamt gehst und denen dort Scheisse erzaehlst, passiert etwas Schlimmes!") und diesem Psychopathen haette ich das auch locker geglaubt. Ergo: Ich musste dringend in Sicherheit sein, wenn mein Vater den Brief bekommt. Als Antwort bekam ich nur, dass man ja nicht jeden, "der eventuell misshandelt werden koennte" auf Kosten des Staates in einem betreuten Wohnprojekt unterbringen koennte, das sei einfach viel zu teuer. Also musste ich so wieder gehen. Es hatte sich nichts gebracht, ausser, dass man mir auferlegt hatte, mich doch in zwei Tagen telefonisch wieder zu melden. Das mit dem Handy, weil ichs wegen des Einzelverbindungsnachweises per Festnetz nicht konnte :/

Tja, dann war Donnerstag und ich rief an. Ich sagte meinen Namen, bekam die Frage "Ist denn alles in Ordnung?", worauf ich mit "Im Moment gehts so, aber..." antwortete - Die Dame fiel mir sofort ins Wort und sagte nur "Dann ist ja super! Tschuess!" und legte auf. Verarsche Nummer 2. Nummer 3 erlebte ich dann einige Monate spaeter. Ich war 17 und wollte zu meinem Freund ziehen. Daher wollte ich mich dort beim Amt erkundigen, was fuer finanzielle Moeglichkeiten es gibt, usw, und ob und wie das mit 17 moeglich sei. Es hiess nur, ich sei minderjaehrig und daher koenne ich ohne Erlaubnis meines Vaters einfach nicht ausziehen. Ausser, ich ginge in ein Frauenhaus, da muesste ich aber alle Kontakte abbrechen, die ich so habe. Na super. Ich ging wieder. Und als ich schliesslich gerade 18 war, ging ich nochmals hin, um dieselbe Sache zu erfragen... Die Antwort dieses Mal: "Du bist nun volljaehrig, damit sind wir nicht mehr fuer dich zustaendig. Tschuess." Super. Seitdem liebe ich Jugendaemter! *zyn*

Zuletzt moechte ich noch sagen, dass mein Vater nie beachtet hat, dass ich nicht nur eigentlich gut in der Schule war, sondern auch niemals Drogen genommen habe, nicht gesoffen habe und auch nie nikotinsuechtig war. Ich gebe es zu: Ein paar Zigarillos habe ich geraucht, aber davon kann mein Vater 100%ig nicht wissen. Und trotz all dem - Fuer ihn war ich so gesehen Nicht-Raucher, Nicht-Trinker und habe, im Gegensatz zu vielen Mitschuelern, auch noch niemals, nicht einmal, Drogen probiert (Die meisten in meiner Klasse hatten zumindest 1x gekifft) - Und das alles war meinem Vater wertlos! Ihm reichte es, dass ich nicht war, wie er es fuer richtig fuer eine Tochter haelt, und schon war ich ihm das allergroesste Hassobjekt.

Er terrorisiert sein gesamtes Umfeld, hat zwei Ehefrauen und schon eine Tochter verscheucht, aber statt einzusehen, dass er vielleicht einen Fehler macht, schiebt er immer alles auf die anderen. Nein, nicht er ist krank, nein, ALLE anderen Menschen auf dieser Welt! Vollkommen uneinsichtig und niemals kritisch gegenueber sich selbst... Also wenn ich keinen einzigen Freund haette, wuerde ich mir Gedanken machen, woran das liegt...

Essay zuende.

cn P

20.09.2006 um 00:29 Uhr

Sport... Warum ich ihn nicht mag.

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen   Stichwörter: Sport, Gesundheit, Krankheit, Ärzte, Allergie

Stimmung: Geht.
Musik: Empyrium.

 

Um 2:30 offline. Eine Grosse Bremse im Bad, ausserdem etliche Fliegen und uecken. Das deprimierte mich weniger als das bloede Gerede meines Vaters. Den gesamten Abend Sprueche wie "Machst du schon wieder alles kaputt?", was mich nur an fruehere Beleidigungen wie "Du bist so dumm und haesslich, dich will sowieso niemand!" erinnerte. Genau dasselbe hat er auch ueber seine 1. Tochter gesagt... "Dumm", "haesslich", "unfaehig", usw. So leicht kann er aber nicht von seinem eigenen verkorksten Leben ablenken! Und dann, gegen 3 Uhr, lag ich im Bett.


Ich dachte an das, was ER gesagt hatte, betrefflich de Termins beim Chef, wegen der Fehlzeiten... ER hatte heute noch mit einer anderen Person gesprochen, die meinte, es sei eher ein "Vertrauensgespraech" mit einem Psychologen. Eventuell das Aufstellen von Plaenen zur Besserung der Gesundheit gemeinsam mit dem Betriebsarzt. Die Hauptfrage des Gespraeches solle sein: "Was kann man gegen haeufiges Fehlen tun?" - Was kann ER tun? Was kann ein Allergiker tun?! ER hat nun einmal von Fruehjahr bis Herbst seine Pollenallergie und in den restlichen Monaten zusaetzlich durch seinen empfindlichen Magen (Und wahrscheinlich auch noch Lebensmittelallergien) Magenprobleme! Was kann man dagegen denn tun?! Eine Hyposensibilisierung gegen so viele Allergene erscheint unmoeglich, selbst wenn sie gluecken wuerde, das wuerde Jahre dauern, da waere ER mit der Ausbildung laengst fertig. Ich finde es schlimm, wie einige Nicht-Allergiker reden... Oft, das habe ich mitbekommen, verstehen sie gar nicht, wie sich ein Allergiker fuehlt! Sprueche wie "Es leiden doch so viele Menschen an Allergien, die fehlen doch auch nicht alle!" habe ich schon oft hoeren muessen, wenn ich nicht zur Schule gegangen war, weil ich den gesamten Tag am Niesen war, meine Augen traenten und brannten und ich kaum mehr Luft bekam. Wieso verstehen Nicht-Allergiker oft gar nicht, was eine Allergie bedeutet?! Wieso verstehen oft nicht einmal Aerzte das? Ich kann fast vorraussehen, dass der Arzt IHM morgen sagen wird, ER solle zumindest die Nahrungsmittelallergene meiden. Aber was soll ER denn bei seiner Laktose- und seinen Obst- und Gemuese-Allergien noch essen?! Selbst in einer einfachen Bratensosse ist Laktose, und wenn man sich sein gesamtes Leben nur von Brot und Ketchup ernaehrt oder evtl auch noch Pommes mit Ketchup - Da kann man auch von keiner gesunden Ernaehrung reden! Noch unverstaendlicher erscheint mir das ganze Trara, nachdem ich erfahren habe, dass ER beim Antritt der Ausbildung schon seinen Allergiepass vorgelegt hatte, die Ausbilder also eigentlich ganz klar wissen muessten, dass ER gegen viele Dinge stark allergisch reagiert!


Oder sie schlagen eine andere, noch fast absurdere, Richtung ein. Das kenne ich... Wenn ich mich vom Sportunterricht befreien liess (Beispielsweise, weil ich im Fruehjahr bei hoher Pollenbelastung nicht 1km auf dem Sportplatz laufen kann, weil ich keine Luft bekam - Und meine Lehrerin immer eine 6 dafuer vergab, vollkommen unverstaendlich, und nur bei aerztlichem Attest von einer Bestrafung, ob schlechte Zensur oder Straf-Liegestuetzen, absah), meinte der Arzt, ich koenne doch nicht einfach auf koerperliche Betaetigung verzichten, da muesse ich mir schon einen Sportverein als Ersatz suchen. Als wenn das die Sache besser machen wuerde: Als Allergikerin ist es meinem Immunsystem salopp gesagt scheissegal, ob ich fuer die Schule oder fuer einen Sportverein im Freien herumrenne und Pollen einsauge! Es geht nicht um die Schule, sondern um den SPORT. Aber Schulsport war mir schon immer suspekt... Wenn man nicht gut war, bekam man eine 6, hatte immer die Gefahr, wegen dem einen dummen Fach sitzen zu bleiben, wenn man auch ueberall nur 2en oder 1en hatte, dazu kamen Erniedrigungen und Strafen durch die Lehrer, die von allen als vollkommen normal empfunden wurden. Das Argument, Sportunterricht sei wichtig, da er eine Erholung vom anstrengenden Sitzen im uebrigen Schulalltag darstelle, finde ich unsinnig. Das liesse ich vielleicht durchgehen, wenn man sich locker bewegen wuerde - Das aber ist ganz und gar nicht vereinbar mit der Tatsache, dass Schueler im Sportunterricht bei einigen (Vielen!) Lehrern aufs Uebelste "gedrillt" werden und dass darauf auch noch wichtige Zensuren gegeben werden! Es ist ein Zwang und unsportliche Schueler leiden darunter. Alle finden das akzeptabel, es geht schliesslich "um die Gesundheit"...


Kommen wir wieder zum Sportverein. Ich kenne Menschen, die Sportvereine besuchen oder besuchten, und danach kann ich sagen, dass ich definitiv keinem Sportverein beitreten woellte! Nicht, weil ich relativ menschenscheu bin (Und gluecklich damit, im Uebrigen), nein, es gibt Dinge, die muss man sich nicht antun. Im Vorfeld: Ich sage nicht, dass es in ALLEN Vereinen so zugehen wuerde, aber da ich solche Dinge von mehreren Menschen gehoert habe, scheinen sie so selten auch nicht zu sein! Es geht um Mobbing. Wer nicht in die Gruppe passt, wer nicht aussieht, wie alle, wer nicht die Interessen und Charakterzuege hat, wie alle, der wird schnell der Aussenseiter, auf den sich alle stuerzen. Und die, die im Team zu den Schlechteren gehoeren, sowieso. Vorwuerfe, Beschimpfungen, Bedrohungen - Noch mehr Stress - Das soll gesund machen?! Ich habe sogar schon von Faellen gehoert, wo dermassen Intrigen gesponnen wurden, dass Familien zerstoert wurden bzw man versuchte, dies zu erreichen, um Konkurrenten auszustechen... Selbst Geruechte ueber die Eltern, uebelster Sorte, sind schon aufgetaucht! Also nichts da mit dem Klischee des "Friede, Freude, Eierkuchen"-Teams, in dem alle Freunde sind, es keinerlei Streit gibt, und Gewalt schon einmal gar nicht. So siehts nicht aus. Es gibt viele Maedchen-Teams, in dem nur Zickenterror regiert, richtiger Krieg ausgebrochen ist, und Jungen-Teams sind zum Teil Macho-Hochburgen, in dem jeder nieder gemacht wird, der sich nicht aggressiv behaupten kann. Fuer IHN also absolut nichts. WIR verabscheuen primitive Gewalt, und im Uebrigen: Vom "normalen" Schoenheitsideal halten wir auch nichts... Da ist Ausgrenzung, nur, weil ER unmuskuloes und blass ist (Was wir beide sehr aesthetisch finden) ja gleich vorprogrammiert... Mit Toleranz ist es bei vielen Menschen leider nicht weit.


Dazu kommt nicht zuletzt der hohe Zeitaufwand. Schon jetzt muss ER jeden Morgen um 5 aufstehen und kommt erst um 4 oder 5 heim, mit Pech sogar spaeter. Dann noch dreimal woechentlich (Das ist Durchschnitt) mehrere Stunden Sport? Wann sehen WIR uns dann ueberhaupt noch? Wie kann man da noch eigenen Hobbies nachgehen, sich WIRKLICH erholen, mit Dingen, die einem wenigstens Spass machen?! Ich denke, Spass zu haben und sich ausruhen zu koennen, kann gesuender sein, als auf Biegen und Brechen gezwungen zu sein, Sport zu treiben...


cn P

20.07.2006 um 01:40 Uhr

Zu so spaeter Stunde...

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen

Stimmung: Anfangs noch gut... Jetzt sage ich besser nichts mehr dazu.
Musik: Jarkko Ahola...

Im Fernsehen laeuft gerade ein absolut merkwuerdiger Bericht ueber die Melancholie-Ausstellung, die ich vor etlichen Monaten besucht hatte... Da wird schon eine gewisse Sehnsucht wach. Es ist nun halb 2, ich fuehle mich nicht muede, und hoffe, nachher werde ich mein momentanes Potential ausnutzen koennen, ein paar gute Gedichte schreiben, dann schlafen gehen, vielleicht gegen 3 oder 4 Uhr. Eigentlich fuehle ich mich... Merkwuerdig, aber nicht schlecht.

Wusstet ihr, dass "saippuakivikauppias" das laengst Palyndrom der Welt und noch dazu das finnische Wort fuer "Seifenklotzverkaeufer" ist? Nein, das ist nicht konstruiert, oder seid ihr etwa noch nie einem Seifenklotzverkaeufer begegnet?!

Das erinnert mich an meine fruehe Jugend. Wenn ich das nun erzaehle, nimmt mir das sicher auch keiner ab. Ich war auf einem Ausflug gewesen und nun auf dem Heimweg, da sah ich ein Auto am Strassenrand parken. Darauf stand allen Ernstes: "Lichtschaftabdichtungsgitterreparaturgesellschaft". Bedeutet das, dass es womoeglich auch eine Lichtschaftabdichtungsgitterreparaturgesellschaftsfirmenwagenfahrertochter gibt? Armes Maedchen.

Im Moment wird mir auch wieder bewusst - Scheissdreck! Jetzt hab ich mich wieder geschnitten und erstaunlich viel Blut tropft auf die Tastatur... Und das brennt ;/ Dabei wollte ich gerade, zu den Klaengen von Rammstein und Johnny Cash, sagen, dass ich mich im Moment eigentlich ganz gut fuehle. Dass ich froh bin, noch am Leben zu sein - Endlich! Nach einem Tropenfieber, einem nur knapp entronnenen Giftschlangenbiss (Beides noch waehrend ich in Thailand wohnte, das kam wirklich mal einige Monate vor, mehrmals), einem schweren Fahrradunfall im September 2000, wo ich um Haaresbreite endweder an Genickbruch oder an einer Hirnverletzung gestorben waere, und nach einigen Malen, bei denen ich am Ausdemlebenscheiden sogar interessiert gewesen waere... Ich lebe noch, ist das nicht ein Wunder? Mit meinen 19 Jahren habe ich Mist durchgemacht, den andere ihr ganzes Leben nicht verarbeiten muessen, aber ich lebe noch! Erstaunlich...

Ich neige in letzter Zeit ab und zu zu Traeumereien, die eigentlich nur mein 'Vater' zerstoert. Den habe ich erstaunlicherweise auch ueberlebt. Im Moment schreit er auch nur herum. Erst stellt er mir eine Frage, dann antworte ich und er faellt mir ins Wort und schreit mich an "Halt dein bloedes Maul!". Es verletzt mich schon lange nicht mehr, trotzdem nervt mich dieses Geplaerre! Aber wie weit muss man schon sein, ob soetwas nicht mehr beruehrend zu finden, um sich eigentlich aus vielen Dingen gar nix mehr zu machen...

Lange war ich auf keinem Friedhof mehr. Sehr lange nicht - Irgendwie habe ich im Moment auch kaum Sehnsucht. Ich denke, die Abneigung gegenueber dem Sonnenlicht ist groesser. Ich gehe ungern vor die Tuer - Wann wirds endlich wieder Herbst?! Darauf warte ich. Bin ich froh, dass ich noch bis Ende September frei habe, noch ueber 2 Monate! Das ist der reinste Wahnsinn. Aber wenn ich eine Absage wegen des Studiums bekomme, faengt die Hoelle schon wieder an :( Mein Vater wird ausrasten. ... Mein Blut schmeckt irgendwie eisenhaltiger, als sonst ... Waeh... Und was mache ich dann? Was mache ich, wenn mein Vater vollkommen ausrastet? Dann ist, wenn der Brief im Kasten liegt, sofort Schluss mit Ruhe. Also schon Anfang oder Mitte naechsten Monats. Oh, ich hoffe nur, das geht alles gut. Aber ich frage mich auch immer, ob ich mit dem Studium so gluecklich werden wuerde? Ich habs nur gemacht, weil ich irgendetwas machen muss. Der Spruch "Von der Kunst allein kann man nicht leben" stimmt wohl leider.

38 Grad in Deutschland, hoechstens 19 in ganz Finnland, im Sonnenlicht zum Teil ueber 50, zumindest bei einer Bekannten im Nordwesten Deutschlands. In den naechsten Tagen solls waermer werden. Ich gehe noch dran ein, mein Kreislauf spinnt jeden Tag, aber noch mehr zum ausrasten bringt mich noch mein daemlicher 'Vater'! *AMOK* Ich kann das scheiss Gelaber nicht mehr hoeren! Mit der Ruhe ist es jetzt schon aus, dabei haette ich wenigstens diesen Eintrag gern noch zuende geschrieben oder sogar heute den gesamten restlichen 'Tag' bis zum Schlafengehen noch Ruhe gehabt, doch nein!!! *AMOK* Tschuess, ich gehe. Hier bekommt man ja einen geistigen Schaden.

cn P
  

01.07.2006 um 00:29 Uhr

Alte Familiengeschichten

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen

Es ist nun sicher schon etwa 5 Jahre her, seitdem mein Halbbruder bestattet wurde. Ich bin leider selten an seinem Grab, da der Friedhof weit weg ist, nicht einmal ein Bus faehrt dorthin. Es mag grausam klingen, aber ich habe gar keinen so starken Bezug zu diesem Todesfall, schliesslich hat dieser Bruder nie auf dieser Welt gelebt. Meine Mutter war damals im 5. Monat schwanger und hatte eine Fehlgeburt. In anderen Krankenhaeusern haette man den Foetus wie Muell verbrannt und entsorgen lassen, meine Mutter war aber gluecklicherweise in einem christlichen Krankenhaus gelandet, nachdem sie die Wehen bekommen hatte (Ich war nicht dabei), und so kam das Kind dort tot auf die Welt und wurde auch auf dem dortigen Friedhof in einer Art Sammelgrab mit anderen Fehlgeburten bestattet. Als ich meine Mutter noch regelmaessig sah, war ich jedes Wochenende mit ihr dort. Nun aber, wo ich kein Auto zur Verfuegung habe, kann ich das nicht mehr tun. Damals hatten wir immer eine Kerze oder Blumen mitgemacht, eine unserer Koniferen hatte eine monstroese Groesse bekommen, und ich erinnere mich gut an die Kraenze, an kleinere Plueschtiere, etc. Und an den Wintermorgen, wo wir Krokus- und Osterglockenzwiebeln einpflanzten, was nicht klappte, da der Boden gefroren war! Es war harte Arbeit und dummerweise war aus keiner Zwiebel etwas geworden. Aber die Muehe zaehlt wohl. Dann habe ich den Friedhof auch gerne wegen seiner alten Graeber und schoenen Statuen besucht. Es gibt dort wirklich Aussergewoehnliches. Ja, ich wuerde gerne mal wieder dorthin, doch irgendwie habe ich keine Gelegenheit :( Das Krankenhaus war mir aber immer merkwuerdig vorgekommen. Wer schwache Nerven hat, liest diesen Absatz besser nicht zuende. Direkt nach der Geburt hatte man das tote Kind fotografiert, eine Urkunde mit Koerpergroesse und -gewicht ausgestellt, wie bei einem lebenden Kind. Zusaetzlich hat man einen Fuss des Kindes mit dunkelgruener oder -blauer (Ich weiss es nicht mehr) Farbe angestrichen und einen Fussabdruck auf das Papier gestempelt. Ich habe die Sachen gesehen und finde das irgendwie merkwuerdig. Mittlerweile existieren sie nicht mehr, meine Mutter hat sie mit nach Thailand zu einem Tempel gebracht und dort einaeschern lassen (Das haengt mit dem Glauben zusammen, die Seele des Toten wuerde erst bei der Einaescherung mit dem Rauch in den Himmel aufsteigen... Wo sie schon den Leichnam nicht dorthin bringen konnte, wollte sie zumindest die Papiere und das Foto stellvertretend feuerbestatten lassen).

Die damalige Beziehung meiner Mutter vertrug dieses Schicksal nicht. Meine Mutter konnte nichts dafuer, dass das Kind zu frueh auf die Welt kam, wenn man so will, aber einige Menschen scheinen das einfach nicht einsehen zu koennen. Nun, einige Jahre spaeter, ist meine Mutter wieder verheiratet. Ich finde die gesamte Sache mysterioes, denn meine Mutter hatte waehrend eines etwa vierteljaehrigen Aufenthalts in Thailand (Oder war es noch laenger? Ich weiss es nicht) jemanden kennen gelernt und ist gleich die Ehe eingegangen, die heute noch haelt. Leider ist sie aber nicht perfekt. Ich habe den Mann noch nie gesehen und das hat auch so seine Gruende, worueber meine Mutter auch nicht gluecklich ist: Der Mann bekommt keine Aufenthaltsgenehmigung fuer Deutschland! Antraege wurden gestellt, aber dadurch, dass er die deutsche Sprache nicht spricht, meinte man, er wuerde hier sowieso nur Arbeitsloser werden und solche Menschen wuerden sie nicht unbefristet hier ins Land lassen. Ich hab den Papierkram gelesen, habe Fotos gesehen, also an der Sache scheint wirklich etwas dran zu sein. Seitdem meine Mutter diesen Mann aber kennt, ist sie sehr oft nach Thailand geflogen und telefoniert soweit ich weiss auch taeglich mit ihm. Ich finde es schade, dass es immer Grenzen geben muss, dass einem staendig irgendetwas irgendetwas vermiest... Dabei wuerde der Mann sicher auch einen Beruf hier finden! Meine Mutter war, bevor sie nach Deutschland kam und meinen Vater heiratete, Beamtin. Als sie hier ankam, war sie erst einmal ueber Jahre Hausfrau und wie ihr euch das bei meinem Vater vorstellen koennt, hat sie auch nicht viel Deutsch lernen koennen, weil sie kaum aus der Wohnung kam. Als meine Eltern sich dann trennten (Auch das ist sehr gut zu begruenden!), arbeitete sie zuerst in einem Blumenladen, dann in einem Restaurant, danach bei einer gewissen schweizerischen Restaurantkette, wo sie auch heute noch arbeitet. Sie denkt aber daran, evtl ein eigenes Restaurant zu eroeffnen. Also man kann es schaffen, auch, wenn die Verhaeltnisse mal schlecht waren...

cn P

29.06.2006 um 01:59 Uhr

Die ersten Lieben

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen

Es war kalt, ausgerechnet heute, wo ich mal keine Jacke bei mir hatte. Der Himmel war merkwuerdig... Dieses Mal sind mir wirklich wunderschoene Fotos gelungen! Leider werde ich sie aber vor naechster Woche nicht online stellen koennen... Oh, nein, da muss ich die Bewerbungen machen und zu dem merkwuerdigen Institut, waehrend ER noch arbeiten muss :/ Ich bin nicht begeistert. Aber wenn die Bewerbung endlich weg ist, habe ich erst einmal ein wenig Ruhe, hoffe ich. Wisst ihr, was ich sehr traurig finde? Dass ALLES, wirklich alles, darauf aufgebaut ist, dass man vor Beginn eines Berufes keine Beziehung fuehren kann! Es wird einem so schwer gemacht. Allein schon, dass man aufgrund eines Studiums gewoehnlich die Stadt verlassen muss. Der Partner hat einen anderen Studiengang, eine Ausbildung oder arbeitet, und schon ist man wieder getrennt und muss eine triste Wochenend-Beziehung fuehren! Das gefaellt mir gar nicht. Ich merke immer wieder, wie ich schulisch, beruflich und in anderen Bereichen sehr benachteiligt bin, weil ich diese Stadt nicht verlassen kann und moechte, da ich einen Verlobten habe. ER arbeitet hier. Da kann ich nicht fortgehen, wenn ich weiter bei ihm bleiben moechte! Das Leben ist hart. Aber eines ist klar: Fuer IHN wuerde ich einen guten Studienplatz irgendwo in einer anderen Stadt ablehnen. WIR waren ueber zwei Jahre getrennt, das moechte ich NIE wieder! Ich denke, viele Menschen haetten da kein Verstaendnis... Spruech wie "Vergiss ihn doch, du bist doch noch jung!" hoere ich oft. Sie lassen mich die Menschheit nur noch mehr verachten. Wer soetwas sagt, weiss nicht, was LIEBE bedeutet! Denn wenn man jemanden liebt, wirft man ihn nicht einfach weg, wenn man aus irgendwelchen Gruenden 'keine Lust' mehr hat. Ich weiss, wie grausam es ist, nicht wirklich geliebt zu werden.

Meine erste Beziehung war in der Hinsicht die Hoelle gewesen. Die Person war... Ekelhaft! Ich wuerde sie heute noch immer als Haufen Scheisse bezeichnen, das muss ich so derb sagen, denn sie hat mich nie geliebt! Sie wollte nur meinen Koerper und das wars, ich habe ihr nicht gegeben, was sie wollte, und dann hat sie mich einfach fallen gelassen. Einfach so. Sie hat mich NIE geliebt, aber mir das immer vorgelogen! Ich HABE sie geliebt, wirklich. Eigentlich war es alles solch ein Leichtsinn, Liebe macht eben blind... Manchmal ist es ein schreckliches Erwachen. Wir kannten uns nicht so gut, trafen uns, nach ihrem Liebesgestaendnis (Ich war schon lange vorher verliebt) in der Stadt, am A.platz hier in B., an einem markanten Punkt, zuvor war sie hier in B. bei einer Demo gegen den Irakkrieg gewesen, bekam aber Platzangst und so trafen wir uns auch noch frueher, als geplant. Wir besuchten einige Friedhoefe. Es war Mitte Februar, eiskalt, Minusgrade. Ich war zu leicht gekleidet, fror, trug nicht einmal Handschuhe. Sie lieh mir ihre fingerlosen und die habe ich auch heute noch zuhause. Es gab nie ein Wiedersehen und die Handschuhe sehe ich nun als meine an, das ist geklaert :P Nun... Aber das wusste ich damals nicht. Ich dachte, wir wuerden uns spaetestens naechstes Wochenende wiedersehen... Ich denke, es war ein Montagabend, oder ein Samstagabend, ich weiss es nicht mehr. Sie machte sogar Fotos von mir. Dann kam das Fatale. Es war der Friedhof an der G.allee, wir waren lange durch einen Park gelaufen, komplett im Dunkeln, alle Wege waren vereist, wir liefen an einem Fluss entlang, schwarzes Wasser, auf dem riesige, kristallene Eisschollen schwammen... Die Temperaturen waren auf minus 20 Grad gesunken, wir waren dennoch dort. "Tapfer" nannte es ein Freund, am naechsten Abend, als ich ihm davon erzaehlte. Auch er ahnte nicht, was kommen wuerde.

Und ich habe seitdem eine gewisse panische Angst vor schwarzem Wasser und Eisschollen... Nun. Wir liessen uns auf einer Bank nieder. Weisse Blumen, welke Kraenze. Vor uns die Schemen der alten Grabmale, dahinter der Fluss, der silberne Glanz auf dem Wasser. Das blaeuliche Licht von einer Werbetafel einige Strassen weiter. Sie sass rechts von mir, stellte links von mir eine grosse schwarze 3-Docht-Kerze. Sie lachte. Sagte mehrmals, ich sei wunderschoen, mein Gesicht leuchte vom Kerzenschein so engelhaft golden. Es kam soweit, dass ich ihr meinen allerersten Kuss schenkte. Einige folgten. Es war ein merkwuerdiges Gefuehl. Meine Zunge war taub, es war so kalt. Ich bekam bei den Temperaturen sogar einen Kuss auf den Bauch. Dann sassen wir, redeten mal, mal schwiegen wir lange. Es war einmalig. Dann bekam sie aber nicht mehr, nicht das, was sie sich wohl erhoffte. Es war so kalt, ich bemerkte meine Gliedmassen nicht mehr. Trug damals nur eine schwarze Steppjacke, schwarze Lederoptik-Jeans, Biker-Stiefel. Meine Zehen spuerte ich zuerst nicht mehr, dann brannten sie. Fuehlte sich nach Erfrierungen an, aber ich blieb 'tapfer', und sie blieb es auch. Irgendwann war es Zeit, zu gehen. Sie musste ihren Zug noch bekommen... Ich sollte um 20 Uhr zuhause sein. Damals war ich knapp 16. So fuhren wir zum Bahnhof... Wenn ich sie kuesste, ihre Hand hielt, dann merkte ich gar nicht, dass wir ein ungewoehnlicher Anblick waren, nein, ich sah es als so selbstverstaendlich an, ich liebte sie so! Mit ihrem unordendlich rot-blond gefaerbtem Haar, ihrem Nietenhalsband, der olivgruenen Jacke, blaue Jeans, soweit ich mich erinnere, und Springerstiefel mit Nieten und Kettchen dran... Ich fand es komisch, dass sie mich nur so verstohlen beruehrte. Erst TAGE spaeter bemerkte ich, wieso sie es tat - Ja, sie hatte Scheu, aufzufallen.

Dann standen wir an jenem Bahnhof, am Aufgang zu den anderen Bahngleisen. Sprachen wenig, sie war so verschwiegen, drueckte mir dann noch, aber erst auf meine Erinnerung hin, etwas in die Hand, was sie mir mitbringen wollte, eine bestimmte CD... Nun ja, da kam es mir schon komisch vor. Dann ging ich, sie ging auch, sie blickte sich nicht mehr um. Ich stieg in meine Bahn... Dann musste ich vom Bahnhof zu meinem Vater nach Hause laufen... Ich spuerte meine Beine gar nicht mehr, war aber sehr spaet dran, es ging gegen 9, ich rannte, und bei jedem Schritt fiel ich fast, weil ich nichts mehr spuerte! Dann kam ich heim. Alltag. Was fuer ein Tag. Und dann vergingen Tage... Genau am Tag des Treffens schrieb sie mir noch eine Email, sie haette diesen Tag wunderschoen gefunden. Dann war Ruhe. Ich... Hatte eine sehr boese Ahnung. Erst nach zwei Wochen meldete sie sich, nachdem ich sie mehrmals angeschrieben hatte, wieder. Es sei aus. Sie haette mich zwar gemocht, aber ich waer ihr doch zu unangepasst. Das sagte die Richtige... Dann fand sie dumme Ausreden, wie, sie sei schizophren und was weiss ich, und ihr eines Ich wuerde mich ja lieben, nur das andere nicht - Spaetestens da wusste ich, das konnte nichts werden! Und ich litt sehr lange... Ja. Meinen ersten Kuss so verschwendet zu haben, meine erste echte Beziehung so schnell scheitern sehen zu muessen... Verdammt. Nun. Dann kam ein langer Streit und dieser Streit wiederholte sich auch nach Jahren noch, IMMER, wenn wir wieder aufeinander trafen, wenn auch nur durch Zufall online! Scheinbar Hass... Dann habe ich mitbekommen, dass sie wohl wirklich ein mieses Schwein ist. Denn sie hat nicht nur mir etwas vorgemacht - Nein, sie hat auch noch ihre damalige Freundin mit mir betrogen, ohne dass ich davon wusste! Haette ich gewusst, dass sie bereits in einer Beziehung ist, haette ich mich von ihr 100%ig fern gehalten! Aber sie spielte scheinbar mit sehr vielen Leuten ein falsches Spiel. Das tat sie immer und tut sie immer. Verlogen.

Heute ist sie angeblich verlobt und studiert in P. Dorthin will ich nicht. Ob sie mit einer ihrer damaligen 'Gefaehrtinnen' verlobt ist oder wieder mit jemand anderem, weiss ich nicht. Wir hatten einiges gemein, habens vielleicht noch, aber entfremdet hat sie sich dennoch immer weiter. Heute kann ich nur sagen: Es war ein sehr romantischer Abend, unvergesslich, leider schmerzhaft. Eine schnelle und sehr schmerzvolle Angelegenheit... Dachte nie, dass mir das passiert. Aber immerhin, es hatte auch einen Vorteil... Ihr werdet es bescheuert finden. Das Leben ist bescheuert, aber ich denke, ohne dieses Erlebnis haette ich IHN nie so kennen gelernt! Ja, wir kannten uns so schon vorher, locker, freundschaftlich. Aber nach dieser 1. gescheiterten Beziehung war ich willig, zu sterben, wollte mich noch einmal wirklich... Es mag bloed klingen, aber... Ich wollte ohne jeglichen Gedanken mich einfach 'opfern'. Mein Leben so beenden. Kein Gedanke. Keine Vernunft. Noch einmal scheitern, dieses Mal richtig und fuer das letzte Mal. Daran dachte ich nicht, als ich mich dann schliesslich mit IHM traf. Ich hatte ihn sehr gerne, ja, und die erste Begegnung war wirklich sehr schoen. Lachten viel, redeten viel, verstanden und so perfekt... Und dennoch: Waere nicht dieser Wille zum Scheitern da gewesen, ich haette an unserem 1. Abend nicht das getan, was ich getan habe! Ich habe sehr viel riskiert. Derselbe Friedhof, dieselbe Bank. Dieses Mal scheiterte es nicht. Es folgte zuerst weiterer Schmerz und heute bin ich verlobt. Wer weiss, wie mein Leben heute waere, haette ich anders gehandelt.

Ich war mit 16 Jahren schon ein irres Huehnchen *re* Uebrigens, UNSER erstes Treffen war schon am 1.4.2003... Keine zwei Monate nach meinem ersten Scheitern. Ich sage ja, es war eine reine Verzweiflungstat... Die Wege des Menschen sind unergruendlich... Entschuldigt diese sehr persoenliche Erzaehlung, ich weiss, ich bin zu intim geworden, aber... Ich wollte das nun schreiben. Wertet es, wie ihr es wollt. Macht, was ihr wollt. Zaehlt nicht eher, was heute mit mir ist, als die Vergangenheit, damit ihr mich einchaetzen koennt?

cn P

29.06.2006 um 00:56 Uhr

Black Metal und Friedhoefe (Klingt klischeehaft...)

von: AngelInChains   Kategorie: Erinnerungen

Gestern Abend erreichte mich noch eine persoenliche Horrormeldung: Es sollen hier in B. 11 Friedhoefe geschlossen und 75 verkleinert werden! Das ist beschoenigend ausgedrueckt, denn normalerweise bedeutet dies, dass die Graeber eingestampft und planiert werden - Wobei nicht selten historische Grabmale verloren gehen! Ich koennte jedes Mal heulen, wenn ich soetwas mitbekomme. Es ist schon oft geschehen. Ganze Reihen von Statuen - Einfach abgerissen, zertruemmert und auf den Muell geworfen oder 'wenigstens' weiterverkauft! Das ist nicht nur gewissenmassen respektlos gegenueber den Bestatteten, ich finde es auch sehr schade um diese kuenstlerischen Statuen und Grabanlagen. Aber naja, Dinge entstehen und vergehen. Gerade ich muesste das wissen, und es faellt mir trotzdem schwer, soetwas zu akzeptieren... Scheissdreck :( Ich habe nun die erste Liste gefunden, auf der die betroffenen Friedhoefe verzeichnet sind:

Diese Friedhöfe sollen geschlossen werden: in Mitte St. Paul, Seestraße; in Pankow: Pankow V, Germanenstraße, Marien-Nikolai I, Prenzlauer Allee; in Tempelhof-Schöneberg: Schöneberg I, Eysackstraße, Schöneberg IV, Priesterweg; in Neukölln: Columbiadamm, Jerusalem- und Neue Kirche V, Hermannstraße; in Treptow-Köpenick: Hessenwinkel; in Lichtenberg: Hohenschönhausen, Gärtnerstraße; in Reinickendorf: Hermsdorf I, Schulzendorfer Straße, Dorotheenstädtischer, Scharnweberstraße.

Seestrasse war wunderschoen. Ich muss vor der Schliessung unbedingt nochmals dorthin. Die in Pankow waren auch immer nett gewesen, hatten etwas Eigentuemliches... Schoeneberg ist auch sehr schade. Ausgerechnet die historischen sind betroffen. Priesterweg war ich in meinem Leben nur einmal, wollte gern nochmals hin. Der Dorotheenstaedtische in Reinickendorf war auch sehr bedeutsam... Aber Neukoelln trifft mich am Schlimmsten: All diese Friedhoefe gehoerten zu meinen Lieblingen! Wie kann man ausgerechnet diese wertvollen Stueckchen schliessen?! Und irgendwelche Dinger, die einfach nur haesslich sind, und wo auch alle Graeber leer sind oder verwildern, bleiben bestehen! Ich verstehs nicht... Der Friedhof, an dem ich IHN zum 1. Mal traf, wird nicht mehr weiter bestehen :( Ihr werdet mich sicher als kindisch abstempeln, aber ich bin absolut nicht begeistert. Oh, Schwesterchen 1, ich spreche von den Friedhoefen an der Leinestrasse... Da, wo wir uns auch mal am Abend vor Heiligabend herumgetrieben hatten, und nach dem einen Metal-Konzert nachts *g* Ich finds schade, wirklich. Gestern Abend hatte ich mich noch mit einigen Leuten ganz gut unterhalten, wenn ich immer wieder merke, meine Gedankengaenge sind fuer viele scheinbar einfach nicht nachvollziehbar. Und ich habe auch mal wieder genug von der Metal-Szene bekommen. Thema Black Metal. Ihr wisst schon, das aggressive Gegrunze mit den provokanten Texten. Meinentwegen duerfen Musiker gerne provozieren, aber manchmal gehts zu weit! Ich finds schlimm, dass es aber viele Leute scheinbar gar nicht zu stoeren scheint, wenn irgendwelche Gruppen faschistische und homosexuellen- und frauenfeindliche Parolen groehlen. Fast noch schlimmer sind die Deppen, die da einfach mitsingen, ohne ueberhaupt zu merken, dass da etwas sehr schief laeuft! Und wenn diese Gruppe mit all ihren rassistischen Texten immer wieder behauptet, sie seien nichts rechts - Warum bitte schreiben sie solche dummen, geschmacklosen Texte?! Das nimmt ihnen doch keiner mehr ab. Sie berufen sich immer auf 'kuenstlerische Freiheit', aber sollte die nicht auch gewisse Geschmacksgrenzen kennen?

Das naechste Argument waere, Metal Musik muesse pervers, Grenzen ueberschreitend, geschmacklos und hart sein - Die einzige Perversion, die ich dabei sehe, ist der Glaube, Musik muesse so sein, wie eben beschrieben! Aber es sagt auch schon so Einiges aus, wenn man die Vertreter dieser Philosophie hoert. Die gleich Sprueche wie 'Geh doch zurueck in den Kindergarten!' oder 'Was bist du fuer eine Softie-Schwuchtel?' ablassen, wenn man sich gegen ihren faschistischen Muell auflehnt - Das sagt doch was aus! Das ist meiner Meinung nach krank. Besonders krank ist, dass solche Gruppen viele Anhaenger haben. Mit 'Argumenten' wie, das sei doch alles nur ein Scherz, das sei nicht ernst, das sei doch bloss Musik, usw. Und es ginge nicht anders (Dass es doch geht, zeigen Bands des selben Genres, wie Finntroll, Dornenreich oder Empyrium, die NICHT solche abartigen Texte nutzen muessen, und dennoch sehr schoene Musik machen!). Nun. Die Szene kraenkelt. Da habt ihr wieder einen Grund, wieso ich mit solchen Leuten nicht in einen Topf geworfen werden moechte, auch, wenn ich vielleicht genau wie sie schwarze Kleidung trage oder eine bestimmte Musikrichtung hoere!

Ich schrieb am PC ein wenig Lyrik, da ich heute nicht so lange wach bleiben konnte, am naechsten Morgen musste ich zur Universitaet... Ich war hin und her gerissen zwischen dem Wunsch, zu schreiben und der Vernunft, lieber schlafen zu muessen! Um 2 Uhr ging ich offline, es waren 2 eklige Motten im Bad, und dann schrieb ich doch Lyrik, aber ich sah regelmaessig auf die Uhr. Die Resultate waren okay, wenn ich auch abbrechen musste, der Zeit wgen. Um 3:30 legte ich mich ins Bett. Ja, spat, aber nicht grenzenlos. Die Voegel sangen schon wieder, wirklich sehr frueh dafuer! Und als ich muede wurde und die Muecken mich zu sehr plagten, legte ich mich dennoch hin. Und konnte, es war leider wieder nach 4, schlafen.

cn P